2015 – Australien

Vollständiger Track und Etappenübersicht

Link zum ersten Blogeintrag.

Vorgeschichte

Der Weg nach Australien führte vier Wochen zu Fuss und drei Wochen mit dem Velo durch Neuseeland.

Der Flug von Auckland NZ ist ereignislos und die Antwort „Yes!“ auf die Frage „Is it a road bike?“ genügte, um nur das Zelt (Heringe) der Bio-Inspektion bei der Einreise unterziehen zu lassen.

Nach Süden

In Dunkelheit mit und 15°C fahre ich ein paar Km zu einem zuvor per Satellitenbild auserkorenen Wildcampingplatz. Mit Gedanken an die gefährliche australische Fauna gibt es ein paar Stunden Schlaf – bei Sonnenaufgang ist das Zelt bereits wieder verstaut (will ja nicht gleich am ersten Morgen Ärger…).


Dem ersten Ziel, Great Ocean Road, fahre ich auf Velorouten entgegen. Viel abseits vom Sonntagmorgenverkehr im Grünen. Aber…


Veloroute heisst in Australien nicht automatisch verkehrsarm.

Great Ocean Road


Den Campingplatz in Torquay verlasse ich kurz nach Sonnenaufgang. Auf dem obigen Foto regnet es…


…und unterwegs sieht das so aus.

Auch wenn es die Klimadiagramme vorausgesagt haben, hatte ich die Hoffnung auf Sonne und warm.


Wenigstens etwas Sonne gab es auf dieser grandiosen Touristenroute.


Great Ocean Road: Wunderbare Aussichten


Great Ocean Road: Schön zu fahren trotz ständigem Auf- und Ab


Great Ocean Road, DAS Touristenhighlight: 12 Apostles. Ich war da…


…und ein paar andere auch.


Great Ocean Road: 1 km rollstuhlgängiger(=fahrbarer) Fussweg und diese imposante Formation (riesige Steinblöcke in noch gewaltiger Höhle direkt an der Küste) gibt es ganz ohne Touristenmainstream.


Great Ocean Road. Aussicht von einer Mittagessenkochstelle. Leider kalt, regnerisch und sehr windig. Dass ich mir hier in Australien den A… abfrieren würde, hätte ich nicht gedacht. Es soll schon noch anders kommen 😉

Victoria Countryside und kleine Strassen in South Australia


Mittagsrast am Lake Cartcarrong

Auf dem Campingplatz in Penshurst gibt es australische Unkompliziertheit: Den Schlüssel zur Dusche gibt es für wenige Dollars auf der örtlichen Poststelle, wo man ihn am nächsten Morgen bei Abreise wieder in den Briefschlitz werfen soll. Statt Papierkram ein paar nette Worte 🙂

Die Hügel am Horizont sind die südlichen Ausläufer der Grampians. Hier ist noch alles nah beisammen und dennoch ein erster Vorgeschmack auf die grossen Distanzen. Insbesondere, da ich viel Gegenwind habe.


Bei vielen der von mir ausgewählten kleinen Strassen ist nur ein fahrzeugbreiter Streifen asphaltiert. Kaum vorhandene Ausweichspuren => kaum Verkehr.


Wie hier geht es durch etliche Naturparks.


Statt vom Verkehr kommt der Lärm von Tausenden jeweils von mir in den Baumwipfeln aufgeschreckten Vögeln/Papageien. Auf jeder Schnellstrasse ist es ruhiger als hier.

Umfahrung Adelaide

Mittlerweile bin ich in South Australia angelangt.

Vorbereitung/Tankfüllung für einen weiteren Tag. Wenig später habe ich den einzigen(!) Platten der Tour: Auf dem Seitenstreifen des Highways A8 bohrt sich ein Draht eines geplatzten Pneus durch meinen Vorderreifen.

Das Wetter wird übrigens jeden Tag wärmer.


