ROAD TRIP MODE+

Wir treffen, auch verkehrsbedingt, nicht wie geplant eine halbe Stunde sondern nur 5 Minuten vor Abfahrt bei der Notre-Dame-Baustelle ein und können den anderen gerade noch gute Fahrt wünschen, bevor wir uns ein Frühstück suchen. Mit Leckereien aus einer Bäckerei machen wir uns mit gut 20 Minuten Rückstand auf den Weg entlang der Seine und bald entlang der Marne.

Der Weg aus der Stadt ist flach, verwinkelt und voller Temposchwellen, Drängelgitter, unübersichtlicher Rechtsvortritte. Ich rolle gaaanz gemächlich, um ja nicht zu viel bremsen zu müssen. An einem Drängelgitter stelle ich das Velo hochkant auf die Lüftungsöffnung ganz vorne, um hindurchzukommen.

Als es eendlich Mal etwas geradeaus geht, ist der Untergrund Gravel.

Erst zu Hause sehe ich, was das für ein völlig unnötiges Streckenstück war: steil hoch, dann die beiden Passagen und am Schluss doch wieder auf die Ursprungsstrasse. Auf dieser rollt es dann den ca einen km bis Trilbardou zum ersten Mal auf diesem Brevet richtig gut. Was für eine Wohltat!

Nach vier Stunden kratze ich gerade so an der Maximalzeit und abgesehen vom Spätstart war da noch keine Pause dabei. Keine Pause abgesehen von unzähligen Rollphasen, Drängelgitteraussteigereien, einmal Achsefestschraubstop. Ich frage mich, ob das Brevet auch mal noch körperlich fordernd wird oder ob es eine endlose Bummelprüfung für Material und Psyche wird.

Nicht unerwartet füllt sich der Weg am sonnigwarmen Sonntagnachmittag bald sehr mit anderen Erholungssuchenden.

Den Checkpoint 1 bei Km 163 erreichen wir um 1620 und es sieht nicht aus, als könnte ich die nächsten Stunden schneller fahren. Das habe ich mir vorgängig ganz anders vorgestellt und ich beginne mir Gedanken über meine Heimfahrt morgen Abend zu machen, um übermorgen arbeitsfähig zu sein. Plan A mit dem Velo fahren, Plan B mich im Ziel oder auf dem Heimweg abholen lassen, Plan C das Velo irgendwo abstellen und mit dem Zug heim. Plan B kommuniziere ich schon einmal.

Das Spiel mit dem hinter meinen Bodyguards herrollen geht weiter, bis…

Wo der Kanalweg für uns endet stelle ich das Velo als „Wegweiser“ quer und esse wieder etwas Pizza.

In zwei Dörfern stosse ich ein Stück. Einmal wegen Baustelle und einmal wegen Chilbi. Der Flohmarkt wieder ein Dorf weiter wird gerade aufgelöst – bis vor kurzen wär auch hier zu stossen gewesen.

Bei ca km 220 sehe ich die Vierergruppe zum letzten Mal und es werden auch die letzten Randonneure sein, die ich während dem Brevet zu Gesicht bekommen werde. Wer vor und wer hinter mir ist, weiss ich allerdings nur sehr lückenhaft.

Nachtfertig mache ich mich in der gerade umgebauten Pizzeria in Pargny-sur-Saulx, km 250: Stirnlampe um den Hals, Frites neben den Sitz, Pizza unter den Sitz (für später), Wasser in den Beutel und Süssgetränk in den Magen.

Mitten auf der leeren Landstrasse halte ich für ein Telefonat an.

Der Streckenabschnitt zwischen Naix-aux-Forges und Toul verläuft auf kleinen Nebensträsschen. Im Nachhinein befinde ich diese 50 km als die schönsten des Brevets trotz oder gerade wegen stockfinsterer Nacht.

Durch Toul donnert ein schwarzbekleideter Zweiradfahrer mit gefühlt Tempo 100 und ohne Beleuchtung. Ou mann!

Irgendwo vor Nancy sollte sich auf dem Veloweg entlang der Mosel ein für ein paar Stunden geeigneter Schlafplatz finden lassen. Der erste angefahrene Ort erfüllt meine Kriterien nicht. Der zweite auch nicht.

Plan B vom Vorabend soll es werden. Ich reserviere einen Transporter und gebe Bescheid. Vom Wecker bis zum losfahren vergehen nicht nur deswegen satte 45 Minuten. Üblich sind sonst 15.

Die Antwort auf die Checkpoint-2-Frage in Gondrexange bei km 455 lautet „enfants“. Passenderweise spielt gegenüber gleich die gefühlt ganze Dorfkinderschar auf dem Pausenplatz.

Die Pizza ist gegessen und der Getränkevorrat aufgebraucht. In Saverne suche ich mir Nachschub, was sich umständlicher als erwartet herausstellt. Der Track führt schön an allem vorbei (gut so!).

Die Fahrt entlang des Kanals unterbreche ich bei der TGV-Unfall-Gedenkstätte, um den Abend zu organisieren. Wo die Abholung stattfinden wird, lassen wir noch offen.

Von früheren Fahrten weiss ich: Aus der Stadt heraus holpert es ein paar Mal, dann kann jeweils bis zur nächsten Brücke oder Schleuse schön Tempo gemacht werden. Ersteres stimmt heute, zweiteres aufgrund von vielen anderen Leuten auf dem Weg nicht.

Ich mache das beste daraus und nutze die Langsamfahrphasen jeweils für ein paar Worte. Eine Gruppe älterer bis alter Damen z.B. würde sich sooo freuen, wenn jeweils eine von ihnen auf meinem (nichtexistierenden) Beifahrersitz mitfahren könnte.

Dass die meisten der letzten 15km auf Naturbelag zurückzulegen sind, ist mir jetzt auch egal.

Gut 32h habe ich für die gut 625 Brevet-Km von Paris bis Neuf-Brisach benötigt.

R sei ca. 2h hinter mir, was mir zu lange um zu warten ist. Gute Entscheidung, denn R und M werden erst in 5.5h hier sein. Meine Heimreise wird dann ein Mix aus den Plänen A, B und C: Das Velo darf ich im Baselbiet unterstellen und werde von dort mit dem Kleinauto abgeholt. MERCI euch für so viel Spontanität!

BRM du centenaire

Heute vor hundert Jahren fand das erste offizielle Brevet vom ACP statt. In vielen Ländern werden deshalb heute 200er-Jubiläumsbrevets gefahren. Dasjenige vom ACP selbst orientiert sich an der Originalstrecke von 1921 und ich nehme teil.

