Bodensee

Vor ein paar Wochen kam die Anfrage von M, ob ich Lust hätte mit ihm und J um den Bodensee zu fahren. Klar, schliesslich habe mir den Tag ja sowieso für eine Tour in der Region freigehalten!

Als heute Morgen in aller früh der Wecker klingelt, ist schon klar: Um den Bodensee geht es heute nicht. Nicht etwa, weil das zu weit wäre, sondern aufgrund von Coronabestimmungen der durchfahrenen Gebiete Baden-Württemberg, Bayern und Vorarlberg. Was zu diesem Zeitpunkt hingegen schon ganz klar ist: Kneifen geht nicht, schliesslich werde ich bald abgeholt, nämlich um 0335 von D.

Schon vorweg: Den vorgängig (für mich) erstellten Zeitplan haben wir ziemlich gut eingehalten: 0645 Kafi in Zürich, 0830 Treffpunkt in Neuhausen, Mittagsrast in Romanshorn, Verabschiedung in Neuhausen vor Einbruch der Dunkelheit, Heimfahrt via Zürich. Den Plan B, in der Ostschweiz zu übernachten, hat es nicht gebraucht.

Die Fahrt nach Zürich läuft gut bei Temperaturen etwas über dem Gefrierpunkt, kaum Verkehr, vielen grünen oder abgeschalteten Ampeln und bekanntem Terrain. Persönliches Highlight ist ein Dachs, der, als wir leicht bergauf zwischen Ober- und Niedergösgen mit ca. 25 km/h unterwegs sind, knapp vor uns über die Fahrbahn huscht.

Die selbstgemachten Brioche Croissants kommen gerade aus dem Ofen, als wir unsere Gefährte in Ms Hauseingang stellen. Vielen Dank!

Fortan zu dritt fahren wir zum eigentlichen Treffpunkt. Dabei wählen wir die ursprünglich für die Rückfahrt angedachte Route:

Morgensonne über Berg am Irchel
Zu dritt dem Rhein entlang zum eigentlichen Treffpunkt
Umgekehrte Blickrichtung am gleichen Ort: Zwischen Ellikon und Rheinau

Wegen der längeren Route erreichen wir den Treffpunkt knapp zu spät (aber nicht als Letzte). Mit drei weiteren habe ich gerechnet, doch nun sind wir zu acht! N, M, J, D, M, D, H und ich werden einen (oder zwei) ganz schöne Pulks bilden:

8 Velomobile düsen Richtung Diessenhofen

Durch einen Fahrfehler verursache ich einen Schaden an Ms frisch lackiertem Velo. Sorry! Wir bekommen das schon wieder in Ordnung.

Achso, wo wir eigentlich hinwollen? Dem südlichen Bodenseeufer entlang bis zur Aussicht hinunter vom Rorschacherberg und durch den Thurgau wieder nach Neuhausen. Das sind ca. 190km ohne An- und Heimfahrt.

Nein, das Wäschpi ist nicht plötzlich sauber und kratzerfrei: Endlich einmal hat es geklappt mit einer gemeinsamen Tour der beiden fast gleich lackierten Velomobile, resp H und mir! Obwohl wir unweit voneinander daheim sind, mussten wir dafür bis in die Ostschweiz fahren. Hier auf der Bodenseeveloroute bei Güttingen.
Mittagsrast in Romanshorn
Aussicht vom knapp höchsten Punkt und gleichzeitig Halbzeit der Tour.

Als wäre Ms Bewirtung am Morgen nicht schon genug gewesen, hat er uns in seinem Elternhaus abermals einen Halt bei Kafi und selbstgemachtem Kuchen organisiert. Danke an dich und deine Eltern!

Kurz nach Engishofen, als die zweite Steigung der Bodenseetour gerade begonnen hat, halten wir abermals. Diesmal aber unfreiwillig: Ms Knie schmerzt. Für den Mitorganisator geht es „nur noch“ nach Kreuzlingen und von dort (hoffentlich) mit dem Zug heim. Gueti Besserig u Erholig!
Soviel zum weinenden Auge. Das lachende Auge freut sich auf die mit einem Aerobike hervorragend zu fahrende Abfahrt von Engwilen nach Müllheim: 7km mit 60km/h ohne treten oder bremsen – yeah!

In Müllheim haben wir uns wieder formiert, doch schon in Wellhausen ist die Lücke irgendwie zu gross geworden. Bald 150km verleiten Hs Beine zu Krämpfen. Wir schalten ein paar Gänge runter (mir auch ganz recht!) und erreichen den…

…nächsten Pausenplatz bei einem Bauernhof mit schöner Aussicht auf die eben hinter uns gelassenen Thur-Auen. Foto von Johan Z.

Dass D (mit Ersatzrad) und D gleich wenden, als ich nach einem Griff ans Vorderrad kurz anhalte, schätze ich sehr. Der fies im Pneu verkeilte Stein hat es nicht durch die Karkasse geschafft.

Auf den allerletzten Km erwartet uns dann noch etwas Abenteuer: 200m leider ganz schön grober Gravel und zwei knackige Steigungen, die M, D und ich auf dem Hinweg schon hochgedrückt haben – jetzt stosse ich mit H, was beiden gut tut.

Zu siebt erreichen wir den Parkplatz in Neuhausen und verabschieden uns. Danke euch allen für die schöne Tour!


Zu dritt wählen wir diesmal die flachere und ja eigentlich für den Morgen geplante Route. Es bleiben uns noch ca. 1.5 Stunden, um den Zipfel Deutschlands bei Jestetten zu durchqueren, bevor hier die nächtliche Ausgangssperre in Kraft tritt und durchfahren das Gebiet mit immer schön Abstand.

Während wir entspannt auf der Panzerpiste entlang der Flugzeugpisten kurbeln, erreicht uns die Dunkelheit.

In Zürich verabschieden wir uns von M.

Nunmehr wiederum nur zu zweit fahren wir zurück und erreichen etwas nach Mitternacht unser jeweiliges daheim. Nach ca. 470km beide verdient müde.

Drei Seen 2021

Im Mai wollen ein paar aerodynamische Dreiräder um Bieler-, Neuenburger- und Murtensee fahren. Um dafür etwas Werbung zu machen, habe ich heute auf der Strecke ein paar Impressionen eingefangen:

Selzach
Twann
Cressier
Vaumarcus
Corcelles
Grandson
Cheyres
Missy
Faoug
Kerzers
Kappelen
Schwadernau
Büren a.A.
Grenchen
Bettlach

Es gibt auf den gut 200km schon auch Ortsdurchfahrten, Kurven und ein paar (ca 700) Hm. Dort ist fotografieren halt schwierig/gefährlich…

3-Seenrunde

Ein paar Velomobilfahrer flitzen ab und zu am Sonntagmorgen um den Zürisee. M hatte die Idee, das in Bern auch zu tun: Bern-Thunersee-Bern.

Heute bin ich zum ersten Mal dabei. Um rechtzeitig für das weitere Tagesprogramm wieder daheim zu sein (M), wird die Abfahrt auf bei Tagesanbruch angesetzt. In Bern.

Zusammen mit Neu-Velomobilfahrer D. im Dunkeln Richtung Bern. Das Foto stammt aus dem Cockpit von A, der uns vor der Arbeit ein Stück begleitet – Danke!

Zu dritt (M, D, ich) um den Thunersee. Impressionen:

Auf der Veloroute mit Blick über den See zum Harder. Foto von D.
In den Stein gehauene Strasse zwischen Unterseen und Beatenbucht.
Gleich nochmal, weil’s so schön ist.
Flach dem See entlang Richtung Thun

Der Rest ist rasch erzählt: In Bern haben D und ich noch nicht genug und via Yverdon fahren wir am Nachmittag nach Hause. 330km stehen am Abend auf dem Tacho. Um den Zürisee wäre kürzer und flacher gewesen.

