El Chaltén (2)

Der Tag beginnt nach einem verplämperten Morgen eigentlich erst um 14:47.

Genau dann entscheiden wir nämlich, es wäre noch genügend Zeit für ein Kafi nebenan, welches wir dann in Bechern to go um 14:58 in den Händen haltend gerade noch rechtzeitig mitnehmen zum Briefing…

…für das korrekte Anziehen eines Trockenanzugs. Mit 5 Weiteren werden wir so verpackt in einem Gummiboot den Río de las Vueltas hinunterschaukeln. River Rafting, der erste von zwei Touriprogrammpunkten. Das Boot unfreiwillig verlassen hat heute nur jemand – jemand von uns…

FOTOS NACHZUREICHEN

Es hat Spass gemacht und war eindrücklich.

Beim Apéro leisten uns zwei Kanadier aus Banff Gesellschaft.

Das Abendessenlokal ist nahe genug, um uns selbst danach noch heimzurollen.


Für einmal nicht ausschlafen: Wecker 2.5h nach Sonnenaufgang.

Beim Zmorge sitzen auch je ein Paar aus Kanada und Deutschland. Beide gehen oder waren auf einem Schiff im Süden. Vielleicht haben wir ja Glück und erwischen noch eine Last-Minute-Option.

Um 9 sollen wir abgeholt werden. Um 0930 machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Veranstalter*. Unsere Buchung ging unter und es geht erst um 1400 los.

Nach einem Café-Besuch mit Planung sind wir bereit für unseren zweiten Besuch im Nationalparkbüro.

Im Reisebüro buchen wir diverse Transfers, um unsere nächsten Pläne zu fixieren: Keine Blogupdates zwischen 14.-19.12. und 21.-24.12.

Mittlerweile ist die Zeit verbummelt und wir begeben uns mit zwei weiteren Paaren auf den Ausritt – zuerst im Auto, dann 2-3h zu Pferd. Begleitet von zwei waschechten Pferdeflüsterern und einem alle Kaninchen vorwarnenden Hund wackelt es sich ungewohnt durch das weite leichtbewaldete Flusstal ausserhalb des Nationalparks.

Wie gestern schafft es nur jemand unfreiwillig vom (sich hinlegenden) Gaul – jemand von uns…

Fotobeweis, sonst glaubt das niemand 🙄

Nicht alle Pferde auf der Ranch sind gesattelt.

Kleider waschen.

Henkersmahlzeit vor der Couscous-Diät: Viel, lecker, fein. Der Wein auch.

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Laguna de los Tres

Gestern vergessen: Während des Aufstiegs haben wir Hasen gesehen, während dem Abstieg Papageien. In der Pizzeria wurde uns mit (oder gar vor?) der Menükarte auch gleich ein Zettel mit dem WLAN-Passwort gereicht.

Von El Chaltén gibt es zwei längere Tagestouren mit dem Ziel, nahe an einen der berühmten Berge zu kommen. Wir kombinieren heute beide…

Entlang des Río Fitz Roy haben wir immer mal wieder einen Blick auf das nicht gerade langsam fliessende Gletscherwasser.

Blick Richtung Cerro Torre.

Bevor wir von der vielbegangenen Route abbiegen, um den anderen Berg zu bestaunen, bietet sich uns obige Aussicht auf die berühmte Felsnadel mit umliegenden Gletschern. Schon eindrücklich.

Windstill und ausser den selbstverursachten Geräuschen ganz still steigen wir durch den Wald weiter hinauf zur…

Laguna Hija. Am sichtbaren Ufer tummelt sich eine Gänsefamilie und diese beobachtend kommen wir mit entgegenkommenden Romands ins Gespräch.

Ein Baum gibt Windschutz für einen kleinen Snack.

War der Wanderweg zum Cerro Torre am Morgen schon ziemlich begangen, so ist es der zum Fitz Roy noch deutlich mehr. An einer Stelle geraten wir gar in einen kleinen Stau 🤐. Wir können es aber niemandem verüblen, ist doch die Aussicht am Lago de los Tres schlicht spektakulär:

Panoramaaufnahme bergwärts. Soo viele andere Leute hat es gar nicht.

