Brevet Schweiz+ 2018

 

Vorgeschichte

Alles beginnt mit einem Handschlag vor 14 Monaten: In der Zeit habe ich mich intensiv mit der Strecke des 1000-km-Brevets von Audax Suisse beschäftigt und einen ersten Streckenentwurf im letzten Oktober auch abgefahren, wobei auch das Beitragsbild entstand.

45 km liegen hinter mir, vor mir dampft eine leckere Portion Pasta und rundherum finden Randonneursgespräche statt.
Es freut mich, M kennenzulernen, von welchem ich schon einiges gelesen habe. Morgen werden also zwei Velomobilisten auf der Strecke sein. Schade ist F (siehe Alpenluft+ 2017) wegen technischen Problemen nicht mit von der Partie.

Wofür wir uns angemeldet haben: 1035 Kilometer in 75 Stunden aus eigener Kraft durch vier* Sprachregionen, fünf Länder (ein 6. liegt nur 50m Umweg entfernt) und über zwei Alpenpässe.
*Merci, Armon

Start

start
Mittwochmorgen. Schlotternd stehe ich da mit nacktem Oberkörper im Halbkreis für das Gruppenfoto (es fehlen zwei Velos…), das zu schiessen dann doch ein paar Minuten dauert. Dann um ca. 0630 geht es los – M und ich traditionell zuhinterst.

„Alles OK“ ist die Antwort des mit ausgebautem Rad am Wegrand sitzenden Randonneurs. Platten gönne ich niemandem und bereits nach wenigen Pedalumdrehungen schon gar nicht 😦 .

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Gut 1000 km liegen vor dem Wäschpi. Die Stimmung dürfte ruhig so bleiben.
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Rheinfall am Morgen bei Niedrigwasser

Mittelland

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Im Windschatten von Ms „Alpha“.

Die Streckenführung ist ziemlich direkt. Daher fahren wir auch die Abkürzung zwischen Bad Zurzach und Döttingen, wo mir auf der zweiten Hälfte der Tacho erschreckendes anzeigt :O . Kürzest und flachest bedeutet hier einige Km auf Naturbelag. Um die Tageszeit scheint niemand unterwegs zu sein, trotzdem ist es in der Kiste alles andere als „ruhig“.

Am Bielersee taucht M wieder in meinen Rückspiegeln auf und kaum geht es das erste Mal richtig bergauf entschwinde ich dem Seinigen.

Jura

Audax Suisse hat sich für den ersten von drei betreuten Checkpoints ein lauschiges Plätzchen am ruhig dahinfliessenden Bach in der traumhaft schönen Schluchtumgebung ausgesucht. M ist bergauf erneut schneller und wir werden uns erst geschätzte 350km später wiedersehen.

Der Schatten in der Schlucht tut gut.

Habe ich erwähnt, dass die Fahrt durch die Schlucht, so steil sie auch sein mag, superschön ist? A propos steil: Das Hinterrad hat Traktionsprobleme…

Bergauf überholen mich 4 Randonneure. Wie sie die 14% (Schild in Gegenrichtung) hochfahren, sieht zwar auch nicht gerade anstrengungslos aus, aber ist deutlich flotter. Kaum über der Wasserscheide (Nordsee/Mittelmeer) und der Landesgrenze sehen wir uns trotz schlecht rollendem Belag wieder. Das wird sich noch ein paarmal wiederholen.

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Lac Saint-Point. Diese Aussichten lassen den schlecht rollenden Strassenbelag vergessen.
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An den meisten Checkpoints muss ein Selfie gemacht werden. Dieses sieht so eigenartig aus, dass es im Bericht landet (auch wenn überhaupt nie zum „ansehen“ gemacht). Der Brunnen im Hintergrund hat den Füssen die langersehnte Entspannung gebracht.
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Die Kuhweidestrecke. Für mich definitiv eines der Highlights des Brevets (und von Veloland Schweiz) 🙂
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Abfahrt zum Lac Léman. Ganz links im Bild das Mt. Blanc Massiv.

In Genf gibt es auch bei Sonnenuntergang noch einen ziemlichen Stau. Und ich bin natürlich mittendrin, ergo mitverantwortlich.

Nacht…

…ist es, als ich aus der Stadt draussen bin. Wie holperig, kurvig und … die Radroute auch ist, auf der Hauptstrasse hätte das keinen Spass gemacht. In Evian dürfen wir nochmals etwas bergauf kurbeln und werden dafür mit einer grandiosen Aussicht auf das Lichtermeer am gegenüberliegenden Schweizer Ufer und mit Evian-Wasser belohnt (wohl nicht das Gleiche wie in den Flaschen).

Das restliche Seeufer ist praktisch leer und die Strasse kann ich somit meistens gut ausleuchten. Gleiches gilt natürlich noch viel mehr für die folgenden Kilometer auf dem Rhône-Damm.

An den ersten angesteuerten Orten für einen Powernap erwarten mich die Mücken schon. Weiter. In Fully werde ich fündig und bewege mich die nächsten gut 2h nicht. Trotz des kurz zuvor in mich hineingeschütteten Colas ist etwas Schlaf zu finden kein Problem.

Dank Reflektorweste ist H unter einer Brücke gut zu erkennen. Ich möchte den Schlaf möglichst wenig stören und flitze vorbei. Erst viel später erfahre ich, dass der Stop unfreiwillig war und bis Tagesanbruch dauerte. Sorry für das Gerumpel und noch viel mehr fürs nicht anhalten!

