Hegau+ Brevet 2017

Freitagabend, Bahnhof Schaffhausen. Per SMS schreibe ich „wird trocken bleiben“, was sich 20 Minuten später, als F ankommt, natürlich als falsch herausstellt. Wir rollen gemütlich nach Ramsen, wo sich die komplette „Liegefraktion“ zum Znacht trifft.

Im Geräteraum der Turnhalle hätte der Schlaf besser sein können.

Im ersten Block etwas nach 0700 starten geschätzte 15-20 Randonneure: F mit einem Stickbike, U mit einem Velomobil, jemand mit einem Moulton, ich mit Semitieflieger und der Rest mit Renn- oder Zeitfahrrädern.

Kurz nach dem Start zieht U an uns vorbei – um sich auf der bald folgenden ersten Naturbelagsstrecke gleich wieder überholen zu lassen.

Bis zur ersten Kontrolle nach 30 km fahre ich gemütlich im Windschatten der ersten Gruppe – es sollten die einzigen Windschattenmeter der Tour bleiben – während F sein Renn-Gen entdeckt und sich vorne jagen lässt.

Die Antwort der Kontrollfrage merke ich mir im Vorbeifahren und notiere sie später während der Fahrt. Das wird auch bei einigen noch folgenden Kontrollfragen funktionieren.

Einen mir bekannten Abschnitt umfahre ich – 5.5km Asphalt und Beton statt 4 km Naturbelag.

Alleine düse ich bis zum Checkpoint 2 am um die Tageszeit noch nicht ganz so touristenhotspottigen Rheinfall. Dort hole ich dank Ortskenntnissen gerade U ein.
Die Organisatoren drücken uns einen Stempel in die Karte und schiessen von jedem Teilnehmer ein Foto, welches mir noch während ich nach meiner Zielankunft dusche zugestellt werden wird. Tolle Organisation!
Im kleinsten Gang gehtfährt es sich weiter. Kaum ist es etwas flacher überholt mich U mit einem Affenzahn (ich fahre bei 1% Gefälle schon 40km/h) und gibt dabei noch nicht einmal Windschatten…

Den Aufstieg auf den Hallauerberg fahren wir gemeinsam. Schön, mal mit jemanden auf gleicher Kopfhöhe zu plaudern. Das wird sich hoffentlich noch ein paar Mal wiederholen.

Blick vom gleichen Ort wie oben nach links.

Das in Schleitheim vom Brunnen gefasste Wasser erweist sich als besser nicht trinken. So schiebe ich durstig die vom Organisator nicht zu Unrecht Sausiech genannte Steigung hoch und besorge mir in Blumberg erstmal Trinkwasser. Die Schlange an der Supermarktkasse ist laaang und somit weiss ich nicht, wer mich in der Zeit überholt hat…
Im Ziel erfahre ich, dass es F ganz in der Nähe noch blöder ging: Verfahren und zwei Platten inkl. anschliessender Reifensuche in Tuttlingen. Da ich stets annehme, er befinde sich ein gutes Stück vor mir, fahre ich immer zügig weiter.

Auf der Landstrasse umfahre ich ein weiteres Stück Schotter. Kaum vorhandener Verkehr, perfekter Belag, leichtes Gefälle in Kombination mit Rückenwind – was will ein Randonneur mehr?


Kaum zurück auf dem Track geht das Gehoppel wieder los. Dafür verläuft der Track schön verkehrsarm wie hier kurz vor Hausen.

Auf der Donauroute (Bach/Fluss/Strom im Bild 😉 ) mache ich diesmal und anders als die mit Packtaschen keinen Stopp bei der Donauversickerung, welche sich etwas weiter oben befindet…

…Dafür bei einer Tankstelle. Ruhe vor dem Sturm, welcher einerseits vom Organisator angekündigt wurde (ab Km 140 wird es kräftezehrend) und sich andererseits in Form von dunklen Gewitterwolken am Himmel zeigt. Einige später kommende werden es nicht trocken bis hierher geschafft haben.