Weils so schön ist, gleich nochmal.

Wir geniessen die Aussicht auch…

…talabwärts.

Im strammen Schritt mit leichtem Hungergefühl steuern wir wieder auf den Burgerladen zu. Jeder(?) der 10 km bis zum Dorfrand ist ausgewiesen.

Ganz ohne Blick zurück geht es dann doch nicht…

Mit ziemlich Kohldampf schlemmen wir uns durch die Karte – beide Seiten 😉.

Loma del Pliegue Tumbado

Der erste Gipfel.

Mit vollem Bauch machen wir uns gefühlt spät auf den Weg bergauf.

Bald nur noch im T-Shirt dank Wanderwegführung im windschützenden Wald geht es stetig bergauf. Am Waldende kurze Pause.

Der Wind bläst auch ein paar Regentropfen und Schneeflöckchen in unsere Gesichter. Die Aussicht oben ist nicht ganz so spektakulär, wie sie sein könnte:

Blick in eine Talrichtung. Die hohen Berge sind hinter der Wolkenwand.

Nach kurzer Rast machen wir uns wieder an den…

Abstieg

Auch über saftige Wiesen:

800 m.ü.M.

Pizza und Burger gehen dem Nachmittagsschläfchen voraus.

Wir planen und buchen das Touriprogramm der nächsten drei Tage (mehr dann im Blog 😉 ).

Beer&Burger steht seit gestern als Abendlokal für heute fest. Leider bereits überfüllt – in der gegenüberliegenden Brauerei gibts keine Burger – egal.

Mittlerweile ist auch die Bergsicht wieder klar – einige Stunden später zu wandern wäre noch windiger und aussichtsreicher gewesen…

Es ist draussen noch hell als wir einschlafen.

El Chaltén (1)

Der markante Felszacken ist auch aus dem einfachen Zimmer sichtbar, welches wir für die nächsten 6 Nächte gebucht haben.

Sonntag. Ausschlafen. Also fast: Der Wecker bei Sonnenaufgang für einen kurzen schläfrigen Blick aus dem Fenster zum rot leuchtenden Bergpanorama muss schon noch sein.

Der erste Wandertag erwartet uns: 2×2 Stunden ums Dorf.


Nördlich von El Chaltén

Nach einer Stunde auf flachem Spazierweg erreichen wir den…

…Chorillo del Salto…

…von wo aus es nach dem Verzehr eines kleinen Snacks schnurstracks zurück ins Dorf in die Waffleria geht. Mmmh!

Die beiden Aussichtspunkte…

…Mirador Aguilas…

…und…

…Mirador Cóndores…

…sind dem Wind ziemlich ausgesetzt. Eine Gelegenheit, uns schon einmal daran zu gewöhnen.

Im Nationalparkbüro bringen wir die Anforderungs- und Ausrüstungsliste in Erfahrung und in einem kleinen Shop erstehen wir das später in der kleinen Küche zubereitete Znacht.

Irgendein (Fussball?-)Spiel wird irgendwo gewonnen und es zeigt sich, dass nicht nur Touristen im Dorf sind. Das Hupkonzert erinnert an eine Grossstadt.

El Calafate (1)

Der Shuttle bringt uns direkt zum einfachen und gemütlichen Hostel im Zentrum.

4 Dinge wollen wir noch besorgen: Hosengurt, Bargeld(-tausch), (Rein-)Benzin und Trinkwasser. Nur letzteres finden wir. Morgen ist auch ein Tag.

Das Fleischstück auf dem Teller entspricht den Vorurteilen. 🙂

Benzin an der Tankstelle, Hosengurt im gefühlt letzten Laden, Wechselstube samstags geschlossen.

Um die Laguna Nimes(?) beobachten wir diverse Vögel, darunter auch Flamingos, welche durch einen streunenden Hund aufgescheucht werden.

Das Ufer des Lago Argentino ist (um die Jahreszeit?) verlandet und wird als Pferdeweide benutzt. Ein Sonnenbrand zeichnet sich ab.

Passend zu Temperatur und Sonne gönnen wir uns ein Glacé.

