Überführungsfahrt Velomobil, Tag 5 / Rest

Die ersten Meter des Tages legt das Velo mit einem Probefahrer zurück und um ca. 0930 gehts los. Ziel: Mittagessen in Zürich. Zuerst auch vorne rechts noch das Ventil mit einem Schlauch (natürlich inkl. Ventil) austauschen.

Bis Winterthur rollt es auf bekannter und stets ganz leicht abfallender Strecke so, wie ich mir das etwa vorgestellt habe. Wie vermutet, gibt es dort zwei passende Vorderradschläuche (habe ja jetzt keinen mehr dabei und die Eingesetzten sind mit Dichtmilch vollgesaut – nicht ideal für eine Flickaktion).

Hauptstrasse 1 nach Westen – heute ein häufiger Begleiter

Pünktlich erreiche ich den Mittagstermin und um 1330 geht es stadtauswärts im stockenden Verkehr.

In Baden mache ich einen Schlenker (Wendemanöver) wegen einer Baustelle. Immer den Wegweisern „Bern“ folgend geht es mal schneller, mal öfters stockender nach Westen. 17:00 bis 18:00 zu Hause ist gemütlich drin.

In der leichten Gefällestrecke zwischen Safenwil und Oftringen nimmt mir ein entgegenkommender weisser Lieferwagen bei optimalen Sichtbedingungen den Vortritt. Mein Ausweichmanöver führt in die vordere Ecke des dem Lieferwagen nachkommenden Autos: Kawumm!

Kopf OK. Beine OK.

Rechts ganz verkratzt (für mich nicht so tragisch), links zwischen Blinker und hinterem Radkasten viel gerissenes oder gar herausgebrochenes Carbon.

Die Auswertung der GPSr-Daten wird zeigen, wie lange es gedauert hat, bis sich das Velo wieder nach Westen bewegt hat. Dazwischen eine polizeiliche Unfallaufnahme, erste Schmerzen in der Schulter und jede Menge Leute, die beteiligt waren, irgend etwas helfen wollen oder einfach nur da sind – nicht aber der Lieferwagenfahrer.

Das Velo sieht übel zugerichtet aus (linke Chassis-Seite mehrere deutliche Risse, das Tretlager habe ich wohl aus eigener Abfederungskraft 20cm nach vorne geschoben) und mit schleifendem Reifen gebe ich die Überführungsfahrt aus eigener Kraft nach wenigen weiteren Km auf.

Um Mittternacht liege ich im Spitalbett mit Verletzungen an Herzmuskel, Brustbein/Rippe (keine Ahnung, an was ich da aufgeschlagen habe) und Schulter.

Zwei Tage später sind ich kaum leistungsfähig und das Velo kaum fahrtüchtig zu Hause.

Das hätte so nicht sein müssen.

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Überführungsfahrt Velomobil, Tag 4

Ja, gestern mit dem Velo die 90km noch nach Hause zu fahren, wäre möglich gewesen. Die Aussicht auf die Abfahrt von Langenbruck nach Balsthal im Dunkeln hat mich dagegen entscheiden lassen.

Gut ausgeschlafen und nach wiederum 1.5h Zug- und Tramfahrt bin ich wieder beim Velo und zuvor gibt es noch eine Probefahrt mit einem anderen Velo. Fährt sich ausgezeichnet 🙂 .

140km, mehrheitlich flach, liegen vor mir, um am Abend weiter von zu Hause entfernt zu sein, als am Morgen. Zuerst die Pneus pumpen, warum haben die nur 3 Bar?


Zwischen den beiden Rheinfelden verstelle ich die Tretlagerposition.
In Stein (AG) neben dem Velo einen Snack kauend, beginnt das linke Vorderrad zu pfeifen. Die Dichtmilch hält nur bis ca. 3 Bar. Also Ventil raus, Schlauch rein – zu Hause wird weitergeschaut.
Auf der Landstrasse nördlich vom Rhein ist in der Sonne ein gutes Vorwärtskommen möglich (ausser Region Waldshut, da stauts).

Eine Pause auf einem Bänkli oben ohne in der Herbstsonne liegend liegt heute auch drin. Da hält auch ein Fahrer mit einem Gazelle-Velo, dessen Ursprungsort mir R am Tag 1 in Dieren gezeigt hat – so klein ist die Welt… T-Shirt wieder trocken. Und diesmal bleibt es auch trocken (für Insider: Das aufgeklebte „DF“ lässt grüssen).