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Morgenstimmung im Wallis

In wenigen Stunden beginnt das Openair Gampel. Ich komme bei Tagesanbruch durch(!) das Festgelände und meine Befürchtung eines Umwegs für einige der nachfolgenden Randonneure wird sich bewahrheiten.

M hat länger geschlafen und ich bin wenig vor ihm. Die Verabredung in Brig klappt.

Dank Autoverlad…

…könnte man den Simplonpass selbst mit dem Velomobil ganz bequem hinter sich bringen. Könnte.

Der Innenraum des Wäschpi und mein linkes Bein erhalten eine Coladusche, was das Raumklima auch nicht gerade angenehmer macht. Der Leistungsmesser von Ms „Alpha“ zeigt 180W – das Wäschpi mag diesem Tempo nicht folgen und so entschwindet M langsam aber stetig vor mir.

Ich schaffe es tatsächlich, mich bergauf (mit 5 km/h!) zu verfahren: In ein ebenso steiles und schmales Strässchen, welches ich nach aussteigen und wenden leicht frustriert wieder runterrolle – unten natürlich ein Stopschild.

Ein Telefonat nach Skandinavien tut gut. Merci!

Das oberste Drittel legen wir mangels Alternative auf der mit Tunneln und Galerien gespickten Hauptverkehrsachse zurück. Dank(!) Werktag+Schwerverkehr ist das gar nicht so unangenehm: Die bergauffahrenden Fahrzeuge kommen stossweise und ich habe jedes Mal gerade eine Ausweichbucht zu meiner Rechten. Und die Töfffahrer tun sich diese Lastwagenkolonnen offenbar nicht an. Ich fühle mich beleuchtet wie eine vorweihnächtliche Shoppingmeile (wie am Briefing gefordert) – eine Lampe hätte ich dem mich fast zuoberst überholenden und gänzlich unbeleuchteten Gümmeler schon ausgeliehen…

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Simplonpass. Der zweite betreute Checkpoint wartet.

Am Checkpoint treffe ich M ein letztes Mal. Mein Tagesziel werde ich auch erreichen, wenn ich mich hier am See im Liegestuhl bei bestem Wetter noch etwas erhole. Einige Randonneure trudeln in den gut zwei Stunden ein.

Auf den ersten Metern der Abfahrt geniesse ich den Gegenwind (weniger Bremsenbelastung. Hey, bisher hatten wir eigentlich nur Rückenwind…). Bald dämmert mir aber, was dieser Gegenwind bald bedeutet: Unterhalb von Domodossola fühlt es sich an, als ob sich sich ein eingeschalteter…

…Haarföhn…

…mit voller Leistung 20cm vor meinem Gesicht befände. Und das Zeugs, worauf/worin das Wäschpi so hässlich rumholpert, macht die Fahrt zum See auch nicht angenehmer. Aber es geht leicht bergab und das macht ja immer irgendwie Spass. Der Sekundenbruchteil der Fahrt in Mergozzo, als die enge Häuserschlucht auf der Seite verschwindet und den Blick auf den See* freigibt: Herrlich!
*den kleinen Lago di Mergozzo, das ist aber in dem Moment nicht erkennbar und auch völlig egal

Entlang der Seen gibt es zwar immer mal wieder kurze schöne Aussichten. Die Aufmerksamkeit habe ich neben Verkehr und Strassenbelag nicht auf die Kamera gerichtet…

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Ein Gelato in Italia muss einfach sein. Ebenso wie das überhitzte Velo sofort in den Schatten muss (egal wie unglücklich platziert es ist…). Nicht im Bild sind der Nachschlag und der See gleich rechts nebenan 🙂

Auf der Magadino-Ebene kommt mir erst ein Handbiker entgegen und wenig später überhole ich einen Trikefahrer.

Die Hitze scheint mir doch zuzusetzen. Vor Sonnenuntergang (wie geplant) werde ich den dritten betreuten Checkpoint nicht mehr erreichen.

Steil…

…soll er sein, der Aufstieg zum San Bernardino Pass. Tatsächlich werde ich das Wäschpi ca. 3 km vor mir herschieben, was die Fusssohlen entlastet. Im Gegensatz zum Simplon gibt es hier eine Autostrasse, weshalb Velofahrer die Hauptstrasse um die Tageszeit praktisch für sich alleine haben. Ein nachfolgender Randonneur wird von einer skurrilen Polizeibegegnung berichten.

H ist gerade im Begriff, die restlichen Km in Angriff zu nehmen, als ich ankomme.

Für mich ist die Betreuung vielleicht noch ein bisschen herzlicher und ich freue mich sehr, P/J zu sehen.

Bald liege ich frisch geduscht mit vollem Magen auf einer richtigen Matratze und der Wecker läutet erst in neun Stunden.

Ausrollen

Der Wecker läutet noch nicht, als sich wie von Geisterhand geweckt drei Randonneure zeitgleich aus ihren Nachtlagern erheben. M ist seit einer Stunde im Ziel (das erfahre ich erst viel später).

Gut verpflegt und ausgeruht bedanke ich mich nochmal (aber viel zu wenig, sorry!) für den Service. Ich könnte mir in den geschundenen A. beissen, weil ich eines meiner Ziele versäumt habe: Ein Erinnerungsfoto mit dem Checkpointbetreuer fehlt mir.

