Lötschberg einfach

0445: Wecker.

0456: Das Velo fährt.

Rollend mein Zmorge futternd lasse ich mir den Plan nochmals durch den Kopf gehen, während es entgegen der Prognose doch noch etwas Niederschlag gibt: Nach Kandersteg fahren, dort in den Autozug steigen, das Wallis abwärts fahren und in Bulle entscheiden, ob ich direkt nach Hause fahre (ad hoc Planung) oder noch einen Schlenker via nördlichem Neuenburgerseeufer einlege (Route vorbereitet).

Bis Worb folge ich via Krauchthal den Hauptstrassen, welche um diese Tageszeit leer sind: < 1 Auto / 5 Minuten und ein Bahnersatzbus in Gegenrichtung.

Der Regen hört bald auf und ab Worb habe ich den Niesen im Blick, welcher als guter Orientierungspunkt für eine Fahrt ins Kandertal dient. Für die Routenwahl verlasse ich mich dennoch auf das GPSr oder mein Gedächtnis, wo die vorgeplante Route durchs Fahrverbot führt.

Mittlerweile ist die Sonne über dem Horizont. Bis sie den Grund des Kandertals erreicht, dauert es aber noch etwas. Die Morgenstimmung fern vom samstagmorgendlichen Wochenendautoverkehr ist herrlich.

Leider ist die Veloroute nicht durchgängig befahrbahr. Hier ist sie gesperrt wegen Lawinengefahr.

Und hier ist fahrend ebenfalls kein Durchkommen: Auf dem letzten Kilometer teilweise Traktionsprobleme selbst mit MTB-Schuhwerk :-O

Ganz unspektakulär die erste Bahnfahrt des Wäschpi: Der Autozug auf die andere Seite des Lötschenpasses bietet mehr Kapazität für Velos und Töffs als gerade gebraucht wird. Und einen netten Schwatz mit dem Lokführer gibts auch.

Bis das GPSr in Goppenstein wieder Satellitenempfang hat, hat die Autokolonne einen ordentlichen Vorsprung, so dass ich es im Tunnel (wo weder Windböen, Querverkehr noch Kurven zu erwarten sind) mal etwas mehr laufen lasse als sonst. Ab der ersten Serpentine bilde ich das Ende der Verkehrsschlange.

Kaum am Talboden führt die geplante Route bei Turtmann wieder in ein Fahrverbot – der längste „Verfahrer“ der Tour.

Entlang der Rhône fährt es sich auf dem Damm viele Km. Wegen Verkehr (gutes Wetter halt) und schmaler Fahrbahn kein Terrain für Handyfotos. Hier ein Bild fern vom Damm und trotzdem mit Bergsicht.

Obwohl ich nun doch schon ein paar Mal durch dieses Tal geflitzt bin, entdecke ich immer wieder neue gut fahrbare Routenvarianten – und damit meine ich nicht einmal die Hauptstrassen.

Mittlerweile ist es bald Mittag und die motorfahrzeugfreien Verkehrsflächen füllen sich langsam. Mein Tempo geht runter, was auch ganz gemütlich ist.

Nördlich von Martigny. Herrlicher Rückenwind!

Beim Schloss Chillon mache ich kurz Rast und fülle die Wasserflasche auf – der längste steile Aufstieg der Tour wartet…

…und lässt sich in den kleinsten Gängen erstaunlich verkehrsarm fahren.

Die Veloroute 9, welcher ich zwischen Châtel St. Denis und Bulle lose folge, ist ein Traum jedes Gümmelers/Velomobilisten: Meistens leicht abwärts, kaum Autos, starker Rückenwind und:

Aussicht bei Vuadens

Die Beine fühlen sich gut an, die Tageszeit ist noch nicht allzusehr fortgeschritten: Ich folge weiterhin dem Track und fahre nach Westen mit Zwischenziel Yverdon. Die Strecke ist hügelig und bis auf das Stück auf der Hauptstrasse super zu fahren.

In Yvonand entscheide ich mich für die Variante kurz und nur ein bisschen Oberschenkelschmerzen. Die Alternativen wären hügelig oder unfahrbarer Radweg.

Die Veloroute zwischen Yverdon und Concise lässt keine VM-artgerechte Geschwindigkeit zu, ist aber sehr energiesparend zu fahren/rollen.

Blick über den Lac de Neuchâtel bei Concise.

Gleiche Aussicht, ohne Velo 😉

In Cortaillod gibts einen neuen Kratzer* am Velo: Die Schranke auf (meiner) Kopfhöhe passiere ich mit „Velo untendurch und Kopf zur Seite neigen“ – irgendwie habe ich für einen Moment vergessen, dass hinter dem Kopf ja noch eine starre Hutze ist.
*Kurzanalyse am Folgetag: Wahrscheinlich nur etwas rote Farbe auf dem gelben Lack. Um das Carbon zu zerbrechen hätte es deutlich mehr gebraucht.

Le Château de Colombier im Abendlicht.

Durch Neuchâtel sehe ich öfters zwei Gümmeler, welche flott unterwegs sind und bei jeder roten Ampel wieder aus meinen Augen verschwinden. Nach der Innenstadt: Mit gut 350km in den Beinen einigermassen locker mit 50km/h an zwei „Vereinsfahrern“ vorbeizuziehen ist schon irgendwie cool. Und unfair 😉 .

Sonnenuntergang bei Zihlbrücke mit Alpenglühen

Handykamerazoom. Einen Versuch war es wert.

Der Track auf dem GPSr hat irgendwo in Neuchâtel aufgehört (Anfängerfehler) und so fahre ich die letzten 50-60 km in der zunehmenden Dunkelheit auf meinen Lieblingsrouten in der Gegend.

Um 20:28 bin ich wieder daheim. Hat Spass gemacht!

P.S. Fahrzeit / Tourdauer > 90% – inkl. Lötschberg-Zwangspause.

2 Gedanken zu “Lötschberg einfach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s