Bevor ich zum Start rollen kann, puhle ich den Glassplitter aus dem linken Vorderradpneu und flicke den Schlauch.

Eine Gruppe in Paris lebender Malaysier sowie R lerne ich kennen und auf dem Autoparkplatz darf ich auch eine Pumpe mit Manometer ausleihen.

„S!“ (Vorname) entflieht es meinem Mund, als mein Gehirn angesichts der uns überholenden gerade ein paar Bausteine zusammenfügt. Tatsächlich ist es S aus dem deutschsprachigen PBP-2015-Film, die heute im ACP-Dress unterwegs ist. Wir wechseln ein paar Worte und ihre Bilder werden mir später auf Umwegen per Link geteilt: instagram

In Chartres bei der contrôle 2 esse ich neben J (Shirt AudaxSuisse) und ? (Shirt AudaxIreland) eine Portion Frites.

Die Fahrt aus der Stadt ist mühsam.

In Linkskurven gibt es ein mir unbekanntes Klappern im rechten Radkasten. Anhalten. Die rechte Achse hatte sich losgerüttelt.

Contrôle 3 in Rambouillet. Stempeln und weiter.

Zum Ziel geht es nochmals…

Homologation 629709 9h50 nach dem Losfahren. So schnell bekam ich noch nie eine Homologationsnummer!

J kommt tatsächlich und mit aufgewärmtem Essen und teurem Bier lassen wir den Abend ausklingen. Wecker 0530.

Nach Paris

Mein erstes Multibrevet-Wochenende steht an! Am Samstag möchte ich das 100-Jahr-Jubiläums-Brevet der Brevet-Dachorganisation fahren und am Sonntag das erste One-Way-Brevet von Audax Suisse. Der Titel verrät es: Beide Brevets starten in Paris.

Mittwoch

Um die ca. 600km nach Paris nicht in zwei Tagen zurücklegen zu müssen, fahre ich den höhenmeterlastigsten Abschnitt schon am Mittwochabend.

Wegen Stau auf der Autobahn meide ich die Hauptstrasse und gelange verkehrsarm bis zum Beginn des Hauptaufstiegs der ganzen Reise:

Der obere Teil der Abfahrt ist viel zu steil mit zu schlechtem Belag. Unten hingegen…

Donnerstag

Die Scheiben getrocknetes Wollschweinfleisch sind das i-Tüpfelchen des super Buurezmorge.

Nach den ersten 20 bergab-Km ist es hügeliger als ich mir die Strecke vorgestellt habe. Die Schweiz werde ich in gut 1300km wiedersehen, sofern alles nach Plan läuft.

1030, km 80: Sonnencrème auf die Haut, Pizzaresten verputzen.

1145, km 119. Restaurant fermé le jeudi.

Km 120. Restaurant, in dem schon Polizisten sitzen und das sich in den nächsten Minuten ganz schön füllen wird. Wie mein Magen. Zum allerersten Mal benötige ich den pass sanitaire, dafür keine Maske – gefällt mir!

In der nächsten Gegensteigung nach diesem Bild (hinter dem Horizont) überhole ich zwei Reiseradler, deren T-Shirts im Gegenwind sehr flattern und die im kleinen Gang hochkurbeln. Mein Tacho zeigt 65, oben auf der Kuppe immer noch 20 – Aerodynamik hat schon was.

Pisseloup ist der eigenartigste Ortsname, der mir heute auffällt. Ein ohrenbetäubender Lärm ertönt. Der Rasenmäher hinter der nächsten Hausecke wird es nicht sein. Ein Problem mit dem Velo hoffentlich auch nicht. 5 Minuten später nochmals und jetzt sehe ich den Kampfjet am Himmel.

Handy tot. Shit. Wie finde ich jetzt den Übernachtungsort? GPS hat den Track nicht. Rechts ranfahren. Einschalten? Nein. Akku war zuletzt 48%, vielleicht ein Trugschluss? Auf der Suche nach einer Steckdose lande ich in einer Bar. Pass Sanitaire? Auf dem [oh no…]. In dem Moment springt das Handy wieder an und ich muss weder das zuunterst verpackte Papierzertifikat hervorkramen noch mir die Route nach Bar-sur-Aube irgendwie abschreiben/aufmalen.

Checkout morgen frühestens um 0830.

Freitag

Aufs Hüttli prasselnder Regen weckt mich um 0623. Zu früh.

0840. Es regnet und ich fahre los.

Die Strasse auf der linken Flusseite ist nach ein paar Km gesperrt und so fahre ich doch wieder rechtsufrig. Kürzer, flacher, besserer Belag, 20x mehr Verkehr.

Statt auf der D441 möchte ich die Parallelstrasse nördlich davon fahren. Beim Abzweiger heissts Umleitung über die D441. Fast kein Verkehr und ich bleibe ich gleich auf der Strasse. So komme ich ganz unverhofft durch den Ort Arcis. 😀 !

Zmittagsrast mache ich ein paar Km weiter bei einem vorgängig herausgeschriebenen Trinkwasserbrunnen mit Proviant aus dem Velo. Den Brunnen gibt es tatsächlich! Er befindet sich aber in einem Friedhof, was mich davon abhält, die salzberänderte Hose zu waschen. Die Reifenkontrolle fördert zwei Splitter zurück auf den Asphalt.

Während gut 30km lasse ich das Velo teilweise mit irrwitzigen ü50 über die D619 den Gegenwind durchschneiden. Gutem Belag sei Dank.

50km vor Tagesziel erreiche ich die Agglomeration von Paris. Einen guten Weg aus dieser Richtung gibt es nicht und so wurstle ich mich mal auf der Hauptachse oder mal vor mich her runpelnd durch, wie z.B….

Auf das Velo kann und möchte ich nicht immer Rücksicht nehmen und es kommen ein paar Kratzer insb am Unterboden hinzu.

Immerhin bewältige ich die zwei Aufstiege verkehrsarm durch Wohnquartiere.

Im Hotel angekommen Dusche, Waschen, Velo verstauen, Znacht+Bier, Blog schreiben, ZzzZzz.

Vollmondfahrten

Freitag

Das Licht vom Velo ist kaputt, resp die ganze Elektrik wegen gebrochenem Steckerkontakt.


Samstag

Teil 1: Tortour-Besuch

Kurz nach Mitternacht rolle ich mit dem Ziel los, einem befreundeten Tortour-Teilnehmer einen Überraschungsbesuch zu bescheren. Der Plan: Von Nidau bis Fraubrunnen immer mal wieder entweder nebeneinander fahren und mit Reden gegen die Müdigkeit helfen oder alle paar Km am Strassenrand warten für Anfeuerungsrufe.

