Brevet Alpenluft+ 2018

Vorbereitung

Zum dritten Mal in Folge soll das Brevet Alpenluft+ von Audax Suisse zu einem Saisonhighlight werden. 2016 habe ich mit dem heckgefederten Fujin meinen Brevet-Einstand gegeben, letztes Jahr habe ich das modifizierte Fujin SL2 über die Pässe gefahren. Heute wiegt das vollgepackte Velo (siehe unten) wahrscheinlich ziemlich genau 50% des Körpergewichts…
Die Strecke hat gegenüber den letzten Jahren auch geändert (neu): Südliches Bodenseeufer, Alpenrheintal, Oberalppass, Sustenpass, Grosse Scheidegg (optional), Schallenberg, und Günzgen (D) sind dieses Jahr die Eckpunkte.
Bei Strecken-Km 380, 400 und 410 könnte ich nach Hause abbiegen (Umweg abermals gut 50km, wenn es „nur“ eine Schlafpause sein soll). Der Plan ist natürlich, vorher noch beim Ziel am anderen Ende des Landes vorbeizuschauen und irgendwann später zurückzufahren.
Körperlich (abgesehen von den letzten 24h vor dem Brevet), mental und in Sachen Ausrüstung fühle ich mich wieder gut vorbereitet. Ungewiss ist, wie gut (nicht ob) ich das Velo über die Anstiege bringe.

…zum Start

Deutlich früher als sonst verlasse ich den Arbeitsplatz und lasse mich zum 50km vom Startort entfernt deponierten Velo chauffieren*.

Auch für das Überwinden der oben genannten 50km findet ein Randonneur eine Lösung. Nördl. Etzwilen

Von den 40 Randonneuren auf der Startliste sind als ich eintreffe schon einige da. Nicht dabei sind leider alle „meine“ drei Hauptmitstreiter von 2016 und 2017 😦 .

Es gibt zwei Routen, welche sich zwischen Innertkirchen und Interlaken unterscheiden: „Flach“ entlang vom nördlichen Brienzerseeufer oder „bergig“ über die Grosse Scheidegg. Ich werde unterwegs entscheiden.

Ein Teller Bolognese findet seinen Weg in meinen Magen und bald geht es los…

Brevet Alpenluft+

Pünktlich um 20 Uhr rollt die Randonneur-Schar los.
Auf den allerersten Metern gibt es (noch) schöne Abendstimmung
Im Schrittempo durch Stein am Rhein

Die ersten Tropfen fallen bald nachdem das südliche Rheinufer erreicht ist. Es gibt nicht viel Verkehr und so lässt sich schon einmal ein guter Zeitbuffer für die Berge aufbauen (…oder so..).

Auf dem nur wenige Km langen Bodenseeradwegstück zwischen Egnach und Arbon finden hunderte (gefühlt tausende) kleiner Insekten den Weg zum magischen Licht und so auch duch das Lüftungsloch des Gefährts und mein Bauch ist zuerst krabbelig und schwarz, dann eklig und schwarz. Ich freue mich sehnlichst auf die Dusche in Andermatt!

Als (zu spät eingesetzter) Insekten- und Zugluftschutz ist die Leuchtweste auch IM Velomobil zu etwas nütz 😉

Notiz an mich: Ersten Kreisel in St.Margrethen das nächste Mal bei Nässe langsamer anfahren, sonst wird der Pneu-Verschleiss auf Dauer teuer.

Bei Widnau fallen mir die letzten Regentropfen ins Gesicht. Auf der Autobahnbrücke in Montlingen mache ich die erste Pause zwecks Visier- und Brillenreinigung. Denn jetzt folgen 40km auf dem Rheindamm mit (wolkenverdecktem) Vollmond(=sehr gut organisiert, Audax Suisse!). Ich geniesse die Ruhe – zwei Velofahrer und ein Fussgänger begegnen mir auf der Fahrt bis Bad Ragaz.
Zwischen Chur und Felsberg probiere ich eine neue Route (@Audax Suisse: Super, mit dem VM allerdings grenzwertig wegen Schwellen und der engen Kurve gleich nach der Rheinbrücke) und bleibe in Tamins gleich linksrheinisch: Die Rheinschlucht werde ich lichtbedingt schon nicht sehen und so entscheide ich, es sei der richtige Zeitpunkt, um einmal die Alternativroute auszuprobieren, zumal auf dem Track von aufgerissenem Strassenbelag die Rede ist. Bergauf bin ich ca. 20′ auf der Hauptachse und mache dabei 1/4 des Verkehrsaufkommens aus. BTDT: Nächstes Mal fahre ich dennoch wieder via Versam. Von wegen: Grosse Scheidegg mit dem Velo wird auch nach diesem Wochenende nicht BTDT sein.