Die drei Seen sind übrigens Inkwilersee, Burgäschisee, Moossee, Geistsee, Dittligsee, Übeschisee, Amsoldingersee, Brienzersee, Thunersee, Gerzensee, Wohlensee, Stausee Niederried, Schiffenensee, Neuenburgersee, Murtensee, Le Loclat, Bielersee, Meienriedseeli. Phuu, das ist ja eine ganze Menge Glunggen!

Winterfell+

Auf die Minute genau zwei Wochen nach dem Rekoride-Start starte ich zum eigentlichen Brevet. Das wäre der Plan gewesen.

Effektiv starten wir, L. und ich, ganze sieben Minuten zu spät – besser zu zweit als pünktlich 😉 .

Bald zeigen sich die Sterne und der Vollmond neben den immer spärlicher werdenden Wolkenfetzen am Nachthimmel.

Aarberg: Hübsch beleuchtete Altstadt.

Ereignis- und vor allem verkehrsarm fahren wir mal hinter- und mal nebeneinander durchs abendlich-nächtliche Seeland.

Den Aufstieg zum Mt. Vully fahren wir heute auf der Veloroute durch die Rebberge. Zum Glück haben die Pflanzen noch keine Blätter, die uns die ganze Aussicht über den Murtensee versperren würden!

Die Temperatur ist 10°C höher als vor zwei Wochen, der Wind schwächer* und wir fühlen uns beide gut. Wir lassen den Umweg nach Hause weg und fahren „wie es sich gehört“ durch.
*Bei den Rennvelofahrern wird der Wind dieses Brevets in Erinnerung bleiben. 10-20km/h (anscheinend stellenweise auch deutlich mehr) Ostwind ist insbesondere für die ganz im Osten (Zürich) gestarteten hart. Ursprünglich wollten wir ja von Dijon nach Schaffhausen fahren…

Am Bahnhof Utzenstorf feiert um Mitternacht eine Gruppe Randonneure den Geburtstag eines Teilnehmers mit Espresso und heisser Schokolade aus dem Automaten. Leider bemerken wir die illustre Gesellschaft nicht (sie uns auch nicht) und erfahren erst später von der Aktion. Alles Gute!

In der Hauptsteigung sehen wir irgendwo weit vorne ein blinkendes Rücklicht. In der folgenden velomobil-tauglichen „Abfahrt“ holen wir den ersten Fahrer ein und wechseln ein paar Worte.

Es nieselt leicht, was die Sicht beeinträchtigt: Die Tropfen auf dem Visier sorgen für schlechtere Sicht und nass ist die Fahrbahn einfach nicht gleich gut sichtbar.

Auf dem kleinen Strässchen zwischen Willisau und Menznau machen wir einen unplanmässigen Stop. Vor zwei Wochen lag hier Schnee auf dem Asphalt…

Luzern ist gespenstig ruhig. Zwar leuchten die Strassenlaternen, nutzen tut das Licht aber ausser uns niemand. Wasser inmitten der Altstadt auffüllen, ohne angesprochen oder komische Blicke zu ernten fühlt sich ganz ungewohnt an.

An die Schneemade in Küssnacht, wegen der ich vor zwei Wochen einiges an Umweg gefahren bin, erinnert nichts mehr.

Das Auf- und Ab entlang des Vierwaldstättersees trifft mich heute nicht mehr unerwartet.

Gegen die aufkommende Müdigkeit muss ich beim Checkpoint in Gersau einen Powernap einlegen. L lasse ich in der Zeit frieren, aber der Schlaf musste wirklich sein. Durch Kälte erwache ich wenige Sekunden vor dem Wecker und fühle mich wieder fit.

In Baar überfahren wir die Überreste einer Glasflasche und untersuchen die Pneus im Licht eines Schaufensters. Ein paar Minuten später wäre es auch sonst bereits hell genug geworden. 250km im Dunkeln gefahren, 150 liegen noch vor uns.

Danke L. für den Espresso am Tankstellen-Checkpoint vor Zürich! Gerade als wir losfahren möchten, kommt A angefahren. Wir werden ihn den Rest des Brevets immer wieder sehen 🙂 .

Die Verkehrsführung durch die Baustelle in Killwangen hat sich in den letzten zwei Wochen geändert und in Baden ist heute oder um die Tageszeit durch die Altstadt Fahrverbot. Ansonsten funktioniert der Track ganz gut.

Zwischen Fahrbahn (oben) und Limmat (unten). Durchs Geländer rechts ist für die Velonauten das Wehr vom Stausee Wettingen zu sehen.

Ein paar Km vor Aarau begegnen wir P.(?). Auch ihn sehen wir noch ein paar Mal bis zum Ziel. Wie alle von uns Überholten ist er in Lyss gestartet und somit virtuell 30km hinter uns – also noch sehr gut in der Zeit.

Auf mir bestens bekannten Wegen fahren wir durch den Vormittag zum Ziel, wo wir mit einem Selfie das Brevet abschliessen und uns etwas Müdigkeit eingestehen.

Geschafft!

Wenige Km sind es noch bis nach Hause, wo wir bekocht werden und ich kurz darauf den Nachmittag traumlos verschlafe.

L, es hat Spass gemacht, mit dir ein ganzes Brevet zu bestreiten!

Der Organisator meldet mir am Folgetag, alle seien wohlbehalten wieder zu Hause angekommen (teils DNF), was mich sehr freut.

Rekoride Winterfell+

Vorbemerkung: Fast keine Fotos! Auf dem ersten Teil war es dafür zu dunkel, auf dem zweiten Teil logistisch zu aufwändig: 2 Handschuhe und Handy=Kamera akkuschonend am Körper verstaut.

Ende Februar von Dijon 400km in 27 Stunden nach Schaffhausen durch Teile Frankreichs, Deutschlands und der Schweiz fällt wegen Covid-19-Beschränkungen aus. Eine Alternative muss her!

Wieder einmal bin ich in der Rolle des Streckentüftlers für ein alternatives Flachland-Winterbrevet quer durch die Schweiz und jetzt gilt es, die Strecke unter Realbedingungen zu testen. Zwei Wochen vor geplanter Durchführung.

Der Start ist an ca. 10 Orten entlang der Strecke am Freitagabend um 20 Uhr möglich. Ich entscheide mich für den Startpunkt „Bahnhof Biberist Ost“ und mache kurz vor 20 Uhr ein kurzes Selfie-Video als „technische Abnahme“: Lichter, Ersatzlichter, Helm, Leuchtweste. Die Brevetregeln sind klar: In den nächsten 27 Stunden die ganze 400+-Km-Strecke aus eigener Kraft absolvieren, sprich beim Verlassen muss am gleichen Ort wieder eingestiegen werden.

Startselfie

Auf mir bestens bekannten Strecken rolle ich durch die Nacht Richtung Westen, z.B. entlang vom um diese Tageszeit einsamen Stausee Niederried und vorbei am Warnschild vor Strassenglätte bei Kälte. Es ist ca. -5°C mit 20 km/h Rückenwind.

Die Pneus rollen bei diesen Temperaturen nicht wie im Sommer: 20% geringere Flach-Geschwindigkeit, für wer Energie hauptsächlich gegen den Luftwiderstand einsetzt wohl kaum vorstellbar…

Eine kurze Joggingeinheit das steilste Stück hinauf nach Lachen bei Golaten hilft gegen die Kälte in den Zehen.

Auf wegen Corona, den Sportferien, der Dunkelheit, der Kälte oder einfach so ganz einsamen Strassen und Strässchen gelange ich nach Salavaux, wo ich ein Checkpoint-Selfie schiesse:

Leerer Parkplatz in Salavaux
Erster Checkpoint: Selfie in Salavaux

Der 20-km/h-Wind bläst mir jetzt entgegen.

