Brevet Alpenluft+ 2018

Vorbereitung

Zum dritten Mal in Folge soll das Brevet Alpenluft+ von Audax Suisse zu einem Saisonhighlight werden. 2016 habe ich mit dem heckgefederten Fujin meinen Brevet-Einstand gegeben, letztes Jahr habe ich das modifizierte Fujin SL2 über die Pässe gefahren. Heute wiegt das vollgepackte Velo (siehe unten) wahrscheinlich ziemlich genau 50% des Körpergewichts…
Die Strecke hat gegenüber den letzten Jahren auch geändert (neu): Südliches Bodenseeufer, Alpenrheintal, Oberalppass, Sustenpass, Grosse Scheidegg (optional), Schallenberg, und Günzgen (D) sind dieses Jahr die Eckpunkte.
Bei Strecken-Km 380, 400 und 410 könnte ich nach Hause abbiegen (Umweg abermals gut 50km, wenn es „nur“ eine Schlafpause sein soll). Der Plan ist natürlich, vorher noch beim Ziel am anderen Ende des Landes vorbeizuschauen und irgendwann später zurückzufahren.
Körperlich (abgesehen von den letzten 24h vor dem Brevet), mental und in Sachen Ausrüstung fühle ich mich wieder gut vorbereitet. Ungewiss ist, wie gut (nicht ob) ich das Velo über die Anstiege bringe.

…zum Start

Deutlich früher als sonst verlasse ich den Arbeitsplatz und lasse mich zum 50km vom Startort entfernt deponierten Velo chauffieren*.

Auch für das Überwinden der oben genannten 50km findet ein Randonneur eine Lösung. Nördl. Etzwilen

Von den 40 Randonneuren auf der Startliste sind als ich eintreffe schon einige da. Nicht dabei sind leider alle „meine“ drei Hauptmitstreiter von 2016 und 2017 😦 .

Es gibt zwei Routen, welche sich zwischen Innertkirchen und Interlaken unterscheiden: „Flach“ entlang vom nördlichen Brienzerseeufer oder „bergig“ über die Grosse Scheidegg. Ich werde unterwegs entscheiden.

Ein Teller Bolognese findet seinen Weg in meinen Magen und bald geht es los…

Brevet Alpenluft+

Pünktlich um 20 Uhr rollt die Randonneur-Schar los.
Auf den allerersten Metern gibt es (noch) schöne Abendstimmung
Im Schrittempo durch Stein am Rhein

Die ersten Tropfen fallen bald nachdem das südliche Rheinufer erreicht ist. Es gibt nicht viel Verkehr und so lässt sich schon einmal ein guter Zeitbuffer für die Berge aufbauen (…oder so..).

Auf dem nur wenige Km langen Bodenseeradwegstück zwischen Egnach und Arbon finden hunderte (gefühlt tausende) kleiner Insekten den Weg zum magischen Licht und so auch duch das Lüftungsloch des Gefährts und mein Bauch ist zuerst krabbelig und schwarz, dann eklig und schwarz. Ich freue mich sehnlichst auf die Dusche in Andermatt!

Als (zu spät eingesetzter) Insekten- und Zugluftschutz ist die Leuchtweste auch IM Velomobil zu etwas nütz 😉

Notiz an mich: Ersten Kreisel in St.Margrethen das nächste Mal bei Nässe langsamer anfahren, sonst wird der Pneu-Verschleiss auf Dauer teuer.

Bei Widnau fallen mir die letzten Regentropfen ins Gesicht. Auf der Autobahnbrücke in Montlingen mache ich die erste Pause zwecks Visier- und Brillenreinigung. Denn jetzt folgen 40km auf dem Rheindamm mit (wolkenverdecktem) Vollmond(=sehr gut organisiert, Audax Suisse!). Ich geniesse die Ruhe – zwei Velofahrer und ein Fussgänger begegnen mir auf der Fahrt bis Bad Ragaz.
Zwischen Chur und Felsberg probiere ich eine neue Route (@Audax Suisse: Super, mit dem VM allerdings grenzwertig wegen Schwellen und der engen Kurve gleich nach der Rheinbrücke) und bleibe in Tamins gleich linksrheinisch: Die Rheinschlucht werde ich lichtbedingt schon nicht sehen und so entscheide ich, es sei der richtige Zeitpunkt, um einmal die Alternativroute auszuprobieren, zumal auf dem Track von aufgerissenem Strassenbelag die Rede ist. Bergauf bin ich ca. 20′ auf der Hauptachse und mache dabei 1/4 des Verkehrsaufkommens aus. BTDT: Nächstes Mal fahre ich dennoch wieder via Versam. Von wegen: Grosse Scheidegg mit dem Velo wird auch nach diesem Wochenende nicht BTDT sein.