In ca. 400 km geht es hinein in dieses grosse rote Nichts(=Wüste). Diese 400 km nutze ich, um schon einmal das im Kopf angedachte Wassertransportkonzept auszuprobieren. 2x 10l Wasserkanister werden mich ab sofort begleiten, wobei ich in jeden Kanister nochmals fast einen Liter mehr hineinbringe. Der Test verlief erfolgreich – nur einmal ist ein Kanister heruntergefallen und viel später wird einer am Antrieb schleifen – allerdings so schwach, dass ich noch einen halben Tag so fahren werde. (Dieses Foto wurde zeitlich nach den zwei jetzt hier Folgenden aufgenommen.) Ab sofort können 30l Wasser ohne zusätzliche Behälter transportiert werden. Wirklich ändert sich das Fahrverhalten nur bergauf.


Über den Murray River geht es schwimmend.


Veloweg in der Region um das Barossa Valley. Hier fahre ich einerseits durch, um Adelaide zu umfahren und andererseits, um meinen Hauswein direkt beim Hersteller zu kaufen/kosten. Zu meiner grossen Enttäuschung dürfen sie hier den für den Export bestimmten Wein nicht verkaufen.


Veloroute. Die gefühlt nur aus extrem steilen Steigungen und ebensolchem Gefälle mit Spitzkehren besteht. Dabei führt sie einem kleinen Bach entlang…

Vollgas!

Wie jeden Tag mit Sonne, mache ich eine Mittagspause. Heute ist diese in Crystal Brook und ich bastle mir einen Sonnenschutz fürs Gesicht an den Helm (welcher hier sowieso obligatorisch zu tragen ist). Schliesslich führt meine Fahrt nach Norden Richtung Äquator und somit gegen die Sonne.
Bald ist Ostern und ich habe Angst* über die Feiertage vor geschlossenen Läden zu stehen – im Outback seeehr ungünstig. Wie jeden Mittag schaue ich auf die Karte (Abend/Morgen sind dafür entweder zu dunkel oder wegen angenehmen Temperaturen zu wertvoll 😉 ) und stelle mit grossem Schreck fest, dass ich mich mit den Kilometern verrechnet habe und das Ziel Gründonnerstag in Coober Pedy nun nicht mehr einfach zu erreichen ist. Aus dem Blog:

650 km in den nächsten 72h, aktueller Stand Tageskilometer 140.


Entlang vom Meer rasant in Richtung Port Augusta. Das Meer werde ich so bald nicht wiedersehen…

Als ich mich ein paar Stunden nach dem Entschluss Vollgas! ausgangs Port Augusta für ein paar Stunden ins Zelt lege, habe ich die längste Etappe während einer regulären Reise hinter mir und es sollte die längste dieser Reise bleiben.

*Im Nachhinein betrachtet ist diese Angst (und die daraus folgende Aktion) völlig lachhaft, aber sie wird mich die nächsten Tage prägen und zu eigenartigen Leistungen bringen.

Vollgas … Stuart Highway

Die ersten Meter des Stuart Highway, welcher mich in der Vorbereitung so viel beschäftigt hat, nehme ich frühmorgens in völliger Dunkelheit unter die Räder. Das hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht gedacht. Verkehr: nahe 0. Sterne am Himmel: nahe ∞.

Die Landschaft ist abwechslungsreicher, als ich mir das vorgestellt habe. Hier z.B. führt der Highway entlang eines Salzsees.


Trotz Stress bleibt natürlich Zeit für ein paar Gespräche, wie z.B. mit Jim und Michael, zwei ü70-Jährigen aus Alaska, welche ich im ersten Roadhouse (Pimba) zu Pommes einlade und in deren für die Nacht gemieteten Bungalow ich die Dusche benutzen darf.

Die Kilometermarken im 10-km-Abstand eignen sich hervorragend, um endlich den Tacho richtig zu kalibrieren 🙂

Die Tage bis Coober Pedy sind geprägt von eat, sleep, ride, wobei insbesondere die Nachtfahrten sehr speziell sind: gigantischer Sternenhimmel, kein Verkehr, Beinahezusammenstoss mit einem Känguru und ein ?Meteorit?.


Morgenstimmung

Coober Pedy

…erreiche ich am Vormittag des Gründonnerstags. Wirklich speziell ist jedoch, dass es in der Nacht zuvor geregnet hat und alles feucht ist. Der Thermometer über einem Eingang dieser eigenartigen Stadt zeigt 19°C.

Der Holländer fährt mit seinem Ungetüm The Beast Querfeldein durchs Outback. Wir lernen uns in einer Pizzeria kennen: Die riiiesige Pizza findet tatsächlich in meinem Magen Platz.