Ja, dieses Velo ist immer noch brevettauglich, also auch für so eine Nachtfahrt gut geeignet und viel besser als ein lichtloses Velomobil.

Der Tortour-Tracker ist so mässig zuverlässig. Könnte knapp werden für ein Treffen in Nidau. Auch auf dem Zweirad schwitze ich ordentlich.

Kaum angekommen, düst auch schon ein flotter Velofahrer an mir vorbei. Hinterher! Es ist zwar nicht der von mir Gesuchte, aber das Gespräch während der Bergauffahrt ist gut. Seine Hochs und Tiefs wechseln sich immer schön ab und B. sei vor ein paar Minuten mit einem Höllentempo an ihm vorbeigezogen. Bei Bellmund überholt uns mit einem Höllentempo ein weiterer Teilnehmer, der die Tortour im Zweierteam fährt. Ich wünsche M gute Fahrt und mache mich mit einem Höllentempo auf die Verfolgung von B.

In Jens führt der Tortour-Track in eine Sackgasse und wieder raus, was ich mir natürlich nicht antue.

Mit Blick auf den Tracker stelle ich fest: B ist plötzlich hinter mir, die Sackgasse führt zur anzufahrenden Timestation…

Die Überraschung glückt.

Zu zweit nebeneinander oder ich ein paar Meter dahinter z.B. bei Kreuzungen quatschen wir durch die Nacht. Windschattenfahren ist bei dem Rennen nämlich verboten und wahrscheinlich auch weitere Hilfe (Navigation z.B.).

Ich erfahre vom immensen Aufwand für so eine Teilnahme, obschon wir Training noch nicht einmal ansprechen. Neben der Startgebühr von CHF 1000 hat B drei Crews à drei Personen. Die erste Crew begleitete ihn von Züri durch die Nacht über den Lukmanier ins Tessin. Die Zweite hat ihn über Gotthard, Furka und Pillon bis an den Neuenburgersee begleitet. Die dritte fährt gerade jetzt hinterher und gibt per Lichtzeichen zu verstehen, dass gerade falsch abgebogen wurde.

Die Routenwahl findet er verbesserungswürdig, z.B. das ganze Wallis auf der grössten Strasse (ohne Autobahn) zu fahren. Das ist wohl neben dem Gegeneinander-Charakter der grösste Unterschied zwischen Rennen mit Begleitfahrzeug und Brevets.

Ich darf von der Rennverpflegung naschen. Die Alufolie aufzubekommen hält den Rennfahrer sicherlich wach. Lecker! Und bestimmt auch nahrhaft!

Vor Wengi werde ich vom Marshall auf dem Motorrad bezichtigt, Windschatten gegeben zu haben. Natürlich stimmt das nicht und ich möchte es nicht drauf ankommen lassen. Also entweder alle paar Km am Strassenrand stehen oder die Begleitung abbrechen – das Liegerad ist für die erste Variante doch zu langsam, resp. B trotz bald 800km in den Beinen zu schnell.

Die Verabschiedung von B geschieht also viel früher und hastiger als geplant und ich düse davon. Der Marshall wartet spät einsehbar hinter einer Hausecke schon in Ruppoldsried.

B wird gut ins Ziel kommen. Das weiss ich unterwegs schon, bei der Veröffentlichung dieses Posts ist es auch amtlich.


Teil 2: Anfahrt

12:30 oder etwas vorher habe ich mich mit L in Turgi verabredet, um gemeinsam nach Rapperswil zu fahren.

Mit hoher Geschwindigkeit überholt mich A kurz vor Schönenwerd. Er fährt ebenfalls nach Zürich (von NE aus), möchte sich aber mehr Zeit lassen als ich (der einen Termin einzuhalten hat). Schade. Es ergibt sich schon wieder einmal eine gemeinsame Tour!

Die Verabredung mit L klappt. Mit 15 Minuten Vorsprung auf den Zeitplan fahren wir in den Ballungsraum Zürich rein und mit 15 Minuten Rückstand wieder raus – trotz defensivem Zeitplan und ohne Pannen.

Gerade rechtzeitig erreichen wir Rapperswil, wo des Velos Elektrik instand gestellt und die Sitzaufhängung verbessert(?) wird.

L gönnt sich ein Bad im See. C arbeitet an seinem nächsten Velo. J hat von R nachgeholfen endlich Feierabend. Ich döse etwas auf der Matte oder versuche es zumindest.

In der Pasta-Bar stösst der Quattrovelo-Pilot R zu uns. Ich verschlinge je eine grosse und eine kleine Portion leckere Lachs-Melone-Penne und brauche in den nächsten zwei Stunden nichts essen.


Teil 3: Zürisee-Nachtfahrt

Das ambitionierte Ziel ist, in den nächsten 12 Stunden 6 Runden um den Züri(-unter-)see zu fahren. 6 Runden mit dem Riesenrad wäre gemütlicher – das darf noch etwas warten.

Startfoto mit sieben der acht beteiligten Velomobile und keinem von drei Liegerädern. Foto von R.

Runde 1

In Wädenswil ist Chilbi, was entsprechend ausgelassene Reaktionen auf uns hervorruft. Foto von M.

Mittlerweile ist es dunkel.

Erinnerungen an den früheren Arbeitsweg kommen auf. Positive z.B. hervorgerufen durch den Schoggigeruch in Kilchberg und andere z.B. bei Ampeln die erst auf Velofahrer reagieren wenn diese an der Haltelinie stehen während sie für Kfz auf 50km/h ausgelegt sind (und dann wundern, dass Velos bei rot fahren – ich verstehe beide Seiten).

In Züri ist das Verkehrschaos etwa gleich wie am Nachmittag. E-Roller, Linienbusse, Fussgänger, Autofahrer, Autoposer, Hunde, Velofahrer, … Würden wir nach jeder Ampel auf alle warten, wären wir etliches langsamer, als jetzt, wo an jeder Ampel nur jeweils zwei oder drei stehenbleiben müssen.

J ist mein Tempo mit seinem Milan zu langsam. Für R sind wir etwas zu schnell. L verabschiedet sich kurz vor Ende der Runde – um zurück nach BL zu gelangen, muss er mitten durch die aufziehende Gewitterfront.

Pünktlicher als wir sind A mit dem Ex-(?)-Wäschpi und die dreiköpfige Liegevelogruppe unter dem Riesenrad in Rapperswil bereit für etwas Fachsimpeln. Es ist das letzte Mal dieses Wochenende, dass ich R sehe.

