Überführungsfahrt Velomobil – Teil 0 (Vorgeschichte)

Bald darf ich wieder mit dem Velo zur Arbeit fahren. Dafür soll natürlich ein neues Velo her. Vom Stadvelo zum Reiseliegevelo zum schnellen Reiseliegevelo zum schnellen Liegevelo zum… ähm ja, Velomobil nennt man das von mir bestellte Pendlervelo. Ein Dreirad mit Witterungsschutz. Nach dreimonatiger Wartezeit (bei Neukauf ist das SEHR wenig) kommt das ersehnte E-Mail: Abholbereit am Sonntag, 22.10.2016. In Dronten, Niederlande.

Mittwochabend, 20:45, Basel: Mein Gepäck hat entweder am Körper oder in den erlaubten Flixbus-Handgepäck-Massen 42 x 30 x 18 cm, max. 7kg platz.

Die Fahrt über Frankreich, Luxemburg, Belgien ist langweilig und an Schlaf viel zu wenig zu denken. Egal.

Etwas Zugfahrt und ein paar Flipflop-Schritte weiter bin ich am Ziel, resp. Start: InterCityBike, eine Montagehalle und für die nächsten vier Tage mein Zuhause.

Das fast fertigmontierte (meine Spezialwünsche können teilweise nur hier erfüllt werden) Velo kommt zusammen mit einigen anderen Velos auch bald an und am Donnerstag und Freitag darf ich das Team von InterCityBike etwas unterstützen (Türrahmen streichen z.B.), resp selbst am eigenen Velo Hand anlegen um schon mal für die häufigsten Probleme gewappnet zu sein (Aus- und Wiedereinbau des nur auf einer Seite festgemachten Hinterrades z.B.).

Das letzte Teil, die Kassette, kommt am Freitagmittag per Post an und die erste 20km-Probefahrt am Samstagmorgen ist trotz drei Rädern ziemlich wacklig und laut. Das Velo wird von manchen nicht zu unrecht auch liebevoll Rappelkiste genannt.

Wespe oder Fachbezeichnung DF, Seriennummer 151

Wie speziell diese Gefährte sind zeigt sich auf der Probefahrt: Meine Körpermasse lassen meine Wunsch-Gangschaltungskombinationen nicht zu. Mit längeren Beinen ginge es und ich ersetze das 56er Kettenblatt zähneknirschend mit dem 53er…

Fahrersicht auf den Radweg entlang des IJsselmeers (Kameratechnisch eingeschränkt, es gibt zwei sehr nützliche Rückspiegel…)

Die zweite Probefahrt ist etwas weiter und mit grossem Grinsen im Gesicht stelle ich das Velo zu den anderen der langsam Ankommenden. Am Sonntag ist Tag der offenen Tür und es werden zahlreiche Gäste erwartet. Mit neben den Niederländern einem Belgier, ein paar Briten und Deutschen wird es ein gemütlich-süffiger Abend.

Als Aktivprogramm gibt es am Sonntag ein etwas eigentümliches Rennen: „hochillegal“ nennen es die Einen augenzwinkernd, „nur zum Spass“ andere und erbittert (wahrscheinlich) kämpfen alle um jeden km/h auf dem hin und zurück zu fahrenden Radweg zwischen Lelystad und Enkhuizen (auf Karte anschauen!). R nimmt I und mich unter seine Fittiche und mit zum Start, von wo aus wir das von technischen Problemen und körperlicher Leistungsfähigkeit geprägte Rennen und das Treiben im Start-/Zielgelände passiv mitverfolgen und bald nach den ersten Zieleinfahrten den Rückweg antreten. Mein Velo ist als einziges der drei plattenfrei geblieben. Aber die Dichtmilch der Tubeless-Pneus hat schon mal arbeiten dürfen…

Eine andere Konstellation der Gäste erwartet uns zurück beim Tag der Offenen Tür und der Abend wird nicht ganz so lang. I will am Morgen früh starten um die Fähre nach England zu erwischen und ich darf an R’s Hinterrad bis zum Rhein eine mittlerweile perfektionierte Streckenführung dahin nachfahren.

Lieber Y, F und P

Vielen Dank für eure Mühen, das Beantworten der Anfängerfragen und die enorme Gastfreundschaft!