Westlich von Ilanz ist nachts auf den Strassen nichts los. Bis zum Oberalppass werden es weniger als 10 Autos gewesen sein…
Irgendwo grinst mich ein leuchtender Smiley auf einer elektronischen Anzeige an, gefolgt von einer „39“ – soo steil kann es da nicht bergauf gehen.
Nicht wie erwartet bei der Rheinschlucht, sondern erst bei der ersten Serpentine auf 1800 m.ü.M. überholen mich B und C. Sie fahren mit doppelter Geschwindigkeit bergauf!

Oberalppass wenige Minuten vor Sonnenaufgang. Das Aussteigen aus der wohlig-warmen(=eklig-verschwitzten) Kiste mit nacktem Oberkörper bei Aussentemperatur um den Gefrierpunkt ist ein kleiner Schock.
Blick vom Oberalppass Richtung untergehendem Vollmond – herrlich!

Nach Andermatt gehts dank Bremsschirm wie auch später durch die Schöllenenschlucht und zwischen Sustenpass und Gadmen ganz gemächlich – die paar Minuten machen auf die Distanz nicht viel aus…

In Andermatt erwartet uns der betreute Checkpoint. Zu meiner Enttäuschung ist das Lokal noch nicht offen (also keine Dusche/Warmwasserwaschgelegenheit! 😦 ). Im Van von Audax Suisse ist es immerhin schön warm und gesellig.
„Bis zu 15 Minuten Wartezeit“ sind an der Baustelle ausgangs Andermatt zu erwarten und so verlassen wir den Checkpoint zu zweit. Die Ampel schaltet gerade auf grünorange blinkend und schon wenig nach Wassen kurble ich das Velo wieder alleine bergauf.

Sustenauffahrt, die erste Hälfte der Sustenpassauffahrt ist zum Glück noch schön schattig

Ein paar hundert Meter schiebe ich das Velo auch. Das ist nicht wirklich langsamer und sorgt für andere Belastungszonen (Fussohlen!).

Blick zurück: Vor zwei Jahren lag auf den Leitplanken ein Hauch von Nasschnee um Mitternacht. So wie heute ist es mir deutlich lieber!
Sustenpass

Die Fahrt südlich vom Flugplatz Meiringen und nördlich von Brienzersee und Thunersee läuft trotz teilweisem Gegenwind wieder ordentlich. Bei ?Meligen? überhole ich die beiden Vordersten. Während ich den Susten hoch und am Brienzersee entlanggebummelt bin, haben sie neben dem Sustenpass auch noch die Grosse Scheidegg bezwungen. Boah!

Schallenberg.

Nach(!) der BE-LU-Kantonsgrenze weht ein starker Gegenwind in der Abfahrt. Mit meinem Gefährt eigentlich ganz gemütlich (kühlt 🙂 ) aber ich bemittleide die beiden Gefährten, welche ich auf dem Schallenberg bei meiner Ankunft gerade entschwinden gesehen habe.
Witzig: Beim Schreiben fällt mir die eingangs erwähnte Passage „nach Hause“ auf – der Gedanke kam mir während der Fahrt gar nicht.

Der Track führt über die Veloroute 24 durchs Entlebuch. Meiner Meinung nach keine velofahrerfreundliche Routenführung (so etwas gehört wenn schon auf die Veloroute 99…). Diese (MTB-, also nicht unsere Route) Radwegweisung durchs Fahrverbot spricht irgendwie auch nicht gerade für die Entlebucher.
Die Aussicht in die UNESCO Biosphäre Entlebuch

Der Kreisel in Wolhusen fährt sich seeehr schwammig: Platten vorne links. Ersatzreifen mit Ersatzschlauch montiert. Nix. Zweiten Ersatzschlauch eingesetzt. Mehr als 1 Bar geht nicht. Der nächste Veloladen (Danke für das nette Gespräch und sorry für den Gestank, Tandem Schweiz AG) ist zum Glück nicht weit und mit einer neuen Pumpe im Gepäck flitzt es sich gewohnt rasant entlang der kleinen Emme Richtung Luzern.
Die Stadt durchquere ich um 1700 und dementsprechend langsam.