Erstaunlicherweise werde ich nur wenig nass und noch erstaunlicher holen mich die beim Checkpoint von mir eingeholten Rennradler nicht ein. Auch später werde ich einmal nur wenig nass und erfahre, dass nachfolgende Fahrer teils mehrere richtige Duschen und einen Hagelschauer abbekommen haben.

Die Streckenführung ist schön. Und schön fordernd!

Auch hier notiere ich hof als die Antwort auf die Kontrollfrage während der Bergauffahrt.
Kurz vor Ludwigshafen geht es erneut auf Naturbelag bergan. Im Ziel wird über genau den Abschnitt schön geflucht werden – ich fand es eigentlich ganz OK im Gegensatz zu dem noch Kommenden, von dem ich jetzt noch nichts ahne.

Die Serpentinenabfahrt runter nach Ludwigshafen ist geil zu fahren. Erstaunlich, welche Kurvenbeschleunigung die Haftreibung der neuen Reifen zulässt 😉

Checkpoint 7 ist bei einem bei mir willkommenen Supermarkt.

Die Bodenseeveloroute bis Konstanz ist definitiv nicht mein Favorit: gefährliche oder nicht flüssig fahrbare Radwege, Unmengen von unkonzentriertem Un- oder (noch schlimmer) elektromotorisiertem Verkehr und eine Töff-Raserstrecke während eines Aufstiegs. Ganz zu schweigen von der oben bereits erwähnten Holperstpiste. Immerhin trocken.

Von Tägerwilen auf den Seerücken, oben mit Aussicht flach dahin, hinten wieder runter und gemütlich flach ins Ziel – soweit meine Vorstellung… Flach ist es auf dem Seerücken eigentlich nie, die Nachmittagssonne blendet und zudem weht ein leichter Westwind. Immerhin Verhältnisse, die mich etwa gleich schnell vorankommen lassen wie die zwei gelegentlich im Rückspiegel auftauchenden Rennradler.

Die Abfahrt kommt dann nach Kalchrain doch noch. Und unten geht plötzlich gar nichts mehr. Es bahnt sich ein Hungerrast an und ich brauche dringend eine Pause. Zusammen mit den beiden vorhin schon oft Gesehenen fahre ich noch durch Stein am Rhein. Dann lege ich mich beim ersten Brunnen 10 Minuten kauend ins Gras – 10km vor dem Ziel. 10 Minuten nach den beiden bin ich in Buch SH und es ist wenige Minuten (oder waren es Sekunden?) vor 19:00. Das Ziel „ankommen bei Tageslicht“ habe ich gut erreicht bei einer Bruttozeit von 12 Stunden (Netto weiss ich wegen defekter Aufzeichnung nicht).
Aber wo ist F, den ich stets vor mir gewähnt habe? Ein Blick aufs Handy: Verfahren und 2x Platten bei Km 133 mit anschliessender Reifensuche in Tuttlingen. U hat seinen Umwerfer neu anbringen müssen. Nur 1 von 3 Liegern ist also problemlos durchgekommen – Kettenöl aufbringen zählt für mich nicht als Problem 😀 .

Geduscht warte ich mich kulinarisch verwöhnen lassend auf weitere Ankömmlinge. Um 2230 falle ich wiederum im Geräteraum der Turnhalle diesmal in einen tiefen Schlaf.

Die knapp 20km am Sonntagmorgen nach Schaffhausen rolle ich gaaanz gemütlich. Highlight ist ein sich nicht von mir störend lassender Biber im Bach zwischen Buch und Ramsen.

Bölchen Brevet 2017

Nach immerhin 6 Stunden Schlaf, einer kurzen Fahrt durch das frühmorgendliche Freiburg und zwei leergegessenen Tellern neben U. geht es los auf die gut 300 km lange Runde durch Schwarzwald, Jura und Rheinebene.

Mein erster Stopp nach gerade einmal 3 km:

Der zukünftige Lenker wird die restlichen 300km im Gepäck mitfahren. Danke für den unkomplizierten Service an das Radgeschäft!
Aussicht während des Aufstiegs zum Haldenhof.
Fast gleicher Ort, Blick etwas weiter links.