Im bekannten Thurgau rollt es ganz ordentlich.
20 Zentimeter mehr
no comment

Wieder übernachte ich in einem mir bestens bekannten Bett und morgen wird die Überführungsfahrt mit Extraschlaufe abgeschlossen.

Überführungsfahrt Velomobil, Tag 3

Zoll vor 1700 passieren. Das ist das ambitionierte Tagesziel.

Irgendwann vor sieben geht es los. Auf dem stockfinsteren ehemaligen Treidelweg stelle ich die Lampe auf maximale Blendung, ähm Ausleuchtung und pedale gemächlich vor mich hin. Ausser einem Hasen und ein paar Vögeln ist niemand unterwegs.

Saarkanal

Den Kanalweg habe ich 2013 auf der Rückfahrt vom Nordkapp schon einmal befahren (den damaligen Wildcampingplatz bei heute Km 37 erkenne ich wieder) und deshalb ist mir die Brücke mit zwei Treppen aber ohne Fahrbahn bekannt, über welche die Veloroute geführt wird. Statt dort durch fahre ich auf der Strasse.

Kurz vor dem Schild „Autostrasse in 200m“ habe ich einmal kräftig an der Bremse gezogen. Nach der sowieso benötigten Pause habe ich festgestellt, dass das Schild sich auf die Auffahrt bezieht und „meine“ Strasse auch auf der anderen Seite befahrbar ist.
Hier habe ich vor vier Jahren schon ein Foto gemacht. Heute geht es aber auf der Strasse weiter – trotz ein paar Gegensteigungen schneller und sicherer als der unübersichtliche blätterbedeckte Veloweg am Kanal.

Text von 2013.

Bild von 2013 (ganz am Schluss): 

In welligem Terrain bin ich mir trotz ordentlich Höhenmeter nicht sicher, ob ich mit einem Rennvelo oder meinem deutlich leichteren Liegevelo schneller wäre: mit von der vorherigen Abfahrt ordentlich Speed einen Hügel hinaufrollen hat schon was.

Wegen einer Baustelle fahre ich ein paar Zusatz-Km und genau die Kreuzung, wo ich wieder auf meine Strecke einbiege, ist ebenfalls eine Baustelle. Durchschieben geht und beschert mit ein paar komplett autofreie Km auf der Departementsstrasse.

Die Vororte von Strasbourg sind kein Spass, weil ständig rote Ampeln und Veloverbote.

Der Rhein-Rhone-Kanal hingegen ist deutlich angenehmer zu fahren, als es mir in Erinnerung war. Ja, die Schleusen können nie mit Schwung genommen werden (weil keine Sicht), aber sonst top und mittlerweile scheint auch die Sonne.

Ein paar Km zu viel für meinen Geschmack auf der gegenwindbehafteten D468(?) und schon rückt das Tagesziel (siehe Textanfang) in greifbare Nähe.

Nach Deutschland staut es wegen eines Unfalls.
Der deutsche Zöllner schickt mich zuerst zum Schweizer. Nachdem ich dort bezahlt habe, gibt es auch den Ausfuhrstempel – bei einem solchen Betrag ein verständliches Vorgehen.

Es gibt in der Nähe einen Ort, den zu besuchen ich mir schon lange vorgenommen habe und wo ich heute das Velo abstellen kann.

Liebes Team von W&W

Danke!

Zu Fuss und mit ÖV aber ohne Velo gehts nach Hause, um im eigenen Bett zu schlafen und danach die Überführungsfahrt schon noch aus eigener Kraft abzuschliessen. Das(sic!) Basler Tram hat übrigens einen Kratzer von einer Autokarrosserie bekommen – wenn nicht geschaut wird, spielt die Fahrzeuggrösse keine Rolle (darum fahre ich so ungern strassenbegleitende Radwege – dort schaut einfach niemand hin).

Überführungsfahrt Velomobil, Tag 2

Die erste Nacht im Freien gut überstanden (Foto vom Vorabend)

Das Frühstücksbuffet ist um gut sechs Uhr schon gut besetzt mit diversen geschäftlich Übernachtenden.

