Alpenluft+ Brevet 2017

Die Erinnerungen an mein erstes Brevet letztes Jahr sind gut und so darf es auch diesmal auf die gleiche Strecke gehen. Wirklich gleich ist die Strecke(*) nur für gefühlte 20%. Die Abweichungen sind neben tatsächlich anderen Strecken (Rheindamm, Furka, Grimsel, Vierwaldstättersee vor allem der Tageszeit geschuldet: Bei einer um 12 Stunden verschobenen Startzeit sieht manche Ecke etwas anders aus…
*Rundstrecke: Nördliches Bodenseeufer, Oberalppass, Furkapass, Grimselpass, Luzern, Brunnen, Eglisau.

Plan: Bis Chur entweder mit den Schnellsten mit- oder alleine ganz gemütlich fahren, spätestens in Reichenau ein ausgiebiges Zmorge und Nickerchen machen. Ganz gemütlich über die Pässe fahren. In Zürich schlafen bis frühmorgens und in den Morgenstunden gemütlich nach Buch zurückfahren.

20-25 Fahrer starten gut gelaunt um 20:00 Uhr in Buch SH. Die mir bekannten Gesichter von P (siehe Bericht letztes Jahr), R (vom 400er) und F sind auch dabei 🙂 .
Westwind=Rückenwind und dementsprechend flott rollt es zum Überlinger See. Leider erreichen die dunklen regenreichen Wolken diesen vor uns Randonneuren.

Der einsetzende Regen (oder war es mein Tempoforcing, um vielleicht doch vor dem Regen durchzukommen?) sprengt die Gruppe und zum ersten Checkpoint (CP) fahre ich mit B, welchem der Track auf dem GPSr irgendwie abhanden gekommen ist – ganz ärgerlich!

Sonnenuntergang bei Regen am Überlinger See. Sieht schöner aus, als es sich anfühlt…

In und kurz nach Friedrichshafen versuche ich mich an einer anderen Route. Demensprechend fahre ich alleine durch die Nacht und treffe erst am Anfang des Rheinradweges – wieder zurück in der Schweiz – auf das kleine Grüppchen mit P, R und R. Mittlerweile hat der Regen aufgehört, der Belag ist dennoch triefend nass.

Wie bei Friedrichshafen biege ich in Kriessern von der Route ab mit dem Ziel, dem Fürstentum auf der anderen Rheinseite einen kurzen Besuch abzustatten:

Oops…!

Von der anderen Rheinseite ist die Brevet-Strecke so gut überschaubar, dass ich drei Gruppen auf dem Damm ausmachen kann. Dank P’s speziellem Hinterrad ist eine Identifikation „meiner vorherigen Gruppe“ auch problemlos möglich: Etwas Druck auf die Pedalen und trotz des kleinen Umwegs mit kurzer Pause bin ich wieder dran an der Gruppe.

Das (von mir höchstpersönlich rekognoszierte und empfohlene) unbefestigte Stück kurz vor der Heidiland-Raststätte (CP-2) ist bei so aufgeweichtem Boden kaum fahrbar. Sorry den anderen!

Anscheinend hat die Raststätte zu, was einige vor ein Versorgungsproblem stellt. Das erfahre ich aber erst später und rolle mit F gemeinsam weiter rheinaufwärts. Eine kurze Pneu-Kontroll-Pause machen wir ausgangs von Chur wegen viiiiiel Glas auf der Hauptstrasse zuvor…

Die Dämmerung beginnt während des Aufstiegs nach Versam. Leider ist es noch zu dunkel, um die Rheinschlucht richtig betrachten zu können.

Wenig vor Ilanz/Glion reisst F’s Schaltzug und dank R’s Einsatz und Wissen steuern wir zu dritt den Bahnhof mit angrenzendem Veloladen an.
Ein paar Kafees und Gipfelis später machen R und ich uns auf den Weg und sind später ganz erstaunt, dass F bereits um 07:20 mit einem neuen langen(!) Schaltzung wieder unterwegs ist.

Impression Auffahrt Oberalppass
Impression Auffahrt Oberalppass

Erster Pass geschafft! Geheimkontrolle (schwarzer Van im Hintergrund) und eine Suppe warten auf uns.

R ist nicht zuletzt wegen des geschlossenen Heidilands mit seinen Kräften am Ende. Die Idee einer heissen Bouillon auf dem Pass gefällt mir ebenso. Kurze Zeit später sitzen zwei eigenartige Gäste im Restaurant und salzen die Tomatensuppe (es gibt keine Bouillon) bis an den Rand der Geniessbarkeit.