Runde 2

2203 und somit schon zu spät für den ambitionierten Zeitplan starte ich und wundere mich, dass niemand gleich folgt.

Ich überhole eine etwa 6-köpfige Velogruppe. Falls die den gleichen Plan haben, könnten wir uns noch einmal sehen. Mittels Social Media finde ich im Nachhinein heraus: Nein, deren Abenteuer war noch viel cooler! Martina->Genève, 500km nonstop.

Schon wieder auf dem Rückweg von Züri nach Rappi überholen mich J und C.

Kurz darauf schliessen J, M und A zu mir auf.

Wir fahren um 2353 beim extra von J&R organisierten Raum mit Toilette und heissem Kaffee vor, wobei wir auch die Zweiradgruppe noch ein letztes mal sehen nach deren Runde über die Linthebene.


Sonntag

Runde 3

Trotz Vorsatz „nur ganz kurz Pause“ rollen M und ich „erst“ um 0011 weiter. Dabei haben wir in der Pausenzeit doch gar keine Zeit vertrödelt?!

J ist nach Hause abgebogen. Wo R. ist weiss ich nicht. Jetzt sind wir noch zu fünft.

Foto aus dem Wäschpi von A.

Die Strassen sind jetzt wie erwartet viel leerer und schöner zu befahren.

M meint zu seinem Foto, der angeleuchtete Wartungsdeckel rechts vom Schaltwerk vermittle den Eindruck, eine für löcherigen Käse bekannte Marke sei mein Sponsor.

Der Vollmond ist mittlerweile ziemlich verdeckt. Ein Blick hoch zum Himmel verrät es und der Regenradar bestätigt: Kurz nach 0200 wird es eine Zeit lang ganz ungemütlich und die nächsten 2-5h wird der See auch immer wieder direkt von oben gespiesen.

Runde 4

J fährt jetzt mit der vorher hier gelagerten Haube auf dem Velo. Das Partyvolk ist verschwunden. In Züri liegt oder schwimmt viel Unrat wie z.B. Äste auf der Strasse.

Das weiss ich nur aus Erzählungen, denn C und ich schlafen währenddessen im Trockenen.

Runde 5

Es sieht immer noch nach Regen aus. Nach kurzem Hallo entscheide ich mich für weitere 2h schlafen.

Das Wäschpi hat in Züri einen Platten, was M motiviert, „schon“ eine Runde vor Schluss den Heimweg anzutreten. A tut es ihm kurz vor Rapperswil gleich.

Runde 6

Mittlerweile ist es wieder hell und nur noch wenig Regen prognostiziert. Es ist mir eine Ehre, J auf seiner letzten und sechsten Runde begleiten zu dürfen, wobei er als einziger die ganzen geplanten 400km rund um den Zürisee auch fährt.

J auf seinen allerletzten von 400 Km. Gratulation!

C ist wie bei der Ankunft gestern Nachmittag mit dem neuen Velo beschäftigt. Beachtlich, nach so wenig Schlaf!


Teil 4: Heimfahrt

Ganz unspektakulär und auf Sparflamme rolle ich heim, wo ich um 1330 noch vor dem erneut starken Regen ankomme.

Rennen Oerlikon

Future Bike, der Schweizer Verein für Spezialvelos, organisiert heute auf der Rennbahn Oerlikon zwei Rennen: 4km Verfolgung und Ein-Stunde-Rennen. Zeitlich reicht es mir nur für das Verfolgungsrennen und einem Teilnehmer muss ich sowieso etwas vorbeibringen.

Zu Hause losrollen um 07:45. Nach gemütlicher Fahrt bin ich pünktlich zur Öffnung des Geländes in Oerlikon um 11.

Die Bahn ist noch nicht freigegeben und so kann ich das Velo ins Gelände rollen und muss es nicht wie andere über die Treppe tragen.

Es ist heiss.

J gibt mir einen Bahn-mit-dem-Dreirad-Crash-Kurs, um gerade Crashs zu vermeiden. Interessantes Gefühl mit dem nicht-neigbaren Gefährt auf der Rennbahn. Ebenso interessant, wie wenig weit in der Kurve mit aufgesetzter Haube vorausgeschaut werden kann.

Eine kurze Ansprache mit dem Ablauf folgt und bald schon stehen M und ich als Konkurrenten an der Startlinie. Bevor es aber richtig los geht, muss noch mindestens ein Chip ersetzt werden.

Als allererster starte ich zu den schnellsten 4km des Tages und weiss M hinter mir.

Boah, sind 4km Achterbahnfahren anstrengend!

Immer noch etwas ausser Atem, muss/darf ich mich schon wieder verabschieden zum nächsten Event – ohne Blogeintrag 😉 . Den anderen wünsche ich viel Spass beim Stundenrennen.

Später wird sich herausstellen: Ich war auf den 4km weder langsamster, noch schnellster.

Zeitfahren Messen

Vor einer Woche bin ich auf dem abendlichen Arbeitsweg im Regen an einem kleinen Radrennen vorbeigekommen. Die Recherche hat ergeben, dass da öfters etwas stattfindet. Heute z.B. ein Zeitfahren.

Ob ich ausser Konkurrenz die 12.5km mitrollen könne, um auch einmal mit Speed durch den uneinsehbaren Kreisel in Wengi zu fahren? Klar!

Bern, 17:30. Von der Arbeit losrollen, mit etlichen Stops nach Messen SO.

Messen, 18:25. Startnummerausgabe wo? Die mit LU-Nummernschild-Auto und Zeitfahrmaschinen wissen es auch nicht. Aber der nächste Vorbeikommende: Schulhausweg, Mehrzweckgebäude.

Messen, 18:40. „20“ und vier Sicherheitsnadeln gegen kleine Gebühr. Start wird ca 19:20 sein. Ganz unkompliziert mit Papier und Kugelschreiber statt Excel oder Datenbank.

Messen, 19:10. Einwärmrunde check. Dabei 2x Sitz aus der Halterung gefallen, was wohl an der im Velo verstauten und somit das Chassis leicht verbiegenden Haube liegt. Startnummer „20“ ist ganz spartanisch mit was ich gerade dabeihabe aufs Heck geklebt.

Messen, 19:15. Das ganze Geraffel (Kleider, Laptop, Ersatz- und Reparaturmaterial) in einem Sack stopfen und neben dem Ziel deponieren.

Messen, 19:16. Anstellen hinter dem Fahrer mit der Nummer 19 am Rücken. Rundum schöne Zeitfahrräder mit teilweise allem Schnickschnack. Und verwunderte Blicke.