Ersten richtig verkehrsreichen Abschnitt geschafft: Vierwaldstättersee nach Luzern

Artig bremse ich in der kleinen Abfahrt in Meggen und mache (im Stand) ein Selfie vor dem Volg – der drittletzte Checkpoint.
Gemächlich das Sihltal hinabrollend staune ich über den Velofahrer (Schutzbleche, Rohloff, …), welcher doch erstaunlich lange in meinem Rückspiegel sichtbar bleibt.
Am Bahnhof Selnau sind wir vier Randonneure. Schon nach der zweiten Kreuzung sehe ich die anderen drei nicht mehr – passive Fahrweise, schwere Beine und ein schweres Velo sind nicht gerade ideal um innerstädtisch mit Rennvelofahrern mitzuhalten.

Irgendwo in meinem Gedächtnis ist die Erinnerung an einen Brunnen beim ersten Gebäude links auf der Panzerpiste – tatsächlich steht der auch 15 Jahre später immer noch da 🙂

Entlang der Glatt macht einfach immer wieder Spass.
Genau dort auf dem Rheinwehr, wo ich das Velo von Hand umsetzen muss, stehen amerikanische Touristen (ob die den Rheinfall gesucht haben?).

Ein Potschn, wie es B so schön sagt, ist der Grund, weshalb ich in Rafz die drei in Zürich zuletzt Gesehenen wieder antreffe. Eine gemeinsame Weiterfahrt ergibt sich nicht – sie sind mir zu schnell…

Schemenhaft erkennbar: Rheinfall in der Dämmerung 😉 .

Um 22:40 bin ich wieder in Buch. So fertig nach einem Brevet war ich noch nie. Notiz an mich: Langsamer fahren, du warst 12h zu schnell!
Um das leckere Nachtessen zu essen, brauche ich gefühlt eine Ewigkeit.
Tiefschlaf.

Heimfahrt

Die in Andermatt verpasste Bündner Gerstensuppe schmeckt auch 24h später noch genauso gut. Merci!
Das Velo deponiere ich wieder 45km vom Ziel entfernt.
Durch eine kleine Unachtsamkeit (Hausschlüssel im Velo liegenlassen) fahre ich am Nachmittag noch 3x statt wie geplant 1x durch die Schweiz – inkl. Zugsausfall und mit viel Schlaf. Wäre ich direkt mit dem Velo gefahren, wäre ich sicher früher zu Hause gewesen…

Notizen am Rande

Die Pläne und Vorsätze waren (teilweise erfüllt, nicht erfüllt):

  • 600km in 40h. Keinen Checkpoint verpassen.
  • Nicht bis zur Sekundenschlafgrenze fahren.
  • Die folgenden Aufstiege und anschliessenden Abfahrten gemütlich angehen: Rheinschlucht, Oberalp, Susten, ev. Grosse Scheidegg, Schallenberg, nach Schangnau, nach Hasle.
  • Ebenso die Stadtdurchfahrten: Stein a.Rh, Kreuzlingen, Rorschach, Chur, Interlaken, Thun, Luzern, Zug, Zürich, Schaffhausen.
  • Beim Rheinfall und ggf auch sonst ein paar Meter bergauf stossen.
  • Standzeit bei Tageslicht reduzieren und/oder sinnvoller nutzen als letztes Jahr.
  • Entscheid Grosse Scheidegg Ja/Nein unterwegs treffen.