Die Strasse auf den Mont Vully ist gesperrt (habe ich erst kürzlich befahren, ist also für den Rekoride OK), womit ich gleich die Option weiter entlang vom Murtensee befahre.

Mir wird kalt: An den Handaussenseiten, an den Schultern und auf den Wangen. Und natürlich die Zehen.

Mitternacht ist vorbei, als ich in Koppigen die Brevetstrecke verlasse und nach Hause abbiege. Wie geplant.

Warme Stube, heisse Pasta und ab unter die Bettdecke!


0600. Wecker.

0645. Mit viel Warmem im Magen und warmgebendem im Velo mache ich bei -8°C einen kurzen Velocheck um für die Weiterfahrt bereit zu sein: 0.5 Bar im Hinterreifen ist zu wenig. Da ich gestern Abend auf 5 bar gepumpt habe, gehe ich von schleichendem Platten aus! Das Ventil ist fest eingeschraubt (naheliegendste Ursache…) und so fackle ich nicht lange und wechsle Pneu und Schlauch – daheim ist es zwar auch nicht wärmer, aber ich habe immerhin guten Windschutz. Mittlerweile ist es hell und ich fahre wieder zurück nach Koppigen.

Nun liege ich Stunden hinter der Maximalzeit zurück. Da keine grösseren langsammachenden Steigungen vor mir liegen und ich eh nicht vor habe, Pausen zu machen, bin ich guter Dinge, die Runde trotzdem rechtzeitig abzuschliessen. Und wenn ich länger brauche, ist es halt so aber deswegen mache ich mir keinen Druck.

Gestern war ich ja gepäckmässig eher im „Feierabendrunde“-Modus statt im Langdistanzmodus unterwegs und hatte nur das Nötigste dabei, was bei diesen Temperaturen schon nicht wenig ist, wenn man sich auch bei Defekt keine Erfrierungen/Erkältung holen möchte. Heute kommen zusätzlich Heissgetränke, Mampf für 300 Winterkilometer und aus der gestrigen Erfahrung am Körper zusätzlich auch Ärmlinge, Hanteli, ein Stirnband über Nase und Wangen und ein dicker Schal mit.

Kurz nach Wynigen beginnt es zu schneien. Auf der Fahrbahn bleibt das Weiss windbedingt nicht.

Kurz vor dem höchsten Punkt, 794m bei Schmidigen, lege ich fusswärmend ein paar Meter joggend zurück.

Trotz oder gerade wegen starkem Gegenwind und kalten Temperaturen fühlt sich die Fahrt bis Zell rasant an.

Auf der Veloroute wird der Schnee herumgeblasen.

Ein weiteres Stück fern jeglicher Hauptstrasse zwischen Willisau und Menznau ist teilweise schneebedeckt und trotzdem schön zu fahren. Oder bergauf zu joggen…

Auf den strassenbegleitenden Radwegen liegt gefrorener Pflotsch. Bis in zwei Wochen wird der weg sein.

Nach Malters muss ich feststellen, dass mein Routing so nicht funktioniert. Erstens kann ich nicht erkennen, ob unter der 10cm-Eisschicht Asphalt oder Naturbelag liegt und zweitens ist es ja gut möglich, dass das Eis bis in zwei Wochen nicht abgetaut ist. Ich weiche auf die Alternativroute aus.

Es hat zu schneien aufgehört.

Eingangs Luzern wäre ich besser von Anfang an der Velobeschilderung gefolgt. Das hätte mir eine Runde durchs Quartier erspart.

Mit dem Velomobil am Fasnachtssamstag quer durch Luzern. Dazu gehört eine grosse Portion Wahnsinn. Mit der Coronaverordnung ist es ganz angenehm. Wie viele haben sich wohl gedacht, ich mache das Gesicht bis auf den Mund verkleidet einen inoffiziellen Fasnachtsumzug mit dem komischen Gefährt?

Aufstieg nach Meggen: Wieder einmal zehenwärmebedingte Schiebepassage.

Den Abzweiger in Küssnacht habe ich zwar gesehen, angesichts meines Schwungs und der hohen Schneemade fahre ich weiter auf der Hauptstrasse. Im Nachhinein betrachtet eine dumme Idee. Gefühlt ziemlich weit muss ich fahren, um die Schneemade von der anderen Seite zu sehen – darunter 1x wenden und 3 Phasen einer Baustellenampel. Velomobil drüberschieben wäre schneller gegangen. In zwei Wochen ist der Schnee da weg.

Entlang vom Vierwaldstättersee ist es deutlich hügeliger, als ich es in Erinnerung habe.

1.4°C zeigt das Thermometer IM Velomobil an – Höchstwert bis jetzt und wahrscheinlich 4°C mehr als „draussen“.

Selfie beim zweiten Checkpoint in Gersau.

In Brunnen stehe ich zum zweiten Mal vor einem Feldweg, welcher sich nicht als Brevetstrecke eignet. Umplanen. Kurz darauf stehe ich mitten im Industriequartier. Weiter ginge es über das geschlossene Tor oder über einen Fussweg. Umplanen.

Die Veloroute entlang vom Lauerzersee ist teilweise mit Eis überzogen. Laaaangsam rollen und wenn immer möglich mit dem Hinter- und einem Vorderrad auf Asphalt bleiben…

Entlang vom Zugersee fällt mir wieder einmal auf, wie schlecht die Pneus bei der Kälte rollen. In Zug erwische ich keine grüne Welle. Nach der dritten Ampel beschleunige ich nicht mehr wirklich, sondern rolle bei grün einfach eine Ampel weiter.

Zwischen Baar und Sihlbrugg bietet sich wieder eine Schiebepassage an. Mit einer Tee-Pause. Auf der ganzen Fahrt nur Warmes zu trinken, hat sich bewährt. Dafür sind die Biberli, Landjäger und Riegel gefroren oder fühlen sich so an.

Selfie beim dritten Checkpoint in Sihlbrugg.

Die Strasse durch das Sihltal ist vom Salz gleich weiss wie der Schnee auf den freien Flächen.

Sonne!

Dem Wetter entsprechend viele Fussgänger hat es entlang der Sihl durch Zürich. Die paar hundert Meter kann ich auch Schrittgeschwindigkeit fahren.

Durch das Limmattal fahre ich nicht „wie mit dem Velomobil üblich“, sondern autogeroutet „wie Rennvelo-Randonneure“ und lerne tatsächlich ein paar neue Strässchen kennen. Die Baustelle in Killwangen ist dennoch doof zu fahren.

In Baden folge ich dem Tipp von F. und fahre durch die Altstadt. Bei schönem Wetter am Samstagnachmittag mit Schrittgeschwindigkeit. Ist aber ganz schön.

Selfie beim letzten Checkpoint ausgangs Baden. Ich habe gerade keinen Bedarf an Eiswürfeln 😉

Mit dem Abdrehen nach Westen beim Wasserschloss beginnt auch das Geblende der Sonne, resp des beleuchteten Strassendrecks auf dem Helmvisier. Ich hätte das Visier am Morgen doch putzen und zusätzlich ein Putztuch mitnehmen sollen.

Sonne hinter AKW-Wolke blendet nicht.

„Ja“ bekam ich vor ein paar Tagen als Antwort auf die Frage, ob die Veloroute nördlich der Aare nach Biberstein mittlerweile asphaltiert sei.

Nein, asphaltiert ist sie nicht. Ein paar zehenwärmende Luftsprünge, die letzten Deziliter warmen Tee und die Fahrtrichtung des Velomobils um 180° ändern. Zurück geht’s.
Ich freue mich immer wieder über die schöne Anfahrt nach Olten verkehrsfrei entlang der Aare. In Olten steige ich zum letzten mal aus, um bergauf ein paar Schritte zu gehen.