Mit R die ersten Serpentinen hoch Richtung Furkapass
Impression Furkapassfahrt

Den Mann mit dem Hammer gibt es also doch noch! Zum Glück kommt bald ein Wasserhahn, wo ich mich etwas rehydrieren kann und so viel in mich reinfuttere, dass gerade noch ein halbes Pack Traubenzucker für den absoluten Notfall übrigbleibt. Traubenzucker im Mund und diesen direkt am Hahnen mit Wasser füllen funktioniert gut.

Eigenartiges Bekleidungssetup: Knie links braucht Wärme, rechts Erholung von einschneidendem Knieling und die Ohren sind ebenfalls kalt…
Blick zurück
Das war ein hartes Stück Arbeit

Oben schlage ich das Angebot von S zum gemeinsamen Essen aus, schliesslich habe ich mit R abgemacht „Zmittag auf dem Grimselpass“.

Auf der Abfahrt nach Gletsch werden die Bremsbeläge ordentlich beansprucht. Schade, die ganze Energie wegbremsen zu müssen.

Von Gletsch bis hierhin geht es erstaunlich gut. Ein Brevet ohne Schiebepassage kann irgendwie nicht sein und so stosse ich das Velo bis zur eigentlichen Passhöhe (100m weit?)…

Oben zeigen sich uns in Fahrtrichtung dunkle Wolken und aus dem Plan „Zmittag hier“ wird „Zmittag in Innertkirchen“.
Auf der Abfahrt haben wir teilweise nassen Belag und Regen. Nachfolgende berichten auch von Hagel – Glück gehabt.
Die Bouillon mit Ei gefolgt von Rösti tun gut! Vor der Weiterfahrt decken wir uns mit Proviant „wenn nötig bis zum Ende“ ein und fahren gemeinsam mit F weiter.
Südlich des Flugplatzes Meiringen werden wir mal wieder nass.

Die Fahrt auf den Brünig macht keinen Spass. Die gelegentlich tolle Aussicht macht den nervigen Freitagabendverkehr nicht wett.

Die Alternativroute in Giswil erweist sich als Flop. Bald darauf beginnt der Regen und bald sind wieder alle Kleider nass. Unter der Autobahnbrücke bei Stansstad treffen R, F und ich auf die Gruppe mit P (welcher schon entschieden hat, in Luzern abzubrechen), R und H-J.

Auf der Halbinsel wollte ich eigentlich baden gehen. Jetzt frieren wir und rüsten uns für die Stadtdurchfahrt und die kommende Nachtfahrt.

Es schüttet weiterhin in Strömen. Die Bremsen funktionieren nicht ordentlich und meine Sicht ist massiv eingeschränkt (zu viel Sand in den müden Augen). Das ist insbesondere deshalb ein Problem, weil ich bergauf der Langsamste, mein Velo bergab aber das Schnellste ist. Eine Weiterfahrt in der Gruppe kann ich unter diesen Umständen nicht mehr verantworten und so setze ich mich an die Spitze… und fahre ab Gersau (CP-6, mir ist schon beim Fahren kalt, wie kann man da nur noch Pause machen?) mit nur noch F an meinem Hinterrad weiter durch den Dauerregen.

„Hast du es gemerkt?“ fragt F irgendwo zwischen Brunnen und Seewen. Nein, dass der Regen aufgehört hat, habe ich tatsächlich nicht gemerkt! Der kleine Hubbel bei Goldau ist trotz Liegevelo bergauf angenehmer zu fahren – mit kaum wirksamen Bremsen ist eben selbst Hauptstrasse (=Vortitt 😉 ) nicht lustig. An der Coop-Tankstelle in Arth erblicke ich gerade das Erlöschen des Leucht-Logos und wir sind wir die letzten Gäste für heute – geöffnet bis 23:00 Uhr.

Entlang des Zugersees trocknet die Fahrbahn und damit löst sich auch mein Bremsenproblem, um mit einem nicht weniger Gefährlichen ersetzt zu werden (worüber ich mich hier aber schön ausschweige).

Ein paar Minuten Schlaf während des kurzen und flachen Aufstiegs nach Sihlbrugg tun gut und die Fahrt durch das Sihltal ist bei Nacht schön.

Im grössten durchfahrenen Ort gibt es für F und mich eine heisse Dusche und ein warmes Plätzchen. Das ist bitter nötig!

Wecker auf in 4h.

Etwas schlaftrunken rollen wir durch die Stadt, machen bei einem Beck eine Zmorgepause und kurz darauf eine Zwangspause wegen Glassplitter in meinem Vorderradschlauch – mein erster Platten auf einem Brevet. Wahrscheinlich sind wir zu diesem Zeitpunkt hinter der Soll-Geschwindigkeit von 15km/h. Wir werden es trotzdem gemütlich ins Ziel schaffen.

