Tour De Schwiz-

Km 40. Seeland

 

Km 95. Creux du Van

 

Km 123. Col des Etroits

 

Km 159.

 

Km 164. Gorges de Nouailles

 

Km 178. Roche de Lahier

 

Km 230. Eurovelo 6

 

Km 250. Val de Cusance

 

Km 310. Off Route, Glère

 

Km 310. Glère

 

Km 313. La Motte

 

Km 322. St. Ursanne

 

Km 324. St. Ursanne

 

Km 392. Scharnageln

 

Km 392. Scharnageln, 8h später

 

Km 397. Aare bei Wangen

 

optional

Rund um den Jura

Eine zweieinhalbtägige Kurzreise.

Tag 1

Nebst morgendlichen Erledigungen bleibt kaum Zeit zum packen. Der Track ist hastig zusammengeklickt, statt wie üblich sorgfältig geplant. Das Velo nehme ich so aus der Garage wie es gerade da steht.

Exemplarisch für die Präzisionsplanung hier die Geschichte mit dem Handschuh: Es wird warm werden. Ergo brauche ich einen(=rechts) Velohandschuh wenn ich schalten können möchte. Den finde ich am angestammten Platz(=Werkzeugtasche) nicht. Also nehme ich einen anderen. Bei der ersten Panne (weiter unten) liegt der Handschuh natürlich griffbereit in der Tasche.

Um 13 Uhr rolle ich los und fahre ereignislos die mir schon bestens bekannte Strecke in den südlichen Thurgau, wo ein leckeres Znacht und etwas Büroarbeit warten. Beim Pneupumpen fällt mir ein durch einen kleinen Schnitt schauender Faden auf; Nicht besorgniserregend, noch nicht.

Tag 2

Zusammen mit der Sonne starte ich in den Tag frei nach Christoph Strassers Motto von Anfang an Vollgas, langsamer wirst eh (frei von mir aus der Erinnerung). Auf den ersten Km bis Winterthur fahre ich etliche persönliche Temporekorde.

Der Oberkörperbekleidung entledige ich mich im kurzen Aufstieg nach Hünikon. In Volken, nur wenig später hat es Nebel. Dieser wird sich auch gar nicht so rasch lichten. Dabei haben wir doch noch die heissesten Tage des Jahres!

Mal nördlich, mal südlich vom Rhein düse ich nach Westen. Um 0900 bin ich bei km 90 und denke mir noch so wenn du den ganzen Tag mit einem 30er Bruttoschnitt fährst, kommst du aber viel weiter als Besançon. Besançon liegt bei einem Drittel der Restdistanz für die noch verfügbaren 3 Tage. Es kündigt sich eine bald wundgeriebene Stelle an, echt jetzt schon???

In und bei Basel etwas Routenneuplanung und Umweg wegen Baustellen. Tja.

Am Ortseingang von Mulhouse biege ich auf die Eurovelo 6 ein, die hier entlang vom Rhein-Rhone-Kanal und später entlang vom Doubs führt. Gut 200 km werde ich auf dieser mehrheitlich motorfahrzeugfreien Velopiste unterwegs sein.

Beim Mittagshalt in Illfurth erhalte ich die Nachricht, dass das angefragte Treffen in Besançon nicht zustandekommen wird. Gute Besserung auf diesem Weg! Durch diese Nachricht werde ich überhaupt auf die Idee gebracht, etwas von dieser Tour zu erzählen und fotografisch festzuhalten.

Das erste Bild der Tour ist leider kein erfreuliches! Die Muschel hat einen 2cm-Schnitt durch die Karkasse geschafft. Ich weiss jetzt, wie doof sich sich ein platter Hinterradpneu bei 30 km/h anfühlt. Ersatzpneu montieren. Ohne Schatten und Fahrtwind ist es heiss.

Bald ist die Wasserscheide erreicht – flacher als im Seeztal 😉 .

Es gibt eine kleine Gegensteigung in Étouvans, wo ich fast zuoberst eine Wespe ins Velo fliegen sehe, aber nicht, wie sie wieder rauskommt. Trotz aussteigen und suchen sehe ich sie nicht. Ansonsten ist die Strecke flach, verstoppschildet, mit gut rollendem Belag und hat meistens schifffahrttaugliche Kurvenradien.

Das viele Beschleunigen (ich überhole nicht mit 45km/h auf dem 2.5m breiten Weg) kostet Kraft und vor allem Zeit – nix Bruttoschnitt 30…

Entlang vom Doubs
Wieder die Zitadelle von Besançon, diesmal ohne Begleitung.

Im Wäschpi sticht mich ein Wäschpi in die linke Pobacke. Ist das jetzt wirklich 40km mitgefahren oder war es ein anderes?

Wie im letzten Post versprochen, halte ich diesmal an für ein Foto vom Schiffstunnel bei Thoraise.

Auf dem Campingplatz von Osselle setze ich mich fürs Znacht in die Camping- und Strandbar.

Die Temperaturen werden langsam angenehm. So ist der Entscheid schnell gefällt, erstmal bis zum Eindunkeln weiterzufahren.

Das war eben doch nicht nur ein einzelner Karkassenfaden, sondern der Pneu wirklich heruntergefahren, kein Platten. Jetzt sind alle Ersatzpneus montiert, 550km bis nach Hause. Eine wenigstens minimale Velokontrolle vor Abfahrt wäre schon nicht schlecht gewesen.

Bei Tavaux verlasse ich die Veloroute und mir kommt der Ort gleich bekannt vor. Genau! Hier kam ich beim Rekoride (letzter Blogeintrag) durch und danach gings auf einer stillgelegten Bahntrasse nach Süden. Nach Süden will ich jetzt auch und so folge ich nicht dem GPS-Track sondern der Erinnerung. Ich biege stets richtig ab – soo müde kann ich also weder damals noch jetzt (gewesen) sein.

Abendstimmung. Blick nach rechts.
Abendstimmung. Blick nach links.

Die Strässchen und Dörfer scheinen immer kleiner zu werden. Was ich normalerweise für ein Indiz einer gute Routenwahl halte, entpuppt sich jetzt als eher doof: Hotel? Keine Chance ohne grosse Umwege. Und wegen Corona haben die meisten geänderte Rezeptionszeiten.

Ich finde mich damit ab, auf Plan B zurückzugreifen: Matte+Schlafsack. Als meine Route die Voie bressane, eine Voie Verte, quert, biege ich darauf ein und nach etwas suchen finde ich nichts besseres als diese Bank 1m vom Asphalt entfernt mit fast 100%iger Sicherheit, dass ich hier in den nächsten Stunden ungestört bleiben werde.

Notschlafstelle hinter dem Wäschpi. Keiner der Ersatzpneus reflektieren, dafür kommen die in schwarzer Reflexfolie gestalteten Kratzer-Überkleber besser zur Geltung 😛 .

Das waren heute 445 km – 50% mehr als ich mir vorgenommen habe.

Wecker 0500.