Im Gegensatz zum 200er sind viele Randonneure auf der Strecke und einige der Aufstiege werden dadurch schön kurzweilig.

In der Abfahrt fahre ich wieder auf eine Gruppe Randonneure auf, wo ich versuche, etwas vom mir zuvor gespendeten Windschatten zurückzugeben:

„Nennenswerter Windschatten?“ – „Nicht wirklich.“

In Bad Säckingen findet gerade ein Mittelalterfest statt.

Zwischen Münchwilen und Eiken

Zwischen Eiken und Souboz ist mir die Strecke bekannt, teilweise bestens bekannt.

Aufstieg zum Chilchzimmersattel. Die 15% der Warntafel werden schon korrekt sein…
Aufstieg zum Chilchzimmersattel. Letztes Mal (spätabens bei Vollmond) ging es da einfacher hoch.

Danke an das Team vom Restaurant Oberbölchen für die Pastaparty!

Statt die nächste Gruppe abzuwarten, fahre ich im Thal alleine gegen den Wind und werde erwartungsgemäss bei der nächsten 120-Hm-Bodenwelle eingeholt. Nur, um in der nächsten Abfahrt in der ersten Kurve wieder allen davonzurollen. Irgendwie nervt der unterschiedliche Rhythmus gerade…

… dafür erbarmt sich M. den letzten steilen Anstieg hoch nach Souboz teilweise in meinem Tempo zu fahren und etwas zu plaudern. Wir werden das später noch wiederholen 🙂

In Souboz warten bis zu fünf Randonneure am ersten Brunnen. Wenn wir nur gewusst hätten, dass in dem Ort gleich viele Brunnen wie Randonneure vorhanden sind!

Die durchfahrene Gorges de Pichoux überraschen mich: Von dieser Schlucht wusste ich zuvor nichts – obwohl sie durchaus auf einer Tagesetappe von zu Hause aus erreichbar wäre.

Etwas nach der spekakulären aber nicht fotogenen Schlucht bei Undervelier.

Veloroute 23
Der (hoffentlich) letzte Anstieg bietet auch etwas Aussicht auf die gar nicht so dunklen Wolken.

Den letzten Anstieg gehe ich ganz gemütlich an. Auf die Gruppe werde ich in der Abfahrt schon wieder aufrollen…

Für den gespendeten Windschatten versuche ich mich auf der langweiligen Strecke zwischen Kembs und Fessenheim zu revanchieren: Der zweite der Gruppe löst jeweils ab 😉 . Auf die spätere Frage, ob es etwas gebracht hat: „Man merkt es schon ein wenig – das Grundtempo ist höher“. Es wäre also möglicherweise doch asozial gewesen, „mein“ 10% höheres Tempo zu fahren.

Rheinbrücke bei Fessenheim

Nach der letzten Kontrolle powere ich mich noch etwas aus und geniesse es, durch den dunklen Gegenwind zu schiessen – der prognostizierte leichte Regen ist kaum spürbar und auf der Fahrbahn nicht sichtbar (also nicht vorhanden).

Um 21:45 treffe ich gleichzeitig mit E. und P., welche auf den letzten 10km einen anderen Weg gewählt haben, am Ziel ein.

Eine Portion Maultaschen und ein (oder so..) Bier landen noch im Magen, bevor ich dick eingepackt die drei Km wieder entlang der Dreisam zu Dusche und Bett rolle.

Wie viele Brevets oder Radreisen wurden schon mit Ersatzlenker im Gepäck gefahren?

Breisgau Brevet 2017

Den arbeitsfreien Freitagnachmittag für eine Anfahrt von Basel nach Freiburg zu nutzen, stellt sich als gute Entscheidung heraus: Auf dem letzten Viertel des Bölchen-Brevets (in ein paar Wochen…) rollt es gut mit Rückenwind rheinabwärts. Hoffentlich dreht der Wind bis morgen…

Rheinbrücke Fessenheim

Während der morgendlichen Anfahrt spüre ich das eine Bier zuviel und die eine Stunde Schlaf zu wenig doch ein bisschen. Die Müdigkeit ist nach sieben Km weg, als mich M. vor dem Eingang des Augustiners begrüsst und ich mich kurz darauf mit Leckereien auf dem Teller zu E. und P. setze.