Die Sonne scheint und uns geht es trotz einigen holprigen Naturbelagsstrecken entlang der Glatt gut.

Genussfahrt entlang der Glatt

Das Wehr zum zweitletzten CP ist dieses Jahr passierbar. Rückenwind pustet uns dem Ziel entgegen.

Die Wege sind mir von letztem Jahr in Erinnerung, ausser dem neuen Anstieg nach Lohn SH, welcher aber sehr gut in das Konzept der Strecke passt und uns mit nochmals ein paar absoluten Genusskilometern belohnt.

Als letzte Finisher* treffen F und ich um 10:45 – 75 Minuten vor Kontrollschluss – im Ziel ein, wo einige der Mitstreiter über Erlebnisse sinnieren und leckeres Zmittag essen.
*Davon gab es leider wieder erstaunlich wenige (9?).

Nach einer kurzen Stärkungs- und Regenerationspause fahren F und ich wieder nach Schaffhausen – diesmal gegen den Wind und noch gemütlicher.

Mein Tag klingt mit dem Touristenprogramm „Munot und Rheinfall“ aus. Tiefschlaf um 21:00 Uhr.

Bewegte Bilder von F.

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Schwarzwald+ Brevet 2017

Im gleichen Zug, aber nicht im gleichen Wagen, fahren F und ich nach Schaffhausen, von wo aus wir schon einmal 15 gemütliche Km einrollen. Der von Y. angebotene Snack ist wie immer der absolute Wahnsinn!

Der Verschluss des Trinksacks liegt zu Hause auf der Küchenablage. Wiederum Danke an Y. für das Ausleihen von drei kleinen PET-Flaschen: Zum Trinken muss ich jedes Mal anhalten und die Flasche(n) aus der Tasche nehmen, aber es wird schon irgendwie funktionieren.

Zum ersten Mal einen Nachtstart… Unter anderem deswegen bin ich vor kurzem um die Uhrzeit auf eine 200km-Tour aufgebrochen.

Pünktlich um 20 Uhr rollen wir los. Ich freue mich, dass F. auch dabei ist. Die Fähre um 21:36 nach 36km zu erreichen ist mein erstes Zwischenziel – offensichtlich nicht nur meines, denn es wird ganz schön gebolzt. Auch oder gerade auf dem neuen Radweg, durch welchen anscheinend eine schöne Fahrt durch ein Naturschutzgebiet wegfiel.

Der vom Organisator versprochene Sonnenuntergang am Bodensee ist hinter den Wolken.

Wir warten ziemlich lange auf die Fähre. Das wäre auch deutlich gemütlicher gegangen bis hierhin. Für nächstes Mal.

Auf der Fähre zwischen Konstanz und Meersburg liegt nur ein Velo lam Boden…

Auf der Fähre bespreche ich mich mit F: Er wird es gemütlich angehen und ich werde mich bis Km 250 in den Windschatten der Spitzengruppe hängen. Wir verabschieden uns, und werden uns dieses Wochenende nicht mehr sehen. Vorweg: 40km später wird mich F unbemerkt überholen und im Ziel so viel Vorsprung haben, dass er nicht auf mich warten wird – soviel zu einem „geplanten Brevetverlauf“ 😉 .

Gleich nach der Fähre verfährt sich das „Hauptfeld“ und kurz darauf schiesse ich an den Hinterrädern von drei ambitionierten Randonneuren über die zu dieser Uhrzeit von Partyvolk statt wie üblich von Pedelecfahrern belagerten Rad- und Feldwege der Bodenseeveloroute entlang durch die Dunkelheit.

Nach 65km verlassen wir den Bodensee und als auf einem weiteren Naturbelagabschnitt die Pneus bis an den Rand der Fahrbarkeit im Kies einsinken, verliere ich den Anschluss. Einigermassen gemütlich rolle ich zum ersten Checkpoint (CP) und kurz darauf – in der ersten Steigung – beginnt es vom Himmel zu tröpfeln. Immer stärker. Ein hell erleuchtetes Bushhäuschen ist zu verlockend:

Statt auf dem Sitz liegt die Ventisit-Matte unter dem Schlafsack.

Gute zwei Stunden im Schlafsack später rolle ich auf nasser Fahrbahn wieder weiter.

Radreisen sind eine sehr gute Art, sich für Brevets vorzubereiten. Man lernt zu improvisieren.