Es bleiben mir 26.5 Stunden für knapp 250 km bergab. Entgegen der Prognose von Anfang der Woche regnet es nicht. Im Gegenteil:

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Morgenstimmung am San Bernadino Pass
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Kurz vor der Passhöhe nochmals ein Blick zurück
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San Bernadino Pass, (knapp) höchster Punkt des Brevets
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…die Ampel wurde gerade grün.

In der Viamalaschlucht halte ich extra an – das Foto wurde nicht gut, gefallen hat mir der Stop natürlich trotzdem 🙂

Dankend rufe ich in Cazis das am Briefing Gehörte in Erinnerung und rolle flott weiter bis zum Stau in Chur und danach über die letzten Naturbelag-Km des Brevets.

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Rheindamm südlich von Sargans. Der Rückenwind lässt langsam nach, zuvor lasse ich es aber nochmals für ein paar Hundert Meter richtig laufen was die Übersetzung hergibt. Das muss einfach sein…

Als einziger Audax-Suisse-Teilnehmer fahre ich zum dritten Mal in diesem Jahr zum gleichen Checkpoint und dennoch ist die Aufgabenstellung jedes Mal eine andere. Es sind solche banalen Details, welche zeigen, wie viel Herzblut in die Organisation gesteckt wird.

Der Bodenseeradweg kann zwar noch mehr unmotorisierten Verkehr aufnehmen. Mit meinem „Geschoss“ etwas zu bummeln stört mich wahrscheinlich deutlich weniger als einige 30-kg-Gepäck-auf-unplattbaren-Pneus-um-den-Bodensee-Fahrer, welche teilweise sehr laaaaaanges Leerlaufgesurre hinter sich ertragen müssen- vielleicht sind einige von ihnen ja tatsächlich auf Weltreise… Vor Nachtanbruch könnte ich es schon bald zu Fuss ins Ziel schaffen.

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Spätes Zmittag in der Badi. Noch ca. 60 km.
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So dürfte der Bodenseeradweg gerne die ganze Zeit sein.

Um 1630 bin ich am Ziel.

Einen Tag später werde ich erfahren, dass fast 90% der Gestarteten das Brevet zu Ende gefahren haben und niemand wegen Unfall abbrechen musste.

Ausklang

Etliche Randonneure kommen nur wenig vor/hinter mir ins Ziel. Während schon Angekommene helfen, das Audax-Suisse-Zelt vor dem Sturm zu retten, werden die erst noch Ankommenden auf den allerletzten Metern dieses Sonnen- und Rückenwind-Brevets doch noch nass.

Die abendlichen Randonneurgespräche drehen sich um Selfsupported-Racer und Monsieurs und die eben durchgeführte Tortour. Und natürlich über das (gerade) Erlebte.

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Nach 9h Schlaf mit gefülltem Magen und Rückenwind rollt es die 150km bis nach Hause fast von selbst.
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Brevet Alpenluft+ 2018

Vorbereitung

Zum dritten Mal in Folge soll das Brevet Alpenluft+ von Audax Suisse zu einem Saisonhighlight werden. 2016 habe ich mit dem heckgefederten Fujin meinen Brevet-Einstand gegeben, letztes Jahr habe ich das modifizierte Fujin SL2 über die Pässe gefahren. Heute wiegt das vollgepackte Velo (siehe unten) wahrscheinlich ziemlich genau 50% des Körpergewichts…
Die Strecke hat gegenüber den letzten Jahren auch geändert (neu): Südliches Bodenseeufer, Alpenrheintal, Oberalppass, Sustenpass, Grosse Scheidegg (optional), Schallenberg, und Günzgen (D) sind dieses Jahr die Eckpunkte.
Bei Strecken-Km 380, 400 und 410 könnte ich nach Hause abbiegen (Umweg abermals gut 50km, wenn es „nur“ eine Schlafpause sein soll). Der Plan ist natürlich, vorher noch beim Ziel am anderen Ende des Landes vorbeizuschauen und irgendwann später zurückzufahren.
Körperlich (abgesehen von den letzten 24h vor dem Brevet), mental und in Sachen Ausrüstung fühle ich mich wieder gut vorbereitet. Ungewiss ist, wie gut (nicht ob) ich das Velo über die Anstiege bringe.

…zum Start

Deutlich früher als sonst verlasse ich den Arbeitsplatz und lasse mich zum 50km vom Startort entfernt deponierten Velo chauffieren*.

Auch für das Überwinden der oben genannten 50km findet ein Randonneur eine Lösung. Nördl. Etzwilen

Von den 40 Randonneuren auf der Startliste sind als ich eintreffe schon einige da. Nicht dabei sind leider alle „meine“ drei Hauptmitstreiter von 2016 und 2017 😦 .

Es gibt zwei Routen, welche sich zwischen Innertkirchen und Interlaken unterscheiden: „Flach“ entlang vom nördlichen Brienzerseeufer oder „bergig“ über die Grosse Scheidegg. Ich werde unterwegs entscheiden.

Ein Teller Bolognese findet seinen Weg in meinen Magen und bald geht es los…

Brevet Alpenluft+

Pünktlich um 20 Uhr rollt die Randonneur-Schar los.
Auf den allerersten Metern gibt es (noch) schöne Abendstimmung
Im Schrittempo durch Stein am Rhein

Die ersten Tropfen fallen bald nachdem das südliche Rheinufer erreicht ist. Es gibt nicht viel Verkehr und so lässt sich schon einmal ein guter Zeitbuffer für die Berge aufbauen (…oder so..).