Auf dem Weg zum Busterminal hat die Wechselstube nun doch geöffnet und nach etwas Wartezeit sind wir ein kleines Bündel ärmer und ein dickes Bündel reicher.

Der Buschauffeur will von unserem ihm auf dem Handy präsentierten E-Ticket nichts wissen. Am Schalter wird es gegen Gebühr gedruckt – inkl. Sitznummer 😉 . Die Sicht auf den 220km durch die Frontscheibe ist super. Auf der zweiten Hälfte präsentiert sich der stetig näherkommende Fitz Roy wolkenlos.

Pünktlich(?) erreichen wir El Chaltén.

Patagonien, der Weg dahin

Die logische Konsequenz einer speziellen Wanderung vor knapp einem Jahr auf der Tropeninsel La Réunion ist, wieder gemeinsam zu verreisen. Diesmal nach Patagonien, Südsüdamerika.

Der Plan: Anfang Dezember 2018 nach El Calafate, eine Woche El Chaltén, Anfang Januar von Ushuaia zurück.

Das ist ziemlich wenig Plan für die Hauptreisezeit. Unsere Ausrede: In den letzten Monaten gab es noch Wichtigeres als die Reisevorbereitung.

Hinreise

Eine halbe Stunde nachdem der Handwerker unser Zuhause verlässt, schliessen wir die Tür. Wenig später tut das auch der Lokführer, öffnet sie zum Glück nochmal um unser liegengebliebenes Portemonnaie mit uns verreisen zu lassen.

Am Flughafen werden wir herzlich verabschiedet.

Die gut 20′ Gehzeit in Madrid reichen bei weitem nicht, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Sie kann schlafen. Später über dem Atlantik auch.

Buenos Aires. Aussentemperatur 20°C. Das haben wir uns anders vorgestellt.

Der Shuttle-Bus, mit welchem wir zum anderen Flughafen wollen, um unser Gepäck schon einmal aufzugeben, bewegt sich im Innenstadtstau mit ca. 1 km/h. Der Fahrer ist einer der Stauhauptverursacher – wir bleiben auf JEDER Kreuzung stehen. Statt am anderen Flughafen steigen wir schon am Bahnhof aus.
Ausgeschlafen erreichen wir den Flughafen am nächsten Tag. Das Triebwerk braucht noch etwas Aufmerksamkeit der Mechaniker – knapp 2h Verspätung.
Gute drei Stunden Flugzeit nach Südwesten haben kaum Einfluss auf die Sonnenaufgangszeit. -Untergang ist aber 2h später.
Der Flughafenshuttle schliesslich bringt uns nach El Calafate, dem ersten Etappenort unserer Patagonienreise.

Brevet Schweiz+ 2018

 

Vorgeschichte

Alles beginnt mit einem Handschlag vor 14 Monaten: In der Zeit habe ich mich intensiv mit der Strecke des 1000-km-Brevets von Audax Suisse beschäftigt und einen ersten Streckenentwurf im letzten Oktober auch abgefahren, wobei auch das Beitragsbild entstand.

45 km liegen hinter mir, vor mir dampft eine leckere Portion Pasta und rundherum finden Randonneursgespräche statt.
Es freut mich, M kennenzulernen, von welchem ich schon einiges gelesen habe. Morgen werden also zwei Velomobilisten auf der Strecke sein. Schade ist F (siehe Alpenluft+ 2017) wegen technischen Problemen nicht mit von der Partie.

Wofür wir uns angemeldet haben: 1035 Kilometer in 75 Stunden aus eigener Kraft durch vier* Sprachregionen, fünf Länder (ein 6. liegt nur 50m Umweg entfernt) und über zwei Alpenpässe.
*Merci, Armon

Start

start
Mittwochmorgen. Schlotternd stehe ich da mit nacktem Oberkörper im Halbkreis für das Gruppenfoto (es fehlen zwei Velos…), das zu schiessen dann doch ein paar Minuten dauert. Dann um ca. 0630 geht es los – M und ich traditionell zuhinterst.