In P.’s Windschatten geht es etwas nach acht recht flott nach Osten talaufwärts. Der wolkenverhangene Himmel verhindert, von der Sonne geblendet zu werden. Am Fusse der ersten Steigung sage ich tschüss und erwarte nicht, die Beiden wiederzusehen – an jeder Kontrolle werde ich vor ihrer Abfahrt ankommen und trotzdem waren das die einzigen gemeinsamen Km.

In St.Märgen schiesst P. dieses Foto von mir.

Während der Hexenloch-Abfahrt folge ich als wohl einer der Wenigsten der Umweg-Empfehlung der Organisatoren und stoppe kurz an der beschaulichen Mühle.

Hexenlochmühle

Auf der folgenden Abfahrt wird mir (und einigen anderen) wieder einmal bewusst, was der aerodynamischce Unterschied zwischcen Rennvelo+Aeroposition und Tieflieger+Cruisinghaltung(*) ist.

Aus der Bäckerei (Kontrollstelle) findet ein leckeres Stück Linzertorte den Weg in meinen Magen, gefolgt von einem Brötchen to go.

17% zeigt das Schild am rechten Strassenrand an und kurz darauf gehe ich hinter dem Velo her den Berg hoch (=schieben). Der Geschwindigkeitsunterschied zu den pedalenden anderen Randonneuren ist so gering, dass ich sie schon in der nächsten kurzen Abfahrt wieder eingeholt haben werde (Aerodynamik…).

Soeben wurde ich abgehängt… (kurz vorher)
…und werde eingeholt.

Bald werden wir in einer siebenköpfigen Gruppe unterwegs sein.

Als es sich abzeichnet, dass die (vorerst) letzte Kuppe hinter uns liegt, versuche ich, mich vorne einzureihen und etwas Tempo zu machen, was gar nicht so einfach ist, wie ich es mir vorgestellt habe: Entweder bin ich zu schnell oder zu langsam, was aber nicht unbedingt mit der Tretleistung korreliert: Das Fahren in der Gruppe ist gar nicht so einfach mit einem so unterschiedlichen Velo.

Bei Kontrolle 2 in Wyhl fülle ich wieder die Vorräte auf und wechsle definitiv die wärmenden Kleiderschichten mit Sonnencrème aus.

Der Wind hat nicht gedreht und Mitfahrer sehe ich auf dem flachen Gegenwindstück nur zwei (am Strassenrand austretend), unterbrochen durch eine schöne Strecke durch den frühlingshaften Kaiserstuhl:

Kaiserstuhl

*Dieses Bild wurde mir später zugespielt: Linke Hand auf rechter Schulter = bequeme aerodynamische Position. Der Rennradler in der Bildmitte spendet mir noch ein paar Meter Windschatten, bevor er abbiegt.

Die letzten Km (bergauf) nach Kandern gibt es wieder einmal Gesellschaft. P.’s Tempo sei auch im Windschatten zu heftig gewesen.
Die letzte Kontrolle wird von mir für eine längere Pause genutzt – schliesslich ist noch viiiel Zeit und ein paar Elektrolyte werden für die kommenden Höhenmeter auch nicht schaden.

Tatsächlich geht es auf den restlichen 40 Km viel bergauf und bergab, wobei die Aussicht nach Links oftmals so atemberaubend ist, dass etwas langsamer fahren auch voll OK ist:

Aussicht auf den letzten 40 Km
Blumen am Wegrand

Irgendwann um 1700 gibt es im Ziel ein grosses Bier, eine Portion Pommes und im Hintergrund das Rauschen einer Fussballliveübertragung. Freiburg wird verlieren – alle hier Sitzenden haben bereits gewonnen.

Ich freue mich auf den 300er in drei Wochen.

Brig-Genf

Um ca. 5 Uhr morgens wage ich mich vor die Haustür. Die erste ÖV-Verbindung nach Brig fährt um 0504 – leider direkt vor meiner Nase und ohne mich. Es handelt sich um einen Regionalzug mit anschliessendem halbstündigem Aufenthalt in Bern: Kurzentschlossen fahre ich die 25km gleich mit dem Velo bei -2°C und erreiche planmässig den ersten IC von Bern nach Brig.