Auf dem nur wenige Km langen Bodenseeradwegstück zwischen Egnach und Arbon finden hunderte (gefühlt tausende) kleiner Insekten den Weg zum magischen Licht und so auch duch das Lüftungsloch des Gefährts und mein Bauch ist zuerst krabbelig und schwarz, dann eklig und schwarz. Ich freue mich sehnlichst auf die Dusche in Andermatt!

Als (zu spät eingesetzter) Insekten- und Zugluftschutz ist die Leuchtweste auch IM Velomobil zu etwas nütz 😉

Notiz an mich: Ersten Kreisel in St.Margrethen das nächste Mal bei Nässe langsamer anfahren, sonst wird der Pneu-Verschleiss auf Dauer teuer.

Bei Widnau fallen mir die letzten Regentropfen ins Gesicht. Auf der Autobahnbrücke in Montlingen mache ich die erste Pause zwecks Visier- und Brillenreinigung. Denn jetzt folgen 40km auf dem Rheindamm mit (wolkenverdecktem) Vollmond(=sehr gut organisiert, Audax Suisse!). Ich geniesse die Ruhe – zwei Velofahrer und ein Fussgänger begegnen mir auf der Fahrt bis Bad Ragaz.
Zwischen Chur und Felsberg probiere ich eine neue Route (@Audax Suisse: Super, mit dem VM allerdings grenzwertig wegen Schwellen und der engen Kurve gleich nach der Rheinbrücke) und bleibe in Tamins gleich linksrheinisch: Die Rheinschlucht werde ich lichtbedingt schon nicht sehen und so entscheide ich, es sei der richtige Zeitpunkt, um einmal die Alternativroute auszuprobieren, zumal auf dem Track von aufgerissenem Strassenbelag die Rede ist. Bergauf bin ich ca. 20′ auf der Hauptachse und mache dabei 1/4 des Verkehrsaufkommens aus. BTDT: Nächstes Mal fahre ich dennoch wieder via Versam. Von wegen: Grosse Scheidegg mit dem Velo wird auch nach diesem Wochenende nicht BTDT sein.

Westlich von Ilanz ist nachts auf den Strassen nichts los. Bis zum Oberalppass werden es weniger als 10 Autos gewesen sein…
Irgendwo grinst mich ein leuchtender Smiley auf einer elektronischen Anzeige an, gefolgt von einer „39“ – soo steil kann es da nicht bergauf gehen.
Nicht wie erwartet bei der Rheinschlucht, sondern erst bei der ersten Serpentine auf 1800 m.ü.M. überholen mich B und C. Sie fahren mit doppelter Geschwindigkeit bergauf!

Oberalppass wenige Minuten vor Sonnenaufgang. Das Aussteigen aus der wohlig-warmen(=eklig-verschwitzten) Kiste mit nacktem Oberkörper bei Aussentemperatur um den Gefrierpunkt ist ein kleiner Schock.
Blick vom Oberalppass Richtung untergehendem Vollmond – herrlich!

Nach Andermatt gehts dank Bremsschirm wie auch später durch die Schöllenenschlucht und zwischen Sustenpass und Gadmen ganz gemächlich – die paar Minuten machen auf die Distanz nicht viel aus…

In Andermatt erwartet uns der betreute Checkpoint. Zu meiner Enttäuschung ist das Lokal noch nicht offen (also keine Dusche/Warmwasserwaschgelegenheit! 😦 ). Im Van von Audax Suisse ist es immerhin schön warm und gesellig.
„Bis zu 15 Minuten Wartezeit“ sind an der Baustelle ausgangs Andermatt zu erwarten und so verlassen wir den Checkpoint zu zweit. Die Ampel schaltet gerade auf grünorange blinkend und schon wenig nach Wassen kurble ich das Velo wieder alleine bergauf.

Sustenauffahrt, die erste Hälfte der Sustenpassauffahrt ist zum Glück noch schön schattig

Ein paar hundert Meter schiebe ich das Velo auch. Das ist nicht wirklich langsamer und sorgt für andere Belastungszonen (Fussohlen!).

Blick zurück: Vor zwei Jahren lag auf den Leitplanken ein Hauch von Nasschnee um Mitternacht. So wie heute ist es mir deutlich lieber!
Sustenpass

Die Fahrt südlich vom Flugplatz Meiringen und nördlich von Brienzersee und Thunersee läuft trotz teilweisem Gegenwind wieder ordentlich. Bei ?Meligen? überhole ich die beiden Vordersten. Während ich den Susten hoch und am Brienzersee entlanggebummelt bin, haben sie neben dem Sustenpass auch noch die Grosse Scheidegg bezwungen. Boah!

Schallenberg.

Nach(!) der BE-LU-Kantonsgrenze weht ein starker Gegenwind in der Abfahrt. Mit meinem Gefährt eigentlich ganz gemütlich (kühlt 🙂 ) aber ich bemittleide die beiden Gefährten, welche ich auf dem Schallenberg bei meiner Ankunft gerade entschwinden gesehen habe.
Witzig: Beim Schreiben fällt mir die eingangs erwähnte Passage „nach Hause“ auf – der Gedanke kam mir während der Fahrt gar nicht.