Westlich von Ilanz ist nachts auf den Strassen nichts los. Bis zum Oberalppass werden es weniger als 10 Autos gewesen sein…
Irgendwo grinst mich ein leuchtender Smiley auf einer elektronischen Anzeige an, gefolgt von einer „39“ – soo steil kann es da nicht bergauf gehen.
Nicht wie erwartet bei der Rheinschlucht, sondern erst bei der ersten Serpentine auf 1800 m.ü.M. überholen mich B und C. Sie fahren mit doppelter Geschwindigkeit bergauf!

Oberalppass wenige Minuten vor Sonnenaufgang. Das Aussteigen aus der wohlig-warmen(=eklig-verschwitzten) Kiste mit nacktem Oberkörper bei Aussentemperatur um den Gefrierpunkt ist ein kleiner Schock.
Blick vom Oberalppass Richtung untergehendem Vollmond – herrlich!

Nach Andermatt gehts dank Bremsschirm wie auch später durch die Schöllenenschlucht und zwischen Sustenpass und Gadmen ganz gemächlich – die paar Minuten machen auf die Distanz nicht viel aus…

In Andermatt erwartet uns der betreute Checkpoint. Zu meiner Enttäuschung ist das Lokal noch nicht offen (also keine Dusche/Warmwasserwaschgelegenheit! 😦 ). Im Van von Audax Suisse ist es immerhin schön warm und gesellig.
„Bis zu 15 Minuten Wartezeit“ sind an der Baustelle ausgangs Andermatt zu erwarten und so verlassen wir den Checkpoint zu zweit. Die Ampel schaltet gerade auf grünorange blinkend und schon wenig nach Wassen kurble ich das Velo wieder alleine bergauf.

Sustenauffahrt, die erste Hälfte der Sustenpassauffahrt ist zum Glück noch schön schattig

Ein paar hundert Meter schiebe ich das Velo auch. Das ist nicht wirklich langsamer und sorgt für andere Belastungszonen (Fussohlen!).

Blick zurück: Vor zwei Jahren lag auf den Leitplanken ein Hauch von Nasschnee um Mitternacht. So wie heute ist es mir deutlich lieber!
Sustenpass

Die Fahrt südlich vom Flugplatz Meiringen und nördlich von Brienzersee und Thunersee läuft trotz teilweisem Gegenwind wieder ordentlich. Bei ?Meligen? überhole ich die beiden Vordersten. Während ich den Susten hoch und am Brienzersee entlanggebummelt bin, haben sie neben dem Sustenpass auch noch die Grosse Scheidegg bezwungen. Boah!

Schallenberg.

Nach(!) der BE-LU-Kantonsgrenze weht ein starker Gegenwind in der Abfahrt. Mit meinem Gefährt eigentlich ganz gemütlich (kühlt 🙂 ) aber ich bemittleide die beiden Gefährten, welche ich auf dem Schallenberg bei meiner Ankunft gerade entschwinden gesehen habe.
Witzig: Beim Schreiben fällt mir die eingangs erwähnte Passage „nach Hause“ auf – der Gedanke kam mir während der Fahrt gar nicht.