*Während der Hinreise suche ich mir die Öffnungszeiten von ein paar voraussichtlich am Freitagabend zu passierenden Dorfläden heraus. Die vom Organisator veröffentlichte Marschtabelle ohne Berücksichtigung vom sehr ungleichmässigen Höhenprofil ist mir doch etwas zu ungenau und so erstelle ich mir pro Route (mit/ohne Grosse Scheidegg) je eine eigene Marschtabelle aufgrund von Distanz und Höhenmeter (nur obengenannte Hauptsteigungen, sonst könnte das nicht mehr in vernünftiger Zeit mit Tabellenkalkulation gemacht werden). Mit 30km/h angenommener Bruttodurchschnittsgeschwindigkeit im Flachen und 400 Hm/h Steigleistung (beides für mit dem Wäschpi realistisch angenommene Werte) ergäbe sich eine Ankunftszeit um 02:30. Bei angepeilter Ankunft um 11:00 ist also eine Flach-Geschwindigkeit von 23.4 km/h und Steigleistung von 312 Hm/h erforderlich – auch mit dem schweren Velo machbar. Das gewählte Berechnungsmodell mag zwar genauer sein als ohne Höhenmeterberücksichtigung, enthält im Gegenzug aber gleich mehrere systematische Fehler…

Packliste

Kleider: 1 Paar Socken, 1 Paar Veloschuhe, 1 Unterhose, 1 lose Laufhose, 1 Wollshirt, 1 Warnweste, 1 Daunengilet, 1(!) Velohandschuh, 1 Brille, 1 Helm/Sonnenbrille, 2 Buff.
Zusätzlich gegen die Elemente: Velo, Schlafsack, Rettungsdecke, Sonnencreme.
kursiv=nicht zum fahren

Verpflegung beim Start (für NonStop bis Disentis): 3l Flüssigkeit, Riegel, Eisteepulver, je 1 Packung Cashewnüsse, Petit Beurre, Birrenweggenstücke, Bananenchips.

Elektronik: Akkus für 40h Velolicht, GPSr und Ersatzakkus, Handy, Kamera, Dashcam, Kopfhörer, Hutzenlicht.

Werkzeug: Wie immer (dazu gehören für manchen Leser vielleicht ungewohnte Dinge wie 2 Ersatzpneus (1 pro Felgengrösse), 1 Einmachglasdichtgummi, 1 laaanger Inbus und ein laaanger Schaltzug), Stirnlampe.

Sonstiges: Brevetkarte, Kugelschreiber, Portemonnaie, Zahnbürste/-paste, Deo, Duschmittel, WC-Papier, Bepanten, Duschtuch, Schloss, Bremsschirm, Zeitplan (siehe erstes Foto), Glücksbringer.

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DYI-600er oder Bodensee+(+) reloaded

Plan

Aus eigener Kraft ab Freitagabend vom Emmental aus via Langenthal, Arth, Günzgen (D) nach Buch SH pedalen (220 km), das Bodensee-Brevet – diesmal mit Pfänder – fahren (232 km), am Sonntagmittag wieder nach Hause gefahren sein (150-160 km). Wer mitgerechnet hat: 600 km in 40h – zufälligerweise gerade das entsprechende BRM-Zeitlimit.

Anfahrt

Auf den ersten Metern kurz nach 20 Uhr mache ich schon einen kurzen Stop zur Erfüllung der Bürgerpflicht und lasse mir danach den Plan nochmals durch den Kopf gehen. Phuu!

Auf fast der ganzen Anfahrtroute gibt es bis 02:00 eine eine Gewitterwarnung der Stufe 3. Ich werde also Himmel und Radar im Auge behalten.

Habe ich hier nicht schon mal ein Foto gemacht? Bald wird es eindunkeln…

Besonders eindrücklich sind die Fahrt um den ruhig daliegenden Zugersee ohne Verkehr, Stau um Mitternacht in der Innenstadt von Zürich und eine Stunde später im Wald zwischen Flughafen und Bülach eine Baustelle, wo (um die Uhrzeit!) gearbeitet wird.

Nicht ganz so flott wie um den Zugersee und über die Panzerpiste rollt es sich herrlich entlang der Glatt zur Mündung, wo ich am Wehr das Velo nur durch Umsetzen um die engste Ecke bringe.

Auf der ganzen Anfahrt habe ich nur einen Abzweiger verpasst und damit den nächtlichen Rheinfall noch nicht erlebt.

Bis ich geduscht im Schlafsack liege ist es 03:30.

Brevet Bodensee+

Zum zweiten Mal dieses Jahr fahre ich das gleiche Brevet. Bericht vom April.

Das Zmorgebuffet ist gewohnt super.