Messen, 19:17. Vordere Wartungsluke offen, um Interessierten einen Blick hinein zu gönnen.

Messen, 19:20. „19“ startet. Richtiger Gang drin? Check!

Messen, 19:20:30. Ob ich wie die anderen im Gleichgewicht gehalten und angeschoben werden will? Nein. Trikot ausziehen. Reinsetzen. Haube drauf. Countdown.

Messen, 19:21. Start. Mantra „nicht zu schnell, nicht zu schnell, schön langsam bis zum höchsten Punkt“. Visier schliessen. Oben links bleiben wegen Unebenheiten.

Messen, 19:22. Fühlt sich bergab ganz schön flott an. Hätte gerne längere Übersetzung.

Ruppoldsried, 19:22. Zum Glück sehe ich unter der Haube bei Gegenlicht den Tacho nicht.

Waltwil, 19:23. Bei der Startnummerausgabe wurde gesagt, in den beiden Dörfern voll durchziehen ohne Bremsen. Ich lasse rollen und hoffe nicht aus der Kurve zu fliegen.

Waltwil, 19:23. Links an „19“ vorbei. Dass ich da fast mit 80 die Gerade heruntersause, weiss ich erst im Nachhinein aus den GPS-Daten.

Wengi, 19:24. Hatte die Velofahrerin auch eine Startnummer?

Wengi, 19:24. Hart bremsen um mit 40 (geschätzt) durch Kreisel rechts abbiegen.

Wengi, 19:24. Senke voraus, voll beschleunigen.

Wengi, 19:25. Rechts abbiegen. Bei Gegenverkehr ohne Streckenposten auf gefühlt 37 herunterbremsen.

Wengi, 19:25. Voll reintreten um möglichst gut über die Welle zu kommen.

Balm b. Messen, 19:28. Der Warn-Streckenposten macht eine Bewegung „hier kommt ein Tiefer“. Zum Grüssen habe ich keine Energie übrig.

Balm b. Messen, 19:29. Auf der Aufwärmrunde haben mir die Schützen fast das Trommelfell durchs Gehirn gepustet. Jetzt höre ich nur das Velo und meinen Atem.

Oberramsern, 19:30. Leichtes Gefälle vor der Haarnadelkurve hinabrollen lassen. Kurzregeneration. Velofahrer auf der „Gegengerade“.

Oberramsern, 19:30. Schneller als 35 darf ich hier nicht sein, wie vorgängig evaluiert. Scharf bremsen.

Oberramsern, 19:30. Mit linker Bremse leicht angezogen durch die Spitzkehre.

Oberramsern, 19:30. Kein Gegenverkehr, also früher öffnen und auf die Gegenfahrbahn zum früh beschleunigen.

Oberramsern, 19:30. Senke und Schlusssteigung voraus. Voll beschleunigen.

Oberramsern, 19:30. Allee ist ganz hübsch. Links bleiben wegen Fahrbahnunebenheiten.

Oberramsern, 19:31. Oberschenkel brennen.

Messen, 19:32. Weiteres Überholmanöver zu Beginn der Schlusssteigung.

Messen, 19:33. Gleich nochmal 2x überholen. Bergauf geht das nicht mehr so einfach.

Messen, 19:33 Ziellinie.

Messen, 19:33 Scharf bremsen. 2x links abbiegen. Verschnaufen. Haube weg. Offizielle Zeit 12:58.3. 50er Schnitt ja, 60 nein. Ob ich wirklich auf keiner Rangliste erwähnt werden möchte? Nein.

Startnummer abgeben. Velo wieder volladen. Heimrollen. Die flachestmögliche Variante.


Fazit

Hat Spass gemacht.

Ich mache das nicht wieder aufgrund der drei Ortsdurchfahrten.

Die Organisation gefällt mir. Vielleicht gibt es für mich ja einmal einen Helfereinsatz.

Am Samstag 4km Verfolgung mit HPV statt UCI-Regeln.

Alte Hexe, nur anders

Alte Hexe ist ein Velomobilevent in Deutschland, berüchtigt für seine Anstiege und berühmt für das Catering. Die diesjährige Austragung ist genau jetzt und etliche Abschnitte der hier beschriebenen Tour „Alte Hexe, nur anders“ wären der Hexe durchaus würdig.


Freitag, früher Abend. Ich fahre los um mit einem Mix zwischen effizient und verkehrsarm (Uhrzeit!) ins Aaretal zu gelangen, was mir auch gelingt.

Im Gürbetal. Der Übergang der Wolken zu den berühmten Bergen ist fliessend – der vorgelagerte und schneefreie Niesen steht hervor.
Die meisten Hm hinauf nach Riggisberg auf der Veloroute zurückzulegen(=stossen) hat sich im Feierabendverkehr sicher gelohnt. Auf dem Bild geht es gerade bergab und Naturbelag sind dort nur wenige hundert Meter.

Ich frage mich, wo durch mich der Wegweiser nach „Zweisimmen“ in Riggisberg wohl führen würde, weil ich mir das gerade nicht vorstellen kann. Mit Blick auf die Karte (daheim) ist es dann offensichtlich: Wieder hinab und über keinen Pass. Ein ander Mal wieder.

In Orten wie Henzischwand geht es auf der Strasse gemächlicher zu und her. Dank kräftiger Steigung auch bei mir 😉
Und gleich nochmal, hier entlang der Taverna in Gagenmühle.
In Freiburg/Fribourg mitten durchs Zentrum

Hier werde ich doch auch etwas Warmes zum Znacht finden? Was auf der Karte nach einer „Imbissbudenmeile“ aussieht, entpuppt sich am Freitagabend als „Imbissbudenmeile – heute alles zu“. Die nächste Tankstelle verkauft Sandwiches.

Die Dämmerung setzt ein. Ein Aufstieg noch auf Nebensträsschen, danach düse ich auf der Hauptsachse Richtung Lac de la Gruyère und wenig später verkehrsarm diesem entlang.

Städtchen Greyerz/Gruyère zur blauen Stunde. Chiq!

Irgendwie läuft es gerade zäh. Aussteigen. Reifen(druck) OK. Kette OK. Hm…? Achso, es geht leicht bergauf.

Lausanne zu umfahren bedeutet, nicht ganz so weit hinunterzufahren. Gleichzeitig bedeutet der Verzicht auf die flache Strasse entlang vom See auch immer wieder viel bremsen…

Beim Chalet des Enfants beginnt wieder einmal ein auch zu anderer Tageszeit motorfahrzeugfreies Stück, wo mir dann auch tatsächlich eine Fussgängerin begegnet. Ihrer Körpersprache nach habe ich ihr glaubs einen ziemlichen Schrecken eingejagt – absolut ungewollt, je suis désolé!