Der Track führt über die Veloroute 24 durchs Entlebuch. Meiner Meinung nach keine velofahrerfreundliche Routenführung (so etwas gehört wenn schon auf die Veloroute 99…). Diese (MTB-, also nicht unsere Route) Radwegweisung durchs Fahrverbot spricht irgendwie auch nicht gerade für die Entlebucher.
Die Aussicht in die UNESCO Biosphäre Entlebuch

Der Kreisel in Wolhusen fährt sich seeehr schwammig: Platten vorne links. Ersatzreifen mit Ersatzschlauch montiert. Nix. Zweiten Ersatzschlauch eingesetzt. Mehr als 1 Bar geht nicht. Der nächste Veloladen (Danke für das nette Gespräch und sorry für den Gestank, Tandem Schweiz AG) ist zum Glück nicht weit und mit einer neuen Pumpe im Gepäck flitzt es sich gewohnt rasant entlang der kleinen Emme Richtung Luzern.
Die Stadt durchquere ich um 1700 und dementsprechend langsam.

Ersten richtig verkehrsreichen Abschnitt geschafft: Vierwaldstättersee nach Luzern

Artig bremse ich in der kleinen Abfahrt in Meggen und mache (im Stand) ein Selfie vor dem Volg – der drittletzte Checkpoint.
Gemächlich das Sihltal hinabrollend staune ich über den Velofahrer (Schutzbleche, Rohloff, …), welcher doch erstaunlich lange in meinem Rückspiegel sichtbar bleibt.
Am Bahnhof Selnau sind wir vier Randonneure. Schon nach der zweiten Kreuzung sehe ich die anderen drei nicht mehr – passive Fahrweise, schwere Beine und ein schweres Velo sind nicht gerade ideal um innerstädtisch mit Rennvelofahrern mitzuhalten.

Irgendwo in meinem Gedächtnis ist die Erinnerung an einen Brunnen beim ersten Gebäude links auf der Panzerpiste – tatsächlich steht der auch 15 Jahre später immer noch da 🙂

Entlang der Glatt macht einfach immer wieder Spass.
Genau dort auf dem Rheinwehr, wo ich das Velo von Hand umsetzen muss, stehen amerikanische Touristen (ob die den Rheinfall gesucht haben?).

Ein Potschn, wie es B so schön sagt, ist der Grund, weshalb ich in Rafz die drei in Zürich zuletzt Gesehenen wieder antreffe. Eine gemeinsame Weiterfahrt ergibt sich nicht – sie sind mir zu schnell…

Schemenhaft erkennbar: Rheinfall in der Dämmerung 😉 .

Um 22:40 bin ich wieder in Buch. So fertig nach einem Brevet war ich noch nie. Notiz an mich: Langsamer fahren, du warst 12h zu schnell!
Um das leckere Nachtessen zu essen, brauche ich gefühlt eine Ewigkeit.
Tiefschlaf.

Heimfahrt

Die in Andermatt verpasste Bündner Gerstensuppe schmeckt auch 24h später noch genauso gut. Merci!
Das Velo deponiere ich wieder 45km vom Ziel entfernt.
Durch eine kleine Unachtsamkeit (Hausschlüssel im Velo liegenlassen) fahre ich am Nachmittag noch 3x statt wie geplant 1x durch die Schweiz – inkl. Zugsausfall und mit viel Schlaf. Wäre ich direkt mit dem Velo gefahren, wäre ich sicher früher zu Hause gewesen…

Notizen am Rande

Die Pläne und Vorsätze waren (teilweise erfüllt, nicht erfüllt):

  • 600km in 40h. Keinen Checkpoint verpassen.
  • Nicht bis zur Sekundenschlafgrenze fahren.
  • Die folgenden Aufstiege und anschliessenden Abfahrten gemütlich angehen: Rheinschlucht, Oberalp, Susten, ev. Grosse Scheidegg, Schallenberg, nach Schangnau, nach Hasle.
  • Ebenso die Stadtdurchfahrten: Stein a.Rh, Kreuzlingen, Rorschach, Chur, Interlaken, Thun, Luzern, Zug, Zürich, Schaffhausen.
  • Beim Rheinfall und ggf auch sonst ein paar Meter bergauf stossen.
  • Standzeit bei Tageslicht reduzieren und/oder sinnvoller nutzen als letztes Jahr.
  • Entscheid Grosse Scheidegg Ja/Nein unterwegs treffen.