Dieses Statement (meine Erinnerung) stammt von einem erfahrenen Randonneur und Transcontinental-Race-Finisher. Konkret auf die Situation angewandt und auf dem Stuart Highway schon einmal praktiziert: Es ist ca. 15-20 Grad warm und ich habe folgende Kleidungsstücke dabei: Schuhe, Socken, (Not-)Socken, Knielinge, feuchte Unterwäsche, trockene Unterwäsche, feuchte Hose, Woll-Shirt, feuchtes Shirt, Regenjacke, Warnweste, Handschuhe, Buff, Helm. Das kursiv Geschriebene ziehe ich an. Ja, ein Teil ist ganz bewusst in der (trockenen) Tasche. Ist vor Ort sicher niemandem aufgefallen 😉

Das nächtliche Ravensburg beheimatet die zweite Kontrolle, welche für gut 100km auch die letzte Verpflegungsstation ist. Bevor ich dort dank Schlaf- und Regenpause als Letzter eintrudle, werde ich auch von oben doch noch richtig nass.

„Sanfte Anstiege“ wurden uns versprochen. Es rollt tatsächlich ganz gut – nicht ohne den kleinsten Gang aber doch ein paar Mal einzulegen!

Die herrlich neblige Morgenstimmung ist mit der Kamera aus der Fahrt nicht schön erfassbar.

In Inzigkofen ist die nächste Frage zu beantworten und hier hole ich die drei Vorletzten ein. Wir erreichen die Donau und talaufwärts ist mir das Tempo etwas zu tief. Wenige Km später ergibt sich bis zum nächsten CP in Tuttlingen ein nettes Gespräch. Danke!

Notiz an mich: Nächstes Jahr bei der Bäckerei Heinz in Nendingen auf „geöffnet“ hoffen.

Kontrolle 4 in Tuttlingen habe ich doch erst gerade schon einmal in Gegenrichtung angefahren. Letztes Mal bei knapp der Streckenhälfte mit dem anstrengenden Teil noch vor mir, diesmal bei gut der Streckenhälfte mit dem anstrengenden Teil noch vor mir 😉 . Weitere zwei Randonneure, R. und T., welche ich noch öfters sehen werde, klagen über nasse Kleider und Kälte, brauchen aber doch ziemlich lange, bis sie sich wieder auf den Velos warmfahren gehen.

Der Nebel lichtet sich, Knie- und Ärmlinge werden durch eine dünne Schicht Sonnencrème ersetzt. So soll es sein!

In der Region um Bad Dürrheim führt die Strecke mal wieder über mental kräfteraubenden Belag. Diesmal ist es kein Schotter, sondern ein Flickenteppich. Ohne Verkehr machen diese Feldwege dennoch irgendwie Spass.

Villingen. Bis hierhin dachte ich, den Schnellsten folgen zu können. Jetzt sind diese vielleicht schon fast wieder daheim. Gut so.

Auf der alten Vöhrenbacher Strasse stört mich der Naturbelag viel weniger, als eine kurze Abfahrt später entlang der Breg. Nach zwei Fast-Umfallern wegen auf nassem Schlick wegrutschenden Vorderrad wechsle ich die Talseite und damit auch den Belag und das Verkehrsaufkommen.

Blick zurück…
…und nach vorne.

Hexenloch. Genau was der Name verspricht: Zuerst (super) bergab, dann ordentlich (und ebenso schön) bergauf.

M., welchen ich beim letzten CP-5 („Lotto“) überholt, und welcher mich inzwischen wieder zweimal eingeholt hat, findet den Vorschlag eines „Spätzlepfännle“ ebenso grossartig und so finden wir uns bald im Weiler „Im Löwen“ vor einem leckeren Zmittag auf der Sonnenterrasse. Danke!

Kurz vor Titisee überholt mich bergab ein mit für diesen Abschnitt richtig ausgerüsteter MTBler, welchem ich folge und somit kurz falsch abbiege…

Impression Schwarzwald

„Auf dem Höchst“ heisst der Ort, von welchem aus die Strecke nach Bräunlingen wirklich ein Höchstgenuss ist: Bergab mit gefühlten 40km/h rollen ohne mittreten oder die Energie in den Bremsen oder dem Fahrtwind verpuffen zu spüren.

R. und T. halten für die (aus der Fahrt beantwortbare) Kontrollfrage beim „Sausiäch“ an, wo ich sie überhole und wenigstens die ersten zwei Höhenmeter mittels kinetischer Energie hochrolle. Tapfer fahrend überholt mich R. bei meiner zweiten Schiebeaktion.

Schotter, schon wieder Schotter… würde mich nach Blumberg erwarten und darauf habe ich einfach keine Lust. Auf der Umfahrung(!) hole ich U ein, welcher offensichtlich genauso fühlt oder „falsch abgebogen“ ist. Auf dem letzten Hügel stehen die Windräder still und wir gönnen uns einen kurzen Snack, bevor es bergab zum letzten CP geht: Im „Gourmettempel zum Goldenen Doppelbogen“ gibt es 4x Süssgetränk mit Glacé.