Mal heiss, mal windig, mal bewölkt, mal ganze Milchstrassenpracht, mal auf der linken Seite liegend, mal auf dem Rücken, mal auf dem Bauch die Hände auf den Boden haltend, mal raschelt etwas im Gehölz, mal ein Schluck aus dem Trinkschlauch gleich neben dem Kopf, mal…

Tag 3

Irgendwann muss ich doch noch eingedöst sein, denn den Wecker braucht es.

In der Nacht habe ich den ganzen Trinksack geleert und jetzt bin ich durstig. Gar nicht so einfach, um die Tageszeit Wasser zu finden, zumal die Brunnen alle als Blumentröge genutzt zu werden scheinen.
In Sagy finde ich keins, denn das öffentliche WC ist verrammelt und das Wasser abgestellt. Wo ich sonst noch gesucht habe, sei an anderer Stelle publiziert.
In Frontenaud hingegen: Sauberes, geräumiges WC mit Trinkwasser und Lavabo. Vermeintlich einfache Dinge wie Zähne putzen und ein grosser Schluck sauberes Wasser können so glücklich machen.

In einen schönen Sommermorgen fahren.

Die Streckenführung ist mehrheitlich sehr schön gelegen, ab und zu kann ich trotz superschnellem Velo und flachem kreuzungsfreiem Asphaltband keine 30km/h fahren, weil der Asphalt-Belag so sehr bremst und holpert. Flach ist es nicht immer – heute kommen doch ein paar wenige Hm zusammen.

Ohne viel zu überlegen, anzuhalten oder versuchen schnell zu fahren, rolle ich durch den Morgen nach Süden. So geschieht es, dass ich etwas erstaunt bin, als neben mir auf der Voie Verte ein grosser Fluss sichtbar wird. Das ist doch nicht etwa schon die Rhone? Doch!

Blick von der Voie Verte über die Rhone hinüber zum Château Neuf, Vertrieu.

Eine Brücke ist wegen Fahrbahnerneuerung gesperrt. Ja, auch für Unmotorisierte. Damit wird der südlichste Punkt der Tour noch etwas südlicher als geplant.

Entlang der Rhone geht es jetzt wieder flach und auf gutem Asphalt flott voran.

Schwäne auf dem Fluss

Das Tagesmenu im für mich perfekt gelegenen Restaurant ist lecker. Bedingt nahrhaft.

Ich wechsle die Hose. Nicht der Verdauung sondern der wunden Stelle wegen. Hose2 ist für eine andere neuralgische Stelle berüchtigt – immerhin eine andere…

Ich wäre zum Essen besser rein gegangen, denn mir ist heiss. Darum fahre ich die ersten Meter nach dem Mahl nicht auf dem Track, sondern nehme die …

… natürlich beschattete Veloroute.

Die Hauptsteigung der Reise, läppische 300 Hm, gehe ich ganz langsam an. Bei leichtem Rückenwind zeigt der Tacho im Wäschpi 35°C – kaum kommt in der nächsten Abfahrt wieder etwas Frischluft dazu sind es nur noch 32 😉 .

Dass die Rhone sich hier durch ein so tiefes Tal windet, war mir zu wenig bewusst. Eigentlich logisch, sonst hätte ich die Hm sicher nicht gemacht.

Wenn ich schon mal hier bin, muss ich da einfach einen Abstecher hin machen: Westlichster Punkt der Schweiz.

Von Genève sehe ich abgesehen von ein paar Wegweisern nichts, denn der Track lotst mich nördlich an der Stadt vorbei, was mir ganz recht ist.

In Mies VD stosse ich auf die Seestrasse, auf welcher exakt an der Stelle eine Baustelle beginnt – nicht auf dem Veloweg. Ist halt sowohl Fluch als Segen, diese Velowege.

Lac Léman

In der Abenstimmung über die kleinen Waadtländersträsschen zu fahren gefällt mir.

Plaine de l’Orbe

Die 8 km zwischen Yverdon und Yvonand lege ich wie gewohnt in 10 Minuten zurück, bin also noch fit. Ich werde wenn möglich noch heimfahren, bei allfälliger Müdigkeit gibt es höchstens einen Power Nap. Bis nach Hause wird das noch weiter als gestern. Phuu!

Um den Vorbereitung-für-die-Nachtfahrt-Stop so effizient(=nichts vergessen) wie möglich zu machen, merke ich mir folgende Stichworte mit einem englischen Wort, das ich auf der Reise lieber in Ein- statt wie hier in Mehrzahl gehabt hätte: Meine Pläne per Whatsapp kommunizieren, Licht-Akku kontrollieren ggf wechseln,Stirnlampe um den Hals hängen,Pneus kontrollieren, Rück-Spiegel putzen. Am Aussichtspunkt Vue sur La Grande Cariçaie ist ein guter Zeitpunkt dafür.

Die Sonne geht hinter dem Jura unter.

In Büren a.A. fahre ich nicht wie sonst(=Höhenmeter) sondern übers Kopfsteinpflaster, was den noch draussen sitzenden Restaurantgästen etwas akkustische Abwechslung beschert.

Zu Hause warte frisch gemachtes Apfelmus auf mich: Ich fahre vom Aussichtspunkt-Stop mit Ausnahme des Wasser-Auffüll-Stops in Sugiez und der roten Ampel in Solothurn durch bis nach Hause.

Tag 4

Statt wie ursprünglich geplant 300 km zu fahren (wäre ja komplett verrückt!), ruhe ich mich aus.

Rekoride

Vorgeplänkel

Im Verlauf der Woche reifen Plan und Absprache, eine mögliche Route für ein mögliches Brevet 2021 zu rekognoszieren. Start & Ziel am Ufer des Neuenburgersees an einem Freitagabend. Eckpunkte: Mümliswil, Dijon, Cascade des Tufs. 600 km.
Mit dem Rekognoszieren-Gedanken im Hintergrund ergeben sich einige Dinge etwas anders. z.B. fahre ich nicht meinen Rhythmus und ich halte nach viel mehr Ausschau, als für mich nötig (Verpflegungstankstellen z.B.).

Der Wohnort ist praktischerweise unweit der Streckenführung. Bei etwa Km 80. Ein Ziel der Fahrt ist es, die Verkehrslage für die 15-km/h-Fahrer beurteilen zu können. Start 20 Uhr, 15 km/h, 80 km, etwas Marge weil ich erwarte schneller zu fahren => Startzeit 0300 bei mir zu Hause.

Der Plan ist, im Verlauf des Nachmittags von der Orientierung an 15 km/h abzuweichen (weil schneller). Das gibt es ein paar Stunden Schlaf und nebenbei sehe ich alle mir noch unbekannten Streckenabschnitte mit Tageslicht. Einen Schlafplatz habe ich auch schon auserkoren…

Sozusagen in letzter Sekunde kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht besser wäre, mich nicht direkt schon von weitem als Ausländer zu outen. In einem Vorort von Dijon, den ich natürlich nicht befahre, gab es in den letzten Tagen ganz wüste Szenen. Allfälligen Zorn eines Corona-gebeutelten Verkehrsteilnehmers aufgrund schon-am-ersten-Wochenende-kommen-wieder-diese-ausländischen-Touristen möchte ich auch nicht auf mich ziehen. Drei herumliegende Kartonstücke klebe ich, weisse Seite nach aussen, quick&dirty aufs Velo.