Der Track führt über die Veloroute 24 durchs Entlebuch. Meiner Meinung nach keine velofahrerfreundliche Routenführung (so etwas gehört wenn schon auf die Veloroute 99…). Diese (MTB-, also nicht unsere Route) Radwegweisung durchs Fahrverbot spricht irgendwie auch nicht gerade für die Entlebucher.
Die Aussicht in die UNESCO Biosphäre Entlebuch

Der Kreisel in Wolhusen fährt sich seeehr schwammig: Platten vorne links. Ersatzreifen mit Ersatzschlauch montiert. Nix. Zweiten Ersatzschlauch eingesetzt. Mehr als 1 Bar geht nicht. Der nächste Veloladen (Danke für das nette Gespräch und sorry für den Gestank, Tandem Schweiz AG) ist zum Glück nicht weit und mit einer neuen Pumpe im Gepäck flitzt es sich gewohnt rasant entlang der kleinen Emme Richtung Luzern.
Die Stadt durchquere ich um 1700 und dementsprechend langsam.

Ersten richtig verkehrsreichen Abschnitt geschafft: Vierwaldstättersee nach Luzern

Artig bremse ich in der kleinen Abfahrt in Meggen und mache (im Stand) ein Selfie vor dem Volg – der drittletzte Checkpoint.
Gemächlich das Sihltal hinabrollend staune ich über den Velofahrer (Schutzbleche, Rohloff, …), welcher doch erstaunlich lange in meinem Rückspiegel sichtbar bleibt.
Am Bahnhof Selnau sind wir vier Randonneure. Schon nach der zweiten Kreuzung sehe ich die anderen drei nicht mehr – passive Fahrweise, schwere Beine und ein schweres Velo sind nicht gerade ideal um innerstädtisch mit Rennvelofahrern mitzuhalten.

Irgendwo in meinem Gedächtnis ist die Erinnerung an einen Brunnen beim ersten Gebäude links auf der Panzerpiste – tatsächlich steht der auch 15 Jahre später immer noch da 🙂

Entlang der Glatt macht einfach immer wieder Spass.
Genau dort auf dem Rheinwehr, wo ich das Velo von Hand umsetzen muss, stehen amerikanische Touristen (ob die den Rheinfall gesucht haben?).

Ein Potschn, wie es B so schön sagt, ist der Grund, weshalb ich in Rafz die drei in Zürich zuletzt Gesehenen wieder antreffe. Eine gemeinsame Weiterfahrt ergibt sich nicht – sie sind mir zu schnell…

Schemenhaft erkennbar: Rheinfall in der Dämmerung 😉 .

Um 22:40 bin ich wieder in Buch. So fertig nach einem Brevet war ich noch nie. Notiz an mich: Langsamer fahren, du warst 12h zu schnell!
Um das leckere Nachtessen zu essen, brauche ich gefühlt eine Ewigkeit.
Tiefschlaf.

Heimfahrt

Die in Andermatt verpasste Bündner Gerstensuppe schmeckt auch 24h später noch genauso gut. Merci!
Das Velo deponiere ich wieder 45km vom Ziel entfernt.
Durch eine kleine Unachtsamkeit (Hausschlüssel im Velo liegenlassen) fahre ich am Nachmittag noch 3x statt wie geplant 1x durch die Schweiz – inkl. Zugsausfall und mit viel Schlaf. Wäre ich direkt mit dem Velo gefahren, wäre ich sicher früher zu Hause gewesen…

Notizen am Rande

Die Pläne und Vorsätze waren (teilweise erfüllt, nicht erfüllt):

  • 600km in 40h. Keinen Checkpoint verpassen.
  • Nicht bis zur Sekundenschlafgrenze fahren.
  • Die folgenden Aufstiege und anschliessenden Abfahrten gemütlich angehen: Rheinschlucht, Oberalp, Susten, ev. Grosse Scheidegg, Schallenberg, nach Schangnau, nach Hasle.
  • Ebenso die Stadtdurchfahrten: Stein a.Rh, Kreuzlingen, Rorschach, Chur, Interlaken, Thun, Luzern, Zug, Zürich, Schaffhausen.
  • Beim Rheinfall und ggf auch sonst ein paar Meter bergauf stossen.
  • Standzeit bei Tageslicht reduzieren und/oder sinnvoller nutzen als letztes Jahr.
  • Entscheid Grosse Scheidegg Ja/Nein unterwegs treffen.

*Während der Hinreise suche ich mir die Öffnungszeiten von ein paar voraussichtlich am Freitagabend zu passierenden Dorfläden heraus. Die vom Organisator veröffentlichte Marschtabelle ohne Berücksichtigung vom sehr ungleichmässigen Höhenprofil ist mir doch etwas zu ungenau und so erstelle ich mir pro Route (mit/ohne Grosse Scheidegg) je eine eigene Marschtabelle aufgrund von Distanz und Höhenmeter (nur obengenannte Hauptsteigungen, sonst könnte das nicht mehr in vernünftiger Zeit mit Tabellenkalkulation gemacht werden). Mit 30km/h angenommener Bruttodurchschnittsgeschwindigkeit im Flachen und 400 Hm/h Steigleistung (beides für mit dem Wäschpi realistisch angenommene Werte) ergäbe sich eine Ankunftszeit um 02:30. Bei angepeilter Ankunft um 11:00 ist also eine Flach-Geschwindigkeit von 23.4 km/h und Steigleistung von 312 Hm/h erforderlich – auch mit dem schweren Velo machbar. Das gewählte Berechnungsmodell mag zwar genauer sein als ohne Höhenmeterberücksichtigung, enthält im Gegenzug aber gleich mehrere systematische Fehler…