Es ist trocken und um ca. 0720 rollt die Wespe wieder.

In die Eifel geht es mehrheitlich bergauf und doch gibt es ein paar schwungvolle Abfahrten.

Auf den Strassen ist trotz Rush Hour wenig los. Als mir die Kette links neben das grösste Ritzel fällt*, hält die erste Autofahrerin an und erkundigt sich, ob alles OK sei. *aussteigen, Velo drehen, einsteigen, kurz bergabrollen/schalten, aussteigen, Velo drehen, einsteigen. Einfach ist für so ein triviales Problem anders.

In der Apotheke in Schleiden erstehe ich eine Salbe gegen den Wolf. Applikatiom ein paar Km später im Velo sitzend.

Oktoberwetter. „Schön“ ist es den ganzen Tag nicht und der Witterungsschutz macht es ganz erträglich (exkl. Brillenbeschlag, das ist doof).
Wegen Baustelle gibt es ein paar hügelige Zusatz-Km und diese flachen auf dem bei diesem Wetter ausser mir leeren Abschnitt der Kyll-Veloroute.

Vor Prüm und nach Bitburg führt meine geplante Route auf eine Autostrasse, resp für Velos gesperrte Bundesstrasse. Ersteren Abschnitt umfahre ich irgendwie über hügelige Wirtschaftswege (Fahrverbot, Landw. Verkehr gestattet – die könn(t)en mich mal… (…auf der Bundesstrasse bergabrauschen lassen). Zweiteren auf der auf meiner Karte verzeichneten Veloroute. Meistens eine schöne Bahntrasse aber mit ein paar grausigen Abschnitten (unsichtbarer Abzweiger bergab (aussteigen) und einer 180-Grad Kurve, wo ich 4x zurückrollen lassen muss und und und.

Zwischen Prüm und Bitburg führt die Strasse dem Fluss Nims entlang. Super zu fahren! Kaum Verkehr, gleichmässig leicht bergab, guter Belag. Und Nieselregen.

Die Sauer rechts vom deutschseitigen Radweg mit etlichen Wurzelaufbrüchen…
…und links der viel besser zu befahrenen luxemburgischen Strasse.

In der Nähe von Kons/Mündung von Sauer und Saar bin ich froh über einen geöffneten Supermarkt.

Es werden 130km entlang der Saar folgen. Nicht mehr alles heute…

3km rumple ich mit 15km/h über Naturbelag zur Saarschleife und nutze die geringe Geschwindigkeit für etwas Kaloriennachschub.

Mit je nach Belag 25-40km/h komme ich Kfz- und auch sonst fast verkehrsfrei gut voran. Auf deutlich über 40km/h lasse ich das Tempo nur steigen, wenn gerade eine Auffahrt zu einer Schleuse in Sicht kommt – Mechanik kann so einfach sein wenn „Luftwiderstand vernachlässigt“ gilt. 😉
Saarbrücken. Abendlicher Stau nebenan. Auf mehr als 30km/ beschleunigen lohnt sich auch auf dem Veloweg nicht…
Bild im Stand während der Unterkunftssuche in Sarreguemines, welche viel zu lange dauert, weil es verpasse, dem Handy zu diktieren das französische Netz zu brauchen.

Auf den letzten 2 der heute doch einigen Km verpasse ich eine Abzweigung. Statt umzukehren wird das Velo einen steilen ausgewaschenen Waldweg hochgeschoben.

Dusche. Pizza, gross.

Noch etwas zum Velo. Es wiegt 24.5 kg (inkl. Navi und 48Wh-Akku). Während das Cockpit von z.B. dem alten Schweizer Militärvelo aus einer Stempelbremsbedienug besteht sieht es in aktuellen Velomobilen ab Werk so aus (manchmal mehr drin, manchmal weniger):

Cockpit. Am Lenker (rechts, nicht abgebildet) Bremse (mit Bremslichtfunktion und Parkbremshebel), 2xSchaltgriff, Blinkerbedienung, Bedienung lauter Signalgeber, Navi. Abgebildet: Lichtschalter aus/Stufe1(einstellbar)/Stufe2(voll), Nebellampenschalter (Bremslicht Dauerbeleuchtung), Innenraum-/Tachobeleuchtungsschalter, Lampenhöhenverstellung, einfacher Tacho, Innenraumbeleuchtung (mit Kabel, um auch anderswo eingesetzt werden zu können). Oben nicht abgebildet: 2 Rückspiegel, Klingel. P.S. bequeme Hosen bremsen nicht im Wind 😉 .