Tag 1: Solothurn – Scheltenpass – Dijon – Baume-les-Messieurs

Die Fahrbahnoberfläche auf den mir bestens bekannten Pfaden ist vom Vorabend-Regen noch etwa zur Hälfte nass.
Gemächlich fahre ich durch das neblige Mittelland Richtung Oensingen. Inzwischen ist das Zmorge verspeist.

Im Aufstieg zum Scheltenpass beginnt der Tag und die Abfahrt wäre mit noch etwas mehr Vorsicht bereits ohne Licht machbar gewesen. Am Vorabend muss es heftig geregnet haben, denn die Strasse ist an etlichen Stellen mit Geröll (nicht einfach nur Kies) bedeckt.

Veloroute zwischen Vicques und Courroux am frühen Morgen.

 

Bassecourt. Der Nebel hat sich gelichtet.

 

Aussicht von La Caquerelle, dem zweiten Pass.

 

St. Ursanne.

Noch liege ich deutlich hinter der virtuellen 15km/h-Marschtabelle, die ich mir in 50km- oder 3h20-Blöcken ungefähr zusammenreime. Das ändert sich mit der 35 km langen Abfahrt durchs schöne Doubstal bis Saint-Hippolyte.

Fast verkehrsfreie Morgenstimmung erst entlang des Dessoubre oder wie hier in der Nähe von Vaucluse.

In Belleherbe ist der zweitletzte richtige Anstieg des Tages geschafft. Der letzte folgt dann erst am späten Abend. Dass es dazwischen deutlich hügeliger ist, als mir das Streckenprofil verrät, weiss ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Östlich von und vor Le-Val-de-Cusance. Gleich folgt…

 

…die Abfahrt durch die Schlucht mit stellenweise ganz schön schlechtem Belag und ausser zwei Rennvelofahrern und mir keinem Verkehr.

 

Ich habe ja Zeit und so steuere ich die Source Bleue an. Blau ist sie heute nicht. Ein wunderschöner Kraftort, merci für den Tipp!

 

Foto vom gleichen Ort wie oben, aber entgegengesetzte Richtung. Hätte ich das Velo mal besser stehengelassen statt es dorthin zu schieben, wo es auf dem Bild gut an die hell-dunkle Umgebung angepasst und somit kaum sichtbar steht. Denn so gibt es nasse Füsse (nicht Socken/Schuhe 😉 ) und zweimal ein geflutetes Velo (Hin- und zurück) – die Fahrwerksöffnungen sind einfach zu gross 😉

 

Oh, was steht denn da? Bremse! Am Hinterrad eines Ortskundigen Velomobilfahrers geht es weiter.

Wir wollen beide in die gleiche Richtung: Mit einem Wasser-Auffüll-Stop rollen wir flussabwärts.

Besançon.

Zwischen Zitadelle und Doubs verabschieden wir uns. Ich soll mich melden, wenn ich ein Problem hätte.

Cher L. Merci beaucoup pour m’avoir accompaigné et les conversations! Bonne route.

Dank(?) dem Velowegtunnel sehe ich eigentlich nichts von Besançon. Einen Einwohner kennenzulernen ist noch besser.

Etwas flussabwärts gönne ich mir eine ausgedehnte Pause. 15 km/h sei dank.

Als etwas Regen einsetzt, setze ich mich wieder in die Kiste und rolle abermals ein paar Meter.

In Thoraise gibt es wie in Besançon einen Schiffstunnel. Hier gibt es aber keine Velospur, sprich aussenrum/obendrüber.

Bald werde ich den Doubs-Veloweg verlassen. Da ich immer noch viel zu schnell unterwegs bin, halte ich auf den letzten weit vom motorisierten Verkehr entfernten Metern an, breite die Matte aus und stelle den Wecker auf in 2h.

1.5h später geht es weiter – wieder mit wenigen Tropfen von oben.

Fahrt ins Blaue mit immer etwas Auf- und Ab.

Ja, hier dürfen auch Autos und Lastwagen fahren. Das tun aber nicht viele und dementsprechend finde ich die Routenplanung äusserst gelungen.

Die Strässchen schlängeln sich dahin.

Bisher war ich der Meinung, Brevet-Navigation gehöre zu meinen Stärken. Als ich in Labergement-Foigney zweimal und kurz darauf in Magny-sur-Tille nochmal falsch abbiege, bekommt diese Meinung einen argen Dämpfer.

Die Routenerkundung in Dijon wird jemand anders erledigen und so drehe ich ab, bevor ich die Senf-Stadt erreiche.

Etwas erschrecke ich ab dem Schild schon, schliesslich steht kurz vorher noch ein Velo-Schild. Die Auflösung: Beim unteren Balken fehlt ein Zusatzschild „1000m“ oder so. Das Teilstück (wie auch ein Km Naturbelag) werden nicht zur Brevetstrecke gehören sondern sind „meine persönliche Innenstadtumfahrung“.

Die 15km/h lasse ich wie eingangs erwähnt die nächsten Stunden einmal gut sein, weil ich dann während etlichen Km nichts von der Landschaft sehen würde.

 

Die ersten Meter wieder zurück auf der potentiellen Brevetstrecke. Canal de Bourgogne bei Longvic.

In Saint-Jean-de-Losne geht es erst einmal der Hafenpromenade entlang und kurz vor der Brücke wende ich via Parallelstrasse, um hier Rast zu machen:

Znacht in St-Jean-de-Losne

Entgegen meiner Annahme ist es hier nicht flach, sondern wellig.

Forêt domaniale du Ponchon. Solch guten Belag gibt es hier nur auf wenigen Metern. Entweder kleine Strässchen oder guter Belag…

 

Als ich diese Fahne sehe, muss ich einfach bremsen: Znacht zum Zweiten in Aumur.

 

Stillgelegte Bahntrasse. So lässt es sich gut vorankommen.

 

Sonnenuntergang ist um 21:37, dieses Foto entstand wenige Minuten vorher an der Autobahnbrücke bei Sellières.

Die Abendstimmung im langsam schwindenden Tageslicht ist sehr schön zu durchfahren. Ich werde meinen Schlafplatz pünktlich wie ein Uhrwerk 1h nach Sonnenuntergang erreichen.

Im Stealth Mode nähere ich mich dem Schlafplatz südlich von Baume-les-Messieurs und höre doch tatsächlich Stimmen. Doof! Also lege ich die Matte ein paar (hunderte?) Meter entfernt hin und mich im Schlafsack darauf. Wer sich die Fahrt auf Strava ansieht: Der Teil dieses Absatzes fehlt dort komplett.

