Hegau+ Brevet 2017

Freitagabend, Bahnhof Schaffhausen. Per SMS schreibe ich „wird trocken bleiben“, was sich 20 Minuten später, als F ankommt, natürlich als falsch herausstellt. Wir rollen gemütlich nach Ramsen, wo sich die komplette „Liegefraktion“ zum Znacht trifft.

Im Geräteraum der Turnhalle hätte der Schlaf besser sein können.

Im ersten Block etwas nach 0700 starten geschätzte 15-20 Randonneure: F mit einem Stickbike, U mit einem Velomobil, jemand mit einem Moulton, ich mit Semitieflieger und der Rest mit Renn- oder Zeitfahrrädern.

Kurz nach dem Start zieht U an uns vorbei – um sich auf der bald folgenden ersten Naturbelagsstrecke gleich wieder überholen zu lassen.

Bis zur ersten Kontrolle nach 30 km fahre ich gemütlich im Windschatten der ersten Gruppe – es sollten die einzigen Windschattenmeter der Tour bleiben – während F sein Renn-Gen entdeckt und sich vorne jagen lässt.

Die Antwort der Kontrollfrage merke ich mir im Vorbeifahren und notiere sie später während der Fahrt. Das wird auch bei einigen noch folgenden Kontrollfragen funktionieren.

Einen mir bekannten Abschnitt umfahre ich – 5.5km Asphalt und Beton statt 4 km Naturbelag.

Alleine düse ich bis zum Checkpoint 2 am um die Tageszeit noch nicht ganz so touristenhotspottigen Rheinfall. Dort hole ich dank Ortskenntnissen gerade U ein.
Die Organisatoren drücken uns einen Stempel in die Karte und schiessen von jedem Teilnehmer ein Foto, welches mir noch während ich nach meiner Zielankunft dusche zugestellt werden wird. Tolle Organisation!
Im kleinsten Gang gehtfährt es sich weiter. Kaum ist es etwas flacher überholt mich U mit einem Affenzahn (ich fahre bei 1% Gefälle schon 40km/h) und gibt dabei noch nicht einmal Windschatten…

Den Aufstieg auf den Hallauerberg fahren wir gemeinsam. Schön, mal mit jemanden auf gleicher Kopfhöhe zu plaudern. Das wird sich hoffentlich noch ein paar Mal wiederholen.

Blick vom gleichen Ort wie oben nach links.

Das in Schleitheim vom Brunnen gefasste Wasser erweist sich als besser nicht trinken. So schiebe ich durstig die vom Organisator nicht zu Unrecht Sausiech genannte Steigung hoch und besorge mir in Blumberg erstmal Trinkwasser. Die Schlange an der Supermarktkasse ist laaang und somit weiss ich nicht, wer mich in der Zeit überholt hat…
Im Ziel erfahre ich, dass es F ganz in der Nähe noch blöder ging: Verfahren und zwei Platten inkl. anschliessender Reifensuche in Tuttlingen. Da ich stets annehme, er befinde sich ein gutes Stück vor mir, fahre ich immer zügig weiter.

Auf der Landstrasse umfahre ich ein weiteres Stück Schotter. Kaum vorhandener Verkehr, perfekter Belag, leichtes Gefälle in Kombination mit Rückenwind – was will ein Randonneur mehr?


Kaum zurück auf dem Track geht das Gehoppel wieder los. Dafür verläuft der Track schön verkehrsarm wie hier kurz vor Hausen.

Auf der Donauroute (Bach/Fluss/Strom im Bild 😉 ) mache ich diesmal und anders als die mit Packtaschen keinen Stopp bei der Donauversickerung, welche sich etwas weiter oben befindet…

…Dafür bei einer Tankstelle. Ruhe vor dem Sturm, welcher einerseits vom Organisator angekündigt wurde (ab Km 140 wird es kräftezehrend) und sich andererseits in Form von dunklen Gewitterwolken am Himmel zeigt. Einige später kommende werden es nicht trocken bis hierher geschafft haben.