„Alles OK“ ist die Antwort des mit ausgebautem Rad am Wegrand sitzenden Randonneurs. Platten gönne ich niemandem und bereits nach wenigen Pedalumdrehungen schon gar nicht 😦 .

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Gut 1000 km liegen vor dem Wäschpi. Die Stimmung dürfte ruhig so bleiben.
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Rheinfall am Morgen bei Niedrigwasser

Mittelland

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Im Windschatten von Ms „Alpha“.

Die Streckenführung ist ziemlich direkt. Daher fahren wir auch die Abkürzung zwischen Bad Zurzach und Döttingen, wo mir auf der zweiten Hälfte der Tacho erschreckendes anzeigt :O . Kürzest und flachest bedeutet hier einige Km auf Naturbelag. Um die Tageszeit scheint niemand unterwegs zu sein, trotzdem ist es in der Kiste alles andere als „ruhig“.

Am Bielersee taucht M wieder in meinen Rückspiegeln auf und kaum geht es das erste Mal richtig bergauf entschwinde ich dem Seinigen.

Jura

Audax Suisse hat sich für den ersten von drei betreuten Checkpoints ein lauschiges Plätzchen am ruhig dahinfliessenden Bach in der traumhaft schönen Schluchtumgebung ausgesucht. M ist bergauf erneut schneller und wir werden uns erst geschätzte 350km später wiedersehen.

Der Schatten in der Schlucht tut gut.

Habe ich erwähnt, dass die Fahrt durch die Schlucht, so steil sie auch sein mag, superschön ist? A propos steil: Das Hinterrad hat Traktionsprobleme…

Bergauf überholen mich 4 Randonneure. Wie sie die 14% (Schild in Gegenrichtung) hochfahren, sieht zwar auch nicht gerade anstrengungslos aus, aber ist deutlich flotter. Kaum über der Wasserscheide (Nordsee/Mittelmeer) und der Landesgrenze sehen wir uns trotz schlecht rollendem Belag wieder. Das wird sich noch ein paarmal wiederholen.

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Lac Saint-Point. Diese Aussichten lassen den schlecht rollenden Strassenbelag vergessen.
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An den meisten Checkpoints muss ein Selfie gemacht werden. Dieses sieht so eigenartig aus, dass es im Bericht landet (auch wenn überhaupt nie zum „ansehen“ gemacht). Der Brunnen im Hintergrund hat den Füssen die langersehnte Entspannung gebracht.
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Die Kuhweidestrecke. Für mich definitiv eines der Highlights des Brevets (und von Veloland Schweiz) 🙂
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Abfahrt zum Lac Léman. Ganz links im Bild das Mt. Blanc Massiv.

In Genf gibt es auch bei Sonnenuntergang noch einen ziemlichen Stau. Und ich bin natürlich mittendrin, ergo mitverantwortlich.

Nacht…

…ist es, als ich aus der Stadt draussen bin. Wie holperig, kurvig und … die Radroute auch ist, auf der Hauptstrasse hätte das keinen Spass gemacht. In Evian dürfen wir nochmals etwas bergauf kurbeln und werden dafür mit einer grandiosen Aussicht auf das Lichtermeer am gegenüberliegenden Schweizer Ufer und mit Evian-Wasser belohnt (wohl nicht das Gleiche wie in den Flaschen).

Das restliche Seeufer ist praktisch leer und die Strasse kann ich somit meistens gut ausleuchten. Gleiches gilt natürlich noch viel mehr für die folgenden Kilometer auf dem Rhône-Damm.

An den ersten angesteuerten Orten für einen Powernap erwarten mich die Mücken schon. Weiter. In Fully werde ich fündig und bewege mich die nächsten gut 2h nicht. Trotz des kurz zuvor in mich hineingeschütteten Colas ist etwas Schlaf zu finden kein Problem.

Dank Reflektorweste ist H unter einer Brücke gut zu erkennen. Ich möchte den Schlaf möglichst wenig stören und flitze vorbei. Erst viel später erfahre ich, dass der Stop unfreiwillig war und bis Tagesanbruch dauerte. Sorry für das Gerumpel und noch viel mehr fürs nicht anhalten!