Einigen bekannten Gesichtern kann ich beim Zmorge viel Erfolg beim bevorstehenden 400-km-Brevet wünschen. Die groben Schotterstrecken (Schwägalp von Weissbad statt von Urnäsch…) und viele sehr steile Passagen (Vorder Höhi, Pragel, Ibergeregg) tue ich mir nicht an – um den Bodensee muss für heute reichen.
Es freut mich sehr, F, T und F anzutreffen, welche heute ihr erstes Brevet fahren.

Zusammen mit den oben genannten rolle ich los.

Kurz nach dem gemeinsamen Start.

Bei der ersten (flachen) Abfahrt lasse ich es rollen und sehe erst ein paar Stunden später wieder andere Randonneure.

Die gleiche Route wie letztes Mal wähle ich nicht überall. Bei Kressbronn findet das zuvor auf der „Hutablage“ deponierte T-Shirt den Weg in die Kette. Nach etwas Gefriemel ist die Kette zwar wieder drehbar, das Shirt aber definitiv zu nichts mehr zu gebrauchen. Da ich ja noch zum Mittagsrast abgemacht habe, kaufe ich mir also wenige Km später ein Ersatzshirt, welches sich später als viel zu gross herausstellen wird…

Die Auffahrt zum Pfänder ist dank kleinem Gang und Schatten gar nicht so schlimm wie erwartet.

Die Anfahrt zum Pfänder ist landschaftlich reizvoll.
Aussichtspause in der Abfahrt vom Pfänder. Der abgebildete Bremsschirm hat seinen Zweck gut erfüllt.

Beim Rest. Rohrspitz warte ich auf F, T und F. Während ich erfolglos versuche etwas zu dösen, haben Mücken ihren Spass an meiner verschwitzten Haut.
Bis kurz vor Konstanz fahren wir zusammen. Durch die Stadt wähle ich einen mir empfohlenen Weg. Dass die vorgegebene Route nicht fahrbar war, erfahre ich erst später auf den letzten Km des Brevets, welche wir wieder gemeinsam zurücklegen. Um ca. 20 Uhr sind wir im Ziel und geniessen abermals die kulinarischen Highlights von Audax Suisse.

Heimfahrt

Um 0500 rollt das Wäschpi wieder. Zusammen mit F ist das Ziel der heimische Grill zum Zmittag.
Die neblige Morgenstimmung in der Nordostschweiz ist herrlich.

Am Rheinfall am frühen Sonntagmorgen kommen uns Teilnehmer vom 400-km-Brevet entgegen.

In Hohentengen trennen sich fahrzeugbedingt unsere Routen: F rollt über den Hügel, während ich den Wasserläufen entlangdüse. In Brugg treffen wir uns wieder.

Bald zu Hause. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich schon, keinen Windschatten zu geben.

Am Mittag sind wir zu Hause. Geschafft.

Bodensee+(+) Brevet 2018

Bodensee+ führt wie es der Name nahelegt um den Bodensee. Das sind gut 200 km, mehrheitlich flach.

Die Handykamera hat anscheinend ein Problem mit dem Autofokus – nächstes Mal kommt hoffentlich wieder eine anständige Cam mit. Sorry!

Anfahrt Teil 1

Eine Woche vor dem Brevet kommt während einer samstagmorgendlichen Fahrt das Velo in die Region des Startorts.

Morgenstimmung zwischen Wynigen und Langenthal

Das noch nicht breveterprobte Wäschpi bekommt dann noch seine erste Kettennachschmierung (nach 4500 km…) und die zweite Reinigung. Mit hilfsbereiten Händen und Fachkunde wird eine neue sich besser im Sichtfeld befindliche GPSr-Halterung und ein Sitzpolster aka Sitzmuldenfüller gemacht. Hat sich beides bewährt, danke!

Anfahrt Teil 2

0430 Wecker.

Die knapp 50 km nach Buch verlaufen gut und im Nachhinein viel zu schnell.

Morgenstimmung zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein (welche ich beide nicht passiert habe…)

Um ca. 0620 erreiche ich Buch SH.

Bodensee+ (Brevetbericht)

Das Brevet ist mit gut 120 gemeldeten Startern ausgebucht – so viele Leute habe ich hier noch nicht angetroffen.