Die geplante Route führt von Brig möglichst auf motorfahrzeugfreiem Asphalt an den Genfersee und im Gegenuhrzeigersinn darum herum.

Auf den ersten Metern sinkt die Tacho-Temperatur von wohliger Zugabteil-Wärme bis -6°C. Der trockene Fahrbahnbelag täuscht und in einer etwas zackig gefahrenen Kurve rutscht das Velo… Ausser ein paar Schrammen an Haut und Velo nichts passiert.

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Erste Sonnenstrahlen auf den Bergspitzen
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Kurze Pause über der Rhone

Mal schneller, mal langsamer. Mal auf kleinen Strässchen, (ein)mal auf der Kantonsstrasse fährt es sich auf dem gut recherchierten Track stets leicht bergab.

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Noch immer ist es schattig und rundherum gefroren
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Auf der sonnigen Rhoneveloroute sind nun auch vereinzelt andere unterwegs.
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An das Verbot halte ich mich. Ob es nötig war, bezweifle ich.
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Im Genfersee-Mündungsbereich ist die Rhone-Veloroute…
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…teilweise eher ein Wanderweg.

Es geht vorbei am Schloss Chillon, durch Montreux und Vevey. Kurz hinter St. Saphorin biege ich rechts ab und schalte gleich in den ersten Gang. Die Steigung hoch bis fast nach Bellevue schiebe ich teilweise 😉

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Ein kurzer Stop beim olympischen Museum

Mehrheitlich auf der Hauptstrasse fahre ich weiter nach Nyon. Dort beschliesse ich, dass es wohl besser ist, die Umrundung nicht abzuschliessen und nur nach Genf zu fahren – somit bin ich hauptsächlich bei Tageslicht unterwegs gewesen.

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Liegevelofreundliche Velohaken auf der GoldenPass-Linie 🙂

2016: 600er Alpenluft+

So ein klein wenig nervös bin ich schon auf mein erstes Brevet, zu dem der Veranstalter schreibt, es sei nicht [für] die breite Masse an Athleten sondern nur [für] die Härtesten. Respekteinflössende Orte liegen auf der Route: Alpenrheintal (Regen oder Gegenwind), Rheinschlucht/Versam, Oberalppass, Furkapass, Grimselpass, Brünigpass und Stadtdurchfahrten in Bregenz, Chur, Luzern, Zug, Zürich und Schaffhausen.

Das Wetter spielt verrückt und ich bin sehr dankbar, dass es einen neuen alternativen Starttermin 12h später gibt: Kein Dauerregen und nur eine Nachtfahrt.
Beim Briefing werden folgende wetterbedingte Sperrungen bekanntgegeben (es werden dann noch einige hinzukommen):

  • Rheindamm im Mündungsbereich (Bregenz) („sucht euch euren eigenen Weg“). Wegen Hochwasser.
  • Furkapass („fahrt statt Furka/Grimsel via Sustenpass“). Wegen Neuschnee.

Nach den zwei Unerschrockenen, welche am Vorabend gut gelaunt in den Regen gestartet sind, machen wir uns zu elft auf den Weg. Ich reihe mich am Ende der 5er-Spitzengruppe ein, wo es auf den aufgeweichten Naturbelagstrecken auch eine Schlammpackung in Raten gibt.

Ob der bewölkte Himmel dafür verantwortlich ist, dass der Bodenseeradweg mir ungewohnt leer erscheint? Leider gibt es auf einer nassen Holzbrücke auch einen Sturz (Aufgabegrund).

Den mir als „Nadelöhr“ bekannten Streckenabschnitt bei Bregenz befahre ich nur noch mit P. – die anderen drei haben sich bereits hier für die Hauptstrasse entschieden.
Auf der Rheinbrücke herrscht Verkehrschaos. Ob die vor ein paar Minuten durchgekommene Tour de Suisse oder die Hochwasserschaulustigen schuld daran sind?

Sonne und Südwind prägen die Fahrt durchs Rheintal.