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Morgenstimmung im Wallis

In wenigen Stunden beginnt das Openair Gampel. Ich komme bei Tagesanbruch durch(!) das Festgelände und meine Befürchtung eines Umwegs für einige der nachfolgenden Randonneure wird sich bewahrheiten.

M hat länger geschlafen und ich bin wenig vor ihm. Die Verabredung in Brig klappt.

Dank Autoverlad…

…könnte man den Simplonpass selbst mit dem Velomobil ganz bequem hinter sich bringen. Könnte.

Der Innenraum des Wäschpi und mein linkes Bein erhalten eine Coladusche, was das Raumklima auch nicht gerade angenehmer macht. Der Leistungsmesser von Ms „Alpha“ zeigt 180W – das Wäschpi mag diesem Tempo nicht folgen und so entschwindet M langsam aber stetig vor mir.

Ich schaffe es tatsächlich, mich bergauf (mit 5 km/h!) zu verfahren: In ein ebenso steiles und schmales Strässchen, welches ich nach aussteigen und wenden leicht frustriert wieder runterrolle – unten natürlich ein Stopschild.

Ein Telefonat nach Skandinavien tut gut. Merci!

Das oberste Drittel legen wir mangels Alternative auf der mit Tunneln und Galerien gespickten Hauptverkehrsachse zurück. Dank(!) Werktag+Schwerverkehr ist das gar nicht so unangenehm: Die bergauffahrenden Fahrzeuge kommen stossweise und ich habe jedes Mal gerade eine Ausweichbucht zu meiner Rechten. Und die Töfffahrer tun sich diese Lastwagenkolonnen offenbar nicht an. Ich fühle mich beleuchtet wie eine vorweihnächtliche Shoppingmeile (wie am Briefing gefordert) – eine Lampe hätte ich dem mich fast zuoberst überholenden und gänzlich unbeleuchteten Gümmeler schon ausgeliehen…

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Simplonpass. Der zweite betreute Checkpoint wartet.

Am Checkpoint treffe ich M ein letztes Mal. Mein Tagesziel werde ich auch erreichen, wenn ich mich hier am See im Liegestuhl bei bestem Wetter noch etwas erhole. Einige Randonneure trudeln in den gut zwei Stunden ein.

Auf den ersten Metern der Abfahrt geniesse ich den Gegenwind (weniger Bremsenbelastung. Hey, bisher hatten wir eigentlich nur Rückenwind…). Bald dämmert mir aber, was dieser Gegenwind bald bedeutet: Unterhalb von Domodossola fühlt es sich an, als ob sich sich ein eingeschalteter…

…Haarföhn…

…mit voller Leistung 20cm vor meinem Gesicht befände. Und das Zeugs, worauf/worin das Wäschpi so hässlich rumholpert, macht die Fahrt zum See auch nicht angenehmer. Aber es geht leicht bergab und das macht ja immer irgendwie Spass. Der Sekundenbruchteil der Fahrt in Mergozzo, als die enge Häuserschlucht auf der Seite verschwindet und den Blick auf den See* freigibt: Herrlich!
*den kleinen Lago di Mergozzo, das ist aber in dem Moment nicht erkennbar und auch völlig egal

Entlang der Seen gibt es zwar immer mal wieder kurze schöne Aussichten. Die Aufmerksamkeit habe ich neben Verkehr und Strassenbelag nicht auf die Kamera gerichtet…

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Ein Gelato in Italia muss einfach sein. Ebenso wie das überhitzte Velo sofort in den Schatten muss (egal wie unglücklich platziert es ist…). Nicht im Bild sind der Nachschlag und der See gleich rechts nebenan 🙂

Auf der Magadino-Ebene kommt mir erst ein Handbiker entgegen und wenig später überhole ich einen Trikefahrer.

Die Hitze scheint mir doch zuzusetzen. Vor Sonnenuntergang (wie geplant) werde ich den dritten betreuten Checkpoint nicht mehr erreichen.