Aufgrund des entfernten Wasserfalls oder der Felswände zu drei Seiten höre ich vermeintlich in der Nacht noch allerlei. Das und ein durch leichten Luftzug nicht mehr ganz so wärmender Leichtschlafsack lassen den Schlaf weniger erholsam sein als erhofft.

Tag 2: Baume-les-Messieurs – Solothurn

Bis 30 Minuten vor Sonnenaufgang bleibe ich liegen und stehe nicht wie geplant schon um 0445 auf. Ein Morgendlicher Rundgang hilft, die Zeit bis zum guten Tageslicht zu überbrücken und wieder etwas aufzuwärmen.

Morgendlicher Blick talauswärts von oberhalb des Wasserfalls

Wasserfall: Kraftort!

Cascade de Tufs

Um gut 6 Uhr, wieder deutlich hinter der Marschtabelle, setze ich mich wieder ins Velo und lasse dabei für die Abfahrt gleich alle Kleider an.

Gegenlicht ist anstrengend. Oder kommt das Gefühl von der Topographie, die trotz vielen Abfahrten netto 1000m auf 100km ansteigt?

Es geht wirklich zäh voran. Die mentale Einstellung auf drei mal geht es hoch, der Rest ist fast flach war schon etwas naiv.

Nicht Nordamerika, sondern französischer Jura.

 

Kaum zurück in der Schweiz, holpere ich über das kleine Strässchen zum Col des Etroits.

 

Sicht aufs Mittelland/Alpen beim (nicht auf!) Aussichtsturm von Bullet.

 

Posieren für P nördlich von Mauborget. Merci fürs Gespräch und bonne route!

Am Horizont auf obigem Foto könnte der höchste Punkt der Tour gewesen sein. Bevor es aber richtig steil bergab geht folgt noch etwas welliges Terrain – super mit dem Wäschpi!

Schweizer Jura. Gleich geht es runter.

Die Abfahrt ist schön. Und steil. Und teilweise im Weidegebiet. Nichts, was ich anderen bei potentiell Nacht+Regen gönnen möchte – da ist die Route noch verbesserungswürdig.

Blick von oberhalb von Provence. In der Abfahrt kann der Blick viel zu wenig in die Ferne schweifen.

Pünktlichst um 1200 (Erinnerung: Start 2000+40h) erreiche ich das fiktive Brevet-Ziel.

Als ich dort eine Pause mache, ergibt sich eine Fotosession mit dem Velo. Ich weiss nicht, was die Frau mit all den Bildern, teilweise von mir geschossen, von sich und dem komischen Ding will. Vielleicht hat sie gesehen, wie ich die weissen Abdeckungen entfernt habe und glaubt, es sei ein nagelneues Ding.

Durch Neuchâtel habe ich häufiger rot, als es eigentlich Ampeln hat: Zwei grüne Ampeln aber 3(!) Baustellen.

Auf der Veloroute 5 zwischen Marin und Ins ist ganz schön viel los heute. Und kurz vor Ins auf gerader Strecke passiert es:

PFFT, Pfft, pft. So einen Schaden hatte ich noch nie. Ein zurechtgeschnittenes Stück Pneu(!)flicken über dem Felgenbandloch und etwas weniger Druck im Schlauch sollen mich noch die restlichen 60km nach Hause bringen.

Zu den letzten 60km habe ich nicht viel zu sagen, weil diese zu meiner erweiterten Feierabendrunde gehören und ich irgendwie schon jeden Schachtdeckel kenne. Also doch, etwas gibts schon zu erwähnen: Mit dem behelfsmässig geflickten linken Rad fahre ich Linkskurven viiiel bewusster. Und insgesamt nie schneller als X.

Kaum zu Hause erfahre ich, dass ich in einer halben Stunde Besuch bekomme. Das reicht gerade um ausgiebig zu duschen. Falls du das liest: Schön bisch vrbiicho, gärn wiedr!

 

 

Alpenluft+

Vorbereitung

Zwischen 400 und 700 Kilometer sollen es während einer Tour in diesen (Ferien-)Tagen werden. Nach Verwerfen von mehreren Routenvarianten (Grenzen zu oder Wintersperre) steht gegen Mittag fest: Eine abgewandelte Form des dieses Jahr ausfallenden (oder gar nicht vorgesehenen?) Alpenluft+-Brevets soll es werden.

Die Startzeit, 15:30, richtet sich nach der angepeilten Uhrzeit für das Befahren der Hauptgefällestrecke: So früh am Morgen wie möglich aber mit Tageslicht.

Die paar verbleibenden Stunden bis zum spontanen Abenteuer füllen sich mit essen, Kleider einpacken, Track auf GPSr laden, Akkus laden und ausruhen. Das Velo nehme ich so mit wie ich es nach der letzten Fahrt in die Garage gestellt habe: mit allem anhaftendem Dreck und ohne nachzupumpen.

Route

Solothurn-Olten-Aarau-Brugg-Zürich-Sargans-Chur-Versam-Andermatt-Realp. Bahnverlad, weil der Furkapass noch gesperrt ist. Oberwald-Sion-Montreux-Moudon-Murten-Solothurn. Ungefähr 650km, 4000Hm.

Bericht

Auf mir bekannten Strassen und Wegen fahre ich in die Nachmittagssonne. Es geht bis Killwangen flott voran – brutto 35 km/h. Gerade rechtzeitig auf den Feierabendverkehr erreiche ich das Limmattal – dies habe ich bei der Planung natürlich nicht berücksichtigt. Die mit Baustellen und Staus gespickte Strecke zwischen Killwangen bis nach Zürich Enge ist körperlich wegen ständiger Beschleunigung viel anstrengender – brutto 21 km/h.

Wieder im gemütlichen Cruise-Modus mit gelegentlichem Blick auf den von der Abendsonne beschienenen Zürichsee erinnere ich mich, dass ich ja bald unweit von A. vorbeikomme. Während die Baustellenampel in Giessen mich zum Warten zwingt, schreibe ich eine kurze Nachricht und eine halbe Stunde und etwas perfekte Veloroute später stehe ich mit einem Espresso in der Hand in A.s Küche.

Grazia fitg per ta spontanadad (oder so)!

Wenige Minuten vor Sonnenuntergang auf der Brücke über die Bahnlinie bei Oberurnen

Eine Tafel Schokolade wandert in den Magen, während ich das Wäschpi die paar steilsten Meter der Walenseeveloroute hochschiebe.

In Unterterzen ist die Fahrbahn feucht, in Walenstadt gar nass und es regnet leicht. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ein kurzer Blick auf den Regenradar offenbart: Nur dank der Pause bei A. bleibe ich trocken und bis nach Sargans bekommt das Velo die schon lange nötige Radkasten- und Unterbodenwäsche.

Eine Nachtfahrt wiederholt auf der gleichen Strecke zu machen, hat neben Streckenkenntnis (weniger GPS-Verbrauch, weniger bremsen=energieschonender) auch ganz praktische Vorteile wie z.B. dass ich Ort und Öffnungszeit eines Tankstellenshops noch kenne. Zwei Sandwiches und 3 Paar Landjäger wandern in den Mampfsack und werden im Verlauf der Nacht in Vortrieb umgewandelt.