P. verliere ich aus den Augen und werde dafür vor einer geschlossenen Bahnschranke von „den zwei Schnellen“ eingeholt.

Auf der Checkpoint-Autobahnraststätte gibts Kalorien, kitschige „Heidi“-Stimmung und den für die Gesichtswäsche langersehnten Brunnen. Habe bereits jetzt Sonnenbrand.

In Chur ein erster Regenguss.

Bei Reichenau sage ich den zwei Begleitern tschüss und erwarte nicht, sie wiederzusehen. Ich sollte mich irren.

Während des Aufstiegs überholt mich B., welcher für die ersten 200km statt Windschatten kurze Pausenzeiten gewählt hat.

Die Abfahrt nach Ilanz/Glion ist richtig geil: Das Velo bekommt artgerechten Auslauf und unten habe ich B. wieder eingeholt 😉 . Der Gemeinde Trun bin ich für den Trinkwasserbrunnen dankbar und wünsche B. eine gute Weiterfahrt.

In der schönen Gebirgs-Abendstimmung geht es für mich gemächlich bergauf – die letzten Km im ersten Gang… Oben wartet die „Geheim“kontrolle (schwarzer Van im Hintergrund des Beitragsbilds).

Was sich wie ein paar Minuten anfühlt, ist (wie ich später aus der Aufzeichnung entnehme) eine gute halbe Stunde: Pause.
Mit Essen und Heissgetränk im Magen stürze ich mich hinter M., welcher sich zur Aufgabe entschieden hat, in fortschreitender Dunkelheit durch die Grossbaustelle die Schöllenenschlucht hinab.
Im Tunnellicht der Sustenstrasse entledige ich mich einiger Kleiderschichten und werde von P., welcher sich auf dem Oberalp ein richtiges Mahl gegönnt hat, überholt.
Sein Licht sehe ich häufig vor mir. Auch, nachdem der Regen eingesetzt hat und ich wieder mehr Kleider anhabe.
Dank Schneefeldern kann ich häufig den Abstand messen und stelle „konstante 8 Minuten“ fest.
Der Regen wird „unflüssiger“, auf den Leitplanken liegt 1cm Neuschnee und mein Thermometer zeigt oben im vom Wind durchblasenen Tunnel 2°C an. Auf dem Dach der Tour gibt es nicht einmal ein (dunkel-verwackeltes) Foto – zu kalt/nass…
Am Tunnelende wartet tatsächlich P. Ich bin glücklich, die Abfahrt nicht alleine und an zweiter Position bestreiten zu dürfen.
In Innertkirchen hat der Regen aufgehört und wir sind wieder auf der vom Grimsel kommenden Originalroute.

Wie vereinbart, melden wir uns beim umsorgenden Organisator („heil über den Susten“) und erfahren von weiteren Erdrutschen. Bei Kastanienbaum durchkommen OK, bei Gersau nicht: wir sollen tatsächlich 30 km abkürzen.
Doch das ist noch weit weg und im Moment (0300) haben wir andere Sorgen: Sekundenschlaf ereilt uns beide und trotz verkehrsfreier und häufig trockener Strasse ist keine sichere Weiterfahrt möglich.
In Sarnen gibt es Kalorien und trockene Socken/Shirt für mich und ein paar Minuten dösen für P.

Beim Bäcker im Bahnhof Luzern treffen kaum unterschiedlicher mögliche Übernächtigte aufeinander.

Die ersten Sonnenstrahlen treffen die Spitze des Pilatus, als wir dem See entlang aus der schlafenden Stadt rollen…
…und in Küssnacht wegen Erdrutsch direkt statt via Lauerzersee Kurs auf Arth nehmen. So ruhig dürfte die Strasse meinetwegen immer sein.

Mit (nur?) gefühltem Rückenwind rollen wir zwischen Sihl und vernebeltem Sihlwald durch die herrliche Morgenstimmung.

Auf die (fast) perfekte Navigation durch Zürich bin ich ein bisschen stolz.