Steil…

…soll er sein, der Aufstieg zum San Bernardino Pass. Tatsächlich werde ich das Wäschpi ca. 3 km vor mir herschieben, was die Fusssohlen entlastet. Im Gegensatz zum Simplon gibt es hier eine Autostrasse, weshalb Velofahrer die Hauptstrasse um die Tageszeit praktisch für sich alleine haben. Ein nachfolgender Randonneur wird von einer skurrilen Polizeibegegnung berichten.

H ist gerade im Begriff, die restlichen Km in Angriff zu nehmen, als ich ankomme.

Für mich ist die Betreuung vielleicht noch ein bisschen herzlicher und ich freue mich sehr, P/J zu sehen.

Bald liege ich frisch geduscht mit vollem Magen auf einer richtigen Matratze und der Wecker läutet erst in neun Stunden.

Ausrollen

Der Wecker läutet noch nicht, als sich wie von Geisterhand geweckt drei Randonneure zeitgleich aus ihren Nachtlagern erheben. M ist seit einer Stunde im Ziel (das erfahre ich erst viel später).

Gut verpflegt und ausgeruht bedanke ich mich nochmal (aber viel zu wenig, sorry!) für den Service. Ich könnte mir in den geschundenen A. beissen, weil ich eines meiner Ziele versäumt habe: Ein Erinnerungsfoto mit dem Checkpointbetreuer fehlt mir.

Es bleiben mir 26.5 Stunden für knapp 250 km bergab. Entgegen der Prognose von Anfang der Woche regnet es nicht. Im Gegenteil:

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Morgenstimmung am San Bernadino Pass
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Kurz vor der Passhöhe nochmals ein Blick zurück
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San Bernadino Pass, (knapp) höchster Punkt des Brevets
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…die Ampel wurde gerade grün.

In der Viamalaschlucht halte ich extra an – das Foto wurde nicht gut, gefallen hat mir der Stop natürlich trotzdem 🙂

Dankend rufe ich in Cazis das am Briefing Gehörte in Erinnerung und rolle flott weiter bis zum Stau in Chur und danach über die letzten Naturbelag-Km des Brevets.

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Rheindamm südlich von Sargans. Der Rückenwind lässt langsam nach, zuvor lasse ich es aber nochmals für ein paar Hundert Meter richtig laufen was die Übersetzung hergibt. Das muss einfach sein…

Als einziger Audax-Suisse-Teilnehmer fahre ich zum dritten Mal in diesem Jahr zum gleichen Checkpoint und dennoch ist die Aufgabenstellung jedes Mal eine andere. Es sind solche banalen Details, welche zeigen, wie viel Herzblut in die Organisation gesteckt wird.

Der Bodenseeradweg kann zwar noch mehr unmotorisierten Verkehr aufnehmen. Mit meinem „Geschoss“ etwas zu bummeln stört mich wahrscheinlich deutlich weniger als einige 30-kg-Gepäck-auf-unplattbaren-Pneus-um-den-Bodensee-Fahrer, welche teilweise sehr laaaaaanges Leerlaufgesurre hinter sich ertragen müssen- vielleicht sind einige von ihnen ja tatsächlich auf Weltreise… Vor Nachtanbruch könnte ich es schon bald zu Fuss ins Ziel schaffen.

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Spätes Zmittag in der Badi. Noch ca. 60 km.
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So dürfte der Bodenseeradweg gerne die ganze Zeit sein.

Um 1630 bin ich am Ziel.

Einen Tag später werde ich erfahren, dass fast 90% der Gestarteten das Brevet zu Ende gefahren haben und niemand wegen Unfall abbrechen musste.

Ausklang

Etliche Randonneure kommen nur wenig vor/hinter mir ins Ziel. Während schon Angekommene helfen, das Audax-Suisse-Zelt vor dem Sturm zu retten, werden die erst noch Ankommenden auf den allerletzten Metern dieses Sonnen- und Rückenwind-Brevets doch noch nass.

Die abendlichen Randonneurgespräche drehen sich um Selfsupported-Racer und Monsieurs und die eben durchgeführte Tortour. Und natürlich über das (gerade) Erlebte.

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Nach 9h Schlaf mit gefülltem Magen und Rückenwind rollt es die 150km bis nach Hause fast von selbst.