Überführungsfahrt Velomobil – Tag 1

Um etwas nach sieben fahren wir los. Dank R’s Frontlampe (die ich erst bestellt, dann aber aus verschiedenen Gründen selber besorgen will) sehe ich auch etwas auf den ersten dunklen Metern. (Reflektierender Text „Starke Beine statt Super Benzin“)

Gemächliche gut 30 km/h rollen die zwei Dreiräder durch das morgendliche Flachland.

Die Niederländisch-Deutsche Grenze ist nur auf dem GPSr als solche erkennbar. Ein Beispiel für die Exzellenz der Routenführung…

Kurz nach Rees werden sich unsere Wege trennen und zuvor gibt es noch ein gemeinsames Mittagessen.

Lieber R

Vielen Dank, für die zwei tollen Tage, wo du als Crack Rücksicht auf mich Anfänger genommen hast.

Irgendwie fahre ich plötzlich 40 statt 30 km/h… Das wird wohl das Adrenalin der Alleinfahrt sein. Ohne Tagesziel rollt es bei weiterhin deutlich spürbarem Seitenwind nach Süden.

100 müM
Offenbar ist das der grösste von Menschenhand geschaffene Berg der Welt…
Gerne hätte ich einen Blick in das dazugehörige Loch geworfen aber näher als 50m an den vermuteten „Abschlusswall“ komme ich nicht an den Kraterrand.

Das im windschützenden Velo ausgesuchte Hotel hat eine besetzte Telefonleitung. In Zülpich (ganz beschaulich übrigens) können sie mir mitteilen „2.5m ist zu lange für im Eingangsbereich“. Da fällt mir das Schild „Hotel“ in 50m Entfernung auf und OldSchool funktioniert es auch: Da bleibe ich diese Nacht. Waren doch 280km – nicht schlecht für eine Jungfernfahrt.

Überführungsfahrt Velomobil – Teil 0 (Vorgeschichte)

Bald darf ich wieder mit dem Velo zur Arbeit fahren. Dafür soll natürlich ein neues Velo her. Vom Stadvelo zum Reiseliegevelo zum schnellen Reiseliegevelo zum schnellen Liegevelo zum… ähm ja, Velomobil nennt man das von mir bestellte Pendlervelo. Ein Dreirad mit Witterungsschutz. Nach dreimonatiger Wartezeit (bei Neukauf ist das SEHR wenig) kommt das ersehnte E-Mail: Abholbereit am Sonntag, 22.10.2016. In Dronten, Niederlande.

Mittwochabend, 20:45, Basel: Mein Gepäck hat entweder am Körper oder in den erlaubten Flixbus-Handgepäck-Massen 42 x 30 x 18 cm, max. 7kg platz.

Die Fahrt über Frankreich, Luxemburg, Belgien ist langweilig und an Schlaf viel zu wenig zu denken. Egal.

Etwas Zugfahrt und ein paar Flipflop-Schritte weiter bin ich am Ziel, resp. Start: InterCityBike, eine Montagehalle und für die nächsten vier Tage mein Zuhause.

Das fast fertigmontierte (meine Spezialwünsche können teilweise nur hier erfüllt werden) Velo kommt zusammen mit einigen anderen Velos auch bald an und am Donnerstag und Freitag darf ich das Team von InterCityBike etwas unterstützen (Türrahmen streichen z.B.), resp selbst am eigenen Velo Hand anlegen um schon mal für die häufigsten Probleme gewappnet zu sein (Aus- und Wiedereinbau des nur auf einer Seite festgemachten Hinterrades z.B.).

Das letzte Teil, die Kassette, kommt am Freitagmittag per Post an und die erste 20km-Probefahrt am Samstagmorgen ist trotz drei Rädern ziemlich wacklig und laut. Das Velo wird von manchen nicht zu unrecht auch liebevoll Rappelkiste genannt.