*Während der Hinreise suche ich mir die Öffnungszeiten von ein paar voraussichtlich am Freitagabend zu passierenden Dorfläden heraus. Die vom Organisator veröffentlichte Marschtabelle ohne Berücksichtigung vom sehr ungleichmässigen Höhenprofil ist mir doch etwas zu ungenau und so erstelle ich mir pro Route (mit/ohne Grosse Scheidegg) je eine eigene Marschtabelle aufgrund von Distanz und Höhenmeter (nur obengenannte Hauptsteigungen, sonst könnte das nicht mehr in vernünftiger Zeit mit Tabellenkalkulation gemacht werden). Mit 30km/h angenommener Bruttodurchschnittsgeschwindigkeit im Flachen und 400 Hm/h Steigleistung (beides für mit dem Wäschpi realistisch angenommene Werte) ergäbe sich eine Ankunftszeit um 02:30. Bei angepeilter Ankunft um 11:00 ist also eine Flach-Geschwindigkeit von 23.4 km/h und Steigleistung von 312 Hm/h erforderlich – auch mit dem schweren Velo machbar. Das gewählte Berechnungsmodell mag zwar genauer sein als ohne Höhenmeterberücksichtigung, enthält im Gegenzug aber gleich mehrere systematische Fehler…

Packliste

Kleider: 1 Paar Socken, 1 Paar Veloschuhe, 1 Unterhose, 1 lose Laufhose, 1 Wollshirt, 1 Warnweste, 1 Daunengilet, 1(!) Velohandschuh, 1 Brille, 1 Helm/Sonnenbrille, 2 Buff.
Zusätzlich gegen die Elemente: Velo, Schlafsack, Rettungsdecke, Sonnencreme.
kursiv=nicht zum fahren

Verpflegung beim Start (für NonStop bis Disentis): 3l Flüssigkeit, Riegel, Eisteepulver, je 1 Packung Cashewnüsse, Petit Beurre, Birrenweggenstücke, Bananenchips.

Elektronik: Akkus für 40h Velolicht, GPSr und Ersatzakkus, Handy, Kamera, Dashcam, Kopfhörer, Hutzenlicht.

Werkzeug: Wie immer (dazu gehören für manchen Leser vielleicht ungewohnte Dinge wie 2 Ersatzpneus (1 pro Felgengrösse), 1 Einmachglasdichtgummi, 1 laaanger Inbus und ein laaanger Schaltzug), Stirnlampe.

Sonstiges: Brevetkarte, Kugelschreiber, Portemonnaie, Zahnbürste/-paste, Deo, Duschmittel, WC-Papier, Bepanten, Duschtuch, Schloss, Bremsschirm, Zeitplan (siehe erstes Foto), Glücksbringer.

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Alpenluft+ Brevet 2017

Die Erinnerungen an mein erstes Brevet letztes Jahr sind gut und so darf es auch diesmal auf die gleiche Strecke gehen. Wirklich gleich ist die Strecke(*) nur für gefühlte 20%. Die Abweichungen sind neben tatsächlich anderen Strecken (Rheindamm, Furka, Grimsel, Vierwaldstättersee vor allem der Tageszeit geschuldet: Bei einer um 12 Stunden verschobenen Startzeit sieht manche Ecke etwas anders aus…
*Rundstrecke: Nördliches Bodenseeufer, Oberalppass, Furkapass, Grimselpass, Luzern, Brunnen, Eglisau.

Plan: Bis Chur entweder mit den Schnellsten mit- oder alleine ganz gemütlich fahren, spätestens in Reichenau ein ausgiebiges Zmorge und Nickerchen machen. Ganz gemütlich über die Pässe fahren. In Zürich schlafen bis frühmorgens und in den Morgenstunden gemütlich nach Buch zurückfahren.

20-25 Fahrer starten gut gelaunt um 20:00 Uhr in Buch SH. Die mir bekannten Gesichter von P (siehe Bericht letztes Jahr), R (vom 400er) und F sind auch dabei 🙂 .
Westwind=Rückenwind und dementsprechend flott rollt es zum Überlinger See. Leider erreichen die dunklen regenreichen Wolken diesen vor uns Randonneuren.