An der Eisenbahninfrastruktur bei Reichenau wird gebaut und dafür wird der Verkehr bei der Brücke durch den Verkehrsdienst geregelt. Dem Lotsen ist um 23:18 wahrscheinlich ziemlich langweilig (Autos fahren da kaum durch, die dürfen über die Autobahn und müssen nicht übers Kopfsteinpflaster) als er mein Frontlicht sieht und sogleich Zeichen zur freien Fahrt gibt. Und ich fahre nicht einmal durch, sondern in die mit Sackgasse ausgeschilderte „Gassa“ – ein viel besserer Weg hinauf nach Bonaduz.

Die Sicht in die Rheinschlucht vor Versam ist mangels Licht unspektakulär.

Die Sterne funkeln.

02:31, Tunnel zwischen Disentis und Sedrun. Bei so wenig Verkehr sind solche temporären Strassenblockaden kein Problem.

In Sedrun waren es vor zwei Jahren „39“ – heute „40“.

Ich merke, dass ich vor dem Zeitplan liege und lege schon früher als nötig die kürzeste Untersetzung auf, was bei angenehmer Trittfrequenz eine Geschwindigkeit von 6.3 km/h ergibt. 5 Haarnadelkurven nach links sehe ich auf der Karte. Obwohl sich das an einer Hand abzählen liesse, weiss ich bald nicht mehr, ob ich jetzt bei 3 oder bei 4 bin – im Gelände nachsehen ist wegen Dunkelheit/Verkehrsfreiheit nicht so einfach und extra das GPSr bemühen lohnt sich auch nicht.

Oberalppass bei anbrechendem Tageslicht. Die Lichterkette im Hintergrund ist die beleuchtete Galerie.

Das Ziel „Abfahrt bei frühestmöglichem Tageslicht“ gelingt nicht ganz: Ohne Frontlampe hätte ich noch etwas warten müssen.

Es ist bewölkt und das nimmt mir auch den Entscheid ab, ob ich noch bis Sonnenaufgang auf der Urseren-Seite warten oder den ersten Autozug nehmen und den Sonnenaufgangszeitpunkt im Tunnel verbringen soll.
Erstens kommt es bekanntlich anders und so stelle ich in Realp fest, dass der recherchierte Fahrplan für die Gegenrichtung ist (erst wollte ich anders herum fahren). So verbringe ich eine halbe Stunde länger in den warmen Warteräumlichkeiten vom Bahnverlad: Kaffee und Süssgetränk aus dem Automaten, warmes Wasser für eine Katzenwäsche beim WC.

Furkapass. Oder so.
Fressalien, Sonnencrème, etc vom Sitz aus griffbereit und eine Pneukontrolle ist ebenfalls bequem vom gepolsterten Sitz aus möglich. Dazu ist es noch angenehm warm und ohne Anstrengung. Das Passfahrt-Feeling kommt nicht auf 😉 .

Wenn ich schon das Handy für die Fotos in der Hand halte, kann ich auch eine kleine Message abschicken.

Goms: Sonne, Gefälle, neuer Belag, kaum Verkehr.

 

Rhonedamm-Velobahn unterhalb von Chippis

 

Auch parallel zur Autobahn (rechts) kann die Aussicht schön sein.

Durch das Rhonetal rollt das Wäschpi gefühlt sensationell. Es geht ja auch immer ein bisschen bergab.

Das Resultat der frühmorgendlichen Nachricht aus dem Autozug:

D und N sind mir ein Stück entgegengefahren, um mich zu begleiten.

Ortskundig werde ich ins beste Café von St.Maurice gelotst. Koffein und Gebäck gibts da für mich zwar auch, aber vor allem wieder einmal etwas direkte Kommunikation, was in den letzten Monaten einfach arg zu kurz gekommen ist.

Statt auf die Route vom GPSr muss ich mich jetzt nur darauf konzentrieren, den Ortskundigen nicht ins Heck zu fahren und werde dabei perfekt gelotst:

Wer das Gebäude links am Hang erkennt, weiss auch wo das Foto entstand.

 

Schloss Chillon von der nicht ganz so schönen Seite.

 

Der für mich dritte und letzte längere Aufstieg mit nur wenigen Blicken auf den Genfersee.

In Puidoux verabschieden wir uns. Zuvor darf ich aber noch sehen, wie Velomobilprofis innert wenigen Sekunden einen Platten (trotz Tubeless) beheben: Rad ab, Ersatzrad aus dem Velomobil holen, montieren, Rad im Velomobil verstauen, fertig – nicht schlecht!
Erst zu Hause erinnere ich mich an den nur wenige Meter von hier stehenden Eiffelturm. Den sehe ich mir beim nächsten Mal an.

Vielen Dank, N und D, dass ihr so spontan seid und euch die Zeit genommen habt!

Noch 120 km bis heim. Das denke ich mir, als ich mir die Windsituation anschaue: Mit gemäss Meteoschweiz 27 km/h Gegenwind, konstant.

Eines der tausenden schönen Strässchen im Waadtland. Hier zwischen Moudon und Lucens.

Bei Marnand wechselt mein Track, und damit auch ich, auf die Hauptstrasse. Das ist sowas von kein Spass, dass ich schon nach wenigen hundert Metern auf den Rastplatz fahre, um eine neue Route zu planen. In dem Moment sehe ich im Rückspiegel einen Traktor auftauchen. Meine Chance! Die für die Routenplanung gedachte Standzeit ist gemäss Aufzeichnung gerade einmal 20 Sekunden.

42 km/h. Wie ein Mantra. Bergab bremsen, bergauf sprinten, nach Kreisverkehren ebenfalls sprinten. Dieses Intervalltraining tut der nicht mehr ganz frischen Muskulatur überhaupt nicht gut, scheint im Moment aber die beste Variante.

Eingangs Faoug, nach 16.6km muss ich definitiv abreissen lassen, nachdem der Traktor in der Steigung wegen eines unaufmerksamen Autolenkers fast bis zum Stillstand gebremst hat.

Egal was der Track sagt: Hier kenne ich mich wieder bestens aus und fahre statt dem schnellsten den angenehmsten Weg:

Seeland zwischen Kerzers und Aarberg. Auch wenn ich dieses Strässchen bei erweiterten Arbeitswegfahrten oft fahre, ist es mir heute ein Foto wert.

In Lohn gibt es in Gegenrichtung Stau, weil der Parkplatz der Landi voll ist und sich die Warteschlange bis auf die Strasse staut.

25.5 Stunden nach dem Losfahren bin ich wieder zu Hause. Der hausgemachte Sirup schmeckt noch besser, als ich ihn mir in den letzten Stunden jeweils erträumt habe.

Tag 11

0800 Zmorge.

Bevor ich um 0830 losfahren kann, darf ich noch für etliche Fotos posieren und erhalte in letzter Sekunde noch einen grossen Sack Mirabellen und Cherrytomaten mit auf den Weg. Ô prés d’ici Chambres in Liévans: Kann ich weiterempfehlen!