Man munkelt, manche kämen nur der kulinarischen Leckereien wegen – nicht so abwegig:

Teil des Zmorgebuffetangebots.

Neben der grossen Bandbreite an Renn- und Zeitfahrvelos sichte ich nur noch ein „normales Trekkingrad“ – so homogen habe ich das hier noch nicht gesehen.

Nach dem offiziellen Start entledige ich mich unnötiger Kleiderschichten, krabble in die Kiste und rolle irgendwann auch los. Dank gerade zu Beginn häufig leichtem Gefälle finde ich mich bald nicht mehr von Leuchtwestenrennradfahrern umgeben und die deutschen Radwege sind auch noch schön leer..

Wenige Meter vom Fotopunkt in Sipplingen entstand beim letzten 600er das orange Regenbild…

Vor Überlingen scheint die Uferroute gesperrt zu sein und wir werden erstmals bergauf geschickt. In Überlingen selbst kürze ich ab (..jaja..) indem ich durchs Fahrverbot gehe(sic!) und gleich danach auf Tenü Sommer wechsle inkl. Sonnencrèmesession auf Schultern und Brust.

Den ersten CP beim Pfahlbauerdorf suche ich ein paar Minuten und dabei treffe ich auch nochmals die ersten Up-Fahrer.

Bodenseeradweg 🙂 (kurz vor Meersburg?)

Die Erinnerung kommt plötzlich: Meine erste Velomobilsichtung, an die ich mich erinnere seit ich weiss was das ist, war genau hier, bei Nonnenhorn, im Jahr 2013 oder 2014.

Die Berge sehen echt besser aus als auf diesem verschwommenen Bild. Anständige Kamera kommt wieder auf die Packliste!

Die Fahrt durch Lindau und Bregenz ist schön und geprägt von einer stetig wachsender Anzahl anderer Verkehrsteilnehmer auf der Bodenseeveloroute. Nachdem ich schon soo häufig dort durchgefahren bin, habe ich auch erstmals die deutsch-österreichische Grenze wahrgenommen.

Den für heute optionalen Pfänderaufstieg schenke ich mir mit der Ausrede, sowieso noch ein paar Stunden im Sitz zu verbringen (siehe Heimfahrt).

Die Routenführung über das Rheindelta gefällt mir sehr und die Interpretation des Tempo-30-Schildes des vor mir fahrenden Autolenkers passt auch zu meiner Wohlfühlgeschwindigkeit.

8 km/h stehen wenig später im kleinsten Gang kurbelnd auf dem Tacho hoch zum CP 2, wo wir mit dieser Aussicht belohnt werden:

Aussicht über Rorschach

Die versprochene Aussicht wie aus dem Flugzeug ist dank Sonnenschein auch aus dem Fahrzeug erlebbar.

Mittlerweile haben so freie Veloroutenabschnitte so Seltenheitswert, dass ich davon ein Foto machen muss. Und selbst geniesse ich die wärmenden Sonnenstrahlen ja auch 🙂

Am Stau in Konstanz führt auf der vorgegebenen Route kein Weg vorbei. Also geduldig Stop&Go…

Die Veloausfallroute von Konstanz führt geradeaus der Bahnline entlang. Der Track ebenso. Was mich geritten hat, dort mittendrin rechts abzubiegen, kann ich mir irgendwie nicht erklären – zurück auf den Track gibt es dann noch ein unnötiges Stück Naturbelag. A propos:

Auf dem letzten Naturbelagsabschnitt für heute durchs „Moos“ kann ich es nicht lassen, wieder einmal die Grenzen auszuloten. Ausbrechende Räder fühlen sich eigenartig an…

Um 1500 bin ich zurück in Buch, wo es (noch) ganz beschaulich zu und her geht. Fünf Minuten später sind wir neben dem OK schon zu zweit.

Während den folgenden zwei Stunden Pause gibt es ein paar Einblicke in die Vorbereitung eines Tortour-Teilnehmers und natürlich das wiederum leckere Essensangebot von Audax Suisse, auf welches ich mich seit der Abfahrt 7 Stunden früher gefreut habe: Mmmmh!

Randonneure trudeln meist zu zweit ein und allmählich füllt sich der sonnenbeschienene Turnhallenvorplatz wieder mit Personen, Velos und eben erlebten Geschichten.