Packliste

Kleider: 1 Paar Socken, 1 Paar Veloschuhe, 1 Unterhose, 1 lose Laufhose, 1 Wollshirt, 1 Warnweste, 1 Daunengilet, 1(!) Velohandschuh, 1 Brille, 1 Helm/Sonnenbrille, 2 Buff.
Zusätzlich gegen die Elemente: Velo, Schlafsack, Rettungsdecke, Sonnencreme.
kursiv=nicht zum fahren

Verpflegung beim Start (für NonStop bis Disentis): 3l Flüssigkeit, Riegel, Eisteepulver, je 1 Packung Cashewnüsse, Petit Beurre, Birrenweggenstücke, Bananenchips.

Elektronik: Akkus für 40h Velolicht, GPSr und Ersatzakkus, Handy, Kamera, Dashcam, Kopfhörer, Hutzenlicht.

Werkzeug: Wie immer (dazu gehören für manchen Leser vielleicht ungewohnte Dinge wie 2 Ersatzpneus (1 pro Felgengrösse), 1 Einmachglasdichtgummi, 1 laaanger Inbus und ein laaanger Schaltzug), Stirnlampe.

Sonstiges: Brevetkarte, Kugelschreiber, Portemonnaie, Zahnbürste/-paste, Deo, Duschmittel, WC-Papier, Bepanten, Duschtuch, Schloss, Bremsschirm, Zeitplan (siehe erstes Foto), Glücksbringer.

DYI-600er oder Bodensee+(+) reloaded

Plan

Aus eigener Kraft ab Freitagabend vom Emmental aus via Langenthal, Arth, Günzgen (D) nach Buch SH pedalen (220 km), das Bodensee-Brevet – diesmal mit Pfänder – fahren (232 km), am Sonntagmittag wieder nach Hause gefahren sein (150-160 km). Wer mitgerechnet hat: 600 km in 40h – zufälligerweise gerade das entsprechende BRM-Zeitlimit.

Anfahrt

Auf den ersten Metern kurz nach 20 Uhr mache ich schon einen kurzen Stop zur Erfüllung der Bürgerpflicht und lasse mir danach den Plan nochmals durch den Kopf gehen. Phuu!

Auf fast der ganzen Anfahrtroute gibt es bis 02:00 eine eine Gewitterwarnung der Stufe 3. Ich werde also Himmel und Radar im Auge behalten.

Habe ich hier nicht schon mal ein Foto gemacht? Bald wird es eindunkeln…

Besonders eindrücklich sind die Fahrt um den ruhig daliegenden Zugersee ohne Verkehr, Stau um Mitternacht in der Innenstadt von Zürich und eine Stunde später im Wald zwischen Flughafen und Bülach eine Baustelle, wo (um die Uhrzeit!) gearbeitet wird.

Nicht ganz so flott wie um den Zugersee und über die Panzerpiste rollt es sich herrlich entlang der Glatt zur Mündung, wo ich am Wehr das Velo nur durch Umsetzen um die engste Ecke bringe.

Auf der ganzen Anfahrt habe ich nur einen Abzweiger verpasst und damit den nächtlichen Rheinfall noch nicht erlebt.

Bis ich geduscht im Schlafsack liege ist es 03:30.

Brevet Bodensee+

Zum zweiten Mal dieses Jahr fahre ich das gleiche Brevet. Bericht vom April.

Das Zmorgebuffet ist gewohnt super.

Einigen bekannten Gesichtern kann ich beim Zmorge viel Erfolg beim bevorstehenden 400-km-Brevet wünschen. Die groben Schotterstrecken (Schwägalp von Weissbad statt von Urnäsch…) und viele sehr steile Passagen (Vorder Höhi, Pragel, Ibergeregg) tue ich mir nicht an – um den Bodensee muss für heute reichen.
Es freut mich sehr, F, T und F anzutreffen, welche heute ihr erstes Brevet fahren.

Zusammen mit den oben genannten rolle ich los.

Kurz nach dem gemeinsamen Start.

Bei der ersten (flachen) Abfahrt lasse ich es rollen und sehe erst ein paar Stunden später wieder andere Randonneure.

Die gleiche Route wie letztes Mal wähle ich nicht überall. Bei Kressbronn findet das zuvor auf der „Hutablage“ deponierte T-Shirt den Weg in die Kette. Nach etwas Gefriemel ist die Kette zwar wieder drehbar, das Shirt aber definitiv zu nichts mehr zu gebrauchen. Da ich ja noch zum Mittagsrast abgemacht habe, kaufe ich mir also wenige Km später ein Ersatzshirt, welches sich später als viel zu gross herausstellen wird…

Die Auffahrt zum Pfänder ist dank kleinem Gang und Schatten gar nicht so schlimm wie erwartet.

Die Anfahrt zum Pfänder ist landschaftlich reizvoll.
Aussichtspause in der Abfahrt vom Pfänder. Der abgebildete Bremsschirm hat seinen Zweck gut erfüllt.

Beim Rest. Rohrspitz warte ich auf F, T und F. Während ich erfolglos versuche etwas zu dösen, haben Mücken ihren Spass an meiner verschwitzten Haut.
Bis kurz vor Konstanz fahren wir zusammen. Durch die Stadt wähle ich einen mir empfohlenen Weg. Dass die vorgegebene Route nicht fahrbar war, erfahre ich erst später auf den letzten Km des Brevets, welche wir wieder gemeinsam zurücklegen. Um ca. 20 Uhr sind wir im Ziel und geniessen abermals die kulinarischen Highlights von Audax Suisse.