Die Sonne ist weg, das schmutzige Visier kann ich nun hochklappen.

Natürlich hat es unweit von meiner Haustür nochmals eine Baustelle auf der provisorischen Brevetstrecke, weshalb die finale an einem anderen Ort durchgehen wird.

Gut 23 Stunden nach dem Start: Selfie im Ziel eines coronakonform einsamen Brevets.

Zum Publikationszeitpunkt dieses Posts kann man sich noch während mindestens einer Woche fürs Brevet anmelden 😉

Tour De Schwiz-

Km 40. Seeland

 

Km 95. Creux du Van

 

Km 123. Col des Etroits

 

Km 159.

 

Km 164. Gorges de Nouailles

 

Km 178. Roche de Lahier

 

Km 230. Eurovelo 6

 

Km 250. Val de Cusance

 

Km 310. Off Route, Glère

 

Km 310. Glère

 

Km 313. La Motte

 

Km 322. St. Ursanne

 

Km 324. St. Ursanne

 

Km 392. Scharnageln

 

Km 392. Scharnageln, 8h später

 

Km 397. Aare bei Wangen

 

optional

Rund um den Jura

Eine zweieinhalbtägige Kurzreise.

Tag 1

Nebst morgendlichen Erledigungen bleibt kaum Zeit zum packen. Der Track ist hastig zusammengeklickt, statt wie üblich sorgfältig geplant. Das Velo nehme ich so aus der Garage wie es gerade da steht.

Exemplarisch für die Präzisionsplanung hier die Geschichte mit dem Handschuh: Es wird warm werden. Ergo brauche ich einen(=rechts) Velohandschuh wenn ich schalten können möchte. Den finde ich am angestammten Platz(=Werkzeugtasche) nicht. Also nehme ich einen anderen. Bei der ersten Panne (weiter unten) liegt der Handschuh natürlich griffbereit in der Tasche.

Um 13 Uhr rolle ich los und fahre ereignislos die mir schon bestens bekannte Strecke in den südlichen Thurgau, wo ein leckeres Znacht und etwas Büroarbeit warten. Beim Pneupumpen fällt mir ein durch einen kleinen Schnitt schauender Faden auf; Nicht besorgniserregend, noch nicht.

Tag 2

Zusammen mit der Sonne starte ich in den Tag frei nach Christoph Strassers Motto von Anfang an Vollgas, langsamer wirst eh (frei von mir aus der Erinnerung). Auf den ersten Km bis Winterthur fahre ich etliche persönliche Temporekorde.

Der Oberkörperbekleidung entledige ich mich im kurzen Aufstieg nach Hünikon. In Volken, nur wenig später hat es Nebel. Dieser wird sich auch gar nicht so rasch lichten. Dabei haben wir doch noch die heissesten Tage des Jahres!

Mal nördlich, mal südlich vom Rhein düse ich nach Westen. Um 0900 bin ich bei km 90 und denke mir noch so wenn du den ganzen Tag mit einem 30er Bruttoschnitt fährst, kommst du aber viel weiter als Besançon. Besançon liegt bei einem Drittel der Restdistanz für die noch verfügbaren 3 Tage. Es kündigt sich eine bald wundgeriebene Stelle an, echt jetzt schon???

In und bei Basel etwas Routenneuplanung und Umweg wegen Baustellen. Tja.

Am Ortseingang von Mulhouse biege ich auf die Eurovelo 6 ein, die hier entlang vom Rhein-Rhone-Kanal und später entlang vom Doubs führt. Gut 200 km werde ich auf dieser mehrheitlich motorfahrzeugfreien Velopiste unterwegs sein.

Beim Mittagshalt in Illfurth erhalte ich die Nachricht, dass das angefragte Treffen in Besançon nicht zustandekommen wird. Gute Besserung auf diesem Weg! Durch diese Nachricht werde ich überhaupt auf die Idee gebracht, etwas von dieser Tour zu erzählen und fotografisch festzuhalten.

Das erste Bild der Tour ist leider kein erfreuliches! Die Muschel hat einen 2cm-Schnitt durch die Karkasse geschafft. Ich weiss jetzt, wie doof sich sich ein platter Hinterradpneu bei 30 km/h anfühlt. Ersatzpneu montieren. Ohne Schatten und Fahrtwind ist es heiss.

Bald ist die Wasserscheide erreicht – flacher als im Seeztal 😉 .

Es gibt eine kleine Gegensteigung in Étouvans, wo ich fast zuoberst eine Wespe ins Velo fliegen sehe, aber nicht, wie sie wieder rauskommt. Trotz aussteigen und suchen sehe ich sie nicht. Ansonsten ist die Strecke flach, verstoppschildet, mit gut rollendem Belag und hat meistens schifffahrttaugliche Kurvenradien.

Das viele Beschleunigen (ich überhole nicht mit 45km/h auf dem 2.5m breiten Weg) kostet Kraft und vor allem Zeit – nix Bruttoschnitt 30…

Entlang vom Doubs

Wieder die Zitadelle von Besançon, diesmal ohne Begleitung.

Im Wäschpi sticht mich ein Wäschpi in die linke Pobacke. Ist das jetzt wirklich 40km mitgefahren oder war es ein anderes?

Wie im letzten Post versprochen, halte ich diesmal an für ein Foto vom Schiffstunnel bei Thoraise.

Auf dem Campingplatz von Osselle setze ich mich fürs Znacht in die Camping- und Strandbar.

Die Temperaturen werden langsam angenehm. So ist der Entscheid schnell gefällt, erstmal bis zum Eindunkeln weiterzufahren.

Das war eben doch nicht nur ein einzelner Karkassenfaden, sondern der Pneu wirklich heruntergefahren, kein Platten. Jetzt sind alle Ersatzpneus montiert, 550km bis nach Hause. Eine wenigstens minimale Velokontrolle vor Abfahrt wäre schon nicht schlecht gewesen.

Bei Tavaux verlasse ich die Veloroute und mir kommt der Ort gleich bekannt vor. Genau! Hier kam ich beim Rekoride (letzter Blogeintrag) durch und danach gings auf einer stillgelegten Bahntrasse nach Süden. Nach Süden will ich jetzt auch und so folge ich nicht dem GPS-Track sondern der Erinnerung. Ich biege stets richtig ab – soo müde kann ich also weder damals noch jetzt (gewesen) sein.

Abendstimmung. Blick nach rechts.

Abendstimmung. Blick nach links.

Die Strässchen und Dörfer scheinen immer kleiner zu werden. Was ich normalerweise für ein Indiz einer gute Routenwahl halte, entpuppt sich jetzt als eher doof: Hotel? Keine Chance ohne grosse Umwege. Und wegen Corona haben die meisten geänderte Rezeptionszeiten.

Ich finde mich damit ab, auf Plan B zurückzugreifen: Matte+Schlafsack. Als meine Route die Voie bressane, eine Voie Verte, quert, biege ich darauf ein und nach etwas suchen finde ich nichts besseres als diese Bank 1m vom Asphalt entfernt mit fast 100%iger Sicherheit, dass ich hier in den nächsten Stunden ungestört bleiben werde.

Notschlafstelle hinter dem Wäschpi. Keiner der Ersatzpneus reflektieren, dafür kommen die in schwarzer Reflexfolie gestalteten Kratzer-Überkleber besser zur Geltung 😛 .

Das waren heute 445 km – 50% mehr als ich mir vorgenommen habe.

Wecker 0500.