In Bournens spüre ich die Müdigkeit und erhoffe mir, auf dem nächsten Feldwegabschnitt an eine geeignete Schlafstätte zu gelangen. Fehlanzeige.
Nur ganz wenig später komme ich unverhofft zu einer solchen. Eine falsch eingetrage Kreuzung in der fürs Routing verwendeten Karte: Ich sollte abbiegen, das Strässchen führt aber nur unter einer Brücke durch und nach zweimal rechtsabbiegen etwas entfernt mit gleicher Strassenkonfiguration wieder zurück:

Schlafplatz. Wecker auf in 5h.

Das Experiment „Velomobilsichtschutzhülle statt Schlafsack“ hat insofern funktioniert, dass ich nicht gefroren habe. Unter der luftdichten Plane ist es aber trotz vorgängigem Kleiderwechsel nach den paar Stunden ganz schön feucht. Geweckt werde ich nicht vom Wecker…


Das Klimpern in den Speichen wenige Zentimeter vom Kopf kam nicht wie befürchtet von einer Maus.

Zurück auf die Route (Erinnerung: Brücke statt Kreuzung) entscheide ich mich für den matschigen Waldweg und gegen die steile Böschung.

Ich überfahre in der Noch-Dunkelheit beinahe einen Fuchs. Das hätte beiden weh getan.

Eigentlich habe ich den Wecker so gestellt, dass ich bei Tagesanbruch am höchsten Punkt sein werde. Bei der Rechnung mit Km und Hm pro Zeit habe ich aber sowohl die Km als auch die doch gelegentlich vorkommenden Gefällestrecken vergessen. Eine Stunde weniger im nassen Sack wäre auch OK gewesen…

Im Morgenlicht ein Blick zurück auf den Lac Léman und das wolkenverhangene Mt.Blanc-Massiv.

In Mont-la-Ville bin ich schon mitten im längsten Aufstieg der Tour. Da kommt ein Brunnen, für einmal ohne „non potable“, wie gerufen.

Morgensonne während einem Abstecher im Aufstieg zum höchsten Punkt. Hier lasse ich das Velo kurz stehen und gehe zu Fuss ein Stück auf dem steilen Holperweg weiter, um danach mit 5km/h wieder runterholpern zu lassen.
Das Parkverbot auf dem Col du Mollendruz brav eingehalten – Zentimeterarbeit 😉 . Meine bisher einzige Fahrt hier drüber war während einem Rennen – damals wahrscheinlich mehr als doppelt so schnell bergauf und ebenso schnell bergab…
Lac de Joux
Von Westen kommend ist der Col du Mont d’Orzeires fast geschenkt und verkehrstechnisch jetzt die beste Tageszeit. Um die kommende Abfahrt wissend habe ich den Ort für eine Pneukontrolle (und das Foto) genutzt.

In Vallorbe gibt es den ersten (kleinen) sichtbaren* Kratzer im Lack vom Velo. Jetzt fährt es sich gleich noch entspannter.
*Der Unterboden ist natürlich schon durch Fahrbahnschwellen zerkratzt und einige Abplatzer durch Steinschlag gibt es dort sicher auch.

Die Abfahrt von Le Day bis Bretonnières ist abgesehen vom Belag bei dieser Tageszeit ein Hochgenuss: 40-70 km/h ohne treten oder bremsen. Gut geeignet, um wieder einmal etwas Kalorien nachzuschieben.

Solche gibt es beim Beck in Chavornay gleich noch mehr in Form eines kleinen Zopfs und eines heissen Kaffees.

Eigentlich könnte ich von hier fast flach nach Hause rollen. Die Hexe hat andere Pläne…

…und führt mich erst einmal hoch nach Penthéréaz, wo auf der Pferdebahn gerade mit Sulkys* trainiert wird, wobei sich die Führer des jeweils für sie exotischen Fahrzeugs etwas belustigt beäugen und freundlich zuwinken. Zumindest bis ein Pferd näherkommen möchte, da brauchen wir dann beide gleich viel Körpereinsatz…
*Name nachträglich recherchiert.

Das kurioseste der ganzen Tour geschieht gleich nach besagtem Dorf: Auf der Gefällestrecke kreuzt ein „Sport“flugzeug im Tiefflug (10m, 20m, 50m, schwer zu sagen …?) genau über mir im rechten Winkel die Strasse. Hätten wir das geplant, hätten wir das nicht so exakt hinbekommen.

Auf den kleinen Betonplattenwegen im Waadtland fahre ich fast immer gerne. So schön gerade und übersichtlich sind sie leider oft nicht.
Die hügelige Landschaft im Dreieck Lausanne-Payerne-Orbe kommt topographisch dem Gebiet der alten Hexe wahrscheinlich ziemlich nahe. Mir gefällts.

Ebenso gefällt mir der kurze Schwatz mit dem wahrscheinlich ehemaligen Bauern auf seinem Hof, durch den ich steigungsbedingt das Velo gerade die Betonplatten hochschiebe.

Sonnenblumen links und rechts

Die letzte steile Steigung führt auf den Hügelzug links in obigem Bild zwischen Nuvilly und Murist.

Wenige Wellen und etliches bergab später bin ich am Flugplatz Payerne, von wo aus ich ohne Navi auf mir bestens bekannten Wegen nach Hause rolle.

Abstecher Richtung Ufer des Murtensees. Das Velo steht mitten auf dem Weg(!)

Als ich das Velo zu Hause ausräume, beginnt es zu tröpfeln. Wenige Minuten später stehe ich unter der warmen Dusche, die Landschaft unter der kalten 😉 . Angesichts dieser Punktlandung sind auch die 5 fehlenden Km bis zur runden Zahl egal.


Das war der erste explizite Langdistanztest vom neuen Velo. Notizen an mich selbst:

  • Position OK
  • Badehose OK
  • Trinkblase-Aufhängung hinter dem Sitz funktioniert. TODO am Boden und „nicht schaukelnd“.
  • Trinkschlauch-Parkposition mit Klett rechts funktioniert. TODO irgendwie links.
  • Beutel hinter Panzerlenkung rechts. Verschoben auf links. TODO eingepasst.
  • Latexschläuche vorne. OK für 24h.
  • GPS-Befestigung OK
  • Faltmatte immer noch OK.
  • Berg- und Langdistanzkettenblatt wäre schon das richtige gewesen. 1×12 OK.
  • Schlafsack ist der Plane überlegen. Zumindest solange es trocken und einigermassen windstill ist.
  • Abblendlicht. TODO ein wenige Grad schräg (rechts oben, links unten). Hat jemand der Blogleser etwa kleine Keilscheiben im Angebot?
  • Fernlicht OK. Tiefer wär besser.
  • Schwingenabdeckung TODO mehr nach rechts (1. Gang)
  • Mini-Mikrofasertuch nächstes Mal mitnehmen. TODO

Α7#132

Vorweg: Das ist ein velotechnischer Beitrag, der höchstens indirekt mit Radreisen zu tun hat.