Erstaunlicherweise werde ich nur wenig nass und noch erstaunlicher holen mich die beim Checkpoint von mir eingeholten Rennradler nicht ein. Auch später werde ich einmal nur wenig nass und erfahre, dass nachfolgende Fahrer teils mehrere richtige Duschen und einen Hagelschauer abbekommen haben.

Die Streckenführung ist schön. Und schön fordernd!

Auch hier notiere ich hof als die Antwort auf die Kontrollfrage während der Bergauffahrt.
Kurz vor Ludwigshafen geht es erneut auf Naturbelag bergan. Im Ziel wird über genau den Abschnitt schön geflucht werden – ich fand es eigentlich ganz OK im Gegensatz zu dem noch Kommenden, von dem ich jetzt noch nichts ahne.

Die Serpentinenabfahrt runter nach Ludwigshafen ist geil zu fahren. Erstaunlich, welche Kurvenbeschleunigung die Haftreibung der neuen Reifen zulässt 😉

Checkpoint 7 ist bei einem bei mir willkommenen Supermarkt.

Die Bodenseeveloroute bis Konstanz ist definitiv nicht mein Favorit: gefährliche oder nicht flüssig fahrbare Radwege, Unmengen von unkonzentriertem Un- oder (noch schlimmer) elektromotorisiertem Verkehr und eine Töff-Raserstrecke während eines Aufstiegs. Ganz zu schweigen von der oben bereits erwähnten Holperstpiste. Immerhin trocken.

Von Tägerwilen auf den Seerücken, oben mit Aussicht flach dahin, hinten wieder runter und gemütlich flach ins Ziel – soweit meine Vorstellung… Flach ist es auf dem Seerücken eigentlich nie, die Nachmittagssonne blendet und zudem weht ein leichter Westwind. Immerhin Verhältnisse, die mich etwa gleich schnell vorankommen lassen wie die zwei gelegentlich im Rückspiegel auftauchenden Rennradler.

Die Abfahrt kommt dann nach Kalchrain doch noch. Und unten geht plötzlich gar nichts mehr. Es bahnt sich ein Hungerrast an und ich brauche dringend eine Pause. Zusammen mit den beiden vorhin schon oft Gesehenen fahre ich noch durch Stein am Rhein. Dann lege ich mich beim ersten Brunnen 10 Minuten kauend ins Gras – 10km vor dem Ziel. 10 Minuten nach den beiden bin ich in Buch SH und es ist wenige Minuten (oder waren es Sekunden?) vor 19:00. Das Ziel „ankommen bei Tageslicht“ habe ich gut erreicht bei einer Bruttozeit von 12 Stunden (Netto weiss ich wegen defekter Aufzeichnung nicht).
Aber wo ist F, den ich stets vor mir gewähnt habe? Ein Blick aufs Handy: Verfahren und 2x Platten bei Km 133 mit anschliessender Reifensuche in Tuttlingen. U hat seinen Umwerfer neu anbringen müssen. Nur 1 von 3 Liegern ist also problemlos durchgekommen – Kettenöl aufbringen zählt für mich nicht als Problem 😀 .

Geduscht warte ich mich kulinarisch verwöhnen lassend auf weitere Ankömmlinge. Um 2230 falle ich wiederum im Geräteraum der Turnhalle diesmal in einen tiefen Schlaf.

Die knapp 20km am Sonntagmorgen nach Schaffhausen rolle ich gaaanz gemütlich. Highlight ist ein sich nicht von mir störend lassender Biber im Bach zwischen Buch und Ramsen.
Advertisements

Bölchen Brevet 2017

Nach immerhin 6 Stunden Schlaf, einer kurzen Fahrt durch das frühmorgendliche Freiburg und zwei leergegessenen Tellern neben U. geht es los auf die gut 300 km lange Runde durch Schwarzwald, Jura und Rheinebene.