Der einsetzende Regen (oder war es mein Tempoforcing, um vielleicht doch vor dem Regen durchzukommen?) sprengt die Gruppe und zum ersten Checkpoint (CP) fahre ich mit B, welchem der Track auf dem GPSr irgendwie abhanden gekommen ist – ganz ärgerlich!

Sonnenuntergang bei Regen am Überlinger See. Sieht schöner aus, als es sich anfühlt…

In und kurz nach Friedrichshafen versuche ich mich an einer anderen Route. Demensprechend fahre ich alleine durch die Nacht und treffe erst am Anfang des Rheinradweges – wieder zurück in der Schweiz – auf das kleine Grüppchen mit P, R und R. Mittlerweile hat der Regen aufgehört, der Belag ist dennoch triefend nass.

Wie bei Friedrichshafen biege ich in Kriessern von der Route ab mit dem Ziel, dem Fürstentum auf der anderen Rheinseite einen kurzen Besuch abzustatten:

Oops…!

Von der anderen Rheinseite ist die Brevet-Strecke so gut überschaubar, dass ich drei Gruppen auf dem Damm ausmachen kann. Dank P’s speziellem Hinterrad ist eine Identifikation „meiner vorherigen Gruppe“ auch problemlos möglich: Etwas Druck auf die Pedalen und trotz des kleinen Umwegs mit kurzer Pause bin ich wieder dran an der Gruppe.

Das (von mir höchstpersönlich rekognoszierte und empfohlene) unbefestigte Stück kurz vor der Heidiland-Raststätte (CP-2) ist bei so aufgeweichtem Boden kaum fahrbar. Sorry den anderen!

Anscheinend hat die Raststätte zu, was einige vor ein Versorgungsproblem stellt. Das erfahre ich aber erst später und rolle mit F gemeinsam weiter rheinaufwärts. Eine kurze Pneu-Kontroll-Pause machen wir ausgangs von Chur wegen viiiiiel Glas auf der Hauptstrasse zuvor…

Die Dämmerung beginnt während des Aufstiegs nach Versam. Leider ist es noch zu dunkel, um die Rheinschlucht richtig betrachten zu können.

Wenig vor Ilanz/Glion reisst F’s Schaltzug und dank R’s Einsatz und Wissen steuern wir zu dritt den Bahnhof mit angrenzendem Veloladen an.
Ein paar Kafees und Gipfelis später machen R und ich uns auf den Weg und sind später ganz erstaunt, dass F bereits um 07:20 mit einem neuen langen(!) Schaltzung wieder unterwegs ist.

Impression Auffahrt Oberalppass
Impression Auffahrt Oberalppass

Erster Pass geschafft! Geheimkontrolle (schwarzer Van im Hintergrund) und eine Suppe warten auf uns.

R ist nicht zuletzt wegen des geschlossenen Heidilands mit seinen Kräften am Ende. Die Idee einer heissen Bouillon auf dem Pass gefällt mir ebenso. Kurze Zeit später sitzen zwei eigenartige Gäste im Restaurant und salzen die Tomatensuppe (es gibt keine Bouillon) bis an den Rand der Geniessbarkeit.

Mit R die ersten Serpentinen hoch Richtung Furkapass
Impression Furkapassfahrt

Den Mann mit dem Hammer gibt es also doch noch! Zum Glück kommt bald ein Wasserhahn, wo ich mich etwas rehydrieren kann und so viel in mich reinfuttere, dass gerade noch ein halbes Pack Traubenzucker für den absoluten Notfall übrigbleibt. Traubenzucker im Mund und diesen direkt am Hahnen mit Wasser füllen funktioniert gut.

Eigenartiges Bekleidungssetup: Knie links braucht Wärme, rechts Erholung von einschneidendem Knieling und die Ohren sind ebenfalls kalt…
Blick zurück
Das war ein hartes Stück Arbeit

Oben schlage ich das Angebot von S zum gemeinsamen Essen aus, schliesslich habe ich mit R abgemacht „Zmittag auf dem Grimselpass“.

Auf der Abfahrt nach Gletsch werden die Bremsbeläge ordentlich beansprucht. Schade, die ganze Energie wegbremsen zu müssen.