Heimfahrt

Um 0500 rollt das Wäschpi wieder. Zusammen mit F ist das Ziel der heimische Grill zum Zmittag.
Die neblige Morgenstimmung in der Nordostschweiz ist herrlich.

Am Rheinfall am frühen Sonntagmorgen kommen uns Teilnehmer vom 400-km-Brevet entgegen.

In Hohentengen trennen sich fahrzeugbedingt unsere Routen: F rollt über den Hügel, während ich den Wasserläufen entlangdüse. In Brugg treffen wir uns wieder.

Bald zu Hause. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich schon, keinen Windschatten zu geben.

Am Mittag sind wir zu Hause. Geschafft.

Bodensee+(+) Brevet 2018

Bodensee+ führt wie es der Name nahelegt um den Bodensee. Das sind gut 200 km, mehrheitlich flach.

Die Handykamera hat anscheinend ein Problem mit dem Autofokus – nächstes Mal kommt hoffentlich wieder eine anständige Cam mit. Sorry!

Anfahrt Teil 1

Eine Woche vor dem Brevet kommt während einer samstagmorgendlichen Fahrt das Velo in die Region des Startorts.

Morgenstimmung zwischen Wynigen und Langenthal

Das noch nicht breveterprobte Wäschpi bekommt dann noch seine erste Kettennachschmierung (nach 4500 km…) und die zweite Reinigung. Mit hilfsbereiten Händen und Fachkunde wird eine neue sich besser im Sichtfeld befindliche GPSr-Halterung und ein Sitzpolster aka Sitzmuldenfüller gemacht. Hat sich beides bewährt, danke!

Anfahrt Teil 2

0430 Wecker.

Die knapp 50 km nach Buch verlaufen gut und im Nachhinein viel zu schnell.

Morgenstimmung zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein (welche ich beide nicht passiert habe…)

Um ca. 0620 erreiche ich Buch SH.

Bodensee+ (Brevetbericht)

Das Brevet ist mit gut 120 gemeldeten Startern ausgebucht – so viele Leute habe ich hier noch nicht angetroffen.

Man munkelt, manche kämen nur der kulinarischen Leckereien wegen – nicht so abwegig:

Teil des Zmorgebuffetangebots.

Neben der grossen Bandbreite an Renn- und Zeitfahrvelos sichte ich nur noch ein „normales Trekkingrad“ – so homogen habe ich das hier noch nicht gesehen.

Nach dem offiziellen Start entledige ich mich unnötiger Kleiderschichten, krabble in die Kiste und rolle irgendwann auch los. Dank gerade zu Beginn häufig leichtem Gefälle finde ich mich bald nicht mehr von Leuchtwestenrennradfahrern umgeben und die deutschen Radwege sind auch noch schön leer..

Wenige Meter vom Fotopunkt in Sipplingen entstand beim letzten 600er das orange Regenbild…

Vor Überlingen scheint die Uferroute gesperrt zu sein und wir werden erstmals bergauf geschickt. In Überlingen selbst kürze ich ab (..jaja..) indem ich durchs Fahrverbot gehe(sic!) und gleich danach auf Tenü Sommer wechsle inkl. Sonnencrèmesession auf Schultern und Brust.

Den ersten CP beim Pfahlbauerdorf suche ich ein paar Minuten und dabei treffe ich auch nochmals die ersten Up-Fahrer.

Bodenseeradweg 🙂 (kurz vor Meersburg?)

Die Erinnerung kommt plötzlich: Meine erste Velomobilsichtung, an die ich mich erinnere seit ich weiss was das ist, war genau hier, bei Nonnenhorn, im Jahr 2013 oder 2014.

Die Berge sehen echt besser aus als auf diesem verschwommenen Bild. Anständige Kamera kommt wieder auf die Packliste!

Die Fahrt durch Lindau und Bregenz ist schön und geprägt von einer stetig wachsender Anzahl anderer Verkehrsteilnehmer auf der Bodenseeveloroute. Nachdem ich schon soo häufig dort durchgefahren bin, habe ich auch erstmals die deutsch-österreichische Grenze wahrgenommen.

Den für heute optionalen Pfänderaufstieg schenke ich mir mit der Ausrede, sowieso noch ein paar Stunden im Sitz zu verbringen (siehe Heimfahrt).

Die Routenführung über das Rheindelta gefällt mir sehr und die Interpretation des Tempo-30-Schildes des vor mir fahrenden Autolenkers passt auch zu meiner Wohlfühlgeschwindigkeit.

8 km/h stehen wenig später im kleinsten Gang kurbelnd auf dem Tacho hoch zum CP 2, wo wir mit dieser Aussicht belohnt werden:

Aussicht über Rorschach

Die versprochene Aussicht wie aus dem Flugzeug ist dank Sonnenschein auch aus dem Fahrzeug erlebbar.