Die Etappe kann potentiell lang werden, weshalb ich das für die Navigation verwendete Handy nur sporadisch einschalte. So passiert der grösste Verfahrer der Tour: Gute zwei Extrakilometer inkl. Aussteigen weil die Abkürzung zurück zur Route mit einem Gitter versperrt ist.

Gestern Abend habe ich mit dem Gastgeber die heutige Route angeschaut. Erfahrene Reiseradler wissen, dass man nie Lokalen (Autofahrern) trauen soll. Dennoch folge ich dem Rat, nicht durch Belfort hindurch zu fahren, sondern so. Hätte ich es nicht gemacht, wären mir ein paar Höhenmeter auf verkehrsarmen Strässchen und der Anblick von ca 10(!) entgegenkommenden Tandems verwehrt geblieben. Die auf der Karte eingezeichnete Route Cyclable ist dann natürlich eine Holperpiste, auf der ich wegen entgegenkommenden Pferden auch aussteigen darf:

Veloroute bei Essert.

Kurz darauf düse ich – wieder auf meiner Route – entlang des Rhein-Rhône-Kanals, wo es auch den Mittagshalt gibt.

Irgendwie hatte ich im Gedächtnis, die Route würde mich um Basel herum führen. Spätestens, als ich über den Bahnhofplatz von Basel fahre wird mir klar: Nein, wieder mittendurch.

In Münchenstein schaffe ich es, an ein und der selben Kreuzung zwei Mal falsch abzubiegen. Das zweite Mal ziehe ich das Velo auf dem „Standstreifen“ rückwärts wieder auf die Kreuzung…

Ja, es soll heute noch nach Hause gehen. Auf den Hauenstein habe ich gerade so ganz und gar keine Lust. Also aussenrum, da rollt es wenigstens schön.

Radweg Made in Switzerland.

Statt auf der Hauptstrasse nehme ich für die Steigungsbewältigung ein kleines Nebensträsschen und im Schatten gibt es auch wieder einmal eine kurze Pause. Whatsapp verrät, dass es in Aarau eine neue Attraktion gibt…

Entlang von Rhein und Aare ist das Terrain, wofür das Wäschpi gemacht ist.

Aarau. Da hat tatsächlich jemand zwei Original-PBP-Wegweiser an den Balkon getackert (gaaanz weit oben). Musste ich natürlich kurz vorbeischauen und mit meinem Schild* mit-posieren.
*nein, ich habe das Schild nicht entwendet und damit nachfolgenden Randonneuren die Navigation erschwert. Das Schild gab es als Teil des Finishergeschenks.

Gegenlicht. Den ganzen Tag schon. Das ermüdet ganz schön. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, das getönte Helmvisier anstelle des selbsttönenden (ist nachts klar) mitzunehmen. Aber wer hätte gedacht, dass das Wetter fast durchgehend sooo grandios sein würde?

Auf der parallel verlaufenden Autobahn bei Oensingen ist Stau.

Zu Hause greife ich unter der Dusche zum Duschgel Held des Tages und schmunzle.

Tag 10

Es werden heute knapp 220km. Um Punkt acht bin ich beim Zmorge am grossen für ca. 15 Personen gedeckten Tisch. Ausser der Gastgeberin ist leider noch niemand da.

Bei wieder strahlendem Sonnenschein klicke ich um 0845 die Schuhe ein.

Es sind nicht nur Momentaufnahmen ohne Verkehr. Hier ist tatsächlich nichts los.

Kleinste Strässchen. Hier holpert es übrigens ganz ordentlich.

Am Canal Entre Champagne et Bourgogne…

mache ich Mittagspause.

Gleich danach folgen etliche Km auf der N19, wo teilweise sehr viel Verkehr herrscht.

Auf einem beschaulichen Weg erreiche ich Vesoul, wo die Vorräte zum möglicherweise letzten Mal aufgefüllt werden.

5km vor dem Etappenziel biege ich in einen Waldweg ein zwecks Zeitvertrieb mit Blog schreiben.

Der Empfang in der Gîte ist herzlich und mit einem Glas Süssmost veredelt. Der Saft stammt wie Eier und Kartoffeln des für mich zubereiteten Znachts* aus dem eigenen Garten. Den Znacht-Service bieten sie nur Velofahrern und Wanderern an.

Telefon. 🙂

Tag 9

Aussicht beim Erwachen.

Gemütlich zmörgele und losrollen so gegen 1000.

Zur Strecke ein paar Impressionen:

entlang der Seine westlich von Melun. Durch Melun selbst stosse ich das Velo einen Block auf dem Trottoir durch die Einbahn.

Fahrt ins Blaue, ähm bergauf.

Schatten gibt es heute nicht allzu viel.

Zum Zmittag in Bray-Sur-Seine gibts eines von zwei Sandwiches, die ich mir gestern im Zielbereich gekauft habe.

Es folgen 65km von diesem grottenschlecht rollenden Belag. Tja, ich habe ja Zeit.

Nachdem die Biene durchs Lüftungsrohr gezwirbelt kam verliert sie ihren Stachel in meinem rechten Daumen. Ist für sie sicher schlimmer als für mich.

Das mit der Privatunterkunft klappt nicht und so buche ich noch bevor ich Troyes durchfahre ein Zimmer in einer Gîte de France. Schön auf dem Land und auf der geplanten Route (Umweg 30m – gestern waren es doch ein paar Km).

Die Stadtdurchfahrt geht problemlos. Durch eine Baustelle stosse ich lieber als der Umleitung zu folgen.

Aus dem Lidl Znacht, falls es in dem Dorf kein Restaurant geben sollte, oder für morgen Lunch. Es wird dann das Znacht.

Im Notausgang oder -Zufahrt der Autobahn 3km vor der Unterkunft ist es erstaunlich ruhig und schattig. Perfekt, um noch etwas Zeit totzuschlagen.

Znacht gibts im Garten sitzend.

Langsam komme ich wieder in Tour-Modus und habe schon die Unterkunft für morgen gebucht.

Das Thema des kurzen Verdauungsspaziergangs ist die Schlacht, welche hier in Laubressel vor ca. 200 Jahren stattgefunden hat. Heute ist es ganz ruhig.

Tag 8, Rest

Die Fahrt bis zum Hotel ist ereignisarm bis auf den Fakt, dass ich mir in der Steigung aus Arpajon heraus müde Beine eingestehen muss.

Aussicht vom Balkon der kleinen Hotelsuite. Ja, habe ich mir verdient!

Waschen: Mich und alle Kleidungsstücke ausser dem Daunengilet und den Schuhen.

Telefonat 😀.

Das Znacht im nebenanliegenden Restaurant ist ebenso gut wie die Aussicht. Auch komplett underdressed.

Wecker in elf Stunden.

Paris-Brest-Paris 2019

Rambouillet, 18. August 2019, 17:15 Uhr: Start. Ziemlich weit hinten in der Gruppe, nachdem ich mit A angestanden bin.