Von Gletsch bis hierhin geht es erstaunlich gut. Ein Brevet ohne Schiebepassage kann irgendwie nicht sein und so stosse ich das Velo bis zur eigentlichen Passhöhe (100m weit?)…

Oben zeigen sich uns in Fahrtrichtung dunkle Wolken und aus dem Plan „Zmittag hier“ wird „Zmittag in Innertkirchen“.
Auf der Abfahrt haben wir teilweise nassen Belag und Regen. Nachfolgende berichten auch von Hagel – Glück gehabt.
Die Bouillon mit Ei gefolgt von Rösti tun gut! Vor der Weiterfahrt decken wir uns mit Proviant „wenn nötig bis zum Ende“ ein und fahren gemeinsam mit F weiter.
Südlich des Flugplatzes Meiringen werden wir mal wieder nass.

Die Fahrt auf den Brünig macht keinen Spass. Die gelegentlich tolle Aussicht macht den nervigen Freitagabendverkehr nicht wett.

Die Alternativroute in Giswil erweist sich als Flop. Bald darauf beginnt der Regen und bald sind wieder alle Kleider nass. Unter der Autobahnbrücke bei Stansstad treffen R, F und ich auf die Gruppe mit P (welcher schon entschieden hat, in Luzern abzubrechen), R und H-J.

Auf der Halbinsel wollte ich eigentlich baden gehen. Jetzt frieren wir und rüsten uns für die Stadtdurchfahrt und die kommende Nachtfahrt.

Es schüttet weiterhin in Strömen. Die Bremsen funktionieren nicht ordentlich und meine Sicht ist massiv eingeschränkt (zu viel Sand in den müden Augen). Das ist insbesondere deshalb ein Problem, weil ich bergauf der Langsamste, mein Velo bergab aber das Schnellste ist. Eine Weiterfahrt in der Gruppe kann ich unter diesen Umständen nicht mehr verantworten und so setze ich mich an die Spitze… und fahre ab Gersau (CP-6, mir ist schon beim Fahren kalt, wie kann man da nur noch Pause machen?) mit nur noch F an meinem Hinterrad weiter durch den Dauerregen.

„Hast du es gemerkt?“ fragt F irgendwo zwischen Brunnen und Seewen. Nein, dass der Regen aufgehört hat, habe ich tatsächlich nicht gemerkt! Der kleine Hubbel bei Goldau ist trotz Liegevelo bergauf angenehmer zu fahren – mit kaum wirksamen Bremsen ist eben selbst Hauptstrasse (=Vortitt 😉 ) nicht lustig. An der Coop-Tankstelle in Arth erblicke ich gerade das Erlöschen des Leucht-Logos und wir sind wir die letzten Gäste für heute – geöffnet bis 23:00 Uhr.

Entlang des Zugersees trocknet die Fahrbahn und damit löst sich auch mein Bremsenproblem, um mit einem nicht weniger Gefährlichen ersetzt zu werden (worüber ich mich hier aber schön ausschweige).

Ein paar Minuten Schlaf während des kurzen und flachen Aufstiegs nach Sihlbrugg tun gut und die Fahrt durch das Sihltal ist bei Nacht schön.

Im grössten durchfahrenen Ort gibt es für F und mich eine heisse Dusche und ein warmes Plätzchen. Das ist bitter nötig!

Wecker auf in 4h.

Etwas schlaftrunken rollen wir durch die Stadt, machen bei einem Beck eine Zmorgepause und kurz darauf eine Zwangspause wegen Glassplitter in meinem Vorderradschlauch – mein erster Platten auf einem Brevet. Wahrscheinlich sind wir zu diesem Zeitpunkt hinter der Soll-Geschwindigkeit von 15km/h. Wir werden es trotzdem gemütlich ins Ziel schaffen.

Die Sonne scheint und uns geht es trotz einigen holprigen Naturbelagsstrecken entlang der Glatt gut.

Genussfahrt entlang der Glatt

Das Wehr zum zweitletzten CP ist dieses Jahr passierbar. Rückenwind pustet uns dem Ziel entgegen.

Die Wege sind mir von letztem Jahr in Erinnerung, ausser dem neuen Anstieg nach Lohn SH, welcher aber sehr gut in das Konzept der Strecke passt und uns mit nochmals ein paar absoluten Genusskilometern belohnt.