Entlang der Radolfzeller Aach wird die schöne Naturidylle durch den passenden Belag nur teilweise zum Genuss.

Wenn ich schon einmal in Deutschland bin, kaufe ich getreu dem Vorurteil auch gleich den ganzen Vorrat eines hierzulande überteuerten Produkts eines Netto-Markts auf und pushe die letzten Km ordentlich, um U. nochmals einzuholen. Der Eingeholte entpuppt sich aber beim Näherkommen als M., mit welchem gemeinsam ins Ziel fahren natürlich ebenso gut passt!

Gemütlich inmitten der Organisatoren klingt der Abend aus und eine kurze Fahrt nach Schaffhausen und eine längere Zugfahrt später bin ich etwas nach Mitternacht zu Hause.

An der eben entdeckten „langsamen Art“ Brevets zu fahren, habe ich Gefallen gefunden. Mal schauen, wie das beim 600er in drei Wochen wird – was aus einer Planung wird, weiss ich ja mittlerweile 😉 .

Nachtfahrt VS, GE, Lac de Joux, Yverdon

Ziemlich spontan entschliesse ich, die geplante Fortsetzung der unvollendeten Genfersee-Runde in Angriff zu nehmen.

Kurz zusammengefasst: Um 1930 in St.Maurice gestartet und kurz zwei mir noch nicht bekannte Varianten der Ortsdurchquerung rekognosiziert.
Auf dem Rhonedamm durch den Gegenwind und gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang am südlichen Genferseeufer entlang. Irgendwann nach Evian ist es richtig dunkel und teils über die Hauptachse, teils über kleinste Strässchen gehts nach Genf, wo die Temperatur noch immer kurz-kurz zulässt.
Wellig durchs Hinterland an die Veloroute 50 (die mir eigentlich nur zwischen Solothurn und Olten bekannt ist und von der ich nicht wusste, dass sie so weit reicht) bis an den Fuss der Hauptsteigung. Im kleinsten Gang und absolut verkehrsfrei auf der Veloroute 7 durch das selbst in tiefster Nacht malerisch schön zu durchfahrende Combes de Amburnex. Bremsen heiss statt Velo schnell laufen lassen hinunter zum Lac de Joux und absolut ruhig diesem entlang – zwischen Bogis und Vallorbe sehe ich kein einziges fahrendes Auto!
Rasante Abfahrt nach Vallorbe und schöne Abfahrt weiter Richtung Yverdon.
Wenige Km vor dem Bahnhof noch 1.5h Schlaf und später im Zug nochmals so viel.

Hat Spass gemacht!

Nur zwei Fotos:

Abendstimmung am Südufer des Lac Leman

Jet d’Eau by Night

Hegau+ Brevet 2017

Freitagabend, Bahnhof Schaffhausen. Per SMS schreibe ich „wird trocken bleiben“, was sich 20 Minuten später, als F ankommt, natürlich als falsch herausstellt. Wir rollen gemütlich nach Ramsen, wo sich die komplette „Liegefraktion“ zum Znacht trifft.

Im Geräteraum der Turnhalle hätte der Schlaf besser sein können.

Im ersten Block etwas nach 0700 starten geschätzte 15-20 Randonneure: F mit einem Stickbike, U mit einem Velomobil, jemand mit einem Moulton, ich mit Semitieflieger und der Rest mit Renn- oder Zeitfahrrädern.

Kurz nach dem Start zieht U an uns vorbei – um sich auf der bald folgenden ersten Naturbelagsstrecke gleich wieder überholen zu lassen.

Bis zur ersten Kontrolle nach 30 km fahre ich gemütlich im Windschatten der ersten Gruppe – es sollten die einzigen Windschattenmeter der Tour bleiben – während F sein Renn-Gen entdeckt und sich vorne jagen lässt.

Die Antwort der Kontrollfrage merke ich mir im Vorbeifahren und notiere sie später während der Fahrt. Das wird auch bei einigen noch folgenden Kontrollfragen funktionieren.

Einen mir bekannten Abschnitt umfahre ich – 5.5km Asphalt und Beton statt 4 km Naturbelag.

Alleine düse ich bis zum Checkpoint 2 am um die Tageszeit noch nicht ganz so touristenhotspottigen Rheinfall. Dort hole ich dank Ortskenntnissen gerade U ein.
Die Organisatoren drücken uns einen Stempel in die Karte und schiessen von jedem Teilnehmer ein Foto, welches mir noch während ich nach meiner Zielankunft dusche zugestellt werden wird. Tolle Organisation!
Im kleinsten Gang gehtfährt es sich weiter. Kaum ist es etwas flacher überholt mich U mit einem Affenzahn (ich fahre bei 1% Gefälle schon 40km/h) und gibt dabei noch nicht einmal Windschatten…

Den Aufstieg auf den Hallauerberg fahren wir gemeinsam. Schön, mal mit jemanden auf gleicher Kopfhöhe zu plaudern. Das wird sich hoffentlich noch ein paar Mal wiederholen.