Heimfahrt

Um noch möglichst viel Tageslicht nutzen zu können, mache ich mich wieder auf den Weg, die für heute geplante kringelförmige Tour zu beenden.

Das selbstgesetzte Ziel, wenn es der Verkehr zulässt möglichst exakt 10 Minuten vor Sonnenuntergang (danach wirds mit der Kamera eh nix mehr) ein Foto von dem zu dem Zeitpunkt gerade vor die Linse kommenden Strassenabschnitts zu machen, habe ich mit diesem Foto erreicht. Die Energie für die Beleuchtung vom Velo kommt möglicherweise von hier und auch wenn sie schon den ganzen Tag an war, bin ich während den kommenden Pedalumdrehungen nochmals sehr froh darum…

Ziemlich pünktlich (aber irrelevant) zum Zielschluss des Brevets erreiche ich 150 km später mein Zuhause – 407 zurückgelegte km für ein 200km-Brevet sind ordentlich…

La Réunion, Rest

Verschlafen (@#!$-Betriebssystemupdate)! Darum sehe ich weder E-Mail noch SMS, welches mir mitteilt, dass sich mein Abflug um eine gute Stunde nach hinten verschiebt und es folgt eine sehr rasche Verabschiedung, denn wir haben nicht den gleichen Rückflug.

In der Randzone des Zykloks auf den Abflug warten
Ägyptische Sanddünen
Kreta?

Die Nacht verbringe ich in einem der Flughafenhotels in Paris.

Während des sonntagmorgendlichen Spaziergangs komme ich an der live sehr kleinen Concorde vorbei. Auf der anderen Seite steht British Airways (zweitältestes Modell)

Das Wiedersehen erfolgt in Zürich. Danke!

La Réunion, Teil 2

Vorbei an (einem von mehreren) Brautschleierwasserfällen fahren wir nach Hell Bourg. Dort wandern wir durch verschiedene Vegetationsstufen durch den Wald, beobachten Tenreks (igelähnlich) und Cardinals (knallrote Vögel), geniessen den Wasserfall und die Ruhe bei der Source de Manouilh und kommen auf dem Rückweg durch die Ruinen der ehemaligen Therme.

Hier fehlt bewusst (noch) ein Bild.

Blick in entlegene Winkel des Cirque de Salazie (irgendwo verdeckt rechts unten im Bild unser Tagesziel)

Die Führung in der Vanillefabrik verpassen wir leider. Um Neujahr findet traditionell in den indisch dominierten Bezirken Feuerlaufen statt, was wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Am Feuerlauf sind wir nicht die einzigen Zuschauer

Die Autofahrt führt über das Grand Brulée, die neuesten Lavafelder. Diese erkunden wir mit völlig unpassender Fussbekleidung und später einen Lavatunnel (gefunden dank weltweitem Touriführer). Am Nachmittag nehmen wir an einer Führung im Jardin des Parfums et des Epices (Regenwald-Pflanzen) teil, welcher sehr interessant und feucht ist. Starker Regen begleitet uns auf der Auffahrt wiederum zur Gîte du Basse Vallée.

Statt einer geplanten Wanderung durch den Dauerregen machen wir einen Mini-Städtetrip nach St. Joseph und spontan auch gleich St. Pierre. Auch ein Abstecher zur Cascade de Grand Galet liegt drin. Zwischen etlichen Kurven dorthin kann nicht in den zweiten Gang geschaltet werden. Das Cap Méchant besuche ich nun zum 2. Mal, sie zum 5. In der Hütte erfahren wir vom sich nähernden Zyklon, welcher – das vorweg – der Insel zwar während unseres Aufenthalts fernbleiben aber weiterhin viel Regen bringen wird.

Cascade de Grand Galet
Cap Méchant
Dessert in der Gîte de Basse Vallée (das auf dem Teller 😉 )

Die Autorückgabe ist noch unkomplizierter als die Übernahme. Auf dem Markt in St. Paul erstehen wir ein paar (essbare) für Souvenirs, u.a. vom Edelstkaffee. Unser Abschiedsznacht findet auf dem Hotelbalkon statt, weil wir nicht zuletzt des Regens wegen keine Lust haben, weit zu gehen.

La Réunion, Teil 1

Mit dem Expressbus geht es dem Meer entlang nach St. Gilles les Bains.