Als letzte Finisher* treffen F und ich um 10:45 – 75 Minuten vor Kontrollschluss – im Ziel ein, wo einige der Mitstreiter über Erlebnisse sinnieren und leckeres Zmittag essen.
*Davon gab es leider wieder erstaunlich wenige (9?).

Nach einer kurzen Stärkungs- und Regenerationspause fahren F und ich wieder nach Schaffhausen – diesmal gegen den Wind und noch gemütlicher.

Mein Tag klingt mit dem Touristenprogramm „Munot und Rheinfall“ aus. Tiefschlaf um 21:00 Uhr.

Bewegte Bilder von F.

2016: 600er Alpenluft+

So ein klein wenig nervös bin ich schon auf mein erstes Brevet, zu dem der Veranstalter schreibt, es sei nicht [für] die breite Masse an Athleten sondern nur [für] die Härtesten. Respekteinflössende Orte liegen auf der Route: Alpenrheintal (Regen oder Gegenwind), Rheinschlucht/Versam, Oberalppass, Furkapass, Grimselpass, Brünigpass und Stadtdurchfahrten in Bregenz, Chur, Luzern, Zug, Zürich und Schaffhausen.

Das Wetter spielt verrückt und ich bin sehr dankbar, dass es einen neuen alternativen Starttermin 12h später gibt: Kein Dauerregen und nur eine Nachtfahrt.
Beim Briefing werden folgende wetterbedingte Sperrungen bekanntgegeben (es werden dann noch einige hinzukommen):

  • Rheindamm im Mündungsbereich (Bregenz) („sucht euch euren eigenen Weg“). Wegen Hochwasser.
  • Furkapass („fahrt statt Furka/Grimsel via Sustenpass“). Wegen Neuschnee.

Nach den zwei Unerschrockenen, welche am Vorabend gut gelaunt in den Regen gestartet sind, machen wir uns zu elft auf den Weg. Ich reihe mich am Ende der 5er-Spitzengruppe ein, wo es auf den aufgeweichten Naturbelagstrecken auch eine Schlammpackung in Raten gibt.

Ob der bewölkte Himmel dafür verantwortlich ist, dass der Bodenseeradweg mir ungewohnt leer erscheint? Leider gibt es auf einer nassen Holzbrücke auch einen Sturz (Aufgabegrund).

Den mir als „Nadelöhr“ bekannten Streckenabschnitt bei Bregenz befahre ich nur noch mit P. – die anderen drei haben sich bereits hier für die Hauptstrasse entschieden.
Auf der Rheinbrücke herrscht Verkehrschaos. Ob die vor ein paar Minuten durchgekommene Tour de Suisse oder die Hochwasserschaulustigen schuld daran sind?

Sonne und Südwind prägen die Fahrt durchs Rheintal.

P. verliere ich aus den Augen und werde dafür vor einer geschlossenen Bahnschranke von „den zwei Schnellen“ eingeholt.

Auf der Checkpoint-Autobahnraststätte gibts Kalorien, kitschige „Heidi“-Stimmung und den für die Gesichtswäsche langersehnten Brunnen. Habe bereits jetzt Sonnenbrand.

In Chur ein erster Regenguss.

Bei Reichenau sage ich den zwei Begleitern tschüss und erwarte nicht, sie wiederzusehen. Ich sollte mich irren.

Während des Aufstiegs überholt mich B., welcher für die ersten 200km statt Windschatten kurze Pausenzeiten gewählt hat.

Die Abfahrt nach Ilanz/Glion ist richtig geil: Das Velo bekommt artgerechten Auslauf und unten habe ich B. wieder eingeholt 😉 . Der Gemeinde Trun bin ich für den Trinkwasserbrunnen dankbar und wünsche B. eine gute Weiterfahrt.

In der schönen Gebirgs-Abendstimmung geht es für mich gemächlich bergauf – die letzten Km im ersten Gang… Oben wartet die „Geheim“kontrolle (schwarzer Van im Hintergrund des Beitragsbilds).