Wieder einmal lernt der Blog ein neues Velo kennen. Streetmachine GTe*, Fujin SL2, Fujin sport*, DF#151* und jetzt neu Α7#132, ein weiteres Velomobil. *verkauft

Modell: Alpha 7 (Nachfolgemodell des Wäschpi).
Farbe: weiss-gelb.
Ausstattung: Panzerlenkung, Schaltung 1×12, Haube, Lupine SL AF, 90er Bremsen mit Kühltürmchen.

Es folgen ein ein paar Details. Reihenfolge von vorne nach hinten für wer mit dem Innenlebens so eines Gefährts nicht so vertraut ist 😉

Rundumreflektion. Die vier Leuchtstufen der Frontlampe habe ich schon schätzen gelernt: Tagfahrlicht, Abblendlicht Energiesparmodus, Abblendlicht, Fernlicht.
Beide Kettenblätter können montiert werden, aber nicht gleichzeitig. Die ersten Km fahre ich mit dem Berg- oder Langdistanzblatt. Zähne zählen musst du selbst, oder genau hinschauen
Vordere Umlenkrolle. Damit die Kette beim Rückwärtstreten oder -rollenlassen nicht vom Kettenblatt fällt ist das Leetrtum zusätzlich fixiert
Cockpit mit Montageplatte für GPSr-Halterung (4 Löcher links) und Magnethalterung für z.B. Handy-Navi
Linker Steuerhebel mit Ansteuerung linke Bremse (arretierbar), Blinker, Licht, Klingel (auf dem Bild noch nicht montiert). Bildmitte: Sitzmuldenfüll-Matte vom Wäschpi. Rechter Steuerhebel mit Ansteuerung rechte Bremse (arretierbar), Schaltung, Hupe. Die Markierungsklebebänder der Armauflagen kommen irgendwann weg. Kleines Detail: Schön (also nicht von mir 😉 ) abgedecktes Tachokabel auf rechtem Radkasten.
Spezialanfertigung nur für mich: Helmkompatibler Sitz. Wenn die Haube verstaut ist (wie hier), wird die Karosse etwas umgeformt, wodurch der Sitz nicht mehr perfekt an der Halterung anliegt.
Haubenschablone. Damit der Deckel auch hinter dem Sitz verstaut werden kann, muss hier und da etwas abgeschnitten werden (die Haube im Bild ist nicht meine). Damit dieses langwierige Try-and-Error-Verfahren nicht jedes Mal aufs Neue gemacht werden muss, gibt es bei speedbikes.ch jetzt eine Schablone, deren Urmodell meine Haube ist.
Hintere Umlenkrolle, die erst nach Nachlaminierarbeiten die Kette schleiffrei zu allen Ritzeln leitet. Das Weisse rechts ist die verstaute Haube.
Die Löcher im Heck sollen den Durchzug, sprich die Motorkühlung, verbessern.

Byebye Wäschpi

Wäschpi ist ersetzt und verkauft. Seine neue Heimat ist im Zürcher Oberland. Gute Fahrt!

Wäschpi links, Α7#132 rechts (oder A7#132 in einfacher Schreibweise)

Was ist neu anders:

  • Keine helmbedingte Verrenkung der Halswirbelsäule
  • Mit Deckel (aka „Haube“). Im Velo verstaubar.
  • besseres Licht.
  • Lenkung neben statt vor dem Oberkörper.
  • bessere Kühlung.
  • Upgrades: reduzierte Seitenwindanfälligkeit, besseres Fahrwerk, einfachere Schaltung, geringeres Gewicht, bessere Zugänglichkeit zu den kritischen Komponenten.
  • Kompromisse: engerer Ein- & Ausstieg, Gepäck nicht einfach unter Sitz legbar, Bremslicht nur beschleunigungsbasiert und „gebastelt“, Klingel innen, GPS-Empfang eingeschränkt (unter Haube) mit unverkratztem Lack fährt es sich unentspannter 😉 .

Voraplen-Brevet

Statt wie angekündigt in den schönen hauptsächlich französischen Jura führt der 600er von Audax Breisgau zweimal quer durch Süddeutschland: Von Freiburg i.Br. zum Schloss Neuschwanstein und zurück.

Anfahrt

Wassersack füllen.
Morgenstimmung im Rheintal

Brevet

Start: Nur wenige Minuten nach meinem Startfensterbeginn um sieben rolle ich auf den Parkplatz vom Bahnhof Wiehre. Die vier anderen im Startslot müssen schon losgefahren sein. Mit der erst kürzlich (Covid-19…) entwickelten App starte ich mich selbst ins Brevet.

Wenige hundert Meter sind gefahren, als die Karte auf dem GPSr verschwindet. Oh neeeein! Natürlich habe ich nicht daran gedacht vor dem Brevet die Kartenabdeckung zu prüfen und jetzt habe ich zur Navigation nur eine schwarze Linie auf weissem Grund. Promt verpasse ich gleich den nächsten Abzweiger auf die umwucherte Veloroute. Im Nachhinein wird sich das Problem als weniger gravierend herausstellen als befürchtet: Nur ca. 100km der Brevetstrecke sind ausserhalb der auf dem GPSr verfügbaren Kartenkacheln.

Auf der zu Beginn ganz leicht ansteigenden Fahrt auf den Schwarzwald hole ich die ersten zwei Randonneure ein. Wir wechseln ein paar Worte und sobald die Steigungsprozente ansteigen falle ich auch schon wieder zurück.

Hinauf auf den Schwarzwald.

Das steilste Stück schiebe ich, schliesslich ist das Brevet noch lang.

F und A? treffe ich etliche Male. F wird mir noch einen „Glücksbringer“ schenken, dazu unten mehr. Beachtlich finde ich die langen Hosen bei zu erwartender Mindesttemperatur 13°.

Kurz nach der zweiten Wasserauffüllstation (Hahn neben(!) dem Brunnen in Hintschingen) treffe ich bei der ersten Kontrolle die zwei weiteren Randonneure aus meinem Startslot.