Blick vom gleichen Ort wie oben nach links.

Das in Schleitheim vom Brunnen gefasste Wasser erweist sich als besser nicht trinken. So schiebe ich durstig die vom Organisator nicht zu Unrecht Sausiech genannte Steigung hoch und besorge mir in Blumberg erstmal Trinkwasser. Die Schlange an der Supermarktkasse ist laaang und somit weiss ich nicht, wer mich in der Zeit überholt hat…
Im Ziel erfahre ich, dass es F ganz in der Nähe noch blöder ging: Verfahren und zwei Platten inkl. anschliessender Reifensuche in Tuttlingen. Da ich stets annehme, er befinde sich ein gutes Stück vor mir, fahre ich immer zügig weiter.

Auf der Landstrasse umfahre ich ein weiteres Stück Schotter. Kaum vorhandener Verkehr, perfekter Belag, leichtes Gefälle in Kombination mit Rückenwind – was will ein Randonneur mehr?


Kaum zurück auf dem Track geht das Gehoppel wieder los. Dafür verläuft der Track schön verkehrsarm wie hier kurz vor Hausen.

Auf der Donauroute (Bach/Fluss/Strom im Bild 😉 ) mache ich diesmal und anders als die mit Packtaschen keinen Stopp bei der Donauversickerung, welche sich etwas weiter oben befindet…

…Dafür bei einer Tankstelle. Ruhe vor dem Sturm, welcher einerseits vom Organisator angekündigt wurde (ab Km 140 wird es kräftezehrend) und sich andererseits in Form von dunklen Gewitterwolken am Himmel zeigt. Einige später kommende werden es nicht trocken bis hierher geschafft haben.

Erstaunlicherweise werde ich nur wenig nass und noch erstaunlicher holen mich die beim Checkpoint von mir eingeholten Rennradler nicht ein. Auch später werde ich einmal nur wenig nass und erfahre, dass nachfolgende Fahrer teils mehrere richtige Duschen und einen Hagelschauer abbekommen haben.

Die Streckenführung ist schön. Und schön fordernd!

Auch hier notiere ich hof als die Antwort auf die Kontrollfrage während der Bergauffahrt.
Kurz vor Ludwigshafen geht es erneut auf Naturbelag bergan. Im Ziel wird über genau den Abschnitt schön geflucht werden – ich fand es eigentlich ganz OK im Gegensatz zu dem noch Kommenden, von dem ich jetzt noch nichts ahne.

Die Serpentinenabfahrt runter nach Ludwigshafen ist geil zu fahren. Erstaunlich, welche Kurvenbeschleunigung die Haftreibung der neuen Reifen zulässt 😉

Checkpoint 7 ist bei einem bei mir willkommenen Supermarkt.

Die Bodenseeveloroute bis Konstanz ist definitiv nicht mein Favorit: gefährliche oder nicht flüssig fahrbare Radwege, Unmengen von unkonzentriertem Un- oder (noch schlimmer) elektromotorisiertem Verkehr und eine Töff-Raserstrecke während eines Aufstiegs. Ganz zu schweigen von der oben bereits erwähnten Holperstpiste. Immerhin trocken.

Von Tägerwilen auf den Seerücken, oben mit Aussicht flach dahin, hinten wieder runter und gemütlich flach ins Ziel – soweit meine Vorstellung… Flach ist es auf dem Seerücken eigentlich nie, die Nachmittagssonne blendet und zudem weht ein leichter Westwind. Immerhin Verhältnisse, die mich etwa gleich schnell vorankommen lassen wie die zwei gelegentlich im Rückspiegel auftauchenden Rennradler.

Die Abfahrt kommt dann nach Kalchrain doch noch. Und unten geht plötzlich gar nichts mehr. Es bahnt sich ein Hungerrast an und ich brauche dringend eine Pause. Zusammen mit den beiden vorhin schon oft Gesehenen fahre ich noch durch Stein am Rhein. Dann lege ich mich beim ersten Brunnen 10 Minuten kauend ins Gras – 10km vor dem Ziel. 10 Minuten nach den beiden bin ich in Buch SH und es ist wenige Minuten (oder waren es Sekunden?) vor 19:00. Das Ziel „ankommen bei Tageslicht“ habe ich gut erreicht bei einer Bruttozeit von 12 Stunden (Netto weiss ich wegen defekter Aufzeichnung nicht).
Aber wo ist F, den ich stets vor mir gewähnt habe? Ein Blick aufs Handy: Verfahren und 2x Platten bei Km 133 mit anschliessender Reifensuche in Tuttlingen. U hat seinen Umwerfer neu anbringen müssen. Nur 1 von 3 Liegern ist also problemlos durchgekommen – Kettenöl aufbringen zählt für mich nicht als Problem 😀 .