Mal heiss, mal windig, mal bewölkt, mal ganze Milchstrassenpracht, mal auf der linken Seite liegend, mal auf dem Rücken, mal auf dem Bauch die Hände auf den Boden haltend, mal raschelt etwas im Gehölz, mal ein Schluck aus dem Trinkschlauch gleich neben dem Kopf, mal…

Tag 3

Irgendwann muss ich doch noch eingedöst sein, denn den Wecker braucht es.

In der Nacht habe ich den ganzen Trinksack geleert und jetzt bin ich durstig. Gar nicht so einfach, um die Tageszeit Wasser zu finden, zumal die Brunnen alle als Blumentröge genutzt zu werden scheinen.
In Sagy finde ich keins, denn das öffentliche WC ist verrammelt und das Wasser abgestellt. Wo ich sonst noch gesucht habe, sei an anderer Stelle publiziert.
In Frontenaud hingegen: Sauberes, geräumiges WC mit Trinkwasser und Lavabo. Vermeintlich einfache Dinge wie Zähne putzen und ein grosser Schluck sauberes Wasser können so glücklich machen.

In einen schönen Sommermorgen fahren.

Die Streckenführung ist mehrheitlich sehr schön gelegen, ab und zu kann ich trotz superschnellem Velo und flachem kreuzungsfreiem Asphaltband keine 30km/h fahren, weil der Asphalt-Belag so sehr bremst und holpert. Flach ist es nicht immer – heute kommen doch ein paar wenige Hm zusammen.

Ohne viel zu überlegen, anzuhalten oder versuchen schnell zu fahren, rolle ich durch den Morgen nach Süden. So geschieht es, dass ich etwas erstaunt bin, als neben mir auf der Voie Verte ein grosser Fluss sichtbar wird. Das ist doch nicht etwa schon die Rhone? Doch!

Blick von der Voie Verte über die Rhone hinüber zum Château Neuf, Vertrieu.

Eine Brücke ist wegen Fahrbahnerneuerung gesperrt. Ja, auch für Unmotorisierte. Damit wird der südlichste Punkt der Tour noch etwas südlicher als geplant.

Entlang der Rhone geht es jetzt wieder flach und auf gutem Asphalt flott voran.

Schwäne auf dem Fluss

Das Tagesmenu im für mich perfekt gelegenen Restaurant ist lecker. Bedingt nahrhaft.

Ich wechsle die Hose. Nicht der Verdauung sondern der wunden Stelle wegen. Hose2 ist für eine andere neuralgische Stelle berüchtigt – immerhin eine andere…

Ich wäre zum Essen besser rein gegangen, denn mir ist heiss. Darum fahre ich die ersten Meter nach dem Mahl nicht auf dem Track, sondern nehme die …

… natürlich beschattete Veloroute.

Die Hauptsteigung der Reise, läppische 300 Hm, gehe ich ganz langsam an. Bei leichtem Rückenwind zeigt der Tacho im Wäschpi 35°C – kaum kommt in der nächsten Abfahrt wieder etwas Frischluft dazu sind es nur noch 32 😉 .

Dass die Rhone sich hier durch ein so tiefes Tal windet, war mir zu wenig bewusst. Eigentlich logisch, sonst hätte ich die Hm sicher nicht gemacht.

Wenn ich schon mal hier bin, muss ich da einfach einen Abstecher hin machen: Westlichster Punkt der Schweiz.

Von Genève sehe ich abgesehen von ein paar Wegweisern nichts, denn der Track lotst mich nördlich an der Stadt vorbei, was mir ganz recht ist.

In Mies VD stosse ich auf die Seestrasse, auf welcher exakt an der Stelle eine Baustelle beginnt – nicht auf dem Veloweg. Ist halt sowohl Fluch als Segen, diese Velowege.

Lac Léman

In der Abenstimmung über die kleinen Waadtländersträsschen zu fahren gefällt mir.

Plaine de l’Orbe

Die 8 km zwischen Yverdon und Yvonand lege ich wie gewohnt in 10 Minuten zurück, bin also noch fit. Ich werde wenn möglich noch heimfahren, bei allfälliger Müdigkeit gibt es höchstens einen Power Nap. Bis nach Hause wird das noch weiter als gestern. Phuu!

Um den Vorbereitung-für-die-Nachtfahrt-Stop so effizient(=nichts vergessen) wie möglich zu machen, merke ich mir folgende Stichworte mit einem englischen Wort, das ich auf der Reise lieber in Ein- statt wie hier in Mehrzahl gehabt hätte: Meine Pläne per Whatsapp kommunizieren, Licht-Akku kontrollieren ggf wechseln,Stirnlampe um den Hals hängen,Pneus kontrollieren, Rück-Spiegel putzen. Am Aussichtspunkt Vue sur La Grande Cariçaie ist ein guter Zeitpunkt dafür.

Die Sonne geht hinter dem Jura unter.

In Büren a.A. fahre ich nicht wie sonst(=Höhenmeter) sondern übers Kopfsteinpflaster, was den noch draussen sitzenden Restaurantgästen etwas akkustische Abwechslung beschert.

Zu Hause warte frisch gemachtes Apfelmus auf mich: Ich fahre vom Aussichtspunkt-Stop mit Ausnahme des Wasser-Auffüll-Stops in Sugiez und der roten Ampel in Solothurn durch bis nach Hause.

Tag 4

Statt wie ursprünglich geplant 300 km zu fahren (wäre ja komplett verrückt!), ruhe ich mich aus.

Rekoride

Vorgeplänkel

Im Verlauf der Woche reifen Plan und Absprache, eine mögliche Route für ein mögliches Brevet 2021 zu rekognoszieren. Start & Ziel am Ufer des Neuenburgersees an einem Freitagabend. Eckpunkte: Mümliswil, Dijon, Cascade des Tufs. 600 km.
Mit dem Rekognoszieren-Gedanken im Hintergrund ergeben sich einige Dinge etwas anders. z.B. fahre ich nicht meinen Rhythmus und ich halte nach viel mehr Ausschau, als für mich nötig (Verpflegungstankstellen z.B.).

Der Wohnort ist praktischerweise unweit der Streckenführung. Bei etwa Km 80. Ein Ziel der Fahrt ist es, die Verkehrslage für die 15-km/h-Fahrer beurteilen zu können. Start 20 Uhr, 15 km/h, 80 km, etwas Marge weil ich erwarte schneller zu fahren => Startzeit 0300 bei mir zu Hause.

Der Plan ist, im Verlauf des Nachmittags von der Orientierung an 15 km/h abzuweichen (weil schneller). Das gibt es ein paar Stunden Schlaf und nebenbei sehe ich alle mir noch unbekannten Streckenabschnitte mit Tageslicht. Einen Schlafplatz habe ich auch schon auserkoren…

Sozusagen in letzter Sekunde kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht besser wäre, mich nicht direkt schon von weitem als Ausländer zu outen. In einem Vorort von Dijon, den ich natürlich nicht befahre, gab es in den letzten Tagen ganz wüste Szenen. Allfälligen Zorn eines Corona-gebeutelten Verkehrsteilnehmers aufgrund schon-am-ersten-Wochenende-kommen-wieder-diese-ausländischen-Touristen möchte ich auch nicht auf mich ziehen. Drei herumliegende Kartonstücke klebe ich, weisse Seite nach aussen, quick&dirty aufs Velo.

Tag 1: Solothurn – Scheltenpass – Dijon – Baume-les-Messieurs

Die Fahrbahnoberfläche auf den mir bestens bekannten Pfaden ist vom Vorabend-Regen noch etwa zur Hälfte nass.
Gemächlich fahre ich durch das neblige Mittelland Richtung Oensingen. Inzwischen ist das Zmorge verspeist.