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Einheiten

Die in den USA geschriebenen Beiträge werden die vor Ort gebräuchlichen Einheiten aufweisen, z.B. mi für Distanz, ft für Höhe, mph für Geschwindigkeit, F für Temperatur, $ für Bazzeli, vielleicht auch gal für Volumen, lb für Gewicht… Sofern nicht explizit anders erwähnt.
Ob ich die nicht-metrischen Angaben gut finde spielt keine Rolle – ständig umrechnen ist blöd.

Testtouren

Ziel: Spass haben und trotzdem ein Gefühl dafür bekommen, wo die Grenzen sind.

So richtig kalt…

…ist es am ersten Novemberwochenende anlässlich des Campingtests leider nicht. 7°C, windstill, neblig: Mit den mitgeführten Sachen noch lange nicht am unteren Limit. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Schlafsack+Inlet+Matte+Zelt zusammen weniger als 2 kg wiegen 🙂

Schlammschlacht…

…ist das Motto der ersten offiziellen Testfahrt. Sie führt am 10. Januar von Bern an den Bielersee und wieder nach Bern. Im strömenden Regen. Viel über Feld-, Wald- und Wanderwege.
Auf der zweiten Streckenhälfte macht mich die schleifende Bremse fast wahnsinnig. Konsequenz: Die Ursache ist ein nicht sauber verarbeitetes Ausfallende hinten links, welches ich später zurechtfeile…

Materialversagen…

…gibt es am 6. Februar, als ich zum ersten Mal die (zweite, diesmal nicht selbst gefertigte) Gepäckträger-Spezialanfertigung ausprobiere: Das Schutzblech hinten ist gebrochen. Konsequenz: Beide Schutzbleche demontieren.

Velo angelehnt an einen Pfosten. Hier noch mit Schutzblechen und Gepäckaufhängung (das Teil, welches aussieht wie eine Nackenstütze).

Sturmwarnung…

…auf dem Zürichsee! Die spätabendliche Runde am 8. Februar um diesen See herum dient vor allem der Feststellung, wie schlimm Regenfahrten ohne Schutzblech sind. Auch angesichts der nicht wasserdichten Taschen. Konsequenz: Schutzbleche werden überbewertet – geht auch ohne und zumindest heute bleibt der Tascheninhalt sogar ganz trocken (nicht nur, was sowieso wasserdicht verpackt darin liegt).

Regen, Dunkelheit und Wind – ideale Testbedingungen 😉

Sonnenbrand…

…gab es am Abend des 21.2. nach der Fahrt vom ehemaligen zum zukünftigen Wohnort. Über Hirzel und durchs Entlebuch, Emmen- und Aaretal gab es auch einmal ein paar Steigungen. Das Ziel 100 Meilen habe ich geschafft.

…Ausrüstung…

Änderungen gegenüber der letzten Tour:

Teil Was Grund Nachteil
Velo
neu leichter
aerodynamischer
Rückenbelüftung
GPSr-Positionierung
weniger robust
Gepäckbefestigung
kein Fully
höherer Verschleiss (Antriebtausch während Tour notwendig)
Ersatzteile, Werkzeug teilw Austausch
an neues Velo angepasst
notwendig durch Velotausch
Zelt neu (Gebrauchtkauf) leichter
schneller aufgebaut
nur Aussenzelt möglich
kleiner
nicht freistehend
nur Innenzelt geht nicht
Velo drunterlegen geht nicht
Schlafsack neu leichter
wärmer
kleineres Packmass
nässeempfindlicher
Isomatte neu leichter
wärmer
kleineres Packmass
mehr Aufblaszeit
Stromversorgung Solarpanel statt Nabendynamo leichter kein nachtfahrtaugliches Licht
Funktion ungewiss
Steckdosen müssen reichen
Schuhe
Socken
Hosen
Shirts
neu notwendig Optik (anliegende Hose)
keine Beintaschen
Daunengilet ersetzt Pullover Gewicht nässeempfindlicher
Müllsackoptik
Helm neu Gewicht
Sonnenschutz
Sacchochen andere leichter
aerodynamischer
flexibler
nicht wasserdicht
Kocher & Topf bleibt zu Hause Gewicht Wasser schmelzen nicht möglich (wird einige Frostnächte geben)
kleines Loch im Schlauch suchen erschwert
Schloss anderes „so gut wie keines“ Gewicht Diebstahlschutz
Rahmentasche neu Kamerazugriff während der Fahrt ebenso fummelig
Gewicht
Tracker neu Sicherheit
weniger Blogzeit
Gewicht
ein Teil mehr
Apotheke
Hygiene
Büro
keine Änderungen