Dort feiern wir Weihnachten am Strand mit Languste resp. Entenbrust. Dank Jet Lag oder wenig Schlaf in der vorangegangenen Nacht verschlafe ich auch das hier traditionelle Feuerwerk.

24. Dezember 2017

Der Weihnachtstag ist geprägt von Akklimatisation mit einem Strandspaziergang, einer (oder zwei?) ausgedehnten Siesta und sich den Bauch mit Früchten vollschlagen.

Noch mehr Früchte und ein durchsichtiges Kayak versüssen uns den Stephanstag. Es regnet zum ersten Mal kräftig.

Fast bis zum Aussichtspunkt Maïdo fährt der Bus. Wir verweilen oben nur kurz und machen uns auf über Vulkangestein und durch Buschlandschaft zum High Hub Hostel. Bald zieht der mir versprochene Nebel auf und auf solchen Regen sind wir definitiv nicht vorbereitet: Obwohl wir die Unterkunft nur 15 Minuten nach dessen einsetzen erreichen, sind wir klatschnass und einige Kleidungsstücke werden erst Tage später trocken sein. Bei der Unterkunft handelt es sich nur dem Namen nach um ein Hostel.

Die Sterne funkeln klar am Nachthimmel, als wir uns wieder auf dem Wanderweg befinden. La Glacière – dort wurde früher Eis geschlagen und gelagert – passieren wir noch in völliger Dunkelheit und dank sportlichem Tempo sind wir gerade so rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf dem Grand Bénare, dem zweithöchsten Punkt der Insel. Die Rundumsicht ist gewaltig und das improvisierte Zmorge haben wir uns verdient. Weiter auf dem Grat wandern wir zum Petit Bénare. Etwas später machen wir Rast unter/hinter einem kleinen Wasserfall, welchen wir dank in diesem Blog auch schon erwähntem weltweitem Touriführer finden. Der aufziehende Nebel macht den langen Abstieg auf einen Karrweg auch nicht angenehmer. Immerhin kein Regen.

Rechts irgendwo Grand Bénard. Links irgendwo Meer.

Eine gute Stunde brauchen wir zu Fuss zum Bus, welcher viel zu früh fährt und welchen wir somit nur mit etwas Glück und sportlichkeit erwischen. In St. Paul darf ich endlich von den mir bereits aus Erzählungen bekannten Samoussas propieren. Lecker! Die Übernahme des Mietautos klappt. Am Cap Méchant machen wir die erste Autopause. Uns gefällt es hier sehr gut 🙂 . Das Strässchen hinauf zur Gîte du Basse Vallée ist von der Breite für ein solches Auto passend – solange es keinen Gegenverkehr gibt.

Heute steht der Besuch des Grand Bassin in der Nähe von Bois Court an. Die Wanderung hinab und wieder hinauf machen wir zu viert. Abstieg: Regen. Das Grand Bassin selbst ist herrlich, auch wenn es dank Wasserfall und Regen eher kühl ist. Aufstieg, die gleichen ca. 700Hm: Regen. Danke fürs mich herumchauffieren 🙂 . Regen gibt es auch noch bei der Gîte du Volcan, wo wir übernachten.

Wecker. 0245 Regen => Snooze. 0345 Wolken => Snooze. 0430 aufstehen. 0500 vom Parkplatz losgehen – kaum Wolken. Wahrscheinlich wäre es hier auch schon früher klar gewesen. Statt auf dem Vulkankrater erleben wir den Sonnenaufgang eben auf La Fourmica Leo, einem 250-jährigen Seitenkrater. Als Aufstiegsroute wählen wir nicht den gleichen Weg, wie der Mainstream. Eine allfällige Gefährlichkeit wird uns erst später erzählt. Oben nervt der Lärm der Helis – erinnert irgendwie an Orte wie Uluru oder Grand Canyon. Den Silvesterabend dürfen wir in St. Denis auf einer privaten Gartenparty feiern. Merci, Jocia!

Blick vom Kraterrand auf die vorgelagerte Fläche.
Blick in den 300m tiefen Krater, 31.12.2017
Sicherheitstechnisch wären wir besser dem Menschenstrom gefolgt.
Der gemietete Offroader hat seinen Dienst gut erfüllt.