Hinten in der Spezialvelogruppe zu starten, lohnt sich. So sehe ich die meisten der Spezial-Fahrräder auch: Klappräder, Oldtimer, Tandems, alle Arten von Liegerädern. Fotos davon gibt es keine (beide Hände bleiben in Steuer- und Bremsbereitschaft).

Dekoration nicht nur am Strassenrand, sondern auf dem Helm. Bei Gegenwind.

Gerade als ich mit R einen Halt einlege, überholt uns H, dem ich einmal kurz Hallo sagen will. Hinterher! Nach 10 Minuten mit Vollgas und verkehrstechnisch am Limit muss ich einsehen: Der Abstand nimmt kontinuierlich zu. Wir werden uns zuoberst am höchsten Punkt nochmals begegnen (H bereits auf dem Rückweg). Kein Wunder kann ich da nicht mithalten: H wird die schnellste Zeit aller 6000 Randonneure fahren…

Zu viert (siehe die Gefährte von H und H am rechten Bildrand, B ist hinter mir) flitzen wir durch den Abend.
Die erste Nacht bricht an.

Wir vier verlieren uns immer mal wieder aus den Augen.

Solche Rennvelofahrerpulks sehe ich etliche.
In Fougères, der zweiten Kontrollstelle, gönne ich mir ca. 2h Schlaf im Schlafsack im Vorraum der Dusche (Foto von C).

Es geschieht selten, dass ich mich an einen Traum erinnere. Hier schon: Ich träume(!), dass ich mir die Sinn-Frage dieses Unterfangens stelle. Antworten gibt es viele, verstehen muss man das aber nicht.

H und H sind gleichzeitig mit mir abfahrbereit und so machen wir uns wieder zu dritt auf den Weg Richtung Brest.

Blick über die Schulter zurück: Sonnenaufgang!

Die vermeintlich(?) abgemachte kurze Pause in Tinténiac (CP3) beende ich nach ca. 10 Minuten in der Kälte wartend alleine.

Im Aufstieg nach Bécherel hat es für einmal erstaunlich viel Verkehr. Auf der anderen Seite runter muss ich ein paar Mal bremsen, um mich ans Tempolimit zu halten.

Impressionen von Gesprächen unterwegs: Ein Schwede hat Magenprobleme und sieht gar nicht gut aus. Ein Deutscher mit High-Racer (Liegevelo mit 2×28″ Rad) merkt den teilweise bremsenden Belag auch.

Die Entgegenkommenden sind keine PBP-Teilnehmer. Solche Gruppen begegnen uns auf der Strecke öfters.

In Loudéac (CP4) gibt es einen etwas teuren und pampigen Teller Pasta zum Zmittag. Trotzdem werde ich auf der Rückfahrt hier wieder Rast machen. Der Herr, der sich zu mir an den freigewordenen Platz setzt, ist nicht etwa Velofahrer. Er stammt aus dem Nachbardorf, wohnt schon lange ganz woanders und kommt alle vier Jahre hierher, um die Stimmung zu geniessen. Velofahren? Nein, nicht mal zum Beck.

Habe ich schon mal erwähnt, dass die Strecke alles andere als flach ist? Habe ich auch schon erwähnt, dass die potentielle Energie im Gegensatz zu Audax-Suisse-Strecken in immerhin gut der Hälfte der Abfahrten nicht weggebremst werden muss? Solche „rolling hills“ machen richtig Spass! Das kleine Kettenblatt kommt nur ganz selten zur Verwendung: Auf dem ganzen Brevet zwei Mal.

Merci fürs Gespräch dem Schweizer, welcher mich in der Steigung einholt. Seinen Namen erfahre ich später, als ich 1+1 zusammenzählend beim Auto mit Schweizerfahne nachfrage: Ja, sie sind die Supportcrew des Lausanners mit Startnummer B. Er heisst O.

Die Geheimkontrolle der Hinfahrt erwartet uns in Saint-Nicolas-du-Pélem. Nicht verfehlbar. Auf dem Rückweg wird die Geheimkontrolle ganz unspektakulär wieder hier sein. M berichtet, er fände keine anständig grosse Gruppe, sei mit einem Russen unterwegs, der gerade keine Kraft mehr habe. Es bestätigt, was mir schon länger auffällt: Die meisten Randonneure sind alleine unterwegs, mehr als vier in einer Gruppe sehe ich nur einmal: Die 15er Gruppe wendet gerade weil sie einen Abzweiger verpasst haben. Plötzlich überhole ich also auch bergauf.

Auf dem höchsten Punkt weht uns ein kalter Wind entgegen.

Sightseeing in Sizun
Über die Velobrücke von Brest!
Blick zum Atlantik. Halbzeit!

Gerade als ich in die Kontrolle von Brest einbiege, kommt mir I entgegen. Die Pasta essend werfe ich einen kritischen Blick auf die Uhr: Ja, es sollte noch gerade so bei Tageslicht nach Carhaix zurück reichen, um dort die Nacht durchzuschlafen.

Abendstimmung auf dem Rückweg.
Abendstimmung bei der zweiten Bezwingung des Roc’h Trevezel, dem höchsten Punkt des Brevets.

Wie gewünscht kann ich die Abfahrt noch vor Sonnenuntergang bewältigen.

Carhaix erreiche ich bei fortgeschrittener Dämmerung. Der Plan: Dusche, essen, schlafen. Nur sind dusche und schlafen am gleichen Ort und doch etwas entfernt. Egal. Beim Duschen buche ich auch gleich das Bett, was sich so was von gelohnt hat, denn als ich vom Essen zurückkomme, hat es eine grosse Menschenschlange (Platz hat es genug, der Flaschenhals ist beim Check In). Von diesen Schlafsäälen habe ich schon gelesen, das Erlebnis ist trotzdem einzigartig: Eine ganze Turnhalle voll(!) mit Feldbetten, stockdunkel, müffelnd, schnarchend, … Zum Glück habe ich den Schlafsack dabei, denn selbst in diesem ist es nicht warm. Die Temperatur könnte auch der Grund sein, weshalb die Halle beim Aufstehen um 0640, nach 8h Schlaf, fast leer zu sein scheint.

Als ich den Veloparkplatz betrete, liegt B abfahrbereit in seinem Milan (Velomobil-Modell). Er wartet ein paar Minuten auf mich. Die restlichen 540 km und 1.5 Tage werden wir zusammen fahren. Danke!!

Um 0700 ist es frisch. Selbst im Wäschpi mit geschlossenem Belüftungsrohr.

Morgenstimmung. Das Wasser auf dem Velo ist nicht Regen, sondern Tau.
Mit B unterwegs. Visier oben, weil komplett beschlagen.
Ich darf auch mal zurückfotografieren.

Im Aufstieg hinauf nach Bécherel treffe ich einen Inder, der noch in der Gegenrichtung unterwegs und somit schon aus dem Zeitfenster ist. Er weiss nicht, ob es besser ist, nach vor oder zurückzufahren. Er sei regelrecht erfroren in der Nacht, das habe er einfach nicht erwartet.