Entlang der Glatt erwarten uns wieder einige Naturbelagstrecken und Streckensperrungen wegen Hochwasser. Und an der Mündung der Hammer: Die Passage über das Wehr ist ebenfalls gesperrt und der nächste Checkpoint liegt genau auf der anderen Rheinseite – „elegant“ umfahren geht nicht.
Die Anweisung vom Organisator ist klar: Checkpoint via Eglisau anfahren.
Auch wenn der Umweg hier kürzer als die Abkürzung am Vierwaldstättersee ist, schlägt uns das „gleicher Weg zurück“ auf die Stimmung. Noch 50km – Luftline 30. Immerhin mit Sonne und Rückenwind 🙂

Ein paar Hochwasserumleitungen später sind wir am Ziel, nicht ohne auch nochmals kurz zu furten.

Aufzeichnung

Mit hochroter Haut freue ich mich leckere Linsensuppe schlürfend, die Prüfung ohne Zeitdruck (über 11h Reserve!) gemeistert zu haben.
Als wäre all das noch nicht genug, wird während ich dusche mein Velo vom Organisator gewaschen.

Nach 4h Schlaf bin ich in der Lage, die paar Km zum nächsten(!) Bahnhof zu fahren. Dabei verfahre ich mich weiter, als auf der gesamten vorangegangenen Tour…

Von den 2+11 Startern haben es leider nur 1+5 ins Ziel geschafft, erstaunlicherweise dennoch in zwei Zweiergruppen, wobei kein Startteam komplett gefinisht hat.

British Columbia (CAN)

Die Fähre erreicht Sidney pünktlich.
Die Einreiseformalitäten dauern nicht lange. Hauptsächlich, weil die Velofahrer an der Fahrzeugimmigration zuerst drankommen.
Es bleiben mir also knapp 2h um die ca. 10mi15km zur nächsten Fähre zurückzulegen und auf dem Weg Bargeld zu besorgen – ist Voraussetzung für die Fähre.

Maestro wird vom ersten Automaten akzeptiert 🙂

Es sind viele Velofahrer unterwegs und natürlich kann ich es nicht lassen, ein paar Gümmeler zu überholen 😉

Der Fährmann hat 1974 an der Asphaltierung einer Teilstrecke zwischen Alice Springs und Uluru mitgearbeitet.

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Die Überfahrt ist warm, weil der Rückenwind den Fahrtwind aufhebt.

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Dieser Südwind schiebt mich auch danach förmlich über die Kuppen fast immer irgendwie <em>nicht auf dem Hwy 1 aber in die gleiche Richtung</em>.

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Die Sonne scheint und ich geniesse die Fahrt statt Ausschau nach guten Fotosujets zu halten.

Hier im von vielen Amis als (übertrieben gesagt) Eiswüste oder Barbarenland angesehenen Kanada mache ich mich in Shorts und Flipflops auf die Suche nach einem feierlichen Mahl.


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Zur Fähre ist es nicht weit. Morgenstimmung auf Vancouver Island.

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Der Besitzer des "Autos" nebenan auf der Fähre ist Holzfäller und hat ein paar verrückte Geschichten zu erzählen. Z.B. die des 1.4-Millionen-Dollar-Baumstamms, welchen sie letzten Herbst gefällt haben.

Paul erwartet mich wie vereinbart. Nicht nur, dass die letzten Km der Velotour begleitet stattfinden: Es gibt eine regelrechte Velostadtrundfahrt. Später stelle ich fest, dass wir während der ca. 60 km die Mehrheit der Tripadvisor-Top-30-Sightseeingspots besucht haben:

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Vancouver

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Stanley Park
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Lions Gate Bridge
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False Creek

Und pünktlich vor Beginn des Nieselregens sind wir zu Hause, ähm am Ende der Velotour.

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Stadtrundgang am Nachmittag inkl. Touriprogramm ("Fly Over Canada").

Znacht. Yummi!

Skype. 😀


Das Velo zu verpacken, dauert fast den ganzen Vormittag.

Skype 🙂 , kubanisch Zmitttag, ergebnisloser Innenstadtnachmittag, kanadisches Znacht 😀 .

Dear Lori and Paul
Thank you for everything!!

Rückflug.