Natürlich haben alle Läden über Ostern geöffnet. Mehr noch:

Es wird 100 Jahre Coober Pedy gefeiert und hierfür wird die Hauptstrasse (nicht Highway) zur Flaniermeile.

Die fast zwei Tage Pause mit Sightseeing, gutem Essen, Nichtstun und vielen interessanten Bekanntschaften tun gut. Coober Pedy – einer der Orte überhaupt, wo es mir am besten gefiel!

Weiter auf dem Stuart Highway


Regenpfützen ausgangs Coober Pedy. Diesen Ort habe ich mir als einen der Heissesten und Trockensten der Reise vorgestellt. Es hat tatsächlich an allen drei Tagen, die ich dort war, geregnet. Das ist seeehr aussergewöhnlich.


Auf der Strasse liegt Roadkill – ein überfahrenes Tier. Der Gestank dieses häufigen Anblicks variiert je nach Lebendgrösse, Verwesungszustand und Windrichtung. Hier schreckt gerade ein riesiger(!) Vogel auf (Adler oder Geier?) – imposant!


Beispiel von am Strassenrand deponiertem Müll. Intakte Reifen finden sich nie im Nirgendwo abgestellt – anscheinend werden die nach kurzer Zeit entwendet.


Weiteres Beispiel von Müll. Audiokassetten und CDs liegen auch zu Hauf am Wegesrand – Schallplatten habe ich keine gesehen (warum wohl?).

Im Cadney Roadhouse ist bei meinem Eintreffen an der Bar gerade Happy Hour. Einen Burger und ein paar Bier zusammen mit Lastwagenfahrern sind lustig.
Es ist der 4. April 2015 – dank Wecker erlebe ich den Blutmond, was hier im Outback gleich nochmals viel spektakulärer anzusehen ist.

Am Ostersonntag erreiche ich die letzte Staatengrenze der Reise. Ab nun bleibe ich im..

Northern Territory


Für einmal kommt die Morgensonne von hinten statt von rechts: Den Stuart Higway zwischen Erldunda und Alice Springs umfahre ich.

Kata Tjuta/The Olgas und Uluru/Ayers Rock

Mein Plan ist, sowohl Kata Tjuta/The Olgas, als auch Uluru/Ayers Rock jeweils bei Abend- und bei Morgenstimmung zu erleben. Mit dem Velo ist das allerdings aufgrund von Nacht-Restriktionen und Distanzen nicht legal möglich. Ich interpretiere einiges etwas anders…

Kata Tjuta/The Olgas am Abend.


Klar, mache ich.


Um den Fels führt neben der Strasse auch ein näher beim Stein verlaufender Wanderweg.


Uluru/Ayers Rock am Morgen. Wegen Wind und Bewegungslosigkeit trage ich oben sämtliche sechs für den Oberkörper mitgeführten Kleidungsstücke.

Gleicher Weg zurück…

…ist etwas vom für mich psychologisch Anspruchsvollsten und ich bin froh, nach 200km wieder unbefahrene Strasse unter den Pneus zu wissen.

In Kings Creek Station gibt es (wie oft) WLAN, aber kein Handyempfang. Die Verbindungsgeschwindigkeit reicht für eine Textnachricht während des Nachtessens. Um drei Uhr früh gelangt ohne andere Netzbeleger sogar ein Bild in die Weiten des Internets.

Kings Canyon


Rim Walk. Es ist schon fast beängstigend den extremen Unterschied in Sachen Körperliche Anstrengung bei 30°C zwischen den Führern von klimatisiertes Fahrzeug und Velo festzustellen.


Kings Canyon. Wo ausser im Outback darf an einem Touristenmagnet ohne Sicherheitsvorkehrungen einer Klippe entlanggegangen werden?


Kings Canyon. Ein paar ganz ruhige Minuten am Wasser.