Wenig später möchte ich kurz auf B warten und wähle dafür den Ort, wo jemand für die Teilnehmer gerade Handorgel spielt. Die geplanten 10 Sekunden werden zu wahrscheinlich zwei Minuten, weil sich gleich alle in der Nähe stehenden mit Fragen und Glückwünschen zum Wäschpi stürzen. Ja, ich scheine auch bretonisch zu verstehen, zumindest ein bisschen.

Wiederum in Loudéac gibt es je eine grosse Portion Pasta.

Impression aus Loudéac und kurzes Wort zum Support. Es gibt drei Varianten von Support: 1. kein Support (so wie ich), 2. Gruppensupport (eine Tasche in Loudéac bei 1/3 und 2/3 der Strecke wie das abgebildete Lager der Japaner), 3. Support: Ein Begleitfahrzeug, welches in den Orten der Kontrollen (nur dort) angefahren werden darf. Die 1200km müssen trotzdem noch selbst gefahren werden und durch den Support können die Kontrollen etwas entlastet werden. Den grössten Support leisten sowieso die abertausenden Einheimischen am Strassenrand, welche nicht nur akustisch und künstlerisch, sondern uns bei Bedarf auch mit Wasser/Crêpes/etc versorgen und selbst das Velofest geniessen. Ihnen applaudiere ich auch stets, wenn es irgendwie möglich ist, sprich keine Kurve da ist, welche kein freihänigfahren erlaubt.
Der Milan ist etwas aerodynamischer als das Wäschpi – über die seltenen Ebenen fliegen beide.

In Fougères treffe ich R, welcher wie an jeder Kontrolle einen grossen Teller Pasta verschlingt.

Auf dem für heute letzten Abschnitt nach Villaines-la-Juhel überholen wir ein paar Zombie-Fahrer, deren Fahrstil auf einer öffentlichen Strasse nichts zu suchen hat. Ein Tandem mit zwei Franzosen sehen wir immer wieder. Auch sie sind bergab und in der Ebene schneller als Rennvelofahrer. Und bergauf schneller als wir.

Während einer Mini-Pause werden uns Crêpes ins Velo gereicht. In Lassay-les-Châteaux machen wir bei einem alleine am Strassenrand stehenden Jungen Pause. B füllt seine Wasserflasche und bricht sich beim Aussteigen den linken Spiegel ab, welchen er am Folgemorgen mit einer von irgendwo sonst abmontierten Schraube wieder fixiert. Hinzukommende Nachbarn haben mich vorletzte Nacht schon vorbeifahren sehen, was eine ungefähre Vorstellung davon gibt, wie viel Zeit SIE für den Event aufwenden.

Abendstimmung
Stimmung am Abend
Abendstimmung

Wenig vor Sonnenuntergang erreichen wir die Partystadt Villaines. Stempeln, umparkieren. Im Festbetrieb drängen sich uns persönliche Guides, Schulkinder*, auf, welche dafür sorgen, dass wir keine Umwege gehen und nicht anstehen müssen. Sie tragen uns auch das Tablar. Zum Znacht gibt es auch zwei Paris-Brest. Die Duschen sind angenehmer als in Carhaix, geschlafen wird in einem Schulzimmer* auf einer harten Matte. Meine wäre weicher gewesen. Zum Glück habe ich einen Gehörschutz dabei. Wieder 8h Schlaf.
*die Schule beginnt in zwei Wochen wieder

Wieder starten wir bei Sonnenaufgang in den kalt beginnenden Tag des Brevets, den Letzten. Auf den ersten Metern überholen wir P, welcher sich bei seiner dritten(?) Teilnahme diesmal zweimal ein günstiges Hotel gegönnt hat.

Eigentlich seit Sonntagabend, jetzt ist es aber am offensichtlichsten: Wir sind permanent andere Fahrer am überholen und werden selbst kaum überholt. Etwas Schlaf scheint uns gut zu tun.

Als wir in Mortagne ankommen, werden die beiden Velos gleich von der Gruppe Paris-Brest-Paris des Jeunes in Beschlag genommen. Boah, ein Carbonsitz tönt es von der einen, lasst sie doch ein bisschen atmen von der anderen Seite. Wir treffen P (am Montagmorgen gestartet) und R.

Die letzten 100km ist es schön flach und wir lassen wir es richtig laufen…
…Gefühlt mit 35er Nettogeschwindigkeit.

In Dreux erzählt ein Töfffahrer, wie er gestern die Spitze von hier zum Ziel geleitet habe. Das muss ganz schön abgegangen sein.


C wartet(?) kurz vor dem Ziel und rollt mit mir nochmals zum Bogen statt sich schlafen zu legen. Merci!

Brevetkarte Hinweg
Brevetkarte Rückweg

Direkt nach dem letzten Stempel gibt es das Finisheressen.

Verabschiedung von B. Hat Spass gemacht mit dir!

R und P kommen auch gerade ins Ziel. Gratulation.

Im Schlafsaal (Steckdose…) gleich neben der Zieleinfahrt plane ich die Weiterfahrt (morgen?), als durch die dünnen Glasscheiben ein bekanntes Rumpeln dringt. Gratulation an H!

Eines der wenigen Betten einem der übernächtigten Ankömmlingen wegnehmen möchte ich nicht. Das nächste direkt find- und buchbare Hotel ist gute 50km enfernt. Um noch deutlich im Hellen anzukommen, muss ich leider bald los. Den vor 1200km hier deponierten Sack vergesse ich nicht – bin mental also noch einigermassen OK.

Beim Auto mit GB-Kennzeichen und orangem Velomobil daneben, erlaube ich mir, I zu wecken, was ihn sichtlich freut. Congrats to you too!

Beim Ausgang des Parks biege ich rechts ab. Nach Hause.


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Nachtrag vom Januar 2020: Homologation

Paris-Brest-Paris 2019, Strategie

Ziele für PBP 2019

  • 🔆unfallfrei
  • 🔆Sorge zum eigenen Körper tragen
    • 🔆essen, 🔆trinken
    • 🔆Schlafen. Wunschszenario: In der ersten Nacht 1-2h🔆, danach je Nacht 6-8h🔆.
    • 🔆Knie schonen
    • 🔆Fusssohlen ab und zu entlasten
    • 🔆Sonnencrème
  • 🔆defektfrei
  • 🔆1218 km
  • 🔆weniger als 90 Stunden
  • 🚫Verkehrsregeln beachten. 🚫Alle.
  • 🚫keinen Abzweiger verpassen.
  • 🔆Quatschen mit zahlreichen der 7000 Teilnehmer aus ca. 70 Ländern. 🔆Und ein paar der lokalen Fans.
  • 🔆Nie das Lächeln verlieren. Auch nicht an der 🔆100. Steigung oder dem schon wieder 🔆bremsenden Belag.
  • 🔆Paris-Brest essen.
  • 🔆…und danach noch fit genug sein, um bis Sonntagabend zurückfahren zu können.