Geduscht warte ich mich kulinarisch verwöhnen lassend auf weitere Ankömmlinge. Um 2230 falle ich wiederum im Geräteraum der Turnhalle diesmal in einen tiefen Schlaf.

Die knapp 20km am Sonntagmorgen nach Schaffhausen rolle ich gaaanz gemütlich. Highlight ist ein sich nicht von mir störend lassender Biber im Bach zwischen Buch und Ramsen.

Bölchen Brevet 2017

Nach immerhin 6 Stunden Schlaf, einer kurzen Fahrt durch das frühmorgendliche Freiburg und zwei leergegessenen Tellern neben U. geht es los auf die gut 300 km lange Runde durch Schwarzwald, Jura und Rheinebene.

Mein erster Stopp nach gerade einmal 3 km:

Der zukünftige Lenker wird die restlichen 300km im Gepäck mitfahren. Danke für den unkomplizierten Service an das Radgeschäft!
Aussicht während des Aufstiegs zum Haldenhof.
Fast gleicher Ort, Blick etwas weiter links.

Im Gegensatz zum 200er sind viele Randonneure auf der Strecke und einige der Aufstiege werden dadurch schön kurzweilig.

In der Abfahrt fahre ich wieder auf eine Gruppe Randonneure auf, wo ich versuche, etwas vom mir zuvor gespendeten Windschatten zurückzugeben:

„Nennenswerter Windschatten?“ – „Nicht wirklich.“

In Bad Säckingen findet gerade ein Mittelalterfest statt.

Zwischen Münchwilen und Eiken

Zwischen Eiken und Souboz ist mir die Strecke bekannt, teilweise bestens bekannt.

Aufstieg zum Chilchzimmersattel. Die 15% der Warntafel werden schon korrekt sein…
Aufstieg zum Chilchzimmersattel. Letztes Mal (spätabens bei Vollmond) ging es da einfacher hoch.

Danke an das Team vom Restaurant Oberbölchen für die Pastaparty!

Statt die nächste Gruppe abzuwarten, fahre ich im Thal alleine gegen den Wind und werde erwartungsgemäss bei der nächsten 120-Hm-Bodenwelle eingeholt. Nur, um in der nächsten Abfahrt in der ersten Kurve wieder allen davonzurollen. Irgendwie nervt der unterschiedliche Rhythmus gerade…

… dafür erbarmt sich M. den letzten steilen Anstieg hoch nach Souboz teilweise in meinem Tempo zu fahren und etwas zu plaudern. Wir werden das später noch wiederholen 🙂

In Souboz warten bis zu fünf Randonneure am ersten Brunnen. Wenn wir nur gewusst hätten, dass in dem Ort gleich viele Brunnen wie Randonneure vorhanden sind!

Die durchfahrene Gorges de Pichoux überraschen mich: Von dieser Schlucht wusste ich zuvor nichts – obwohl sie durchaus auf einer Tagesetappe von zu Hause aus erreichbar wäre.

Etwas nach der spekakulären aber nicht fotogenen Schlucht bei Undervelier.

Veloroute 23
Der (hoffentlich) letzte Anstieg bietet auch etwas Aussicht auf die gar nicht so dunklen Wolken.

Den letzten Anstieg gehe ich ganz gemütlich an. Auf die Gruppe werde ich in der Abfahrt schon wieder aufrollen…

Für den gespendeten Windschatten versuche ich mich auf der langweiligen Strecke zwischen Kembs und Fessenheim zu revanchieren: Der zweite der Gruppe löst jeweils ab 😉 . Auf die spätere Frage, ob es etwas gebracht hat: „Man merkt es schon ein wenig – das Grundtempo ist höher“. Es wäre also möglicherweise doch asozial gewesen, „mein“ 10% höheres Tempo zu fahren.

Rheinbrücke bei Fessenheim

Nach der letzten Kontrolle powere ich mich noch etwas aus und geniesse es, durch den dunklen Gegenwind zu schiessen – der prognostizierte leichte Regen ist kaum spürbar und auf der Fahrbahn nicht sichtbar (also nicht vorhanden).

Um 21:45 treffe ich gleichzeitig mit E. und P., welche auf den letzten 10km einen anderen Weg gewählt haben, am Ziel ein.