Mereenie Loop

…heisst das Teilstück, welchem ich in der Vorbereitung am meisten Zeit gewidmet und vor dem ich am meisten Respekt habe. Es gibt während 230 meistens nicht-asphaltierten Kilometern kein Wasser und obendrein noch die Auflage, während etlichen Kilometern nicht anzuhalten/übernachten.
Mit 32l Wasser fahre ich so früh los, dass ich den ersten Meter Naturbelag mit dem ersten Tageslicht erreiche inkl. des bei diesen Dornen unvermeidbaren Plattens. Der Platten bleibt dank x-facher Reifenkontrolle aus und im Scheinwerferlicht sind die Wellblechhügel schön sichtbar…

Mal geht es auf der Wellblechpiste besser voran…


…mal schlechter. Für Körper und Velo wird das die härteste (für Velo sogar je gefahrene) Etappe und danach ist ein Schaltzug verschlissen. Mit Kettenschaltung hätte ich ein paar Stürze mehr nicht verhindern können.

Strassenschild Aussie style. Lift um foot = heb deinen Fuss =

Die Wahnsinnsetappe beende ich in Tnorala/Gosses Bluff, ein Meteoritenkrater. Angesichts der hinter mir liegenden Strapazen und des schwindenden Tageslichts muss ich das Schild Campingverbot übersehen haben.
Da ich viel schneller vorangekommen bin als befürchtet, habe ich weniger Wasser gebraucht und ich gönne mir ein ganz spezielles Highlight: Dusche mit zuvor über Abertausende Wellblechhügel transportiertem Trinkwasser. Im Adamskostüm. Inmitten dieser grandiosen Kulisse. Unbezahlbar.

West MacDonnell Ranges


Glen Helen Homestead. Im Wasser am Schatten auf der Isomatte liegend verbringe ich die Mittagspause.


Die Busladung hat hier nur 15 Minuten Zeit.

Die Fahrt durch den West MacDonnell Nationalpark ist hügelig aber landschaftlich sehr reizvoll.

Alice Springs

In Alice Springs gönne ich mir wieder einmal einen ganzen Ruhetag. Dank Warmshowers gibt es wieder einmal News, welche sich mit ganz alltäglichen Problemen befassen – super!

Geradeaus mit Rückenwind

Von Alice Springs nach Norden fahrend steht das Velofahrern Respekt einflössende Schild Darwin 1480 am Strassenrand. Wenig später folgt der höchste Punkt des Stuart Highways. Unspektakulär.

Vor zwei Jahren der Polarkreis, heute der südliche Wendekreis – bis zum Äquator ist es gar nicht mehr soo weit 😉 .


Bar des Barrow Creek Roadhouses. Nirgends habe ich Rassismus so extrem erlebt wie hier.

Karlu Karlu/Devil’s Marbles

Ein Ruhetag mit Bildern statt Worten:

Byebye Stuart Highway


Wie in jedem Roadhouse mache ich auch in Renner Springs Rast. Hier ein durchschnittliches Frühstück, eine von normalerweise zwei gefutterten Portionen.


Ja, die Landschaft verändert sich merklich in Richtung tropisch.


Was nach kontrolliertem Brand übrigbleibt. Die schwarzen Striemen bleiben den Taschen noch lange erhalten.


Die Fahrt durch die Brandherde ist mit einer eigenartigen Stimmung verbunden. Und der Geruch erst…

Litchfield National Park

Nicht zuletzt einiger sehr harter Etappen wegen bin ich vor dem Zeitplan und so gibt es einen Abstecher mit zwei Ruhetagen in diesen herrlich tropischen Nationalpark.

Nicht mehr auf dem Highway. Klicken für Vergrösserung: Roos und entgegenkommender Roadtrain auf kleinem Strässchen.


Termitenhügel


Flüsschen


Wasserfälle


Sumpfgebiet


Noch mehr Wasserfälle. Wegen Krokodilgefahr herrscht gerade Schwimmverbot, sonst wären hier viele Köpfe auf dem Bild.


Sobald man ein paar Hundert Meter nicht mit dem Auto zurücklegen kann, ist es absolut menschenleer, wie hier am Walker Creek. Ein paar Tage vor Saisoneröffnung habe ich während zwei Tagen niemanden angetroffen.


Abendstimmung

Darwin: Abschluss

In Darwin verbringe ich die letzten Tage in Australien, verprasse/verschenke die letzten AUD und bereite mich und das Velo auf den Rückflug vor:

Box auf dem Velo, bald wird es wieder Velo in der Box sein.

Heimreise


Über der Türkei kommen Erinnerungen an die letzte Reise hoch.

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