 

Das Geraffel hat bei hochwertig angefangen und entwickelt sich mittlerweile langsam von high end zu top end für meine Bedürfnisse.

Ein paar Anforderungen, die die Routenplanung ergeben hat:

  • 10’000 km
  • topographisch fordernd
  • deutlich mehr Gegen- als Rückenwind
  • >99% asphaltiert
  • Temperatur An Ort/Zeit-Punkten, langfristig durchschnittliche(!) Min- und Max-Werte: -18°C (an wahrscheinlichen Übernachtungsorten „nur“ -10°C), +35°C…
  • >100km ohne Versorgung
  • Schnee

Das für Gewicht ohne Mensch und Nahrung ist um ca. 7 kg geringer als auf der letzten Tour (trotz mehr Körperwärme-Isolation). Also ganz nach diesem Motto 😉.

Emailkopie: Wandern

Hier ein kleiner Überblick, was im ersten Reisemonat geplant ist. Den Text habe ich leicht angepasst:

Am Samstag starten wir in die Ferien nach NZ. Jeeeh! Hier ein paar Programmpunkte von kommendem Februar. Auf dem Blog findet ihr sicher ab und zu ein Update. Grundsätzlich gilt aber no news is good news!

 

Los geht’s am 31. am Nachmittag ab Zürich via Dubai und Melbourne nach Christchurch. Dort das Velogepäck verstauen und dann schauen, dass/wie wir nach Nelson bzw. zum Start der ersten Tour kommen.
Wir haben zwei Touren zu je einer Woche geplant. Sie sind sehr flexibel gestaltet, schlussendlich kommt es wohl darauf an, wie lange der Proviant reicht 🙂
Wir sind zuerst auf dem Abel Tasman Track unterwegs. Anfangs entlang dem Inland Track und dann retour auf dem (bekannteren/beliebteren) Coastal Track.
Danach bewegen wir uns bei den Nelson Lakes auf dem Sabine Circuit. Start ist in St. Arnaud.
Ihr seht, wir bewegen uns im Norden der Südinsel. Je nach Zeit und Lust haben wir noch die eine oder andere Sache in petto. Das wird aber spontan entschieden.
Am 2. März gilt es voneinander am Flughafen Christchurch Abschied zu nehmen.

Als Reisevorbereitung schauen wir fleissig die laaaangen Versionen der Herr der Ringe Triologie. Wer weiss, vielleicht kommt uns dann der eine oder andere Ausblick bekannt vor. 🙂
 So, das war’s. Wenn wir zurück sind haben wir sicher mehr zu erzählen.

Packliste – Änderungen gegenüber der letzten Reise

Nach dem Prinzip Bewährtes beibehalten gibt es nicht viele Änderungen.

Die klimatischen Bedingungen sind ähnlich der letzten Reise (obwohl im Durchschnitt wahrscheinlich wärmer ist der abzudeckene Temperaturbereich gleich). In Zentralaustralien ist mit längeren Strecken ohne Wasser und gleichzeitig mit hohen Temperaturen und schlechtem Strassenbelag (Piste) zu rechnen(=ich weiss es), weshalb ich die Wassertransportkapazität von aktuell ca. 15l lieber auf 20-30l erhöhen würde.

Insbesondere die zweite Hälfte der Tour wird deutlich flacher als das in den letzten beiden Jahren (Norwegen, Belgien, Iran, Balkan, Schweiz) der Fall war, weshalb ich der Aerodynamik etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe. Anstatt zwei grossen Taschen+Zelt werde ich versuchen mit zwei kleinen Taschen+Zelt+Packsack zu fahren. Der Versuch steht noch aus. Auf den Untenlenker verzichte ich nicht!

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