Im Aufstieg zum Scheltenpass beginnt der Tag und die Abfahrt wäre mit noch etwas mehr Vorsicht bereits ohne Licht machbar gewesen. Am Vorabend muss es heftig geregnet haben, denn die Strasse ist an etlichen Stellen mit Geröll (nicht einfach nur Kies) bedeckt.

Veloroute zwischen Vicques und Courroux am frühen Morgen.

 

Bassecourt. Der Nebel hat sich gelichtet.

 

Aussicht von La Caquerelle, dem zweiten Pass.

 

St. Ursanne.

Noch liege ich deutlich hinter der virtuellen 15km/h-Marschtabelle, die ich mir in 50km- oder 3h20-Blöcken ungefähr zusammenreime. Das ändert sich mit der 35 km langen Abfahrt durchs schöne Doubstal bis Saint-Hippolyte.

Fast verkehrsfreie Morgenstimmung erst entlang des Dessoubre oder wie hier in der Nähe von Vaucluse.

In Belleherbe ist der zweitletzte richtige Anstieg des Tages geschafft. Der letzte folgt dann erst am späten Abend. Dass es dazwischen deutlich hügeliger ist, als mir das Streckenprofil verrät, weiss ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Östlich von und vor Le-Val-de-Cusance. Gleich folgt…

 

…die Abfahrt durch die Schlucht mit stellenweise ganz schön schlechtem Belag und ausser zwei Rennvelofahrern und mir keinem Verkehr.

 

Ich habe ja Zeit und so steuere ich die Source Bleue an. Blau ist sie heute nicht. Ein wunderschöner Kraftort, merci für den Tipp!

 

Foto vom gleichen Ort wie oben, aber entgegengesetzte Richtung. Hätte ich das Velo mal besser stehengelassen statt es dorthin zu schieben, wo es auf dem Bild gut an die hell-dunkle Umgebung angepasst und somit kaum sichtbar steht. Denn so gibt es nasse Füsse (nicht Socken/Schuhe 😉 ) und zweimal ein geflutetes Velo (Hin- und zurück) – die Fahrwerksöffnungen sind einfach zu gross 😉

 

Oh, was steht denn da? Bremse! Am Hinterrad eines Ortskundigen Velomobilfahrers geht es weiter.

Wir wollen beide in die gleiche Richtung: Mit einem Wasser-Auffüll-Stop rollen wir flussabwärts.

Besançon.

Zwischen Zitadelle und Doubs verabschieden wir uns. Ich soll mich melden, wenn ich ein Problem hätte.

Cher L. Merci beaucoup pour m’avoir accompaigné et les conversations! Bonne route.

Dank(?) dem Velowegtunnel sehe ich eigentlich nichts von Besançon. Einen Einwohner kennenzulernen ist noch besser.

Etwas flussabwärts gönne ich mir eine ausgedehnte Pause. 15 km/h sei dank.

Als etwas Regen einsetzt, setze ich mich wieder in die Kiste und rolle abermals ein paar Meter.

In Thoraise gibt es wie in Besançon einen Schiffstunnel. Hier gibt es aber keine Velospur, sprich aussenrum/obendrüber.

Bald werde ich den Doubs-Veloweg verlassen. Da ich immer noch viel zu schnell unterwegs bin, halte ich auf den letzten weit vom motorisierten Verkehr entfernten Metern an, breite die Matte aus und stelle den Wecker auf in 2h.

1.5h später geht es weiter – wieder mit wenigen Tropfen von oben.

Fahrt ins Blaue mit immer etwas Auf- und Ab.

Ja, hier dürfen auch Autos und Lastwagen fahren. Das tun aber nicht viele und dementsprechend finde ich die Routenplanung äusserst gelungen.

Die Strässchen schlängeln sich dahin.

Bisher war ich der Meinung, Brevet-Navigation gehöre zu meinen Stärken. Als ich in Labergement-Foigney zweimal und kurz darauf in Magny-sur-Tille nochmal falsch abbiege, bekommt diese Meinung einen argen Dämpfer.

Die Routenerkundung in Dijon wird jemand anders erledigen und so drehe ich ab, bevor ich die Senf-Stadt erreiche.

Etwas erschrecke ich ab dem Schild schon, schliesslich steht kurz vorher noch ein Velo-Schild. Die Auflösung: Beim unteren Balken fehlt ein Zusatzschild „1000m“ oder so. Das Teilstück (wie auch ein Km Naturbelag) werden nicht zur Brevetstrecke gehören sondern sind „meine persönliche Innenstadtumfahrung“.

Die 15km/h lasse ich wie eingangs erwähnt die nächsten Stunden einmal gut sein, weil ich dann während etlichen Km nichts von der Landschaft sehen würde.

 

Die ersten Meter wieder zurück auf der potentiellen Brevetstrecke. Canal de Bourgogne bei Longvic.

In Saint-Jean-de-Losne geht es erst einmal der Hafenpromenade entlang und kurz vor der Brücke wende ich via Parallelstrasse, um hier Rast zu machen:

Znacht in St-Jean-de-Losne

Entgegen meiner Annahme ist es hier nicht flach, sondern wellig.

Forêt domaniale du Ponchon. Solch guten Belag gibt es hier nur auf wenigen Metern. Entweder kleine Strässchen oder guter Belag…

 

Als ich diese Fahne sehe, muss ich einfach bremsen: Znacht zum Zweiten in Aumur.

 

Stillgelegte Bahntrasse. So lässt es sich gut vorankommen.

 

Sonnenuntergang ist um 21:37, dieses Foto entstand wenige Minuten vorher an der Autobahnbrücke bei Sellières.

Die Abendstimmung im langsam schwindenden Tageslicht ist sehr schön zu durchfahren. Ich werde meinen Schlafplatz pünktlich wie ein Uhrwerk 1h nach Sonnenuntergang erreichen.

Im Stealth Mode nähere ich mich dem Schlafplatz südlich von Baume-les-Messieurs und höre doch tatsächlich Stimmen. Doof! Also lege ich die Matte ein paar (hunderte?) Meter entfernt hin und mich im Schlafsack darauf. Wer sich die Fahrt auf Strava ansieht: Der Teil dieses Absatzes fehlt dort komplett.

Aufgrund des entfernten Wasserfalls oder der Felswände zu drei Seiten höre ich vermeintlich in der Nacht noch allerlei. Das und ein durch leichten Luftzug nicht mehr ganz so wärmender Leichtschlafsack lassen den Schlaf weniger erholsam sein als erhofft.

Tag 2: Baume-les-Messieurs – Solothurn

Bis 30 Minuten vor Sonnenaufgang bleibe ich liegen und stehe nicht wie geplant schon um 0445 auf. Ein Morgendlicher Rundgang hilft, die Zeit bis zum guten Tageslicht zu überbrücken und wieder etwas aufzuwärmen.

Morgendlicher Blick talauswärts von oberhalb des Wasserfalls

Wasserfall: Kraftort!

Cascade de Tufs

Um gut 6 Uhr, wieder deutlich hinter der Marschtabelle, setze ich mich wieder ins Velo und lasse dabei für die Abfahrt gleich alle Kleider an.

Gegenlicht ist anstrengend. Oder kommt das Gefühl von der Topographie, die trotz vielen Abfahrten netto 1000m auf 100km ansteigt?

Es geht wirklich zäh voran. Die mentale Einstellung auf drei mal geht es hoch, der Rest ist fast flach war schon etwas naiv.

Nicht Nordamerika, sondern französischer Jura.

 

Kaum zurück in der Schweiz, holpere ich über das kleine Strässchen zum Col des Etroits.

 

Sicht aufs Mittelland/Alpen beim (nicht auf!) Aussichtsturm von Bullet.

 

Posieren für P nördlich von Mauborget. Merci fürs Gespräch und bonne route!