Wespe oder Fachbezeichnung DF, Seriennummer 151

Wie speziell diese Gefährte sind zeigt sich auf der Probefahrt: Meine Körpermasse lassen meine Wunsch-Gangschaltungskombinationen nicht zu. Mit längeren Beinen ginge es und ich ersetze das 56er Kettenblatt zähneknirschend mit dem 53er…

Fahrersicht auf den Radweg entlang des IJsselmeers (Kameratechnisch eingeschränkt, es gibt zwei sehr nützliche Rückspiegel…)

Die zweite Probefahrt ist etwas weiter und mit grossem Grinsen im Gesicht stelle ich das Velo zu den anderen der langsam Ankommenden. Am Sonntag ist Tag der offenen Tür und es werden zahlreiche Gäste erwartet. Mit neben den Niederländern einem Belgier, ein paar Briten und Deutschen wird es ein gemütlich-süffiger Abend.

Als Aktivprogramm gibt es am Sonntag ein etwas eigentümliches Rennen: „hochillegal“ nennen es die Einen augenzwinkernd, „nur zum Spass“ andere und erbittert (wahrscheinlich) kämpfen alle um jeden km/h auf dem hin und zurück zu fahrenden Radweg zwischen Lelystad und Enkhuizen (auf Karte anschauen!). R nimmt I und mich unter seine Fittiche und mit zum Start, von wo aus wir das von technischen Problemen und körperlicher Leistungsfähigkeit geprägte Rennen und das Treiben im Start-/Zielgelände passiv mitverfolgen und bald nach den ersten Zieleinfahrten den Rückweg antreten. Mein Velo ist als einziges der drei plattenfrei geblieben. Aber die Dichtmilch der Tubeless-Pneus hat schon mal arbeiten dürfen…

Eine andere Konstellation der Gäste erwartet uns zurück beim Tag der Offenen Tür und der Abend wird nicht ganz so lang. I will am Morgen früh starten um die Fähre nach England zu erwischen und ich darf an R’s Hinterrad bis zum Rhein eine mittlerweile perfektionierte Streckenführung dahin nachfahren.

Lieber Y, F und P

Vielen Dank für eure Mühen, das Beantworten der Anfängerfragen und die enorme Gastfreundschaft!

Alpenluft+ Brevet 2017

Die Erinnerungen an mein erstes Brevet letztes Jahr sind gut und so darf es auch diesmal auf die gleiche Strecke gehen. Wirklich gleich ist die Strecke(*) nur für gefühlte 20%. Die Abweichungen sind neben tatsächlich anderen Strecken (Rheindamm, Furka, Grimsel, Vierwaldstättersee vor allem der Tageszeit geschuldet: Bei einer um 12 Stunden verschobenen Startzeit sieht manche Ecke etwas anders aus…
*Rundstrecke: Nördliches Bodenseeufer, Oberalppass, Furkapass, Grimselpass, Luzern, Brunnen, Eglisau.

Plan: Bis Chur entweder mit den Schnellsten mit- oder alleine ganz gemütlich fahren, spätestens in Reichenau ein ausgiebiges Zmorge und Nickerchen machen. Ganz gemütlich über die Pässe fahren. In Zürich schlafen bis frühmorgens und in den Morgenstunden gemütlich nach Buch zurückfahren.

20-25 Fahrer starten gut gelaunt um 20:00 Uhr in Buch SH. Die mir bekannten Gesichter von P (siehe Bericht letztes Jahr), R (vom 400er) und F sind auch dabei 🙂 .
Westwind=Rückenwind und dementsprechend flott rollt es zum Überlinger See. Leider erreichen die dunklen regenreichen Wolken diesen vor uns Randonneuren.

Der einsetzende Regen (oder war es mein Tempoforcing, um vielleicht doch vor dem Regen durchzukommen?) sprengt die Gruppe und zum ersten Checkpoint (CP) fahre ich mit B, welchem der Track auf dem GPSr irgendwie abhanden gekommen ist – ganz ärgerlich!

Sonnenuntergang bei Regen am Überlinger See. Sieht schöner aus, als es sich anfühlt…

In und kurz nach Friedrichshafen versuche ich mich an einer anderen Route. Demensprechend fahre ich alleine durch die Nacht und treffe erst am Anfang des Rheinradweges – wieder zurück in der Schweiz – auf das kleine Grüppchen mit P, R und R. Mittlerweile hat der Regen aufgehört, der Belag ist dennoch triefend nass.