Was sich wie ein paar Minuten anfühlt, ist (wie ich später aus der Aufzeichnung entnehme) eine gute halbe Stunde: Pause.
Mit Essen und Heissgetränk im Magen stürze ich mich hinter M., welcher sich zur Aufgabe entschieden hat, in fortschreitender Dunkelheit durch die Grossbaustelle die Schöllenenschlucht hinab.
Im Tunnellicht der Sustenstrasse entledige ich mich einiger Kleiderschichten und werde von P., welcher sich auf dem Oberalp ein richtiges Mahl gegönnt hat, überholt.
Sein Licht sehe ich häufig vor mir. Auch, nachdem der Regen eingesetzt hat und ich wieder mehr Kleider anhabe.
Dank Schneefeldern kann ich häufig den Abstand messen und stelle „konstante 8 Minuten“ fest.
Der Regen wird „unflüssiger“, auf den Leitplanken liegt 1cm Neuschnee und mein Thermometer zeigt oben im vom Wind durchblasenen Tunnel 2°C an. Auf dem Dach der Tour gibt es nicht einmal ein (dunkel-verwackeltes) Foto – zu kalt/nass…
Am Tunnelende wartet tatsächlich P. Ich bin glücklich, die Abfahrt nicht alleine und an zweiter Position bestreiten zu dürfen.
In Innertkirchen hat der Regen aufgehört und wir sind wieder auf der vom Grimsel kommenden Originalroute.

Wie vereinbart, melden wir uns beim umsorgenden Organisator („heil über den Susten“) und erfahren von weiteren Erdrutschen. Bei Kastanienbaum durchkommen OK, bei Gersau nicht: wir sollen tatsächlich 30 km abkürzen.
Doch das ist noch weit weg und im Moment (0300) haben wir andere Sorgen: Sekundenschlaf ereilt uns beide und trotz verkehrsfreier und häufig trockener Strasse ist keine sichere Weiterfahrt möglich.
In Sarnen gibt es Kalorien und trockene Socken/Shirt für mich und ein paar Minuten dösen für P.

Beim Bäcker im Bahnhof Luzern treffen kaum unterschiedlicher mögliche Übernächtigte aufeinander.

Die ersten Sonnenstrahlen treffen die Spitze des Pilatus, als wir dem See entlang aus der schlafenden Stadt rollen…
…und in Küssnacht wegen Erdrutsch direkt statt via Lauerzersee Kurs auf Arth nehmen. So ruhig dürfte die Strasse meinetwegen immer sein.

Mit (nur?) gefühltem Rückenwind rollen wir zwischen Sihl und vernebeltem Sihlwald durch die herrliche Morgenstimmung.

Auf die (fast) perfekte Navigation durch Zürich bin ich ein bisschen stolz.

Entlang der Glatt erwarten uns wieder einige Naturbelagstrecken und Streckensperrungen wegen Hochwasser. Und an der Mündung der Hammer: Die Passage über das Wehr ist ebenfalls gesperrt und der nächste Checkpoint liegt genau auf der anderen Rheinseite – „elegant“ umfahren geht nicht.
Die Anweisung vom Organisator ist klar: Checkpoint via Eglisau anfahren.
Auch wenn der Umweg hier kürzer als die Abkürzung am Vierwaldstättersee ist, schlägt uns das „gleicher Weg zurück“ auf die Stimmung. Noch 50km – Luftline 30. Immerhin mit Sonne und Rückenwind 🙂

Ein paar Hochwasserumleitungen später sind wir am Ziel, nicht ohne auch nochmals kurz zu furten.

Aufzeichnung

Mit hochroter Haut freue ich mich leckere Linsensuppe schlürfend, die Prüfung ohne Zeitdruck (über 11h Reserve!) gemeistert zu haben.
Als wäre all das noch nicht genug, wird während ich dusche mein Velo vom Organisator gewaschen.

Nach 4h Schlaf bin ich in der Lage, die paar Km zum nächsten(!) Bahnhof zu fahren. Dabei verfahre ich mich weiter, als auf der gesamten vorangegangenen Tour…

Von den 2+11 Startern haben es leider nur 1+5 ins Ziel geschafft, erstaunlicherweise dennoch in zwei Zweiergruppen, wobei kein Startteam komplett gefinisht hat.