Mein erster Stopp nach gerade einmal 3 km:

Der zukünftige Lenker wird die restlichen 300km im Gepäck mitfahren. Danke für den unkomplizierten Service an das Radgeschäft!
Aussicht während des Aufstiegs zum Haldenhof.
Fast gleicher Ort, Blick etwas weiter links.

Im Gegensatz zum 200er sind viele Randonneure auf der Strecke und einige der Aufstiege werden dadurch schön kurzweilig.

In der Abfahrt fahre ich wieder auf eine Gruppe Randonneure auf, wo ich versuche, etwas vom mir zuvor gespendeten Windschatten zurückzugeben:

„Nennenswerter Windschatten?“ – „Nicht wirklich.“

In Bad Säckingen findet gerade ein Mittelalterfest statt.

Zwischen Münchwilen und Eiken

Zwischen Eiken und Souboz ist mir die Strecke bekannt, teilweise bestens bekannt.

Aufstieg zum Chilchzimmersattel. Die 15% der Warntafel werden schon korrekt sein…
Aufstieg zum Chilchzimmersattel. Letztes Mal (spätabens bei Vollmond) ging es da einfacher hoch.

Danke an das Team vom Restaurant Oberbölchen für die Pastaparty!

Statt die nächste Gruppe abzuwarten, fahre ich im Thal alleine gegen den Wind und werde erwartungsgemäss bei der nächsten 120-Hm-Bodenwelle eingeholt. Nur, um in der nächsten Abfahrt in der ersten Kurve wieder allen davonzurollen. Irgendwie nervt der unterschiedliche Rhythmus gerade…

… dafür erbarmt sich M. den letzten steilen Anstieg hoch nach Souboz teilweise in meinem Tempo zu fahren und etwas zu plaudern. Wir werden das später noch wiederholen 🙂

In Souboz warten bis zu fünf Randonneure am ersten Brunnen. Wenn wir nur gewusst hätten, dass in dem Ort gleich viele Brunnen wie Randonneure vorhanden sind!

Die durchfahrene Gorges de Pichoux überraschen mich: Von dieser Schlucht wusste ich zuvor nichts – obwohl sie durchaus auf einer Tagesetappe von zu Hause aus erreichbar wäre.

Etwas nach der spekakulären aber nicht fotogenen Schlucht bei Undervelier.

Veloroute 23
Der (hoffentlich) letzte Anstieg bietet auch etwas Aussicht auf die gar nicht so dunklen Wolken.

Den letzten Anstieg gehe ich ganz gemütlich an. Auf die Gruppe werde ich in der Abfahrt schon wieder aufrollen…

Für den gespendeten Windschatten versuche ich mich auf der langweiligen Strecke zwischen Kembs und Fessenheim zu revanchieren: Der zweite der Gruppe löst jeweils ab 😉 . Auf die spätere Frage, ob es etwas gebracht hat: „Man merkt es schon ein wenig – das Grundtempo ist höher“. Es wäre also möglicherweise doch asozial gewesen, „mein“ 10% höheres Tempo zu fahren.

Rheinbrücke bei Fessenheim

Nach der letzten Kontrolle powere ich mich noch etwas aus und geniesse es, durch den dunklen Gegenwind zu schiessen – der prognostizierte leichte Regen ist kaum spürbar und auf der Fahrbahn nicht sichtbar (also nicht vorhanden).

Um 21:45 treffe ich gleichzeitig mit E. und P., welche auf den letzten 10km einen anderen Weg gewählt haben, am Ziel ein.

Eine Portion Maultaschen und ein (oder so..) Bier landen noch im Magen, bevor ich dick eingepackt die drei Km wieder entlang der Dreisam zu Dusche und Bett rolle.

Wie viele Brevets oder Radreisen wurden schon mit Ersatzlenker im Gepäck gefahren?