Am Horizont auf obigem Foto könnte der höchste Punkt der Tour gewesen sein. Bevor es aber richtig steil bergab geht folgt noch etwas welliges Terrain – super mit dem Wäschpi!

Schweizer Jura. Gleich geht es runter.

Die Abfahrt ist schön. Und steil. Und teilweise im Weidegebiet. Nichts, was ich anderen bei potentiell Nacht+Regen gönnen möchte – da ist die Route noch verbesserungswürdig.

Blick von oberhalb von Provence. In der Abfahrt kann der Blick viel zu wenig in die Ferne schweifen.

Pünktlichst um 1200 (Erinnerung: Start 2000+40h) erreiche ich das fiktive Brevet-Ziel.

Als ich dort eine Pause mache, ergibt sich eine Fotosession mit dem Velo. Ich weiss nicht, was die Frau mit all den Bildern, teilweise von mir geschossen, von sich und dem komischen Ding will. Vielleicht hat sie gesehen, wie ich die weissen Abdeckungen entfernt habe und glaubt, es sei ein nagelneues Ding.

Durch Neuchâtel habe ich häufiger rot, als es eigentlich Ampeln hat: Zwei grüne Ampeln aber 3(!) Baustellen.

Auf der Veloroute 5 zwischen Marin und Ins ist ganz schön viel los heute. Und kurz vor Ins auf gerader Strecke passiert es:

PFFT, Pfft, pft. So einen Schaden hatte ich noch nie. Ein zurechtgeschnittenes Stück Pneu(!)flicken über dem Felgenbandloch und etwas weniger Druck im Schlauch sollen mich noch die restlichen 60km nach Hause bringen.

Zu den letzten 60km habe ich nicht viel zu sagen, weil diese zu meiner erweiterten Feierabendrunde gehören und ich irgendwie schon jeden Schachtdeckel kenne. Also doch, etwas gibts schon zu erwähnen: Mit dem behelfsmässig geflickten linken Rad fahre ich Linkskurven viiiel bewusster. Und insgesamt nie schneller als X.

Kaum zu Hause erfahre ich, dass ich in einer halben Stunde Besuch bekomme. Das reicht gerade um ausgiebig zu duschen. Falls du das liest: Schön bisch vrbiicho, gärn wiedr!

 

 

Alpenluft+

Vorbereitung

Zwischen 400 und 700 Kilometer sollen es während einer Tour in diesen (Ferien-)Tagen werden. Nach Verwerfen von mehreren Routenvarianten (Grenzen zu oder Wintersperre) steht gegen Mittag fest: Eine abgewandelte Form des dieses Jahr ausfallenden (oder gar nicht vorgesehenen?) Alpenluft+-Brevets soll es werden.

Die Startzeit, 15:30, richtet sich nach der angepeilten Uhrzeit für das Befahren der Hauptgefällestrecke: So früh am Morgen wie möglich aber mit Tageslicht.

Die paar verbleibenden Stunden bis zum spontanen Abenteuer füllen sich mit essen, Kleider einpacken, Track auf GPSr laden, Akkus laden und ausruhen. Das Velo nehme ich so mit wie ich es nach der letzten Fahrt in die Garage gestellt habe: mit allem anhaftendem Dreck und ohne nachzupumpen.

Route

Solothurn-Olten-Aarau-Brugg-Zürich-Sargans-Chur-Versam-Andermatt-Realp. Bahnverlad, weil der Furkapass noch gesperrt ist. Oberwald-Sion-Montreux-Moudon-Murten-Solothurn. Ungefähr 650km, 4000Hm.

Bericht

Auf mir bekannten Strassen und Wegen fahre ich in die Nachmittagssonne. Es geht bis Killwangen flott voran – brutto 35 km/h. Gerade rechtzeitig auf den Feierabendverkehr erreiche ich das Limmattal – dies habe ich bei der Planung natürlich nicht berücksichtigt. Die mit Baustellen und Staus gespickte Strecke zwischen Killwangen bis nach Zürich Enge ist körperlich wegen ständiger Beschleunigung viel anstrengender – brutto 21 km/h.

Wieder im gemütlichen Cruise-Modus mit gelegentlichem Blick auf den von der Abendsonne beschienenen Zürichsee erinnere ich mich, dass ich ja bald unweit von A. vorbeikomme. Während die Baustellenampel in Giessen mich zum Warten zwingt, schreibe ich eine kurze Nachricht und eine halbe Stunde und etwas perfekte Veloroute später stehe ich mit einem Espresso in der Hand in A.s Küche.

Grazia fitg per ta spontanadad (oder so)!

Wenige Minuten vor Sonnenuntergang auf der Brücke über die Bahnlinie bei Oberurnen

Eine Tafel Schokolade wandert in den Magen, während ich das Wäschpi die paar steilsten Meter der Walenseeveloroute hochschiebe.

In Unterterzen ist die Fahrbahn feucht, in Walenstadt gar nass und es regnet leicht. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ein kurzer Blick auf den Regenradar offenbart: Nur dank der Pause bei A. bleibe ich trocken und bis nach Sargans bekommt das Velo die schon lange nötige Radkasten- und Unterbodenwäsche.

Eine Nachtfahrt wiederholt auf der gleichen Strecke zu machen, hat neben Streckenkenntnis (weniger GPS-Verbrauch, weniger bremsen=energieschonender) auch ganz praktische Vorteile wie z.B. dass ich Ort und Öffnungszeit eines Tankstellenshops noch kenne. Zwei Sandwiches und 3 Paar Landjäger wandern in den Mampfsack und werden im Verlauf der Nacht in Vortrieb umgewandelt.

An der Eisenbahninfrastruktur bei Reichenau wird gebaut und dafür wird der Verkehr bei der Brücke durch den Verkehrsdienst geregelt. Dem Lotsen ist um 23:18 wahrscheinlich ziemlich langweilig (Autos fahren da kaum durch, die dürfen über die Autobahn und müssen nicht übers Kopfsteinpflaster) als er mein Frontlicht sieht und sogleich Zeichen zur freien Fahrt gibt. Und ich fahre nicht einmal durch, sondern in die mit Sackgasse ausgeschilderte „Gassa“ – ein viel besserer Weg hinauf nach Bonaduz.

Die Sicht in die Rheinschlucht vor Versam ist mangels Licht unspektakulär.

Die Sterne funkeln.

02:31, Tunnel zwischen Disentis und Sedrun. Bei so wenig Verkehr sind solche temporären Strassenblockaden kein Problem.

In Sedrun waren es vor zwei Jahren „39“ – heute „40“.

Ich merke, dass ich vor dem Zeitplan liege und lege schon früher als nötig die kürzeste Untersetzung auf, was bei angenehmer Trittfrequenz eine Geschwindigkeit von 6.3 km/h ergibt. 5 Haarnadelkurven nach links sehe ich auf der Karte. Obwohl sich das an einer Hand abzählen liesse, weiss ich bald nicht mehr, ob ich jetzt bei 3 oder bei 4 bin – im Gelände nachsehen ist wegen Dunkelheit/Verkehrsfreiheit nicht so einfach und extra das GPSr bemühen lohnt sich auch nicht.

Oberalppass bei anbrechendem Tageslicht. Die Lichterkette im Hintergrund ist die beleuchtete Galerie.

Das Ziel „Abfahrt bei frühestmöglichem Tageslicht“ gelingt nicht ganz: Ohne Frontlampe hätte ich noch etwas warten müssen.

Es ist bewölkt und das nimmt mir auch den Entscheid ab, ob ich noch bis Sonnenaufgang auf der Urseren-Seite warten oder den ersten Autozug nehmen und den Sonnenaufgangszeitpunkt im Tunnel verbringen soll.
Erstens kommt es bekanntlich anders und so stelle ich in Realp fest, dass der recherchierte Fahrplan für die Gegenrichtung ist (erst wollte ich anders herum fahren). So verbringe ich eine halbe Stunde länger in den warmen Warteräumlichkeiten vom Bahnverlad: Kaffee und Süssgetränk aus dem Automaten, warmes Wasser für eine Katzenwäsche beim WC.