Wie bei Friedrichshafen biege ich in Kriessern von der Route ab mit dem Ziel, dem Fürstentum auf der anderen Rheinseite einen kurzen Besuch abzustatten:

Oops…!

Von der anderen Rheinseite ist die Brevet-Strecke so gut überschaubar, dass ich drei Gruppen auf dem Damm ausmachen kann. Dank P’s speziellem Hinterrad ist eine Identifikation „meiner vorherigen Gruppe“ auch problemlos möglich: Etwas Druck auf die Pedalen und trotz des kleinen Umwegs mit kurzer Pause bin ich wieder dran an der Gruppe.

Das (von mir höchstpersönlich rekognoszierte und empfohlene) unbefestigte Stück kurz vor der Heidiland-Raststätte (CP-2) ist bei so aufgeweichtem Boden kaum fahrbar. Sorry den anderen!

Anscheinend hat die Raststätte zu, was einige vor ein Versorgungsproblem stellt. Das erfahre ich aber erst später und rolle mit F gemeinsam weiter rheinaufwärts. Eine kurze Pneu-Kontroll-Pause machen wir ausgangs von Chur wegen viiiiiel Glas auf der Hauptstrasse zuvor…

Die Dämmerung beginnt während des Aufstiegs nach Versam. Leider ist es noch zu dunkel, um die Rheinschlucht richtig betrachten zu können.

Wenig vor Ilanz/Glion reisst F’s Schaltzug und dank R’s Einsatz und Wissen steuern wir zu dritt den Bahnhof mit angrenzendem Veloladen an.
Ein paar Kafees und Gipfelis später machen R und ich uns auf den Weg und sind später ganz erstaunt, dass F bereits um 07:20 mit einem neuen langen(!) Schaltzung wieder unterwegs ist.

Impression Auffahrt Oberalppass
Impression Auffahrt Oberalppass

Erster Pass geschafft! Geheimkontrolle (schwarzer Van im Hintergrund) und eine Suppe warten auf uns.

R ist nicht zuletzt wegen des geschlossenen Heidilands mit seinen Kräften am Ende. Die Idee einer heissen Bouillon auf dem Pass gefällt mir ebenso. Kurze Zeit später sitzen zwei eigenartige Gäste im Restaurant und salzen die Tomatensuppe (es gibt keine Bouillon) bis an den Rand der Geniessbarkeit.

Mit R die ersten Serpentinen hoch Richtung Furkapass
Impression Furkapassfahrt

Den Mann mit dem Hammer gibt es also doch noch! Zum Glück kommt bald ein Wasserhahn, wo ich mich etwas rehydrieren kann und so viel in mich reinfuttere, dass gerade noch ein halbes Pack Traubenzucker für den absoluten Notfall übrigbleibt. Traubenzucker im Mund und diesen direkt am Hahnen mit Wasser füllen funktioniert gut.

Eigenartiges Bekleidungssetup: Knie links braucht Wärme, rechts Erholung von einschneidendem Knieling und die Ohren sind ebenfalls kalt…
Blick zurück
Das war ein hartes Stück Arbeit

Oben schlage ich das Angebot von S zum gemeinsamen Essen aus, schliesslich habe ich mit R abgemacht „Zmittag auf dem Grimselpass“.

Auf der Abfahrt nach Gletsch werden die Bremsbeläge ordentlich beansprucht. Schade, die ganze Energie wegbremsen zu müssen.

Von Gletsch bis hierhin geht es erstaunlich gut. Ein Brevet ohne Schiebepassage kann irgendwie nicht sein und so stosse ich das Velo bis zur eigentlichen Passhöhe (100m weit?)…

Oben zeigen sich uns in Fahrtrichtung dunkle Wolken und aus dem Plan „Zmittag hier“ wird „Zmittag in Innertkirchen“.
Auf der Abfahrt haben wir teilweise nassen Belag und Regen. Nachfolgende berichten auch von Hagel – Glück gehabt.
Die Bouillon mit Ei gefolgt von Rösti tun gut! Vor der Weiterfahrt decken wir uns mit Proviant „wenn nötig bis zum Ende“ ein und fahren gemeinsam mit F weiter.
Südlich des Flugplatzes Meiringen werden wir mal wieder nass.