Eine Portion Maultaschen und ein (oder so..) Bier landen noch im Magen, bevor ich dick eingepackt die drei Km wieder entlang der Dreisam zu Dusche und Bett rolle.

Wie viele Brevets oder Radreisen wurden schon mit Ersatzlenker im Gepäck gefahren?

Breisgau Brevet 2017

Den arbeitsfreien Freitagnachmittag für eine Anfahrt von Basel nach Freiburg zu nutzen, stellt sich als gute Entscheidung heraus: Auf dem letzten Viertel des Bölchen-Brevets (in ein paar Wochen…) rollt es gut mit Rückenwind rheinabwärts. Hoffentlich dreht der Wind bis morgen…

Rheinbrücke Fessenheim

Während der morgendlichen Anfahrt spüre ich das eine Bier zuviel und die eine Stunde Schlaf zu wenig doch ein bisschen. Die Müdigkeit ist nach sieben Km weg, als mich M. vor dem Eingang des Augustiners begrüsst und ich mich kurz darauf mit Leckereien auf dem Teller zu E. und P. setze.

In P.’s Windschatten geht es etwas nach acht recht flott nach Osten talaufwärts. Der wolkenverhangene Himmel verhindert, von der Sonne geblendet zu werden. Am Fusse der ersten Steigung sage ich tschüss und erwarte nicht, die Beiden wiederzusehen – an jeder Kontrolle werde ich vor ihrer Abfahrt ankommen und trotzdem waren das die einzigen gemeinsamen Km.

In St.Märgen schiesst P. dieses Foto von mir.

Während der Hexenloch-Abfahrt folge ich als wohl einer der Wenigsten der Umweg-Empfehlung der Organisatoren und stoppe kurz an der beschaulichen Mühle.

Hexenlochmühle

Auf der folgenden Abfahrt wird mir (und einigen anderen) wieder einmal bewusst, was der aerodynamischce Unterschied zwischcen Rennvelo+Aeroposition und Tieflieger+Cruisinghaltung(*) ist.

Aus der Bäckerei (Kontrollstelle) findet ein leckeres Stück Linzertorte den Weg in meinen Magen, gefolgt von einem Brötchen to go.

17% zeigt das Schild am rechten Strassenrand an und kurz darauf gehe ich hinter dem Velo her den Berg hoch (=schieben). Der Geschwindigkeitsunterschied zu den pedalenden anderen Randonneuren ist so gering, dass ich sie schon in der nächsten kurzen Abfahrt wieder eingeholt haben werde (Aerodynamik…).

Soeben wurde ich abgehängt… (kurz vorher)
…und werde eingeholt.

Bald werden wir in einer siebenköpfigen Gruppe unterwegs sein.

Als es sich abzeichnet, dass die (vorerst) letzte Kuppe hinter uns liegt, versuche ich, mich vorne einzureihen und etwas Tempo zu machen, was gar nicht so einfach ist, wie ich es mir vorgestellt habe: Entweder bin ich zu schnell oder zu langsam, was aber nicht unbedingt mit der Tretleistung korreliert: Das Fahren in der Gruppe ist gar nicht so einfach mit einem so unterschiedlichen Velo.

Bei Kontrolle 2 in Wyhl fülle ich wieder die Vorräte auf und wechsle definitiv die wärmenden Kleiderschichten mit Sonnencrème aus.

Der Wind hat nicht gedreht und Mitfahrer sehe ich auf dem flachen Gegenwindstück nur zwei (am Strassenrand austretend), unterbrochen durch eine schöne Strecke durch den frühlingshaften Kaiserstuhl:

Kaiserstuhl

*Dieses Bild wurde mir später zugespielt: Linke Hand auf rechter Schulter = bequeme aerodynamische Position. Der Rennradler in der Bildmitte spendet mir noch ein paar Meter Windschatten, bevor er abbiegt.

Die letzten Km (bergauf) nach Kandern gibt es wieder einmal Gesellschaft. P.’s Tempo sei auch im Windschatten zu heftig gewesen.
Die letzte Kontrolle wird von mir für eine längere Pause genutzt – schliesslich ist noch viiiel Zeit und ein paar Elektrolyte werden für die kommenden Höhenmeter auch nicht schaden.

Tatsächlich geht es auf den restlichen 40 Km viel bergauf und bergab, wobei die Aussicht nach Links oftmals so atemberaubend ist, dass etwas langsamer fahren auch voll OK ist:

Aussicht auf den letzten 40 Km
Blumen am Wegrand

Irgendwann um 1700 gibt es im Ziel ein grosses Bier, eine Portion Pommes und im Hintergrund das Rauschen einer Fussballliveübertragung. Freiburg wird verlieren – alle hier Sitzenden haben bereits gewonnen.

Ich freue mich auf den 300er in drei Wochen.