Furkapass. Oder so.

Fressalien, Sonnencrème, etc vom Sitz aus griffbereit und eine Pneukontrolle ist ebenfalls bequem vom gepolsterten Sitz aus möglich. Dazu ist es noch angenehm warm und ohne Anstrengung. Das Passfahrt-Feeling kommt nicht auf 😉 .

Wenn ich schon das Handy für die Fotos in der Hand halte, kann ich auch eine kleine Message abschicken.

Goms: Sonne, Gefälle, neuer Belag, kaum Verkehr.

 

Rhonedamm-Velobahn unterhalb von Chippis

 

Auch parallel zur Autobahn (rechts) kann die Aussicht schön sein.

Durch das Rhonetal rollt das Wäschpi gefühlt sensationell. Es geht ja auch immer ein bisschen bergab.

Das Resultat der frühmorgendlichen Nachricht aus dem Autozug:

D und N sind mir ein Stück entgegengefahren, um mich zu begleiten.

Ortskundig werde ich ins beste Café von St.Maurice gelotst. Koffein und Gebäck gibts da für mich zwar auch, aber vor allem wieder einmal etwas direkte Kommunikation, was in den letzten Monaten einfach arg zu kurz gekommen ist.

Statt auf die Route vom GPSr muss ich mich jetzt nur darauf konzentrieren, den Ortskundigen nicht ins Heck zu fahren und werde dabei perfekt gelotst:

Wer das Gebäude links am Hang erkennt, weiss auch wo das Foto entstand.

 

Schloss Chillon von der nicht ganz so schönen Seite.

 

Der für mich dritte und letzte längere Aufstieg mit nur wenigen Blicken auf den Genfersee.

In Puidoux verabschieden wir uns. Zuvor darf ich aber noch sehen, wie Velomobilprofis innert wenigen Sekunden einen Platten (trotz Tubeless) beheben: Rad ab, Ersatzrad aus dem Velomobil holen, montieren, Rad im Velomobil verstauen, fertig – nicht schlecht!
Erst zu Hause erinnere ich mich an den nur wenige Meter von hier stehenden Eiffelturm. Den sehe ich mir beim nächsten Mal an.

Vielen Dank, N und D, dass ihr so spontan seid und euch die Zeit genommen habt!

Noch 120 km bis heim. Das denke ich mir, als ich mir die Windsituation anschaue: Mit gemäss Meteoschweiz 27 km/h Gegenwind, konstant.

Eines der tausenden schönen Strässchen im Waadtland. Hier zwischen Moudon und Lucens.

Bei Marnand wechselt mein Track, und damit auch ich, auf die Hauptstrasse. Das ist sowas von kein Spass, dass ich schon nach wenigen hundert Metern auf den Rastplatz fahre, um eine neue Route zu planen. In dem Moment sehe ich im Rückspiegel einen Traktor auftauchen. Meine Chance! Die für die Routenplanung gedachte Standzeit ist gemäss Aufzeichnung gerade einmal 20 Sekunden.

42 km/h. Wie ein Mantra. Bergab bremsen, bergauf sprinten, nach Kreisverkehren ebenfalls sprinten. Dieses Intervalltraining tut der nicht mehr ganz frischen Muskulatur überhaupt nicht gut, scheint im Moment aber die beste Variante.

Eingangs Faoug, nach 16.6km muss ich definitiv abreissen lassen, nachdem der Traktor in der Steigung wegen eines unaufmerksamen Autolenkers fast bis zum Stillstand gebremst hat.

Egal was der Track sagt: Hier kenne ich mich wieder bestens aus und fahre statt dem schnellsten den angenehmsten Weg:

Seeland zwischen Kerzers und Aarberg. Auch wenn ich dieses Strässchen bei erweiterten Arbeitswegfahrten oft fahre, ist es mir heute ein Foto wert.

In Lohn gibt es in Gegenrichtung Stau, weil der Parkplatz der Landi voll ist und sich die Warteschlange bis auf die Strasse staut.

25.5 Stunden nach dem Losfahren bin ich wieder zu Hause. Der hausgemachte Sirup schmeckt noch besser, als ich ihn mir in den letzten Stunden jeweils erträumt habe.

Tag 11

0800 Zmorge.

Bevor ich um 0830 losfahren kann, darf ich noch für etliche Fotos posieren und erhalte in letzter Sekunde noch einen grossen Sack Mirabellen und Cherrytomaten mit auf den Weg. Ô prés d’ici Chambres in Liévans: Kann ich weiterempfehlen!

Die Etappe kann potentiell lang werden, weshalb ich das für die Navigation verwendete Handy nur sporadisch einschalte. So passiert der grösste Verfahrer der Tour: Gute zwei Extrakilometer inkl. Aussteigen weil die Abkürzung zurück zur Route mit einem Gitter versperrt ist.

Gestern Abend habe ich mit dem Gastgeber die heutige Route angeschaut. Erfahrene Reiseradler wissen, dass man nie Lokalen (Autofahrern) trauen soll. Dennoch folge ich dem Rat, nicht durch Belfort hindurch zu fahren, sondern so. Hätte ich es nicht gemacht, wären mir ein paar Höhenmeter auf verkehrsarmen Strässchen und der Anblick von ca 10(!) entgegenkommenden Tandems verwehrt geblieben. Die auf der Karte eingezeichnete Route Cyclable ist dann natürlich eine Holperpiste, auf der ich wegen entgegenkommenden Pferden auch aussteigen darf:

Veloroute bei Essert.

Kurz darauf düse ich – wieder auf meiner Route – entlang des Rhein-Rhône-Kanals, wo es auch den Mittagshalt gibt.

Irgendwie hatte ich im Gedächtnis, die Route würde mich um Basel herum führen. Spätestens, als ich über den Bahnhofplatz von Basel fahre wird mir klar: Nein, wieder mittendurch.

In Münchenstein schaffe ich es, an ein und der selben Kreuzung zwei Mal falsch abzubiegen. Das zweite Mal ziehe ich das Velo auf dem „Standstreifen“ rückwärts wieder auf die Kreuzung…

Ja, es soll heute noch nach Hause gehen. Auf den Hauenstein habe ich gerade so ganz und gar keine Lust. Also aussenrum, da rollt es wenigstens schön.

Radweg Made in Switzerland.

Statt auf der Hauptstrasse nehme ich für die Steigungsbewältigung ein kleines Nebensträsschen und im Schatten gibt es auch wieder einmal eine kurze Pause. Whatsapp verrät, dass es in Aarau eine neue Attraktion gibt…

Entlang von Rhein und Aare ist das Terrain, wofür das Wäschpi gemacht ist.

Aarau. Da hat tatsächlich jemand zwei Original-PBP-Wegweiser an den Balkon getackert (gaaanz weit oben). Musste ich natürlich kurz vorbeischauen und mit meinem Schild* mit-posieren.
*nein, ich habe das Schild nicht entwendet und damit nachfolgenden Randonneuren die Navigation erschwert. Das Schild gab es als Teil des Finishergeschenks.

Gegenlicht. Den ganzen Tag schon. Das ermüdet ganz schön. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, das getönte Helmvisier anstelle des selbsttönenden (ist nachts klar) mitzunehmen. Aber wer hätte gedacht, dass das Wetter fast durchgehend sooo grandios sein würde?

Auf der parallel verlaufenden Autobahn bei Oensingen ist Stau.

Zu Hause greife ich unter der Dusche zum Duschgel Held des Tages und schmunzle.