Die Fahrt auf den Brünig macht keinen Spass. Die gelegentlich tolle Aussicht macht den nervigen Freitagabendverkehr nicht wett.

Die Alternativroute in Giswil erweist sich als Flop. Bald darauf beginnt der Regen und bald sind wieder alle Kleider nass. Unter der Autobahnbrücke bei Stansstad treffen R, F und ich auf die Gruppe mit P (welcher schon entschieden hat, in Luzern abzubrechen), R und H-J.

Auf der Halbinsel wollte ich eigentlich baden gehen. Jetzt frieren wir und rüsten uns für die Stadtdurchfahrt und die kommende Nachtfahrt.

Es schüttet weiterhin in Strömen. Die Bremsen funktionieren nicht ordentlich und meine Sicht ist massiv eingeschränkt (zu viel Sand in den müden Augen). Das ist insbesondere deshalb ein Problem, weil ich bergauf der Langsamste, mein Velo bergab aber das Schnellste ist. Eine Weiterfahrt in der Gruppe kann ich unter diesen Umständen nicht mehr verantworten und so setze ich mich an die Spitze… und fahre ab Gersau (CP-6, mir ist schon beim Fahren kalt, wie kann man da nur noch Pause machen?) mit nur noch F an meinem Hinterrad weiter durch den Dauerregen.

„Hast du es gemerkt?“ fragt F irgendwo zwischen Brunnen und Seewen. Nein, dass der Regen aufgehört hat, habe ich tatsächlich nicht gemerkt! Der kleine Hubbel bei Goldau ist trotz Liegevelo bergauf angenehmer zu fahren – mit kaum wirksamen Bremsen ist eben selbst Hauptstrasse (=Vortitt 😉 ) nicht lustig. An der Coop-Tankstelle in Arth erblicke ich gerade das Erlöschen des Leucht-Logos und wir sind wir die letzten Gäste für heute – geöffnet bis 23:00 Uhr.

Entlang des Zugersees trocknet die Fahrbahn und damit löst sich auch mein Bremsenproblem, um mit einem nicht weniger Gefährlichen ersetzt zu werden (worüber ich mich hier aber schön ausschweige).

Ein paar Minuten Schlaf während des kurzen und flachen Aufstiegs nach Sihlbrugg tun gut und die Fahrt durch das Sihltal ist bei Nacht schön.

Im grössten durchfahrenen Ort gibt es für F und mich eine heisse Dusche und ein warmes Plätzchen. Das ist bitter nötig!

Wecker auf in 4h.

Etwas schlaftrunken rollen wir durch die Stadt, machen bei einem Beck eine Zmorgepause und kurz darauf eine Zwangspause wegen Glassplitter in meinem Vorderradschlauch – mein erster Platten auf einem Brevet. Wahrscheinlich sind wir zu diesem Zeitpunkt hinter der Soll-Geschwindigkeit von 15km/h. Wir werden es trotzdem gemütlich ins Ziel schaffen.

Die Sonne scheint und uns geht es trotz einigen holprigen Naturbelagsstrecken entlang der Glatt gut.

Genussfahrt entlang der Glatt

Das Wehr zum zweitletzten CP ist dieses Jahr passierbar. Rückenwind pustet uns dem Ziel entgegen.

Die Wege sind mir von letztem Jahr in Erinnerung, ausser dem neuen Anstieg nach Lohn SH, welcher aber sehr gut in das Konzept der Strecke passt und uns mit nochmals ein paar absoluten Genusskilometern belohnt.

Als letzte Finisher* treffen F und ich um 10:45 – 75 Minuten vor Kontrollschluss – im Ziel ein, wo einige der Mitstreiter über Erlebnisse sinnieren und leckeres Zmittag essen.
*Davon gab es leider wieder erstaunlich wenige (9?).

Nach einer kurzen Stärkungs- und Regenerationspause fahren F und ich wieder nach Schaffhausen – diesmal gegen den Wind und noch gemütlicher.

Mein Tag klingt mit dem Touristenprogramm „Munot und Rheinfall“ aus. Tiefschlaf um 21:00 Uhr.

Bewegte Bilder von F.