Mittlerweile haben so freie Veloroutenabschnitte so Seltenheitswert, dass ich davon ein Foto machen muss. Und selbst geniesse ich die wärmenden Sonnenstrahlen ja auch 🙂

Am Stau in Konstanz führt auf der vorgegebenen Route kein Weg vorbei. Also geduldig Stop&Go…

Die Veloausfallroute von Konstanz führt geradeaus der Bahnline entlang. Der Track ebenso. Was mich geritten hat, dort mittendrin rechts abzubiegen, kann ich mir irgendwie nicht erklären – zurück auf den Track gibt es dann noch ein unnötiges Stück Naturbelag. A propos:

Auf dem letzten Naturbelagsabschnitt für heute durchs „Moos“ kann ich es nicht lassen, wieder einmal die Grenzen auszuloten. Ausbrechende Räder fühlen sich eigenartig an…

Um 1500 bin ich zurück in Buch, wo es (noch) ganz beschaulich zu und her geht. Fünf Minuten später sind wir neben dem OK schon zu zweit.

Während den folgenden zwei Stunden Pause gibt es ein paar Einblicke in die Vorbereitung eines Tortour-Teilnehmers und natürlich das wiederum leckere Essensangebot von Audax Suisse, auf welches ich mich seit der Abfahrt 7 Stunden früher gefreut habe: Mmmmh!

Randonneure trudeln meist zu zweit ein und allmählich füllt sich der sonnenbeschienene Turnhallenvorplatz wieder mit Personen, Velos und eben erlebten Geschichten.

Heimfahrt

Um noch möglichst viel Tageslicht nutzen zu können, mache ich mich wieder auf den Weg, die für heute geplante kringelförmige Tour zu beenden.

Das selbstgesetzte Ziel, wenn es der Verkehr zulässt möglichst exakt 10 Minuten vor Sonnenuntergang (danach wirds mit der Kamera eh nix mehr) ein Foto von dem zu dem Zeitpunkt gerade vor die Linse kommenden Strassenabschnitts zu machen, habe ich mit diesem Foto erreicht. Die Energie für die Beleuchtung vom Velo kommt möglicherweise von hier und auch wenn sie schon den ganzen Tag an war, bin ich während den kommenden Pedalumdrehungen nochmals sehr froh darum…

Ziemlich pünktlich (aber irrelevant) zum Zielschluss des Brevets erreiche ich 150 km später mein Zuhause – 407 zurückgelegte km für ein 200km-Brevet sind ordentlich…

La Réunion, Rest

Verschlafen (@#!$-Betriebssystemupdate)! Darum sehe ich weder E-Mail noch SMS, welches mir mitteilt, dass sich mein Abflug um eine gute Stunde nach hinten verschiebt und es folgt eine sehr rasche Verabschiedung, denn wir haben nicht den gleichen Rückflug.

In der Randzone des Zykloks auf den Abflug warten
Ägyptische Sanddünen
Kreta?

Die Nacht verbringe ich in einem der Flughafenhotels in Paris.

Während des sonntagmorgendlichen Spaziergangs komme ich an der live sehr kleinen Concorde vorbei. Auf der anderen Seite steht British Airways (zweitältestes Modell)

Das Wiedersehen erfolgt in Zürich. Danke!

La Réunion, Teil 2

Vorbei an (einem von mehreren) Brautschleierwasserfällen fahren wir nach Hell Bourg. Dort wandern wir durch verschiedene Vegetationsstufen durch den Wald, beobachten Tenreks (igelähnlich) und Cardinals (knallrote Vögel), geniessen den Wasserfall und die Ruhe bei der Source de Manouilh und kommen auf dem Rückweg durch die Ruinen der ehemaligen Therme.

Hier fehlt bewusst (noch) ein Bild.

Blick in entlegene Winkel des Cirque de Salazie (irgendwo verdeckt rechts unten im Bild unser Tagesziel)

Die Führung in der Vanillefabrik verpassen wir leider. Um Neujahr findet traditionell in den indisch dominierten Bezirken Feuerlaufen statt, was wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Am Feuerlauf sind wir nicht die einzigen Zuschauer

Die Autofahrt führt über das Grand Brulée, die neuesten Lavafelder. Diese erkunden wir mit völlig unpassender Fussbekleidung und später einen Lavatunnel (gefunden dank weltweitem Touriführer). Am Nachmittag nehmen wir an einer Führung im Jardin des Parfums et des Epices (Regenwald-Pflanzen) teil, welcher sehr interessant und feucht ist. Starker Regen begleitet uns auf der Auffahrt wiederum zur Gîte du Basse Vallée.

Statt einer geplanten Wanderung durch den Dauerregen machen wir einen Mini-Städtetrip nach St. Joseph und spontan auch gleich St. Pierre. Auch ein Abstecher zur Cascade de Grand Galet liegt drin. Zwischen etlichen Kurven dorthin kann nicht in den zweiten Gang geschaltet werden. Das Cap Méchant besuche ich nun zum 2. Mal, sie zum 5. In der Hütte erfahren wir vom sich nähernden Zyklon, welcher – das vorweg – der Insel zwar während unseres Aufenthalts fernbleiben aber weiterhin viel Regen bringen wird.

Cascade de Grand Galet
Cap Méchant
Dessert in der Gîte de Basse Vallée (das auf dem Teller 😉 )

Die Autorückgabe ist noch unkomplizierter als die Übernahme. Auf dem Markt in St. Paul erstehen wir ein paar (essbare) für Souvenirs, u.a. vom Edelstkaffee. Unser Abschiedsznacht findet auf dem Hotelbalkon statt, weil wir nicht zuletzt des Regens wegen keine Lust haben, weit zu gehen.