Die Mittagspause beim Kiosk neben Kontrolle 2 in Höchsten verbringen wir in unterschiedlicher Zusammensetzung insgesamt etwa zu fünft. Eine Bratwurst, die wie ich eben lerne hier einfach „Rote“ genannt wird, eine Portion Pommes und zwei Spezi im Magen stürze ich mich in die wieder einmal um rollen zu lassen viel zu steile Abfahrt.

Kontrolle 3: Ravensburger Spieleland, geschlossen.

Während ich bei Strass Wasser auffülle flitzt ein Randonneur an mir vorbei.

Nur wenig später steht ebendieser M. am Wegrand. Sein Problem: Der Rückfahrt-Track fehlt auf seinem GPSr. 30 Minuten Standzeit später wissen wir: Mein Smartphone könnte zwar mit etwas Nerdwissen (z.B. dass der Ordner /Garmin/GPX heissen muss 😉 ) den Track ohne Probleme aus dem Netz laden und auf seine SD-Karte spielen. ABER den Kartenslot vom Handy zu öffnen ist kompliziert: Holzspan bricht, ausgefranstes Schaltzugende ist zu laberig, Blisterverpackung ebenso, Apotheke des auf dem Feld nebenan arbeitenden Traktors hat keine Sicherheitsnadel, aber der vorbeikommende F (Foto weiter oben) hat eine solche dabei! Den Track mittels ANT+ von meinem zu seinem Gerät zu schicken wäre auch gegangen – hätte aber seeeehr lange gedauert und die Idee fiel mir erst ein, als ich die Nadel in der Hand hielt. Ob M. es mit „meinem Track“ ins Ziel geschafft hat, weiss ich nicht.

Die Brücke bei Au über die Untere Argen fehlt. 2.5km Umweg. Flach und mir darum ziemlich egal.

Nachmittagsstimmung
Zum wahrscheinlich 12. Mal fahre ich mit einem Velo über diese Iller-Brücke. Wie fast jedes Mal wird gerade gebaut.

Ein paar der kommenden Rampen sind ziemlich knackig und abermals schiebe ich ein Stück.

Die Berge kommen in Sicht und geben dem Brevetnamen alle Ehre.

Ein kurzes Stück führt die Brevetstrecke nach Österreich. Ja, die 24h-Tankstelle an der Fernpassstrasse wäre schon gut gelegen gewesen. Ob ich dort überhaupt hätte „tanken“ dürfen mit den eigenartigen Einreisebestimmungen (Durchreise auf direktem Weg erlaubt)?

Pause am (kleinen) Alpsee: Kurzes Videotelefon, ein paar Minuten Abendstimmung geniessen, Kontrollfoto. Schön!
Schade habe ich nur die Handykamera dabei. Das im ganz leichten Nieselregen knallrot leuchtende Schloss Neuschwanstein sieht phantastisch aus. Das letzte Mal (Link) gab es hier viel mehr Trubel.

Regen! Durchfahren und die nasse Fahrbahn möglichst bei Tageslicht befahren oder warten und garantiert trocken bleiben? Ich mag keine nasse Fahrbahn im dunkeln… Kurz vor dem Brevet habe ich vorne links den Pneu ersetzt – in Rechtskurven ist die Nasshaftung deutlich schlechter als in Linkskurven.

Auf einer Bank an der stillgelegten und für unmotorisierte asphaltierte Bahntrasse zwischen Lechbruck und Marktoberdorf lege ich die Schlafpause ein. Während den gut drei Stunden fahren ein paar Randonneure an mir vorbei, wobei einer später bemerken wird:

Wir sind im Wald an dir vorbeigerauscht, zuerst dachte ich ich halluziniere, weil ich eine riesige Banane im Unterholz gesehen hatte, bis ich erkannt habe, dass es dein Velomobil ist und du nebendran im Schlafsack

C

Durch die Region bin ich ja schon ein paar Mal gefahren, allerdings etwa im 90°-Winkel zur heutigen Fahrtrichtung. Der Unterschied ist enorm! Während dieser Tour habe ich wahrscheinlich häufiger den Umwerfer betätigt als auf den ganzen 70’000km vorher mit dem Wäschpi. Und auf gefühlt jedem Hügel reflektiert eine Warntafel „Abfahrt“ das Scheinwerferlicht. All die mühsam investierte Energie wegbremsen.

Solange ich der schwarzen Linie auf dem GPSr folge, werde ich auch irgendwann ankommen…

Morgenstimmung und ein bisschen flachere Strecke.
Gestern 300km Rückenwind und in der Nacht hat der Wind gedreht: Unglaubliches Glück für die Randonneure. Bergauf wünsche ich mir (und nur mir!) etwas mehr Gegenwind zwecks Kühlung.

Zum ersten Mal seit gut 100km sehe ich andere Randonneure. Aus einem gemeinsamen Frühstück wird aber nichts.

Zmorge-Pause an einer Tankstelle bei Herbertingen. Die Bäckerei hätte erst in 10 Minuten geöffnet.

Im Spiegel erkenne ich, wo ich gestern zu wenig Sonnencrème hingeschmiert oder zuviel weggewischt/-schwitzt habe.

Flach im Ablachtal bei Gögglingen!

Die Donauveloroute ist schon ziemlich frequentiert.

Mittlerweile ist es wieder richtig heiss. Bergauf versuche ich das Shirt irgendwie an Spiegel/Handyhalterung/Helmriemen/… zu befestigen, dass es wenigstens etwas Schatten gibt und nicht direkt auf der Haut aufliegt.

Der vorher bei Bad Dürrheim herausgeschriebene Brunnen entpuppt sich als „kein Trinkwasser“. 10km später werde ich fündig.

M und P überholen mich. Die paar gewechselten Worte freuen mich sehr, ganz im Gegensatz zum Anblick von Ps zerrissener Hose und Schramme im Gesicht – diesmal war es aber kein Dachs sondern ein Fahrfehler!

Fast zuoberst auf dem Schwarzwald. Verkehr und Hitze haben den Fahrspass getrübt. Und die Aussicht auf die viel zu steile Abfahrt.

Bald sitzen/stehen wir zu fünft beim Bahnhof Wiehre in Freiburg. Geschafft!

Rückfahrt

Kaum zu glauben: Der Wind hat abermals gedreht und bläst mich das Rheintal hinauf bis Basel.

Frenke
Abfahrt noch bei Tageslicht. Wie gewünscht.

Ca. 42h nach dem Aufbruch bin ich nach etwa 1.5-facher Brevetdistanz wieder daheim.